Eine tote Kakerlake liegt auf dem Boden.
+
Na? Wer kennt den Anblick? Kakerlaken sind in Spanien die am weitesten verbreitete Plage.

Teure Bekämpfung

Spaniens schlimmste Plagen: Ratten, Kakerlaken, Termiten und Mücken

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
    schließen

Kakerlaken, Ratten, Mücken und Termiten sind in Spanien die schlimmsten Plagen. Weil sie Krankheiten übertragen, aber auch, weil ihre Bekämpfung enorme Kosten verursacht.

Mehr als eine Billion Dollar hat die Bekämpfung von invasiven Plagen zwischen 1970 uns 2017 weltweit gekostet. Diese Zahl hat das Wissenschaftsmagazin „Nature“ ausgerechnet. Für Spanien hat der Unternehmerverband für Umweltgesundheit Anecpla eine ähnliche Rechnung aufgestellt - allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen - und ein Ranking der vier schlimmsten und teuersten Plagen Spaniens veröffentlicht.

Spaniens schlimmste Plagen: Ratten noch vor Kakerlaken und Mücken

Auf Platz 1 der schlimmsten Plagen in Spanien stehen laut Anecpla - noch vor Kakerlaken und Mücken - Ratten, die am meisten Geld bei der Bekämpfung verschlingen, sowohl aus privater als auch aus öffentlicher Hand. „Die extreme Geschwindigkeit, mit der sich Ratten fortpflanzen, gepaart mit ihrer Fähigkeit, Krankheiten zu übertragen, machen sie zu den Zeitbomben unter den Plagen in Spanien“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Zu den Krankheiten und Erregern, die Ratten auch auf Menschen übertragen können, gehören Leptospirose, Hantaviren oder Toxoplasmose. In den letzten Jahren habe die Ratten-Plage in Spanien stark zugenommen, nicht selten lassen sich die Nagetiere mitten am Tag und mitten in den Städten blicken. „Die Tatsache, dass sich Ratten bei Tag auf der Straße zeigen, ist ein klarer Indikator dafür, dass es in diesem Gebiet zu viele Ratten gibt. Wenn Ratten bei Tag die Kanalisation verlassen, dann liegt es daran, dass sie nach neuen Bereichen suchen, in denen sie sich ansiedeln können, weil ihre bisherigen überfüllt sind“, erklärt Anecpla-Generaldirektorin Milagros Fernández de Lezeta.

Spaniens schlimmste Plage: Ratten machen sich in Städten breit

So machte sich mitten in Madrid 2019 die Hausratte (Rattus rattus) breit, eine Art, die eigentlich Gärten, Parks und allgemein Grünzonen bevorzugt – anders als die Kanalratte (Rattus norvegicus). Denn die Hausratte baut ihre Nester auf Bäumen, die wiederum von Laien nur schwer von Vogelnestern unterschieden werden können. So ist die Hauptstadt ein klares Beispiel für die Ausbreitung von Spaniens schlimmster Plage.

Ratten sind die schlimmste und teuerste Plage in Spanien.

Der Ratten-Plage kommt nicht zuletzt auch die Corona-Krise zugute. Die öffentliche Verwaltung lässt in Spanien zwar fleißig Plätze und Straßen gegen Viren und Bakterien desinfizieren, gezielte Reinigungs-Aktionen etwa in der Kanalisation geraten dabei jedoch in den Hintergrund. Außerdem, so Anecpla, tragen die vielen Corona-bedingt leer stehenden Ladenlokale in Spanien dazu bei, dass sich Ratten wegen fehlender Hygienemaßnahmen in aller Seelenruhe weiter verbreiten können.

Spaniens schlimmste Plagen: Kakerlaken auf Platz zwei – und auf Platz eins

Wer kennt das nicht? Beim Bier auf der Barterrasse huscht plötzlich eine große, braune Kakerlake über den Asphalt – da kann einem der Appetit schonmal vergehen. Kakerlaken sind für Anecpla die zweitschlimmste Plage in Spanien, wenn es um die Kosten bei der Bekämpfung geht. In Sachen Verbreitung und Population schaffen es die cucarachas sogar auf Platz eins.

Kakerlaken mögen es dunkel, warm und feucht, sind gerne nachtaktiv und verstecken sich in Küchen und Badezimmern. In Spanien sind sie Grund für finanzielle Verluste, weil Lebensmittel nach Kakerlaken-Befall entsorgt werden müssen. Schließlich können die Plagegeister Krankheiten wie Magen-Darm-Grippe oder Salmonellosen übertragen.  Laut Anecpla werden Kakerlaken auch mit Allergien und Asthma in Verbindung gebracht.

Spaniens schlimmste Plagen: Platz drei geht an Termiten

Sie sind gerade einmal neun Millimeter lang, aber gehören trotzdem zu den teuersten Plagen in Spanien: Termiten. Heimlich, still und leise fressen sie sich durchs Holz, wenn der Schaden sichtbar ist, ist es längst zu spät. Termiten ernähren sich von der Zellulose im Holz und können ganze Gebäude beschädigen. In Spanien sind über 90 Prozent der Gebäude, die vor 1920 errichtet wurden, zumindest teilweise aus Holz gebaut. Gerade für die Altstädte in den spanischen Städten kann eine Termiten-Plage deshalb zur Katastrophe werden.

Mücken stehen in Spanien nur auf Platz vier der teuersten Plagen. Lästig sind sie aber allemal.

Spaniens schlimmste Plagen: Mücken auf viertem Platz

Mit Aedes albopictus können vermutlich die wenigsten etwas anfangen, von Tigermücken hat aber jeder schonmal gehört, der zumindest einige Monate im Jahr in Spanien verbringt. Der mosquito tigre kann bis zu 22 verschiedene Virusarten übertragen, die Krankheiten wie das Zika-Virus, Dengue-Fieber oder Chikungunya auslösen. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums hat sich die Anzahl der Tigermücken in Spanien in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt.

Neben der Tigermücke wurde 2018 noch eine andere Aedes-Art in Spanien entdeckt: Aedes japonicus, Asiatische Buschmücke. Diese Stechmücke ist eigentlich in Ostasien beheimatet, fühlt sich mittlerweile aber auch in den nordspanischen Regionen Asturien und Kantabrien pudelwohl, jetzt breitet sie sich auch Richtung Galicien aus und kommt dabei noch schneller voran als die Tigermücke.

Andalusien: Mücke überträgt West-Nil-Fieber

Vergangenen Sommer machten in Andalusien zwei Stechmücken der Culex-Art von sich Reden, die das West-Nil-Virus übertragen: Die Culex pippens und Culex perexiguus. Die Mücken können das Virus aufnehmen, wenn sie infizierte Zugvögel stechen, die aus Afrika nach Spanien fliegen. Stechen die Mücken danach einen Menschen, können sie das Virus auf ihn übertragen. In Andalusien starben vergangenes Jahr mehrere Menschen am West-Nil-Fieber.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare