Ein weiteres Problem, welches einen Blackout in Spanien oder anderswo in Europa begünstigt, ist die Zunahme von Extremwetterlagen. Der EU-Klimabericht prophezeit für Europa ein Jahr der Extreme. Ob Eisregen, schwere Gewitter, Starkregen, Schneemassen, Orkane, heftige Hitzewellen oder Hitzeperioden mit Dürre – jedes einzelne Unwetterphänomen kann die Stromversorgung in die Knie zwingen. Jüngstes bekanntes Beispiel ist die Flutkatastrophe im Ahrtal. Extreme Wassermassen infolge langandauernden Starkregens zerstörten die gesamte Infrastruktur der Strom- und Wasserversorgung mitsamt der Telekommunikation. An Spaniens Mittelmeerküste ist es die gefürchtete Gota fría, also sintflutartiger Regen, der vom Herbst bis Frühjahr auftreten kann, die regelmäßig für Zerstörung sorgt.
Neben Naturgewalten nehmen gezielte und mutwillige Angriffe wie Sabotageakte oder Cyberattacken auf sensible Infrastrukturen wie die Stromversorgung besorgniserregende Ausmaße in Spanien und ganz Europa. Im schlimmsten Fall könnten auch diese kriminellen Akte einen Blackout verursachen. Im November 2015 beispielsweise rief die Halbinsel Krim laut einem „Welt“-Artikel den Notstand aus. Auf der gesamten Krim gingen die Lichter aus. 1,9 Millionen Menschen waren ohne Strom, nachdem mehrere Strommasten in der Ukraine gesprengt worden waren. Vor Sabotagen in der digitalen Welt, also Cyberattacken, die von Hackern ausgehen, warnt eindringlich Klaus Schwab, Gründer und geschäftsführender Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums, kurz WEF. Er verwendet gar den Begriff Cyber-Pandemie. Zum Cyber Polygon 2020-Event – einem vom unter anderem WEF gesponserten Planspiel, das virtuelle Cyberattacken simuliert – sagte er: „Wir alle wissen es, aber wir schenken dem beängstigenden Szenario eines flächendeckenden Cyber-Angriffs, der die Stromversorgung, das Transportwesen, die Krankenhausdienste und unsere Gesellschaft als Ganzes völlig zum Erliegen bringen würde, immer noch nicht genügend Aufmerksamkeit. Die Covid-19-Krise würde im Vergleich zu einem großen Cyberangriff als eine kleine Störung gesehen werden.“
Unlängst soll nun die russische Hackergruppe „Sandstorm“ versucht haben, die Infrastruktur der Stromversorgung in der Ukraine lahm zu legen, wie Medien am 8. April berichteten.
Der internationale Blackout- und Krisenvorsorge-Experte, der Österreicher Herbert Saurugg, wird nicht müde, auf die Gefahr eines Blackouts in Europa hinzuweisen. Wie aus dem Bericht „Europa auf dem Weg in die Katastrophe!?“ (Update 04/22) auf der Webseite des Experten zu entnehmen ist, erwarten das Österreichische Bundesheer sowie die Österreichische Gesellschaft für Krisenvorsorge binnen der nächsten fünf Jahre einen europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall, womit Spanien dann ebenfalls betroffen sein könnte. „Wenn wir einen Blackout von einem Tag haben, dauert es Tage, ja sogar über eine Woche, bis alles wieder läuft. Man muss sich vorstellen: Millionen Menschen haben plötzlich nichts zu essen, kein Wasser, kein Handynetz, kein Internet“, erklärt Saurugg. „Supermärkte haben dann sicherlich eine Woche oder länger geschlossen. Denn bis alle Systeme wieder gänzlich hochgefahren sind, dauert es einige Tage.“ Im schlimmsten Fall ist mit einem Blackout in Europa von bis zu einer Woche zu rechnen.
Dass es eher zu einem Brownout statt zu einem Blackout kommen wird, mutmaßt der Experte - Jurist, Volkswirt und ehemalige CEO des deutschen Energiekonzerns E.ON - Johannes Teyssen. Das bedeute „nicht jeder Verbraucher wird immer alles bekommen“. Des Weiteren rolle auf Privathaushalte sowie Unternehmen eine längerfristig hohe Preiswelle zu. „Was die Leute nicht sehen. Diese Energiekrise findet präzise nur in Europa statt“, so der Experte.
In Spanien klingen die Experten-Stimmen bezüglich der Gefahr eines Blackouts etwas optimistischer, wie die des Professors für Wirtschaft an der Europäischen Universität von Valencia und Experte für Energieversorgung Roberto Gómez:
„Im Falle Spaniens ist ein solcher Stromausfall unwahrscheinlich. Aber wenn das passieren würde, wäre das ein sehr großes Problem, nicht nur, dass wir zu Hause im Dunkeln tappen, sondern die gesamte Wirtschaft würde zum Stillstand kommen“.
Tatsächlich ist die Abhängigkeit Spaniens (2021 Cores: 8,91 Prozent) vom russischen Gas im Vergleich zu Deutschland, wo sie laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei 55 Prozent liegen soll, deutlich geringer. Spanien bezieht sein Gas hauptsächlich aus Algerien (etwa 40 Prozent), gefolgt von den Vereinigten Staaten und Nigeria. Zudem verfügt es über eigene Gaspipelines.
Aufgrund Spaniens geografischer Lage spielt die EU sogar mit dem Gedanken, die Iberische Halbinsel zu einem Knotenpunkt für Flüssiggas zu machen. Denn wenn kein Gas mehr aus Russland kommt könnte Flüssiggas aus Spanien als Schlüssel für das Energie-Problem in Europa fungieren. Allerdings tun sich auch hier politische Reibereien auf, die die Gasversorgung gefährden könnten. Algerien drohte kürzlich Spanien mit einem Lieferstopp, weil die spanische Regierung Marokko versprochen hatte, algerisches Gas weiterzuleiten. Hintergrund: Zwischen Algier und Rabat herrschen schon lange Spannungen, die auf den Westsahara-Konflikt zurückgehen.
Wann genau ein Blackout in Europa passieren wird, von welchem auch Spanien betroffen sein könnte, kann kein Experte vorhersagen. Dass er kommen soll, ist jedoch sicher, falls sich die Lage nicht radikal ändert. Von daher raten viele der Experten zur Vorsorge, das heißt zur Krisenvorbereitung. Im Internet gibt es mehrere Leitfäden; empfehlenswert, leicht erklärt und ausführlich sind die des Blackout- und Krisenvorsorge-Experten Herbert Saurugg. Allgemein lässt sich kurz zusammenfassen: