Menschen machen Gymnastik auf ihrem Dach mit Solarzellen.
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Ein Privathaushalt an der Costa Blanca versorgt sich selbst zu großen Teilen mit einer Solaranlage.

Energiewende in Spanien

Solaranlagen in Spanien: Welche Förderungen gibt es?

  • VonMathias Pillasch
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Seit letztem Sommer gibt es in Spanien mehr Förderung für Solaranlagen. Gerade in Anbetracht steigender Strompreise kann das Privathaushalte animieren. Sowohl für die Installation als auch bei verschiedenen Steuern sind für die Verbraucher Subventionen möglich.

„Der Anstieg der Energiepreise in den letzten sechs Monaten hat das Interesse an Beihilfen oder Subventionen in Spanien verstärkt. Dank der europäischen Finanzhilfen können sich auch einkommensschwächere Kunden Solaranlagen leisten“, sagt Daniel Nilsson, Geschäftsführer von Svea Solar Spanien, einer europaweit vertretenen Solarfirma mit Zweigstelle in Alicante an der Costa Blanca. „Immer mehr Menschen wollen nicht nur Strom sparen, sondern auch durch eigene Stromerzeugung, die sauber und umweltfreundlich ist, zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen beitragen.“

Im Sommer 2021 hat die spanische Regierung ein Paket von bis zu 1,3 Milliarden Euro an Subventionen für Solaranlagen sowie Speicher- und Klimaanlagen mit erneuerbaren Energien genehmigt. Diese Mittel werden mit dem Fonds NextGenerationEU finanziert. Dieser hat europaweit einen Umfang von 750 Milliarden Euro, die man bis 2023 verteilen will. Gelder, die unter anderem in erneuerbare Energien (European Green Deal) und Energieeffizienz investiert werden sollen. Insbesondere in Regionen wie Spanien, die von der Covid-19-Pandemie seit 2020 wirtschaftlich stark geschädigt wurden.

Subventionen für Solarstrom: Für Spanien kann die Energiewende eine Chance sein

Der Finanzrahmen von einer Billion Euro im EU-Haushalt, macht den NextGenerationEU-Fonds zum größten Konjunkturpaket aller Zeiten in Europa und zu einer Triebfeder der grünen Wende in der Energiepolitik des Kontinents. Spanien hat ein immenses Potenzial bei dieser Energiewende, betrachtet man allein die rund 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Die Subventionen motivieren auch Privathaushalte zur Installation von Solaranlagen, gerade in Zeiten steigender Strompreise. Aber auch Gemeinden und Kommunen rüsten mittlerweile um. Kein Wunder also, dass sich die Sonnenenergie in Spanien stark im Aufwind befindet, sogar der schwedische Möbelkonzern Ikea ist schon auf den Trichter gekommen.

Die spanische Regierung will mit den Subventionen den Ausbau erneuerbarer Energien und die Dekarbonisierung vorantreiben, die CO2-Emissionen um mehr als eine Million Tonnen pro Jahr reduzieren, dabei gleichzeitig aber auch das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent steigern sowie mehr als 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die 1,3 Milliarden Euro des spanischen Konjunkturpakets werden zum einen auf den privaten Sektor und zum anderen auf den Unternehmenssektor aufgeteilt. 900 Millionen Euro aus dem Gesamt-Topf sind dabei für Beihilfen für Eigenverbrauchsanlagen vorgesehen. Bei Privatpersonen können sich die Zuschüsse so auf 40 Prozent für die Installation von Solarzellen, bei kollektivem Eigenverbrauch sogar auf 50 Prozent belaufen.

Wer kommt für Förderungen in Spanien in Frage?

Grundsätzlich kann jeder Besitzer einer Eigentumswohnung, beziehungsweise eines Hauses in Spanien Förderungen für Solaranlagen beantragen. Aber für welche Haushalte kommt die Umrüstung auf Solarenergie überhaupt in Frage? Dabei orientiert man sich nicht zwangsläufig an der Größe der Wohnfläche, sondern vielmehr am Verbrauch des Haushalts. Aber natürlich braucht man auch Platz, um die Sonnenpaneele zu installieren. „Normalerweise beträgt die Mindestdachfläche, die für die Installation einer Photovoltaikanlage erforderlich ist, etwa zwölf Quadratmeter, was sechs Modulen entspricht“, so Daniel Nilsson. Zudem kommen noch andere Faktoren hinzu.

Ein Schrägdach gen Süden wie hier in Altea la Vella ist ideal geeignet für die Installation von Solaranlagen.

Ideale Dächer für Fotovoltaikanlagen haben eine freie, insbesonders schattenfreie Fläche, die nach Süden ausgerichtet ist und im Optimalfall eine Neigung der Paneele von etwa 40 Grad möglich macht. Wenn die Paneele hingegen nach Südwesten oder Südosten ausgerichtet sind, gehen bereits etwa sechs Prozent der Jahresproduktion verloren. Auch eine Neigung ober- oder unterhalb der besagten 40 Grad führt bereits zu leichten Produktionsrückgängen.

Spanien: Subventionen für die Installation

Die Kosten für die Installation einer Solaranlage variieren. Der Betrag richtet sich auch nach der Art der Anlage. Einige Solar-Installateure bieten auf ihren Internetseiten Rechner an, um die Installationspreise oder die mögliche Stromgewinnung zu kalkulieren. Das sollte der erste Schritt sein, um sich einen groben Überblick zu verschaffen. Danach sollte man sich von Installationsfirmen beraten lassen und gegebenenfalls auch Kostenvoranschläge vergleichen. Hat man sich für einen Installateur entschieden, sollte einen dieser mit gutem Rat durch die Installationsvorbereitungen führen. Das beinhaltet auch den anstehenden Papierkram, um die erforderlichen Genehmigungen für die Installation zu erhalten.

Solaranlagen mit kleinen oder großen Paneelen? Lösungen können individuell sein.

Die Installationsfirma berät auch dabei, wieviele Paneele für eine Eigenverbrauchanlage nötig sind. Für einen Zwei-Personen-Haushalt wird die Installation von sechs bis 12 Modulen empfohlen, je nach Energieverbrauch und Platzangebot auf dem Dach. Die Amortisation würde in diesem Fall zwischen fünf und sechs Jahren liegen. Die finanziellen Einsparungen können monatlich dabei bis zu 70 Prozent betragen – allerdings hängt das alles auch stark von den Verbrauchsgewohnheiten der Haushalte ab.

Wie beantragt man die Förderung für die Installation einer Solaranlage in Spanien?

Als Privathaushalt sollten Sie sich zunächst mit dem Unternehmen, mit dem Sie die Photovoltaikanlage installieren möchten, verbindlich einigen. Anschließend muss auf der Website der jeweiligen Autonomen Gemeinschaft (Comunidad autónoma), in der der Kunde seinen Wohnsitz hat, ein Erstantrag gestellt werden. Dieser enthält Unterlagen über die Person, die den Zuschuss beantragt, Einzelheiten über das Projekt und verschiedene Erklärungen zur Verantwortung. Nach Vorlage der erforderlichen Unterlagen muss die Antwort der Behörden abgewartet werden, um im Falle der Genehmigung der Subvention eine nachträgliche Rechtfertigung durch Rechnungen, Bankbelege, Projektberichte und andere Dokumente zu erhalten.

Die Antwortzeit auf den Erstantrag kann bis zu sechs Monate betragen, die Begründungsfrist beträgt weitere zwölf bis 18 Monate. Der Zuschuss deckt sowohl das Material als auch die Vorleistungen für die Ausarbeitung von Projekten, technische Berichte, Verwaltungs- und gegebenenfalls Bauarbeiten ab.

Steuerliche Abzüge für Solaranlagen in Spanien: Wo werden sie beantragt?

Einen weiteren Anreiz für Privathaushalte mit Eigenverbrauchsanlagen sollen steuerliche Begünstigungen darstellen. Diese können sich je nach Region und nach Gemeinde unterscheiden. Am Beispiel der Comunidad Valenciana bedeuten die Steuernachlässe zunächst, im Falle der IRPF (persönliche Einkommenssteuer) einen Abzug von 20 Prozent der getätigten Investitionen, bis maximal 8.000 Euro. Abzüge von 50 Prozent können zudem bei der IBI (Immobiliensteuer) geltend gemacht werden. Außerdem gibt es Steuererleichterungen bei der ICIO (Steuer auf Gebäude, Anlagen und Bauarbeiten) zwischen 50 und 90 Prozent, immer abhängig von der Gemeinde, in der die Solaranlage installiert wird.

„Bei der ICIO wird der Antrag bei der jeweiligen Gemeinde vor der Installation gestellt, zusammen mit dem Antrag auf die Baugenehmigung“, sagt Experte Daniel Nilsson. „Um den IBI-Nachlass zu beantragen, müssen jedoch nach der Installation und der Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung eine Reihe von Dokumenten vorgelegt werden, die in der geltenden Verordnung des Rathauses gefordert werden. Leider gibt es keine allgemeingültige Regel für alle Kommunalverwaltungen.“ Die Unterlagen, die eine Gemeinde verlangt, können sich von einer zur nächsten unterscheiden. Das kann die Suche nach allgemeinen Informationen im Internet etwas schwierig gestalten. Jedoch sind die nötigen Dokumente immer auf der Website der jeweiligen Gemeinde angegeben. Und dort werden Sie über eventuelle Fristen in der Gemeinde informiert. Alternativ kann man auch zuständige Sachbearbeiter der Gemeinde im Rathaus kontaktieren.

Noch mal kurz zusammengefasst: Man kann sowohl für die Installation der Solaranlage, als auch bei IRPF, IBI und ICIO von Förderungen in Spanien profitieren. Es gibt also einige finanzielle Anreize für die persönliche grüne Wende. Auch wenn diese zugegebenermaßen zunächst mit etwas undurchsichtigem, bürokratischem Aufwand verbunden ist.

Zum Thema: Goldrausch bei Erneuerbaren Energien in Spanien - Tausende Mega-Solarparks geplant

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