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Am Start stehen öffentliche EU-Dienstleistungen über das EBSI-Netzwerk

Europa baut auf Blockchain

Spanien bei EBSI vorn dabei: mobile EU-Dienstleistungen am Start

  • Daniela Schlicht
    vonDaniela Schlicht
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Spanien ist bei dem Aufbau des europäischen Netzwerks EBSI für die Bereitstellung von mobilen öffentlichen Dienstleistungen in den Bereichen Diplome und digitale Identität vorn dabei. Europa will noch in diesem Sommer damit starten. Das Ganze basiert auf der Blockchain-Technologie.

Spanien ist eines von sieben Ländern, das beim Aufbau des europäischen Blockchain-Netzwerks EBSI (European Blockchain Services Infrastructure) dabei ist, um öffentliche EU-Dienstleistungen mobil zur Verfügung zu stellen. Laut dem Portal Blockchain Economía wird Europa noch in diesem Sommer mit dem Netzwerk die „Grenzen der Öffentlichen Verwaltungen sprengen“ und erste öffentliche Dienstleistungen in den Bereichen Hochschuldiplome, Digitale Identität, notarielle Beglaubigung und vertrauenswürdiger Informationsaustausch bereitstellen. Weitere werden folgen. Im Klartext heißt das: öffentliche Verwaltungen sollen künftig in der Lage sein, mobile europäische Dienstleistungen über die neue Blockchain-Technologie an den EU-Bürger zu bringen und die EU-Bürger wideru, sollen über ihr Handy oder per Computer in jedem Land darauf zugreifen können. Bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich noch in diesem Sommer über die Runden gehen wird, denn der geplante digitale Euro könnte, nach Aussage von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, noch etwa fünf Jahre auf sich warten lassen.

Spanien arbeitet bei EBSI an den mobilen EU-Dienstleistungen Diplome und eSSIF

Spanien arbeitet beim EBSI-Netzwerk vor allem an den mobilen EU-Dienstleistungen Diplome und eSSIF (European Self-Sovereign Identity Framework). Um eine Vorstellung zu bekommen: eSSIF-Lab ist ein von der EU gefördertes Projekt und zielt darauf ab, die breite Akzeptanz von Self-Sovereign Identities (kurz: SSI) – Selbstbestimmte Identitäten – als offene und vertrauenswürdige digitale Identitätslösung der nächsten Generation für schnellere und sicherere elektronische Transaktionen über das Internet und im realen Leben voranzutreiben.

EBSI-Koordinator in Spanien ist Lluis Alfons Ariño. Er erklärt:

 „Mit der Blockchain-Technologie erhalten Bürger die digitale Kontrolle über ihre Bildungsnachweise. Sie tragen sie in ihrer Wallet. Die Verifizierung von Qualifikationen erfolgt fast sofort, und das Vertrauen in ihre Authentizität wird verbessert.“ 

Lluis Alfons Ariño

Ariño ist außerdem Vertreter von CRUE, einer gemeinnützigen Vereinigung, der insgesamt 76 spanische Universitäten angehören. Das passt, denn der Anwendungsfall „Diplome“ wird von RedIRIS, einem spanischen Wissenschafts- und Forschungsnetzwerk, sowie von CRUE und den Universitäten Carlos III in Madrid, Rovira i Virgili in Tarragona und der Universität von Murcia unterstützt.

Blockchain ist eine dezentral ausgelegte Technologie

Eine typische Eigenschaft einer Blockchain ist, dass es sich um eine dezentral ausgelegte Technologie handelt. So verfügt auch das europäische EBSI-Netzwerk bereits über 36 Knotenpunkte, verteilt auf 20 Länder. Um die Implementierung zu beschleunigen, wurde von der EU das European Early Adopters Programm ins Leben gerufen. Mitgliedsstaaten, europäische Institutionen, öffentliche Verwaltungen und dritte Parteien wie etwa Universitäten, Unternehmen oder Startups sind angehalten, Anwendungen für Dienstleistungen, unabhängig von der Entwicklung der EBSI-Kerninfrastruktur, zu entwickeln. Spanien, darunter vor allem Alicante, begann schon sehr früh auf die neue Blockchain-Technologie zu setzen.

Spanien betreut die EBSI-Dienstleistung Blockchain-ID SSI mit

Was die zweite mobile und öffentliche EBSI-Dienstleitung betrifft, die von Spanien mitbetreut wird, nämlich der Blockchain-ID SSI, meint Ariño:

„EBSI hilft dabei, ein autonomes Identitätsmodell in Europa zu implementieren, bei dem die Bürger ihre eigene Identität über Grenzen hinweg kreieren und kontrollieren können.“

Lluis Alfons Ariño

Über einen „Open-Call“, eine offene Ausschreibung, können innovative Techunternehmen und Startups Projektlösungen für die verschiedenen Anwendungsfälle und mobilen Dienstleistungen, die auf der EBSI-Blockchain laufen sollen, einreichen. Die besten werden ausgesucht und bekommen finanzielle Unterstützung. Erst kürzlich hat es für das eSSIF-Lab-Projekt auch ein spanisches Startup geschafft. Von insgesamt 299 eingereichten Projekten wurden sieben ausgewählt, darunter Gataca aus Madrid. Ihr Projekt stellt die Standard-APIs für Verifizierungs-Komponenten, um SSI-Interoperabilität zu ermöglichen. Zudem arbeitet das Unternehmen an einer Wallet.

Blockchain-ID beschäftigt auch die spanische Banknotendruckerei sowie Münzprägeanstalt FNMT-RCM

Mit öffentlichen mobilen Dienstleistungen wie der Blockchain-ID, beschäftigt sich in Spanien auch die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre - Casa Real de la Moneda (FNMT-RCM), die Banknotendruckerei sowie Münzprägeanstalt des Königreiches Spanien. Sie wählte das Beratungsunternehmen PwC – PricewaterhouseCoopers – aus, um ein Blockchain-Entwicklungsprojekt zu erstellen, das für digitale Identitäts- und elektronische Signaturplattformen des Staates anwendbar ist. Dadurch möchte die FNMT-RCM die Sicherheit ihrer digitalen Zertifizierungssysteme verbessern und eine neue Plattform für die Kunden der spanischen öffentlichen Verwaltungen bereitstellen.

EBSI-Dienstleistungen: Blockchain-ID und Bildungsnachweise

Wie könnte das Zusammenspiel der EBSI-Dienstleistungen von Blockchain-ID und Bildungsnachweisen in etwa aussehen? Die Universitäten authentifizieren ihre Studenten mit traditionellen Methoden (wie EduGAIN) oder mit der Blockchain-ID der FNMT-RCM. Sie stellen Universitätsmitgliedsausweise und die Akkreditierung der Bildungsleistungen (Abschlüsse oder Fähigkeiten) von Studenten mit den EBSI-Diplom-Tools aus. Studenten können eine Wallet auf ihr Smartphone laden, das mit dem EBSI-Netzwerk kompatibel ist. Die Wallet oder digitale Börse verwaltet dann sämtliche Ausweise, Bildungsnachweise, Belege, etc. Sie generiert eine dezentrale Kennung DID (eine alphanumerische Referenz), damit auf die im Netzwerk verfügbaren Dienste zugegriffen werden kann.

Die Gátaca Wallet könnte eine Option für Hochschuldiplome sein.

Das Startup Gátaca könnte die Wallet für Hochschuldiplome und andere Nachweise stellen. Andere Universitäten wiederum könnten die Wallet des Dalion-Projekts verwenden. Hinter Dalion steckt eine Gruppe großer spanischer Unternehmen – Banco Santander, Caixabank, Mapfre, Repsol, Naturgy, Línea Directa Aseguradora, Liberbank und Iecisa (Informática El Corte Inglés) sowie Bolsas y Mercados Españoles (BME) – die sich unter dem Dach des spanischen Blockchain-Konsortiums Alastria zusammengeschlossen haben, um ein digitales Identitätsverwaltungsmodell bereitzustellen. Die Lösung soll dem Benutzer eine einzige selbstverwaltete digitale Identität in einer sicheren, zuverlässigen Umgebung bieten, um unter anderem das automatische Ausfüllen von Formularen zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen zu erleichtern. Im Mai 2021 ist die Einführung geplant.

Beteiligte Länder für die Erstellung von Dienstleistungen im EBSI-Netzwerk

Andere beteiligte Länder sowie Institutionen für die Erstellung von öffentlichen mobilen Dienstleistungen im EBSI-Netzwerk sind die Niederlande, Deutschland, Belgien, Schweden, Österreich, Italien, Frankreich und der Europäische Rechnungshof (ECA). Österreich und Italien beschäftigen sich wie Spanien mit dem „Diplom“; die Niederlande mit einer Wallet und ESSIF. Deutschland arbeitet daran, Grund- und Sekundarschulen zu vertrauenswürdigen Ausstellern von Bildungsnachweisen zu machen. Belgien kooperiert mit dem spanischen Unternehmen ATOS an der Integration des Diploms in das Horizon 2020 Projekt Digital Europe for All (DE4A). Der Europäische Rechnungshof (ECA) wird die notarielle Beurkundung vorantreiben und Frankreich die„e-Apostille“. Schweden prüft die Möglichkeit eines Beitrags.

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