Eine Frau liegt auf einem Strandtuch am Strand und der Rücken zeigt erste rote Sonnenbrand-Stellen
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Sonnenschutz im Sommer ist angebracht, denn der UV-Index ist in Spanien dann besonders hoch.

Sommer in Spanien

Sonnencreme: So viel Schutz muss sein - Und so viel Sonne darf sein

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Sommer, Sonne, Sonnenbrand: Richtiger Sonnenschutz ist gerade in Spanien wichtig, denn hier ist der UV-Index in den Sommermonaten besonders hoch. Allerdings sind die Strahlen in Maßen genossen gesundheitsförderlich und Verbraucherschützer warnen vor Kehrseiten bei Sonnencremes.

Spanien, Sommer, Sonne, Strand, Meer und Pool. So schön die Sommerzeit für das Gemüt ist, so belastend kann sie für die Haut sein, denn richtiger Sonnenschutz beziehungsweise Sonnen in Maßen wird oft vollkommen unterschätzt. Den Schaden so richtig sichtbar macht letztendlich ein Sonnenbrand, den die meisten erst viel zu spät bemerken. Besser also, man weiß sich etwa mit Sonnencreme zu schützen, um auf der einen Seite Hautalterung und gefährlichen Hautkrebs vorzubeugen, aber auf der anderen Seite wiederum die positiven Effekte der Sonne auf die Gesundheit nicht missen zu müssen.

Sonnencreme: Sonne in Maßen fördert lebenswichtiges Vitamin D

Grundsätzlich tut die Sonne dem Menschen gut, hauptsächlich wegen des lebenswichtigen Vitamins D, das der Körper nur mithilfe des Sonnenlichts selbst zu produzieren vermag. Aus diesem Grund wird das Vitamin D umgangssprachlich gerne als „Sonnenvitamin“ bezeichnet. Eigentlich ist das Ganze sehr schlau von der Natur, denn Vitamin D ist kaum in Nahrungsmitteln vorhanden, weshalb der Körper angewiesen ist, es selbst mit dem Dazutun des Sonnenlichts herzustellen. Für die körpereigene Vitamin-D-Bildung spielen neben dem Sonnenlicht das Alter und eine gesunde Leber sowie Niere eine entscheidende Rolle. Vitamin D ist wichtig für den Knochenstoffwechsel. Die Aufnahme von Kalzium, dass für die Knochenbildung essenziell ist, hängt nämlich vom Vitamin-D-Spiegel des Körpers ab. Des Weiteren ist Vitamin D auch ein unverzichtbarer Verbündeter des Immunsystems. Bei Mangel können Abwehrschwächen und Autoimmunerkrankungen auftreten. Und last but not least: Immer mehr Studien belegen, dass Vitamin D die Krebssterblichkeit verringert.

Interessanterweise verfügt der Mensch selbst über eine Art Sonnenschutz. Prallen die Sonnenstrahlen auf die Haut, so produziert diese den Farbstoff Melanin – die Haut bräunt sich. Doch viel zu oft wird es irgendwann zu viel. „Diesen Umbruch merken wir nicht“, so der Hautarzt Heiko Grimme vom Hautzentrum am Kurpark in Stuttgart. Ein Sonnenbrand ist nichst anderes als eine Entzündungsreaktion der Haut, bei der viele Zellen zugrunde gehen. Das Tückische: Man spürt ihn nicht sofort, wie Grimme erklärt. „Erst nach sieben Stunden merkt man etwas, bei ungefähr 24 Stunden hat man den Höhepunkt erreicht.“ Gemäß einer Studie der Warren Alpert Medical School der Brown University genügen schon fünf Sonnenbrände vor dem 20. Lebensjahr, um das Risiko für Hautkrebs in den späteren Lebensjahren enorm zu steigern. Aber nicht nur Sonnenbrände können Folgen haben, sondern auch die UV-Strahlung im Laufe der Jahre selbst. Aus all den Gründen ist Sonnenschutz angebracht und viele Experten raten unter anderem zur Nutzung von Sonnenschutzcremes. Fast jede Sonnencreme schütze gut, vorausgesetzt, sie wird in ausreichender Menge aufgetragen, so eine Untersuchung der Stiftung Warentest.

UV-Strahlung, Wirkung von Sonnencremes und UV-Index

Sonnencremes werben damit, vor schädlicher UV-Strahlung der Sonne zu schützen. Zum Verständnis: Es gibt drei Sorten von UV-Strahlung: UV-A, UV-B und UV-C. Sie unterscheiden sich in ihrer Wellenlänge und dringen unterschiedlich tief in die Haut ein. Sonnenbrände werden beispielsweise von den kurzwelligen UV-B Strahlen ausgelöst. Sie sind es, die direkt auf das Erbmaterial (DNA) der Epidermis, der äußersten Hautschicht einwirken und Schäden verursachen können. UV-A-Strahlen dringen noch tiefer in die Haut ein. Ihretwegen bräunt die Haut und altert schneller. Beide UV-Strahlen können unter Umständen Hautkrebs auslösen. UV-C-Strahlen werden durch die Erdatmosphäre zurückgehalten und kommen auf der Erde nicht mehr an.

Sonnencremes nutzen zum Sonnenschutz einen chemischen und einen physikalischen Effekt, um schädliche Strahlen bestmöglich unwirksam zu machen. Physikalische Filter wirken auf der Hautoberfläche, indem sie das einfallende UV-Licht reflektieren. Man kann sich das wie lauter winzige Spiegel vorstellen. Bestandteile dieser „Spiegel“ sind Partikel von Metalloxiden wie beispielsweise Titandioxid oder Zinkoxid. Einen physikalischen Filter erkennt man daran, dass er auf der Haut einen weißen Schutzfilm hinterlässt. Man findet ihn bei Cremes ab Faktor 30, besonders bei Produkten für Kinder. Chemische Filter hingegen arbeiten mit Substanzen, die in die Haut eindringen und mit ihr einen Schutzfilm bilden. Hier wird das UV-Licht nicht reflektiert, sondern die schädlichen UV-Strahlen werden in ungefährliches Infrarotlicht beziehungsweise Wärme umgewandelt.

Für einen optimalen Schutz mit Sonnencreme ist es hilfreich, die aktuelle Intensität der UV-Strahlung zu kennen. Dafür gibt es den UV-Index (UVI). Der UV-Index in Spanien kann auf der Seite des staatlichen Wetterdienstes Aemet unter „Radiación y Ozono“ abgerufen werden. Der UV-Index zeigt auf einer Skala von 1 bis 11+ tagesaktuell die höchstmögliche UV-Bestrahlungsstärke an. Je höher der Wert, desto schneller kann es bei ungeschützter Haut zu einem Sonnenbrand kommen.

Sonnencreme und Schutzfaktor

In puncto Sonnencreme lässt sich sagen: besser ein höherer Schutzfaktor als ein Sonnenbrand. Bei einem UV-Index von 9/10 – wie momentan an der Küste – wird für den nordischen Hauttyp II bei Strandbesuchen ein Lichtschutzfaktor (LSF oder SPF) von 30 bis 50 empfohlen. Was bedeutet die Zahl? Sie gibt an, wie viel länger man sich mit der Sonnenschutzcreme der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Würde man ohne Sonnenschutz nach etwa zehn Minuten erröten und eine Creme mit Lichtschutzfaktor 50 benutzen, würde sich der Sonnenschutz auf maximal 500 Minuten verlängern. Allerdings wird dieser Wert unter Laborbedingungen ermittelt, deshalb sollte rund ein Drittel abgezogen werden. Zu beachten ist: Bei Kindern sind die Zeiten kürzer, da ihre Haut sich noch nicht so gut selbst schützen kann.

Wie viel Sonnencreme muss es sein? „Die Regel lautet: Für den Körper drei Esslöffel, für das Gesicht einen Teelöffel“ erklärt Hautarzt Heiko Grimme. Wird weniger aufgetragen, reduziert sich der Sonnenschutz. Oft bleibt nach dem Sommer Sonnencreme übrig und viele fragen sich, wie lange haltbar eine Sonnencreme eigentlich ist. Einen Hinweis darauf gibt die sogenannte Aufbrauchfrist auf der Packung. Steht dort zum Beispiel „12 M“, sollten diese nach dem Öffnen spätestens binnen zwölf Monaten aufgebraucht werden. Manchmal ist statt der Aufbrauchfrist ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt. Ob der Sonnenschutz noch über das Ablaufdatum hinaus einsetzbar ist, wurde bislang kaum erforscht. Zur Not bleiben das T-Shirt und die Hose einfach noch an. Denn Kleidung schützt auch vor UV-Strahlung. Prinzipiell gilt: Je enger und dicker die Maschen des Gewebes, desto weniger UV-Licht kommt durch. Zudem sollte man mittags etwa an den Stränden der Costa Blanca im Schatten bleiben, da die Sommer-Sonne dann am höchsten steht.

Unterdrückt Sonnencreme die Bildung von Vitamin-D?

Unklar bleibt, ob Sonnencreme die Bildung von Vitamin-D unterdrückt. Es gibt Experten, die meinen, schon ein geringer Lichtschutzfaktor würde der Vitamin-D-Bildung im Weg stehen und wiederum andere sind der Ansicht, dass ein Teil der UV-Strahlung trotzdem in die Haut eindringen könnte und es von daher nicht gesichert sei, dass der UV-Schutz die Vitamin-D-Bildung blockiere. Erstere raten dazu, lieber kurz (ohne Creme) und öfter in die Sonne zu gehen, statt ein oder zwei Wochen im Jahr intensiv am Strand während eines Urlaubs. Wer in seiner Heimat regelmäßig ins Freie geht, könne damit rechnen, dass sich die Haut – jedenfalls bei den meisten Menschen – der jeweiligen Jahreszeit anpasst. Das hätte zur Folge, dass mit dem „körpereigenen Sonnenschutz“ das Risiko eines Sonnenbrands geringer sei.

Sonnencreme-Testsieger bei der Verbraucherschutzorganistaion OCU

Das Angebot an Sonnencremes ist immens. Wie jedes Jahr hat die spanische Verbraucherschutzorganisation OCU auch für das Jahr 2021 die Besten ermittelt. Zu den Top-Gelisteten gehören unter anderem:

  • Biotherm Waterlover Sun Milk SPF30. Der Preis liegt bei etwa 20,85 Euro.
  • Nivea Sun Leche Protege & Broncea SPF 30. Der Preis liegt bei etwa 15 Euro.
  • Eucerin Sun Spray Transparent. Der Preis liegt bei etwa 16,49 Euro.
  • Nivea Sun Protege & Hidrata. Der Preis liegt bei etwa 13,46 Euro.
  • Babaria Sun Milk Leche Protectora SPF 30 Aloe Vera. Der Preis liegt bei etwa 8,85 Euro.
  • Für Kinder: Eau Thermale Avène Lait Enfant leche para niños 50+. Der Preis liegt bei etwa 17,89 Euro

Kehrseite der Sonnencremes

Dieses Mal hat die OCU auch die Umweltbelastung mit in ihre Analyse gepackt. Beispielsweise die Verpackung. Diese sollte ein leichtes Design haben, das den Inhalt optimal ausnutzt und sich bei der Entsorgung leicht trennen beziehungsweise recyceln lässt. Des Weiteren: Die Zusammensetzung. Die Bestandteile der Sonnencremes sollten tendenziell so umweltfreundlich wie möglich sein, aber letztendlich ist man bei der Organisation zu dem Schluss gekommen, dass dies nicht so ist. Angeführt werden Inhaltsstoffe wie Homosalate (kurz: HMS) und Butylmethoxydibenzoylmethan (kurz: BMDEM).

Beim Öko-Test führen diese Substanzen regelmäßig zur Abwertung von Sonnencremes, denn dabei handelt es sich um Lichtschutzfilter mit hormonaktiven Wirkungen. Sie bleiben nicht auf der Hautoberfläche, sondern dringen in den Körper ein. Im schlimmsten Fall sind Fruchtbarkeitsstörungen, Fettleibigkeit oder Geschwüre an Leber und Nieren die Folgen. Ein weiteres Risiko für die Umwelt ist das Vorhandensein von Mikroplastik wie Dimethicone, Carbomer und Acrylatpolymere, die in Sonnenschutzmitteln recht häufig vorkommen. Insbesondere auf die marinen Ökosysteme wirken sich diese in vielfacher Weise negativ aus: Toxizität, mangelnde biologische Abbaubarkeit und hohe Anreicherungsgrades in lebende Organismen. All dies fordert Tribut bei Fischen, Algen und Korallen und vieles davon landet letztendlich wieder beim Menschen auf dem Speiseteller. Von daher: ein bedachter Sonnenschutz und Sonne in Maßen scheinen wohl die beste Lösung zu sein.

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