Frau schaut sich die Corona-Warn-App Radar Covid auf dem Tablet an, Kind mit Maske schaut besorgt drein
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Mithilfe der Corona-Warn-App Radar Covid will Spanien die Ausbreitung des Coronavirus verfolgen und unterbinden.jpg

Rollout der Corona-App in Spanien

Radar Covid: Spanische Corona-Warn-App fürs Smartphone

  • vonDaniela Schlicht
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Radar Covid heisst die Corona-Warn-App, die es in Spanien bereits in zwölf autonomen Gemeinschaften voll funktionsfähig zum Download gibt. Ziel ist es, mit der Nutzung die Infektionsrate zu senken. Doch: Wie funktioniert die Radar Covid-App? Wie wird Radar Covid installiert? Und welche Einschränkungen gibt es?

  • Die Corona-Warn-App Radar Covid gibt es unter anderem in Andalusien und Murcia voll funktionsfähig zum Herunterladen. Das Land Valencia soll bald folgen.
  • Nachdem die Infektionsrate in Spanien wieder angestiegen ist, hofft die Regierung mit Radar Covid Neuinfektionen zu reduzieren.
  • Die App funktioniert mit Bluetooth und kann somit die Privatsphäre wahren.
  • Funktionsweise und Installation von Radar Covid ist recht einfach, nichtsdestotrotz wird nicht jeder die App nutzen können.

Madrid- Radar Covid heißt die Corona-Warn-App fürs Smartphone, auf die Spanien im Kampf gegen das Virus setzt. Ziel der App ist es, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen, um die Ausbreitung der vom Coronavirus Sars-CoV-2 verursachten Erkrankung Covid-19 einzudämmen. Schon zu Beginn der Pandemie war Spanien neben Italien stark betroffen, jetzt ist die Lage wieder kritisch. Nirgendwo in Europa verbreitet sich das Coronavirus derzeit so schnell wie in Spanien. Auf 100.000 Einwohner sollen inzwischen mehr als 200 Corona-Fälle kommen. Eine Reaktion seitens des Auswärtigen Amtes ließ nicht lange auf sich warten. Am 3. September wurde ganz Spanien, inklusive den Balearen und den bis dahin ausgeklammerten Kanaren, zum Corona-Risikogebiet erklärt. Neben Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken und Abstand soll nun auch die Technik bei der „Schadensbegrenzung“ helfen.

Radar Covid: Spaniens Corona-App gegen die schnelle Verbreitung des Virus

Bei Radar Covid handelt es sich wie bei der deutschen Corona-Warn-App um eine sogenannte Tracing-App. „Tracing“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt „Verfolgung“. Es geht dabei lediglich um das Verfolgen von „Kontakten“, also Begegnungen und nicht um das Verfolgen der Standorte der Nutzer.

Radar Covid gibt es bereits zum Download im Google Play-Store für Android-Handys sowie im Apple Store für iPhones. Voll funktionsfähig ist sie allerdings bislang nur in Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien und León, Madrid, Extremadura, La Rioja, Murcia und Navarra. Demnächst soll das Land Valencia, somit auch die Costa Blanca, hinzukommen.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez rief kürzlich alle Bürger auf, sich die neue offizielle App herunterzuladen. Seine Begründung: Wenn nur 20 Prozent der Bevölkerung die App benutzen würden, könnte die Neuinfektionsrate um 30 Prozent gesenkt werden. Und das scheint nötig zu sein.

Radar Covid: So funktioniert Spaniens Corona-App

Das Herunterladen und die Verwendung der Radar Covid-App ist kostenlos und freiwillig. Die Inbetriebnahme obliegt den jeweiligen Gesundheitsbehörden der einzelnen Regionen. Unter anderem müssen die Behörden eine Telefonnummer angeben, an die sich Nutzer wenden können für den Fall, dass sie von der App gewarnt wurden, Kontakt zu einem Coronavirus-Infizierten gehabt zu haben. Für die Nutzung der App muss Bluetooth am Smartphone aktiviert sein. Die App verwendet nämlich das offene Protokoll DP-3T, was für „Decentralised Privacy-Preserving Proximity Tracing“ steht. „Proximity Tracing“ bezieht sich auf die Funktionsweise: Durch das Erfassen von Bluetooth-Signalen wird die Annäherung von zwei Mobilgeräten (Nutzern) bestimmt. Des weiteren:

  • Die App findet man zum Herunterladen im Google Play-Store für Android-Handys sowie im App Store fürs iPhones unter dem Suchbegriff „Radar Covid“. Als Herausgeber erscheint das „Ministerio de Asuntos Económicos y Transformacion Digital“, Ministerium für Wirtschaft und digitale Transformation.
  • Wenn die Handys der App-Nutzer mindestens 15 Minuten lang (über den Tag akkumuliert) und in einem Abstand von weniger als zwei Metern miteinander in Kontakt gewesen sind, geht die Anwendung davon aus, dass ein Risikokontakt stattgefunden hat.
  • Allerdings, befindet sich unter den Begegnungen kein auf Covid-19 positiv Diagnostizierter, zeigt die App ein „geringes Gefährdungsrisiko“ an.
  • Falls einer der Nutzer über einen PCR-Test positiv getestet wurde, wird ein zufälliger alphanumerischer Code bereitgestellt, den der Infizierte dann in die Radar Covid-App eingeben kann.
  • Daraufhin werden die Nutzer gewarnt, die über 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand zur infizierten Person hatten, mit der Meldung: „Sie hatten Kontakt mit einer Covid-19-infizierten Person“.
  • Nutzer, die über die Radar Covid-App gewarnt wurden, mit einer Covid-19 infizierten Person in Kontakt gestanden zu haben, sollten ihre kommunale Gesundheitsbehörde darüber informieren und in Quarantäne gehen. Alle notwendigen Schritte, die es zu beachten gilt, werden dem Nutzer selbstverständlich von der App angezeigt.

Wie anfangs erklärt, funktioniert die „Proximity-Tracing-App“ Radar Covid über Bluetooth-Technologie. Diese ermöglicht es, dass Nutzer automatisch und anonym, beziehungsweise pseudonym alphanumerische Codes austauschen, wenn sie über den Tag verteilt insgesamt mindestens 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand voneinander hatten. Laut den Entwicklern kann der Code nicht mit der Identität der Nutzer in Verbindung gebracht werden, da alle zehn bis 20 Minuten ein neuer zufälliger Code generiert wird, und zwar über 14 Tage lang – also die Inkubationszeit des Coronavirus.

Radar Covid: Installierung von Spaniens Corona-App

Nachdem die Anwendung Radar Covid – folgend am Beispiel vom Google Playstore (Android) – heruntergeladen wurde:

  • Die App Radar Covid öffnen. Es erscheint ein Begrüßungsbildschirm „Bienvenido a Radar Covid. Para darte el mejor servicio, por favor, selecciona tu idioma.“ Man wird aufgefordert, eine Sprache auszuwählen. Voreingestellt ist „Castellano“. Tippt man auf den rechten Pfeil, dann öffnet sich ein weiteres Feld mit „Castellano, Catalán und Inglés“ (Spanisch, Katalanisch und Englisch) zur Auswahl.
  • Mit „Continuar“ geht es weiter zur „Privacidad“, zur Privatsphäre. Es wird darauf hingewiesen, dass die App funktioniert, ohne die eigene Identität oder die des Smartphones preisgeben zu müssen. Name, E-Mail, Geolokalisierung und Telefonnummer werden nicht erfasst, so heißt es. Warnmeldungen werden gesendet, ohne Angabe wann und wo man mit dem Infizierten zusammengetroffen ist. Der Service der App kann jederzeit deaktiviert werden. Unten links gibt es ein Kästchen, das man antippen muss, um sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden zu erklären. Erst dann geht es weiter mit „Continuar“.
  • Unter „Cómo funciona“ wird das Ganze nochmal in drei Punkten zusammengefasst: 01. Aktiviere dein Bluetooth. Das ist alles, worum wir dich bitten. 02. Im Falle einer positiven Diagnose: gib anonym den Code ein, den du über Radar Covid erhalten hast. 03. Falls du einem Risiko ausgesetzt warst oder eine positive Diagnose bekommen hast, folge den Anweisungen, die wir dir zusenden. Weiter mit „Continuar“.
  • Im vierten Schritt geht es um die Aktivierung von Bluetooth, falls dies noch nicht geschehen ist, erscheint die Mitteilung: „Eine App versucht, Bluetooth zu aktivieren.“ Zur Wahl steht: „Ablehnen“ oder „Zulassen“. Damit die App richtig funktionieren kann, muss „Zulassen“ angetippt werden. Danach erscheint wieder eine Meldung: „Akkuoptimierung ignorieren? Erlauben, dass App Radar Covid weiterhin im Hintergrund ausgeführt wird? Dies kann zum erhöhten Stromverbrauch führen.“ Aber auch hier muss man sich für „Zulassen“ entscheiden, denn tut man das nicht, erscheint auf dem Display „Radar Covid inactivo“ mit der Aufforderung, diese Option zu aktivieren. - Bezüglich des höheren Akkuverbrauchs: Dieser sollte sich in Grenzen halten, da die App Bluetooth LE (Low Energy), die akkuschonende Variante, verwendet. 
Wie funktioniert die spanische Corona-Warn-App Radar Covid.jpg

Es sei darauf hingewiesen, dass die App anfänglich noch mit Fehlern behaftet sein kann. Über regelmäßige Updates werden diese jedoch nach und nach ausgebessert. Updates, Aktualisierungen und Nachrichten erfolgen im Idealfall automatisch. Nichtsdestotrotz, Erfahrungen mit der deutschen Corona-Warn-App zeigen, dass beispielsweise Hintergrundaktualisierungen vom Betriebssystem nicht immer abgerufen werden. Aus diesem Grund sollte die Radar Covid-App sicherheitshalber einmal am Tag aktiv auf dem Smartphone geöffnet werden.

Radar Covid: Nicht jeder wird Spaniens Corona-App nutzen können

Fehlerbehebungen und Tricks sind das eine. Das andere ist, wenn Radar Covid gar nicht erst genutzt werden kann. Davon betroffen sind Nutzer älterer Handymodelle. Apple und Google haben nämlich gemeinsam festgelegt, dass die Corona-Warn-App erst ab den Versionen Android 6.0 und iOS 13.5 vollumfänglich funktionieren. Der Staatssekretär für Digitalisierung und künstliche Intelligenz Roberto Sánchez meinte diesbezüglich, dass dies die technologischen Spielregeln seien, an die man sich nun mal halten musste, um die App zum Laufen zu bringen. Das wiederum führte zu einem weiteren umstrittenen Punkt. Obwohl Radar Covid an sich keines Ortungsdienstes bedarf, muss bei Android-Smartphones die Standortinformation aktiviert sein. Das hat den Verdacht aufkommen lassen, dass Google möglicherweise auf diese Daten zugreifen könnte. Die Erklärung dafür ist allerdings woanders zu finden: Nach Googles Android-Upgrade auf Version 6.0 funktioniert Bluetooth Low Energy (BLE), mit welchem Radar Covid arbeitet, nur, wenn auf dem Gerät die Standortfreigabe aktiviert ist.

Das Nachsehen haben nicht nur ältere Modelle. Beispielsweise lässt sich die App nicht auf Huaweis P40 und P40 Pro+ herunterladen, ebenso wenig auf neuere Modelle der Marke Honor. Das Problem wurzelt im Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China. Dieser zwang den chinesischen Hersteller von Googles Betriebssystem Android abzusehen und ein eigenes – Huawei Mobile Services – zu entwickeln.

Nach den jüngsten vom Portal Statista veröffentlichten Daten, entfielen von der Gesamtzahl der im Jahr 2019 in Spanien verkauften Mobiltelefone 20,5 Prozent auf Huawei. Sollte sich dieser Trend in diesem Jahr wiederholen, da die neuesten Modelle bereits auf dem Markt erhältlich sind, wäre folglich jeder fünfte Spanier nicht in der Lage, die Corona-Warn-App zu nutzen. Das würde an dem Nutzer-Prozentsatz nagen, den es braucht, damit Radar Covid sein Potenzial entfalten kann.

Radar Covid: Googles Ländereinstellung für Spaniens Corona-App ein Problem?

Ersten Berichten zufolge könnte auch Googles Ländereinstellung zum Problem werden. Wer Android nutzt und sein Google-Konto auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz eingestellt hat, kann möglicherweise die spanische Corona-App Radar Covid nicht herunterladen.

Google selbst rät dazu, die Landesversion von Google Play zu ändern, wenn der User in ein anderes Land zieht. Die Sprache muss dabei nicht geändert werden. Von der Landesversion ist abhängig, welche Inhalte im Play Store gesehen werden können. Die Inhalte können je nach Land variieren. Hervorzuheben gilt: Die Landesversion kann nur ein einziges Mal pro Jahr gewechselt werden. Wer eventuell über ein Google Play-Guthaben verfügt, kann dieses im neuen Land nicht mehr nutzen. Eventuell besteht auch kein Zugriff mehr auf bestimmte Bücher, Filme, Serien, Spiele und Apps.

Für die Einrichtung eines neuen Landes muss der User sich in diesem Land befinden und eine Zahlungsmethode aus diesem Land haben. Alle weiteren Schritte findet man bei Google Support.

Tracing Apps und Privatsphäre: Passt das zusammen?

Neben Abstandsregelungen und dem Tragen von Masken war es absehbar, dass beim Kampf gegen die Corona-Pandemie auch die Technologie hinzugezogen werden würde. Übrigens, für den Glauben, dass es für jedes gesellschaftliche Problem auch eine schnelle technologische Lösung gibt, gibt es sogar eine Bezeichnung: technological solutionism. Geprägt wurde der Begriff von dem Publizisten Evgeny Morozov. Technologischer Solutionismus kann unter Umständen in die menschlichen Grundrechte eingreifen. Diese Gefahr sah man auch bei der Entwicklung der Corona-Warn-Apps, weshalb unter anderem das UN-Menschenrechtsbüro auf den strikten Schutz der Privatsphäre pochte. Ebenso gehört Freiwilligkeit zum Konzept.

Viele europäische Staaten, wie Deutschland, die Schweiz und nun Spanien, haben sich daran orientiert. Zum Download werden Tracing-Apps angeboten, die über Bluetooth anonymisiert, beziehungsweise pseudonymisiert Codes austauschen. Bis zur Meldung einer Infektion werden diese nicht auf einem Server gespeichert, sondern lokal auf den Smartphones. Damit soll nicht mehr nachvollziehbar sein, wer wann wo mit wem Kontakt hatte. Wie per Tweet vom 9. September des Ministeriums für Wirtschaft und digitale Transformation ersichtbar, ist der Programmcode der Corona-Warn-App Covid-19 nun auch auf Github zu finden.  Bei GitHub handelt es sich um einen Webserver für Software-Projekte. Programmierer stellen hier ihren Code über öffentlich einsehbare Repositories bereit, so dass die Community ihn prüfen und weiterentwickeln kann.

Der RadarCOVID-Code ist jetzt öffentlich, so dass jeder überprüfen kann, wie die App funktioniert, und dass keine persönlichen Daten gesammelt oder verwendet werden.

Ministerio de Asuntos Económicos y Transformacion Digital

Wie man sich vorstellen kann, ist das nicht überall auf der Welt so. Polen zum Beispiel bietet eine freiwillige Warn-App und eine verpflichtende Quarantäne-App an. Über letztere sind sich in Quarantäne befindende Personen angewiesen, regelmäßig Kontroll-Selfies ans Digitalisierungsministerium zu senden. Dabei wird auch gleich der Standort der Person mit übermittelt.

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