Ein schwarzer Staffordshire Bull Terrier leckt an einem Hunde-Leckerli, das ihm auf einer Hand hingehalten wird.
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Ist ein Hund gefährlich, weil er zu einer bestimmten Rasse gehört? Spanien will sein Kampfhunde-Gesetz erneuern.

Jedes Tier einzeln prüfen

Spanien erneuert Kampfhund-Gesetz: Liste mit Rassen soll abgeschafft werden

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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Spanien plant die Abschaffung der Kampfhunde-Liste. Ob ein Hund potenziell gefährlich ist, soll künftig sein Verhalten und nicht mehr seine Rasse entscheiden.

Madrid – In Spanien sollen Hunde künftig nicht mehr automatisch als Kampfhunde gelten, nur weil sie einer bestimmten Rasse angehören. Die Regierung Pedro Sánchez plant die Überarbeitung des Gesetzes 50/99, das unter anderem die Listenhunde, auf Spanisch PPP für „perros potencialmente peligrosos“, potenziell gefährliche Hunde, reguliert. Die Liste mit den Rassen, die als Kampfhunde gelten, soll abgeschafft werden.

Spanien überarbeitet Kampfhunde-Gesetz: Verhalten statt Rasse entscheidend

So soll ein Hund in Spanien künftig einzeln nach seinem Verhalten – und nicht nach seiner Rasse – bewertet werden, um zu entscheiden, ob er potenziell gefährlich ist beziehungsweise als Kampfhund gelten soll. Stellt sich bei einem solchen Verhaltenstest heraus, dass Handlungsbedarf besteht, soll das Tier entsprechend trainiert werden, berichtet die Nachrichtenagentur Europa Press. Derzeit gelten folgende acht Hunderassen in Spanien als potenziell gefährlich, dazu kommen allerdings weitere, die in einzelnen spanischen Regionen auf der Liste stehen:

Kampfhunde-Rassen in ganz Spanien

  • Pit Bull Terrier
  • Staffordshire Bull Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Rottweiler
  • Argentinische Dogge
  • Fila Brasileiro
  • Tosa Inu
  • Akita Inu

Bislang handelt es sich lediglich um den Entwurf für ein neues Gesetz, den Spaniens Generaldirektor für Tierrechte, Sergio García Torres, kürzlich im Rahmen einer Veranstaltung des Hundeverbands Real Sociedad Canina Española (RSCE) vorgestellt hat. Im Mai soll der Gesetzesentwurf veröffentlicht werden. Ziel sei eine „gerechtere Behandlung“ von Hunden, wenn diese künftig nicht mehr ab ihrer Geburt als Kampfhunde abgestempelt würden, nur weil sie einer bestimmten Rasse angehören. Der RSCE begrüßt die geplante Abschaffung der Kampfhunde-Liste nach Rassen.

Spanien plant neues Gesetz für Kampfhunde: Tierschutz soll wichtiger werden

Ob nach dem geplanten Gesetz für Kampfhunde künftig jeder Hund in Spanien einen solchen Verhaltenstest absolvieren muss oder nur bestimmte Rassen, oder ob andere Kriterien berücksichtigt werden, ließ Torres ebenso offen wie Details zu der Verhaltensprüfung. Andernorts sind sogenannte Sachkundenachweise üblich. So plant derzeit etwa auch Baden-Württemberg die Einführung eines Hundeführerscheins*, wie echo24.de* berichtet.

Mit dem neuen Gesetz für Kampfhunde will Spaniens Regierung auch versuchen, die bestehenden Tierschutzgesetze der einzelnen Landesregierungen zu vereinheitlichen. Vorgesehen ist dabei auch ein Register für bestehende Tierschutzorganisationen wie das Tierheim Adana in Estepona (Málaga) und Dienstleister, die beispielsweise Straßenhunde und -katzen einsammeln. Ebenso sollen Hundetrainer erfasst und deren Ausbildung reguliert werden sowie ein nationales Hunderegister die Erfassungssysteme der einzelnen Regionen bündeln.

Neben neuen Regeln für Kampfhunde will Spanien mit dem Gesetz auch die illegale Welpenzucht erschweren. So sollen Profis wie Amateur-Züchter registriert und Welpen in den ersten drei Monaten identifiziert werden. Ohne Chip oder ein ähnliches Identifikationssystem soll künftig kein Hund mehr verkauft werden dürfen. Auch der Tierschutz soll mit dem neuen Gesetz eine größere Bedeutung bekommen. Die Diskussion, ob Strafen für Tierquäler in Spanien zu lasch sind, kommt immer wieder auf – wie etwa durch den Fall eines getöteten Hundes auf Lanzarote, der landesweit Tierschützer mobilisierte. Dem will die Regierung nun entgegenwirken: Nicht nur sind höhere Strafen für die Misshandlung von Tieren geplant. Auch sollen verurteilte Tierquäler künftig kein Haustier mehr auf ihren Namen anmelden dürfen. *costanachrichten.com und echo24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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