Vier Auszubildende sitzen an einem Tisch.
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Die Feda Edu Barcelona bietet deutsche duale Berufsausbildungen und Studien an.

Berufsausbildung oder Studium

Deutsche duale Ausbildung in Spanien: Feda-Schulen in Madrid und Barcelona

  • Susanne Eckert
    VonSusanne Eckert
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Zwei Business-Schulen in Madrid und Barcelona bieten deutsche duale Berufsausbildungen und Studien in Spanien an. Der Schwerpunkt liegt auf Wirtschaft.

Madrid - Duale Ausbildungen sind in Spanien rar, und wenn es sie gibt, vernachlässigen sie oft die Praxis in den Firmen. In Deutschland dagegen ist diese Art der Ausbildung sehr anerkannt und die Unternehmen legen viel Wert auf Praxisnähe. Deshalb wurde schon vor 40 Jahren in Spanien die deutsche Auslands-Berufsschule Feda (damals noch Aset genannt) gegründet. Sie verbindet die akademische Welt mit der Arbeitswelt bei bekannten Firmen wie Siemens, Aldi, Lidl, BASF, Haribo, Henkel oder Bayer. Unternehmen aus ganz Spanien nehmen an diesem Programm teil. Und heute gibt es sogar zwei voneinander unabhängige Feda-Berufsschulen in Madrid und Barcelona.

Deutsche duale Ausbildung in Spanien: Talentschmiede in Madrid

Im Jahr 1980 startete die Feda Madrid mit deutschen multinationalen Unternehmen ein innovatives duales Ausbildungsprojekt in Spanien. Mittlerweile ist die Schule in Spaniens schöner Hauptstadt Madrid eine vom Auswärtigen Amt und der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) anerkannte Auslandsberufsschule und gehört zu den 140 Deutschen Auslandsschulen weltweit.

Seit über 40 Jahren bietet Feda Madrid Bewerbern mit guten Spanisch- und Deutschkenntnissen eine zweijährige bilinguale und bikulturelle kaufmännische Ausbildung an. Ausbildungspartner sind die Deutsche Handelskammer für Spanien (AHK Spanien) und zahlreiche deutsche Unternehmen wie ThyssenKrupp, Kuehne+Nagel, Transfesa/Deutsche Bahn Cargo, Andreas Stihl, Aerzen Ibérica und andere. „Es handelt sich hier um ein innovatives Programm, das in Deutschland seit Jahrzehnten konsolidiert ist und von spanischen Unternehmen zunehmend geschätzt wird“, sagt Claudia Dittrich, Leiterin Geschäftsentwicklung und Marketing. Zu den vielen Vorteilen gehöre die Kombination von Theorie (35 Prozent) und Praxis (65 Prozent), die es den Auszubildenden ermögliche, sich vom ersten Tag an in die Geschäftsprozesse des Unternehmens zu integrieren. „Für die Unternehmen ist die duale Berufsausbildung eine hervorragende Möglichkeit, zukünftige Führungskräfte auszubilden.“

Die Ausbildung kann in Spanien in folgenden Berufen absolviert werden:

  • Industriekaufmann/Industriekauffrau (in Madrid)
  • Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung (in Madrid)
  • Kaufmann/Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement (in Valencia)
  • Hotelfachmann/-frau (auf Teneriffa)

Laut Ingo Winter, Schulleiter der Feda Madrid, „vereint die Berufsausbildung bei der Feda die Vorteile des deutschen dualen Ausbildungssystems mit einer Ausbildung im Ausland und bietet den Auszubildenden dadurch exzellente Zukunftsperspektiven. Schon in der zweijährigen Ausbildung können unsere Auszubildenden an einem Erasmus+ Projekt in Deutschland teilnehmen, lernen die Unternehmenssoftware SAP kennen und können sich in spannende Projekte wie den Feda Madrid Business Club oder Feda for Kenya einbringen.“

Studieren in Spanien: Duales deutsches Bachelor-Studium in Madrid

Darüber hinaus ist es möglich, ein duales Bachelor-Studium in Betriebswirtschaft an der Dualen Europäischen Wirtschaftsakademie (EWA) in Madrid zu absolvieren. Seit 1991 bildet sie junge Menschen in dem einzigen hundertprozentig dualen und zweisprachigen Hochschulstudium für auf Industrie spezialisierte Betriebswirtschaftslehre (Administración y Dirección de Empresas) in Spanien aus. Sie kooperiert mit der Universität von Alcalá de Henares und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), der größten dieser Art in Deutschland. Die Studierenden absolvieren einen dreijährigen Bachelor of Arts (BA), das europäische Äquivalent zum Bachelor, der zu 50 Prozent aus akademischer Lehre und zu 50 Prozent aus praktischer Ausbildung im Betrieb besteht.

Francisco Javier Montiel, Direktor der EWA in Spanien, betont: „Fast alle Absolventen erhalten am Ende ihres Studiums ein Stellenangebot vom Unternehmen, das sie ausgebildet hat. Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation: Die ausbildenden Unternehmen können sich durch gezielte Talententwicklung ihre Nachwuchskräfte sichern, und Studierende legen schon während des Studiums den Grundstein für eine erfolgreiche und nicht selten international ausgerichtete Karriere.“

Über 30 große Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen, von der Industrie über das Finanzwesen bis hin zum Handel, darunter Siemens, Liebherr Ibérica, Stihl, Transfesa Logistics, Medinsa, Volkswagen Financial Services, Lidl, Mercedes-Benz, Aldi, Kuehne+Nagel, Miele, TEKA und FRS, haben bereits durch dieses Hochschulstudium in Spanien ihre jetzigen Manager ausgebildet. Bewerbungen für die Berufsausbildung und für das BWL-Studium können für das Ausbildungsjahr 2022 noch eingereicht werden. Das Bewerbungsverfahren läuft bis Mai auf Hochtouren.

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Arbeiten und Studieren in Spanien: Duale Berufs- und Fachhochschulausbildung in Barcelona

In der auch für Spanien-Touristen sehr interessanten Stadt Barcelona kann man die duale Ausbildung und das Studium gleichzeitig machen. „Wir arbeiten seit 2006 mit der Fachhochschule Südwestfalen Standort Meschede zusammen. Studieninteressierte können demnach das exakt gleiche Studium in Barcelona absolvieren und bekommen ihren Abschluss dreisprachig zertifiziert: in Deutsch, Spanisch und Englisch“, berichtet Heike Köber, Studienleiterin der FedaEDU Barcelona. „Konkret bieten wir ein ausbildungsintegriertes Studium Bachelor of Arts Wirtschaft oder Bachelor of Science Wirtschaftsinformatik an.“

Die German Business School, wie die FedaEDU auch genannt wird, habe auch eine sozial-gesellschaftspolitische Komponente. „Durch uns werden Jugendliche direkt ins Arbeitsleben integriert und nicht in die 35- bis 50-Prozent-Statistik der spanischen Jugendarbeitslosigkeit.“ Über 80 Unternehmen sind bereits Mitglied und bieten deutsche duale Ausbildungen in Spanien an. Und zwar natürlich auch ohne ein Fachhochschul-Studium.

Abiturienten können sich in zwei Jahren direkt ausbilden lassen zu:

  • Industriekaufleuten
  • Spedition-/Logistikkaufleuten
  • Fachinformatikern

„Und für Realschüler haben wir das Programm 10+1“, erklärt Heike Köber. „Es entspricht dem ersten Ausbildungsjahr und danach kann dann mit der zweijährigen Ausbildung begonnen werden.“ In dem Programm wird neben Wirtschaftsfächern Deutsch verstärkt für spanische Schüler angeboten und Spanisch für deutsche Schüler, da die Theorie der Ausbildung auf Deutsch erfolgt und in den Betrieben Spanisch gesprochen wird. Die Berufsausbildung kann in dem Fall um die Fachhochschulreife ergänzt werden. Es werden Mathe, Deutsch und Englisch verstärkt unterrichtet und eine Prüfung abgelegt, die dazu berechtigt, an deutschen Fachhochschulen zu studieren.

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