Eine Person macht sich auf dem Weg zu einem Minihaus auf einem Hügel inmitten der Natur
+
Liten heißt das Minihaus von Onarc aus Valencia

Fertighäuser wecken Interesse

Minihaus aus Valencia folgt neuem Trend bei Immobilien in Spanien

  • Daniela Schlicht
    vonDaniela Schlicht
    schließen

Bei der Nachfrage nach Immobilien in Spanien steigt das Interesse an Fertighäusern. Der neue Trend hat viele Gründe, wie es das Beispiel des Liten-Minihauses aus Valencia zeigt.

Valencia - In Spanien gibt es einen neuen Trend bei Immobilien: Fertighäuser, darunter Minihäuser werden verstärkt nachgefragt. Auslöser scheint unter anderem die Coronavirus-Pandemie zu sein und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion. Wie fast alle Wirtschaftsbereiche bleibt auch der Immobilienmarkt von den Folgen der Pandemie nicht verschont. Immobilien-Experten versuchten sich an einer Prognose für 2021, aber letztendlich hängt alles von der Bewältigung des Coronvirus ab und irgendwie auch was nach dem Ende des von der Regierung verhängten Notstands passiert. Jedenfalls laufen aktuell mancherorts die Immobilienpreise heiß, und anderswo brechen sie ein. Aber vor allem: Wohnwünsche haben eine neue Justierung erfahren. das hat auch ein Startup aus Valencia erkannt und ihr erstes Minihaus auf dem Markt gebracht.

Immobilien in Spanien: Trend zum Balkon, Garten, Pool, gutem Internet und Fertighaus

Im Trend stehen plötzlich Immobilien mit Balkon oder Terrasse, am besten mit Garten und vielleicht noch einem Pool, mit möglichst großzügiger Wohnfläche und unbedingt mit gutem Internetanschluss. Wenn es dem Wohnwunsch entspricht, bleibt ein Immobilienkauf trotz hohen Nebenkosten weiterhin attraktiv. Großstädte allerdings haben an Attraktivität eingebüßt. Von der veränderten Nachfrage profitiert derzeit auch die Fertigbauindustrie – ebenso in Spanien. Erst kürzlich wurde das spanische energieeffiziente Fertig-Minihaus-Modell Liten in der spanischen Presse vorgestellt. Das Minihaus stammt aus Valencia. Konzipiert wurde es von dem valencianischen Startup Onarc. Das kleine Unternehmen gehört Lanzadera an, dem Startup-Inkubator von Juan Roig, CEO von Mercadona. Startup Inkubatoren sind Einrichtungen, die Startups auf dem gesamten Weg der Gründung unterstützen.

Das Team von Onarc lernte sich an der Polytechnischen Universität von Valencia (UPV) kennen. Damals präsentierten sie ein nachhaltiges Wohnbauprojekt beim Solar Decathlon Europe Wettbewerb als Teil von Azalea. Danach beschlossen sie, eine eigene Firma zu gründen – die Geburtsstunde von Onarc. Bei ihren Fertighaus-Modellen konzentriert sich das Jungunternehmen vor allem auf das Designen und Bauen von nachhaltigen und umweltfreundlichen Wohnmodulen. Das Minihaus Liten ist ihr erstes Fertighaus in Spanien.

Immobilien in Spanien: Vielseitiges Minihaus-Modell Liten aus Valencia

Das Minihaus-Modell Liten oder „Hütte“, wenn man es von der spanischen Bezeichnung „cabaña“ ableitet, ist das erste Modell des Unternehmens Onarc aus Valencia. Es ist recht vielseitug und kann an den Kunden komplett angepasst werden. So gibt es die Möglichkeit, die Außenseite des Minihauses mit Holz oder „black wood“ (schwarzem Holz) zu verkleiden und die Innenseite mit CLT – kurz für Cross laminated timber, beziehungsweise Brettsperrholz – oder in Weiß. Für den Innenraum gibt es die Optionen: Schlafzimmer, Küche und Bad. Wohnzimmer, Küche und Bad. Oder Arbeitsbereich und Bad. Liten hat eine Fläche von 30 Quadratmetern und ist darauf ausgelegt, so vom Unternehmen wörtlich „sich mit der Natur zu verbinden, diese zu genießen und zu respektieren“. Der Mindestpreis beträgt 39.000 Euro.

Das Liten-Minihaus aus Valencia von der Frontseite

Minihaus Liten wurde als autarke Räumlichkeit für maximale Unabhängigkeit konzepiert

Liten wurde dem Prospekt nach als autarke Räumlichkeit konzipiert. Acht Solarmodule und eine Hochleistungsbatterie sorgen für maximale Unabhängigkeit in punkto Energiezufuhr. Dazu verfügt das Minihaus aus Valencia über ein eigenes Wasserwirtschaftssystem, nämlich einem Wasservorrat von bis zu sieben Tagen und der Wiederverwendung von Regenwasser. Die Klimatechnik soll sowohl an heißen als auch an kalten Tagen für eine angenehme Raumtemperatur sorgen. Natürlich nicht ohne gute Isolierung, die dazu noch den Stromverbrauch auf ein Minimum reduziert.

Für die Verwendung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Onarc kann sich das Minihaus Liten als alternative Unterkunft im ländlichen Tourismus vorstellen, da es, laut dem Startup, nur eine minimale Auswirkung auf die Umgebung hat und noch am selben Tag der Auslieferung installiert werden kann. Kurzum sehen sie ihr Modell als eine weitere Option für Fincas und Grundstücke, bei denen die Natur im Vordergrund steht. Der Prospekt verweist darauf, dass die Zahl der Touristen in ländlichen Tourismusunterkünften in Spanien von 2,5 Millionen im Jahr 2013 auf 4,4 Millionen im Jahr 2019 gestiegen ist. Ein Trend, der durch die Coronavirus-Pandemie voraussichtlich noch weiter angeheizt wird.

Experten zum Thema Fertighaus in Spanien

Zum Thema „Fertighaus in Spanien“ haben auch Experten in der Wirtschaftszeitung El Economista Rede und Antwort bezüglich Preisen, Bauzeit, Mehrwertsteuer und Genehmigung gestanden:

Was kostet ein Fertighaus?

Blanca del Escobal, Leiterin von Marketing und Kommunikation der Firma Eurocasas, erklärt, dass ihr Unternehmen eine breite Preisspanne anbiete, da die Firma verschiedene Bauausführungen anfertigt, um sich besser den Bedürfnissen der Kunden anpassen zu können. „Wir bauen von kleinen bungalowartigen Mobilheimen für das Camping, die komplett fertiggestellt um die 25.000 Euro kosten, bis hin zu modularen Häusern, die als erstes Zuhause gedacht sind und die 190.000 Euro übersteigen können.“ Jeder Interessent habe einzigartige Bedürfnisse, ein anderes Budget und ein bestimmtes Design im Kopf. Diese drei Faktoren gelte es zu kombinieren und zu verwirklichen. Allerdings – wie so oft – nach oben gibt es keine Grenzen. Das spanische Unternehmen Atlántida Homes und InHAUS haben Fertighäuser von über 300.000 Euro im Angebot.

Wie lange dauert es, ein Fertighaus zu bauen?

Fernando Agudo, Generaldirektor von Atlántida Homes, erklärt, dass die Bauzeit eines Fertighauses im Vergleich zur traditionellen Bauweise um etwa 70 Prozent reduziert werden kann.

„Wenn man bedenkt, dass der Bau eines Hauses von etwa 200 Quadratmetern mit der traditionellen Methode normalerweise etwa zwölf Monate dauert, liefern wir es in vier Monaten“.

Fernando Agudo, Generaldirektor von Atlántida Homes

Welche Vorteile hat ein Fertighaus gegenüber der traditionellen Bauweise?

Laut Fernando Agudo viele. Unter anderem: Die Fertigung findet in einer kontrollierten Umgebung statt, was sie unabhängig vom Wetter und anderen Faktoren macht. Produktionsprozesse lassen sich besser steuern und die Gesamtkosten stehen von Beginn an fest.

Wie erwähnt, ist die Ausführungszeit wesentlich kürzer als bei traditionellen Hausbaumethoden. In etwa vier Monaten kann ein Eigenheim von bis zu 200 Quadratmetern schlüsselfertig übergeben werden. Viele Prozesse lassen sich standardisieren und summa summarum ist das Ganze mit viel weniger Kosten verbunden.

Andere wichtige Aspekte: Zum einen sind der Kohlenstoff-Fußabdruck sowie das Abfallaufkommen geringer. Zum anderen ist es für den Kunden komfortabler: der Bau erfolgt überwiegend in der Fabrik und nicht auf dem Grundstück.

Welche Genehmigung benötigt man? Welche Steuern fallen an?

Blanca del Escobal erklärt, dass man zwischen Mobilheimen, die vor allem auf Campingplätzen installiert werden und transportablen modularen Häusern, die im Boden verankert werden, unterscheiden muss. Erstere brauchen keine Genehmigung und unterliegen einer Mehrwertsteuer von 21 Prozent. Letztere benötigen eine Genehmigung des Rathauses und die jeweilige Projektarbeit. Die Mehrwertsteuer beträgt zehn Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare