30 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung auf einer Straße gezeichnet
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In Spanien gilt ein neues Tempolimit: Innerorts ist die Geschwindigkeit jetzt auf 30 Stundenkilometer beschränkt.

Neue Straßenverkehrsordnung

Tempolimit in ganz Spanien: Innerorts nur noch 30 Stundenkilometer

  • Daniela Schlicht
    vonDaniela Schlicht
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Spanien führt als erstes Land der Welt das 30-Stundenkilometer-Tempolimit im ganzen Ortsgebiet ein. Ob die Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts 20, 30 oder 50 Stundenkilometer beträgt, hängt von der Beschaffenheit der Straße ab.

Madrid - Seit dem 11. Mai gelten in Spaniens Ortsgebieten neue Geschwindigkeitsbegrenzungen. Welche Höchstgeschwindigkeit im Einzelfall gilt, ist abhängig von der Anzahl der Fahrstreifen. Ziel dieser Maßnahme ist vor allem, die Zahl der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr drastisch zu senken. Für die Umsetzung der neuen Straßenverkehrsordnung wurde eigens ein Handbuch als Orientierungshilfe für die Rathäuser erstellt. Zudem steht es auf den Webseiten der Dirección General de Tráfico (Generaldirektion für Straßenverkehr), kurz DGT, und der Federacion Española de Municipios y Provincias (Spanischer Verband der Gemeinden und Provinzen), kurz FEMP zum Download bereit.

Spanien: Neue Tempolimits innerorts schon letztes Jahr beschlossen

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen für Ortsgebiete kommen nicht überraschend. Eine Änderung der Straßenverkehrsordnung in puncto Tempolimits in Spanien wurde bereits im letzten Jahr genehmigt und angekündigt. Damit Autofahrer von dieser Neuerung rechtzeitig in Kenntnis gesetzt werden und die lokalen öffentlichen Verwaltungen genügend Zeit haben, die Beschilderung und/oder die Infrastruktur anzupassen, wurde eine Frist von sechs Monaten ab der Veröffentlichung des Dekrets im Gesetz- und Amtsblatt des spanischen Staates (BOE), für sein Inkrafttreten festgelegt.

Von daher gelten nun seit dem 11. Mai 2021 innerorts in Spanien besondere Geschwindigkeitsbegrenzungen, die wie folgt aussehen:

  • 20 km/h auf Straßen mit nur einer Fahrspur und seitlichen Gehsteigen, die sich allesamt auf einer Ebene befinden – also wenn der Gehweg keinen Höhenunterschied zur Straße hat – wie es oft in den Altstädten der Fall ist.
  • 30 km/h auf Straßen mit einer einzigen Fahrbahn in jeder Verkehrsrichtung.
  • 50 km/h auf Straßen mit zwei oder mehr Fahrspuren in jeder Richtung.

Selbstverständlich bestätigen Ausnahmen jede Regel. Das ist auch bei den neuen Tempolimits in Spanien der Fall. Dafür bedarf es einer Genehmigung der jeweiligen Kommune. Als Begründung für die neuen Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts nennt die DGT:

  • Die Stadt- und Gemeindeverwaltungen forderten ein rechtliches Regelungsdach, um die 30 km/h in ihren Ortschaften anwenden zu können.
  • Im Jahr 2019 stieg die Zahl der Verkehrstoten in Ortsgebieten um sechs Prozent, während sie auf Überlandstraßen um sechs Prozent zurückging.
  • 82 Prozent der Verkehrstoten in Städten waren im Jahr 2019 besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer.
  • Das Risiko, an den Folgen eines Zusammenpralls mit einem Auto ums Leben zu kommen, wird reduziert. Denn bei einer Fahrzeuggeschwindigkeit von 30 km/h beträgt das Risiko nur noch zehn Prozent.
  • Der Bremsweg des Fahrzeugs halbiert sich, wenn von 50 km/h auf 30 km/h gedrosselt wird.
  • Erfahrungen mit Tempo-30-Zonen in Städten belegen den positiven Effekt auf die Unfallzahlen, die etwa um 40 Prozent sinken.
  • Der Umgebungslärm wird etwa halbiert.

Neue Tempolimits in Spanien: Diese Bußgelder drohen

Mit den neuen Tempolimits in Spanien können Überschreitungen mit Bußgeldern von 100 bis 600 Euro geahndet werden, je nach der im Verkehrs- und Straßensicherheitsgesetz festgelegten Skala. Schwere oder sehr schwere Verstöße haben zudem den Verlust von zwei bis sechs Führerscheinpunkten zur Folge. Wer zum Beispiel mit über 70 km/h in einem neuen, auf 30 km/h begrenzten Abschnitt fährt, muss mit einem Bußgeld von 500 Euro und einem Abzug von sechs Punkten rechnen.

Zur Erinnerung: Wird das Bußgeld innerhalb von 20 Tagen bezahlt, gibt es normalerweise eine Ermäßigung von 50 Prozent des geforderten Betrags. Und: Wer einen Strafzettel im europäischem Ausland erhält, kommt nicht mehr um das Bußgeld herum, denn mittlerweile können Strafen aus allen EU-Staaten in Deutschland vollstreckt werden.

30 km/h-Regelung innerorts: Eine Folge der Agenda 2030

Die neue Geschwindigkeitsbegrenzung in Spanien, beziehungsweise die „30 km/h-Regelung in Ortsgebieten“ ist nicht einfach so aus einer Laune der spanischen Regierung heraus entstanden. Tatsächlich ist sie eine Folge der Agenda 2030, die im September 2015 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedet wurde. Diese beinhaltet 17 Ziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung in allen Ländern, die auch als Grundlage für die „Stockholmer Erklärung 2020“, einer globalen Ministerkonferenz zur Straßenverkehrssicherheit, dienten. Einer der Punkte in der Erklärung behandelt die Etablierung einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf Straßen in städtischen Gebieten.

Genau genommen wird aus dem Schreiben zitiert: „Der Schwerpunkt liegt auf dem Geschwindigkeitsmanagement, einschließlich der Stärkung der Strafverfolgung zur Verhinderung von Geschwindigkeitsüberschreitungen und der Anordnung einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h in Gebieten, in denen sich ungeschützte Verkehrsteilnehmer und Fahrzeuge häufig begegnen. Es sei denn, es gibt schlagende Beweise dafür, dass höhere Geschwindigkeiten sicher sind, wobei festgestellt wird, dass Maßnahmen zur Verringerung der Geschwindigkeit im Allgemeinen eine positive Auswirkung auf die Luftqualität und den Klimawandel haben und von entscheidender Bedeutung für die Verringerung der Zahl von Toten und Verletzten sind...“ - Man erinnere sich nur etwa an den schweren Motorradunfall in Dénia, bei dem ein 48-Jähriger noch an der Unfallstelle verstarb im vergangenen Jahr.

Auch Motorradfahrer sollen mit dem neuen Tempolimit in Spanien geschützt werden.

Spanien als Vorreiter bei neuem Tempolimit - 30 km/h innerorts soll Schule machen

Neben Spanien werden sicherlich viele weitere Länder folgen, denn das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts wird vorangetrieben. So fand vom 17. bis 23. Mai die „6th UN Global Road Safety Week“, eine „globale Woche der Verkehrssicherheit“ statt. Promoted wird das Ganze mit dem Slogan „Streets for Life“ sowie als #Love30-Hashtag für die Verbreitung im sozialen Kurznachrichtendienst Twitter.

Die UN-Generalversammlung beauftragte die Weltgesundheitsorganisation WHO und die UN-Regionalkommissionen mit der Planung und Durchführung regelmäßiger „UN Global Road Safety Weeks“. Auf der Webseite www.unroadsafetyweek.org, wird die Forderung eines weltweiten 30 km/h Tempolimits in Städten folgendermaßen begründet:

  • 30 km/h-Straßen schützen alle, die sie benutzen, besonders aber die Schwächsten, wie Fußgänger, Radfahrer, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
  • Tempo-30-Straßen sind entscheidend für den Übergang zu einer kohlenstofffreien Mobilität. Um die Umwelt zu schützen, brauchen die Menschen sichere Straßen mit niedriger Geschwindigkeit, um nachhaltige Verkehrsmittel zu fördern.
  • Lebenswertere Straßen, die durch niedrige Geschwindigkeiten ermöglicht werden, sind das Herzstück der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung und können viele ihrer Ziele erleichtern

Die Woche vom 17. bis 23. Mai war auch der offizielle Startschuss für die Aktionsdekade für Verkehrssicherheit 2021-2030 und einen globalen Plan, der sich an der Stockholmer Erklärung orientieren wird.

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