Zwei Menschen laufen unterhalb von einer Kiefer entlang, in der ein Nest der Prozessionsspinnerraupe hängt.
+
Vorsicht mit der Prozessionsspinnerraupe in Spanien: Jetzt sind wieder überall Nester zu sehen.

Giftige Raupen im Frühling

Gefahr für Mensch und Tier: Vorsicht mit diesen Raupen in Spanien

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
    schließen

Mit dem Frühling in Spanien werden auch wieder die Raupen des Prozessionsspinners aktiv. Ihre feinen, giftigen Brennhaare lösen allergische Reaktionen aus und sind daher für Mensch und Tier - vor allem Hunde - gefährlich.

Die ersten Monate eines jeden Jahres sind die Zeitspanne, in der in Spanien die für Mensch und Tier gefährlichen Prozessionsspinnerraupen aktiv sind. Wenn weiße Nester wie Beutel an den Enden von Kiefernästen hängen, ist es ratsam, einen großen Bogen um den Nadelbaum zu machen. Denn dieser ist von der Procesionaria del pino, der Prozessionsspinnerraupe, befallen. Deren Körperhaare sind giftig und können bei Mensch wie Tier heftige allergische Reaktionen auslösen. Vor allem Hundebesitzer sollten beim Spaziergang in der Nähe von Kiefern (Pinos) auf ihre Tiere achten.

ProzessionsspinnerInsekten
Wissenschaftlicher NameThaumetopoeidae
Höhere KlassifizierungNoctuoidea
OrdnungSchmetterlinge (Lepidoptera)

Bei der Procesionaria del pino handelt es sich um Raupen eines unscheinbaren grauen Falters, des Thaumetopoea pityocampa, des Prozessionsspinners. Zu dessen Familie gehören etwa 100 verschiedene Arten wie zum Beispiel der Eichenprozessionsspinner, der Kiefernprozessionsspinner und der in warmen Mittelmeerländern besonders häufig vorkommende Kiefern- beziehungsweise Pinienprozessionsspinner. Der Falter fliegt von Mitte Juni bis Ende August. In dieser Zeit setzen die Weibchen Eigelege an den Kiefern beziehungsweise Kiefernnadeln ab, und das bevorzugt bei jungen Bäumen.

Giftige Raupen in Spanien: Larven schlüpfen zwischen Januar und Februar

Zwischen Januar und Februar schlüpfen die Larven – die Raupen –, die in großen Kolonien sechs Entwicklungsstadien durchlaufen. Gleich im ersten Stadium fertigen sie in den Ästen seidig schimmernde Kokons an, die ihnen als Unterschlupf dienen. Tagsüber gehen die Raupen auf Fresstour und knabbern sich an den frischen Pinienknospen satt. Treten sie in Massen auf, droht Kahlfraß. Sobald es kühler wird, kehren sie heim in den weißen Beutel.

Nester der Prozessionsspinnerraupen sind im Frühjahr an vielen Pinien in Spanien zu sehen

Warum der Name Prozessionsspinner?

Der Name Prozessionsspinner rührt daher, dass die Raupen sich bei ihrem Beutezug wie in einer Prozession bewegen – in einer langen Reihe, immer eine hinter der anderen, Gesicht an Po. Nach dem sechsten Larvenstadium tauschen die Raupen im Frühling den Baum mit dem Boden, wo neue Kokons gebaut werden, in denen sie sich anschließend verpuppen. Für Tiere und auch Menschen ist gerade die Zeit zwischen Januar und April die gefährlichste. Während dieser Phase sind die Raupen stets auf Wanderschaft.

Prozessionsspinnerraupen bewegen sich wie in einer Prozession - daher der Name der kleinen Tiere, die in Spanien zur ernsten Gefahr für Hunde werden können.

Gefahr für Mensch und Tier geht von den Brennhaaren der Raupen aus

Die Gefahr geht von den Brennhaaren, den so genannten Setae, aus. Diese Härchen bilden sich ab dem dritten Larvenstadium. Die Setae enthalten das Eiweißgift Thaumatopoein, das aus biogenen Aminen, Enzymen und phenolischen Substanzen besteht. Die Brennhaare sitzen auf den hinteren Segmenten der Raupen und können sogar aktiv ausgeschleudert werden. Man schätzt, dass eine einzige Raupe bis zu 600.000 dieser Setae besitzt. Trifft nun ein solches Brennhaar einen Menschen oder ein Tier, kommt es zu unangenehmen und teilweise gefährlichen Haut-, Augen- und Atemwegsreizungen. Selbst eine kurze Berührung der Nester ist riskant, da diese voll mit den Gift-Härchen sind. Eine Verbreitung der Härchen über den Wind ist ebenfalls möglich.

Dringen die Brennhaare des Pinienprozessionsspinners in die Haut ein, so können sie laut dem Institut für Schädlingskunde sowohl eine Nesselsucht (Urticaria), als auch eine Hautentzündung (Dermatitis) auslösen. Falls die Brennhaare eingeatmet werden, können Mund- und Nasenschleimhaut gereizt werden. Die Folge können Husten, Bronchitis und Asthma sein. Gelangen die Brennhaare des Prozessionsspinners in das Auge, so können sie eine langwierige und mitunter sogar eitrige Bindehautentzündung (Conjunctivitis) verursachen.

Prozessionsspinnerraupe in Spanien: Gefahr ist für Hunde am größten

Besonders gefährdet sind Tiere wie Hunde, die am Boden schnüffeln. Denn die Schleimhäute von Mund und Nase sind besonders empfindlich. Daher sollten Hundehalter in dieser Jahreszeit bei Kiefern Acht auf ihre Vierbeiner geben. Schüttelt der Hund ständig den Kopf oder reibt Nase und Schnauze ständig am Boden, schwellen Zunge oder Kopf stark an, sind das erste Anzeichen für einen wahrscheinlichen Kontakt mit den Prozessionsspinnerraupen. Als weitere Symptome können sich Schwindel, Fieber, Augenentzündungen, Asthmaanfälle, Erstickungsgefahr und Schock entwickeln.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme empfiehlt sich, die betroffenen Körperteile mit lauwarmem Wasser abzuspülen. Dadurch wird der Anteil des Giftes im betroffenen Bereich herabgesetzt. Allerdings sollte der Hundehalter sich dabei selbst vor einer Berührung mit den Brennhaaren schützen. Die Raupe befällt alle Hunde gleichermaßen, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Größe. Der Schweregrad der Symptome richtet sich nach der Intensität des Kontakts. Wurde die Raupe nur gestreift oder abgeleckt, sind die Folgen gemäßigter, als wenn die Raupe vom Hund verschluckt oder in den Mund genommen wurde.

Letzteres kann zu Nekrosen in Teilen der Zunge oder zu Geschwüren in der Speiseröhre führen. Etwa drei Prozent der betroffenen Hunde sterben. Der Prozentsatz steigt allerdings deutlich – bis zu 65 Prozent –, wenn die Zungennekrose mehr als sechs Stunden dauert, bis ein Tierarzt aufgesucht wird. Bei rechtzeitiger Behandlung führt die Nekrose meist zu keinen allzu großen Problemen. Der Hund kann weiterhin so leben wie davor. Er ändert sein Bellen nicht und hört auch nicht auf zu fressen.

So sieht ein Nest der Pinien-Prozessionsspinnerraupen aus. Beim Spaziergang mit dem Hund ist in Spanien jetzt Vorsicht geboten.

Bekämpfung der Prozessionsspinnerraupe im eigenen Garten

Sind im eigenen Garten Pinien von Prozessionsspinnerraupen befallen, gibt es mehrere Möglichkeiten der Bekämpfung: Hängen die Nester der Raupe in erreichbarer Höhe und sind es nur wenige, können Hausbesitzer sie selbst beseitigen. Handelt es sich dagegen um eine regelrechte Plage, sind die Nester zudem hoch in den Kronen alter Pinien, müssen Fachleute hinzugezogen werden – also die Kammerjäger. Unter dem Begriff Desinsectaciones finden vom Raupenbefall geplagte Heimgärtner im Internet entsprechende Adressen und Telefonnummern.

Der Tod kann die Prozessionsspinnerraupen auf zweierlei Art ereilen: Entweder werden sie verbrannt oder vergiftet. Verbrennen ist die traditionelle Methode: Wer diese Art der Vernichtung wählt, schneidet das Stück Ast mit den Beuteln ab und verbrennt ihn unverzüglich. Jeder Kontakt mit den Raupen muss vermieden werden! Schnell und überlegt sollte gearbeitet werden, denn der Beutel kann platzen. Schutzbekleidung ist hierbei also höchst empfehlenswert. Vernichtungsmethoden aus der Giftküche basieren entweder auf chemischen oder biologischen Substanzen. Chemische Mittel gegen die Prozessionsspinnerraupen sind Talstar oder Sumicidin. Zu den biologischen Mitteln gehören Pelitre Hort oder Bactur 2X WP.

Kampf den Raupen: Chemiekeule bannt Gefahr für Hunde

Die chemischen Mittel für die Bekämpfung der Prozessionsspinnerraupen werden je nach Gebrauchsanweisung mit Wasser verdünnt und dann versprüht. Pelitre Hort, ein Produkt von Massó, ist ein biologisches Insektizid auf der Basis von natürlichem Crisanthemum Cinerarífolium. Es sollte direkt auf die Raupen aufgetragen werden. Zwei bis drei Tage hält die Wirkung an, dann muss es – je nach Bedarf – erneuert werden. Das Produkt Bactur 2X WP enthält den Bacillus thuringiensis. Die Bakterie greift die Raupen an und unterdrückt den Fresstrieb. Bereits zwei bis drei Stunden nach Verabreichung rücken die Raupen nicht mehr zum Raubzug aus - die Gefahr für Hunde und Menschen ist erst einmal verringert. Beim Aufsprühen sollte es windstill sein. Nur so vermeiden Hausbesitzer Streuverluste.

Aufgrund der schnellen Ausbreitungsgefahr der Raupenplage sollten auch die Nachbarn in den Vernichtungsfeldzug einbezogen und auf eventuell in ihren Bäumen hängende Nester aufmerksam gemacht werden. Denn Prozessionsspinnerraupen auf Fresstour kennen keine (Grundstücks-)Grenzen. Sind alle Nester vernichtet, so ist die Gefahr noch nicht gebannt. Ein praktisch unlösbares Problem ist die lange Haltbarkeit der Brennhaare in der Natur. Denn sie können mehrere Jahre intakt bleiben. Woraus sich erklärt, dass Mensch und Tier, die in betroffenen Gebieten leben, auch außerhalb der „Raupenzeit“ erkranken können.

Mehr zum Thema

Kommentare