Eine junge Frau sprüht ihren Arm mit einem Mückenspray ein.
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Auf dem Markt gibt es mittlerweile viele Produkte zum Schutz vor den Stichen der Tigermücke & Co.

Vorsicht, Stiche

Tigermücke in Spanien: Drohen Krankheiten? Welchen Schutz gibt es?

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Tigermücken finden in Spanien zurzeit ideale Bedingungen zur Ausbreitung vor. Welche Krankheiten sie übertragen, und welche Maßnahmen es zum Schutz gibt.

In Spanien finden Tigermücken aktuell ideale Bedingungen zur Vermehrung und Ausbreitung vor - ohne in Alarmismus zu verfallen, ist Vorsicht vor Krankheiten und daher Schutz durch entsprechende Maßnahmen gegen Stiche geboten. Der ergiebige Regen im Mai, allen voran auch an der Costa Blanca, brach Rekorde. Gleich danach folgte die Hitze, Mitten im Mai, mit Temperaturen von mancherorts über 40 Grad. Allesamt paradisische Voraussetzungen für die rasante Ausbreitung von Stechmücken, darunter der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus). Der eingeschleppte Exot aus Südostasien ist besonders lästig, da diese Mückenart auch tagsüber aktiv ist. Zudem kann die Tigermücke Überträger von Krankheiten, beziehungsweise des tropischen Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus sowie das West-Nil-Virus sein. Leider macht in Spanien auch die Kriebelmücke - mosca negra - weiter von sich Reden. Mit Präventivmaßnahmen ist man daher gut beraten.

Tigermücke in Spanien: Wie erkennt man sie? Welche Merkmale gibt es?

Zwar viele, aber nicht jeder in Spanien (er)-kennt die Tigermücke. Mit Tigermücke ist eigentlich immer die asiatische Tigermücke gemeint. Das Insekt gehört zur Familie der Stechmücken und ähnelt der etwas größeren gemeinen Stechmücke. Allerdings gibt es im Aussehen einen entscheidenden Unterschied: statt bräunlich, ist die Tigermücke schwarz mit prägnanten weißen Streifen auf Körper und Beinen. Wie bereits erwähnt, sind Tigermücken bei ihren Stichen aggressiver als die gemeinen Stechmücken in Spanien, da sie auch am hellichten Tag ihre Opfer attackieren. Der Grund dafür ist, dass die weiblichen Tigermücken – wie alle anderen weiblichen Mücken – Blut, ob vom Mensch oder Tier, benötigen, damit ihre Eier heranreifen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Stechrüssel der Mücken, so auch der Tigermücken, aus sechs Nadeln besteht! Zwei sind mit winzigen Sägezähnen ausgestattet. Damit durchtrennt die Mücke die Haut. Mit weiteren zwei Nadeln wird die Haut auseinandergehalten. Die fünfte Nadel fungiert als Sonde, um ein geeignetes Blutgefäß zu orten, und die Sechste dient letztendlich dem Saugen von Blut. Mit der sechsten Nadel wird zudem der blutgerinnungshemmende Speichel eingeschleust. So kann die Tigermücke sich unter anderem genüsslich beim Blutsaugen den Bauch vollschlagen.

Mücken wie die Tigermücke können Krankheiten übertragen.

Stich der Tigermücken: Unangenehmer Juckreiz und Hautinfektionen - Was tun?

Schlussendlich ist es der Stich mit dem Speichel der Tigermücken, der den unangenehmen Juckreiz auslöst. Sich an der Stichstelle zu kratzen sollte möglichst unterlassen werden, denn dadurch kann sich der Speichel weiter verteilen und den Juckreiz verstärken. Außerdem kann sich durch das Kratzen die Stichstelle entzünden und Hautinfektionen wie Impetigo (auch Borkenflechte, Grindflechte, Eiterflechte oder Schleppe genannt) hervorgerufen werden. Insbesondere bei Mückenstichen im Gesichts- und Halsbereich ist Vorsicht mit dem Kratzen geboten. Hier könnte die Folge gar ein anaphylaktischer Schock sein, der in einigen Fällen lebensbedrohlich sein kann.

Gegen die Schwellung, Rötung und den Juckreiz des Mückenstichs sowie um den Entzündungsprozess einzudämmen, werden kaltes Wasser, in einem Küchentuch eingeschlagene Eiswürfel, ein Kühlpad oder ein feuchter Lappen empfohlen. Hilfreich ist auch das Auftragen einer kortisonhaltigen Salbe. Zuvor aber empfiehlt es sich, den Stich mit 90-prozentigem Alkohol oder einem Desinfektionsmittel zu reinigen. Wer sehr unter dem Tigermücken-Stich leidet, kann zur Linderung Antihistaminika oder Hydrocortison anwenden. Zu den alternativen Hausmitteln gegen Mückenstiche gehören laut dem Bericht von www.levante-emv.com: Talkum-Puder (lindert den Juckreiz), Pfefferminze (wirkt kühlend), Aloe Vera oder Eukalyptus. Etwas bekannter sind die Anwendungen von Essig, einer Scheibe frischem Ingwer oder einer aufgeschnittenen Zwiebel.

Tigermücken: Übeträger von Krankheiten und vorbeugende Maßnahmen

Die asiatische Tigermücke kann nachweislich Überträger zahlreicher tropischer Krankheiten sein, darunter insbesondere das Chikungunya- und Dengue-Fieber sowie die Zika- und West-Nil-Viruserkrankung:

  • Die Krankheitssymptome des Chikungunya-Fiebers – darunter fallen hohes Fieber, starke Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen, in einigen Fällen auch Hautauschlag – treten meist erst sieben bis neun Tage nach dem Tigermücken-Stich auf. In der Regel ist die Erkrankung ungefährlich. Bei Neugeborenen, Senioren oder Personen mit chronischen Krankheiten werden teilweise schwerere Krankheitsverläufe beobachtet.
  • Auch das Dengue-Fieber macht sich erst nach Tagen, meist vier bis sieben, nach dem Tigermücken-Stich bemerkbar. Bei 40 bis 80 Prozent der Fälle ist der Infektionsverlauf asymptomatisch. Ansonsten äußert sich das Dengue-Fieber überwiegend durch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschläge.
  • Beim Zika-Virus verlaufen 60 bis 80 Prozent der Fälle ebenfalls asymptomatisch. In wenigen Fällen kann es zu schweren neurologische Komplikationen wie dem Guillain-Barré Syndrom kommen. Neben dem Stich einer infizierten Tigermücke kann das Zika-Virus auch durch sexuellen Kontakt übertragen werden und infizierte Schwangere können es an den Fötus weitergeben.
  • Die West-Nil-Virus-Erkrankung, welche hauptsächlich bei Vögeln auftritt und dann von Mücken wie der Tigermücke übertragen werden kann, ruft überwiegend keine oder nur milde, grippeähnliche Symptome hervor wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie ab und an Hautrötungen. Bei unter einem Prozent der Infizierten können gefährliche Gehirn- und Hirnhautentzündungen auftreten.

Als vorbeugende Maßnahmen wird der Schutz vor Stichen sowohl in geschlossenen Räumen als auch draußen empfohlen. Kurzum: das Tragen von langärmligen, weiten Kleidern, die Verwendung von Mückensprays und das Schlafen unter einem imprägnierten Mückennetz. Alle Angaben beruhen auf den Informationen des BAG – dem Bundesamt für Gesundheit.

Schlagartiger Inzidenzanstieg des West-Nil-Virus in Spanien

In Spanien ist die Verbreitung des West-Nil-Virus (virus del Nilo occidental) durch die Tigermücken seit zwei Jahrzehnten bekannt. Gemäß dem spanischen „Zentrum für die Koordinierung von Gesundheitswarnungen und Notfällen“ (Centro de Coordinación de Alertas y Emergencias Sanitarias) wird seit 2001 die Überwachung bei Tieren und seit 2007 bei Menschen durchgeführt. Bis 2019 wurden nur sechs sporadische Fälle beim Menschen festgestellt. Allerdings änderte sich das im Jahr 2020 schlagartig, als Spanien einen nie dagewesenen Anstieg der Inzidenz erfuhr: 77 Fälle bei Menschen (56 in Sevilla - Costa Nachrichten berichteten unter dem Artikel: „Nächste Plage trifft Andalusien: West-Nil-Virus grassiert am Ufer des Guadalquivir“ -, 15 in Cádiz, sechs in Badajoz), von denen 97 Prozent Symptome von Meningoenzephalitis (Gehirnentzündung) aufwiesen und acht von ihnen starben.

Ausbreitung der Tigermücke in Europa

Die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit wurden in den meistbetroffenen Gebieten intensiviert, einschließlich Moskitoüberwachung und Vektorkontrolle. Im August 2021 verzeichnete dasselbe Gebiet drei weitere Fälle. Ferner gab es vier Ausbrüche von Pferdepest, einer Virusinfektion, die ebenfalls von Tigermücken übertragen werden kann.

Tigermücke als tödlichstes Tier der Welt bezeichnet

Als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnete Bill Gates die Tigermücke schon im Jahr 2014. Nicht umsonst investiert der Milliardär seither in Projekte, wie die des britischen Biotech-Konzerns Oxitec, die der Bekämpfung von Mücken dienen. So kommt es, dass derweil ein gewagtes Experiment in den USA für Schlagzeilen sorgt, wie unter anderem die „Stuttgarter Nachrichten“ („Gen-Moskitos gegen Mückenplage“) oder der „Focus“ („Lästig und gierig nach Blut: DNA-Experiment soll weibliche Mücken ausrotten“) berichteten. Auf den Florida Keys ließ der britische Biotech-Konzern Oxitec fünf Millionen gentechnisch veränderte männliche Mücken frei.

Sie sollen sich im Rahmen des Experiments mit den in der Natur lebenden Mücken-Weibchen paaren. Der weibliche Nachwuchs soll laut der beteiligten Wissenschaftler dann nicht mehr überlebensfähig sein, sondern nur noch der männliche. Oxitec versicherte, dass die veränderten Gene dazu beitragen sollen, dass die Mückenbestände langfristig zurückgehen – ohne jede Gefahr für Menschen und Umwelt.

Mückenplage: Maßnahmen gegen die Zunahme von Mückenpopulationen

Gemeinden von der Costa Blanca bis hin zur Costa del Sol treffen fast jährlich Maßnhamen gegen die Zunahme der Mückenpopulationen. So hat auch kürzlich in der Provinz Alicante Elche nach dem vielen Regen, den Mosquito den Kampf angesagt. Auch jeder einzelne Bürger kann etwas gegen eine Tigermücken- oder allgemeine Mückenplage tun. Um eine Zunahme der Mückenpopulation zu vermeiden, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Vermeiden Sie Behälter, in denen sich Wasser ansammeln kann: Eimer, Fässer, Blumentöpfe und Untersetzer, Räder, Vasen und Ähnliches, oder drehen Sie diese wenn möglich nach Gebrauch auf dem Kopf.
  • Beseitigen Sie angesammeltes Wasser oder erneuern Sie es periodisch. Maximal jede Woche, im Sommer besser alle drei Tage.
  • Vermeiden Sie Staunässe bei der Bewässerung.
  • Dichten Sie Wassertanks ab oder nutzen Sie ein Moskitonetz.
  • Regelmäßige Reinigung von Dach- und Terrassenrinnen.
  • Aufrechterhaltung eines ausreichenden Chlorungsgrads in Pools.
  • Für Teiche/Brunnen: Einsetzen von Zierfischen, die sich von Mückenlarven ernähren.
  • Die Tigermücke entfernt sich nicht allzu weit von ihrem Geburtsort; wenn Sie also zu Hause gestochen werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich ganz in der Nähe eine Brutstätte befindet.
  • Herstellung einer einfachen Mückenfalle aus warmem Wasser, frischer Hefe und Zucker. Diese Mischung erzeugt Kohlendioxid und lockt die Mücken an.
  • Geben Sie diese Informationen an Kinder, Eltern, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen weiter, auch in Sozialen Netzwerken, etc.

In Spanien wird die beißende Kriebelmücke zur Plage

In Spanien stellt neuerdings eine weitere Plage für Mensch und Tier die mosca negra, die Kriebelmücke (Simulium erytrocephalum) dar. Die Spezies ist keine invasive Art, sondern ein in den iberischen Ökosystemen beheimatetes Insekt, das aber seit einigen Jahren Spitzenwerte in seiner Population erreicht. Der Biss der Kriebelmücke ist besonders intensiv. Dieses Insekt beißt nicht nur in die Haut, sondern hinterlässt einen sichtbaren Bluterguss, der mehrere Tage bis zu einer Woche andauern kann. Bislang ist die Kriebelmücke in Spanien noch nicht zu einem Überträger von Krankheiten geworden – nicht so verhält es sich in anderen Ländern wie in Afrika südlich der Sahara, Brasilien und Venezuela. Dort überträgt sie vor allem Onchozerkose. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 18 Millionen Menschen infiziert, und etwa 270. 000 sind durch diese Krankheit, die auch als „Flussblindheit“ bezeichnet wird, erblindet.

Zu den Brutstätten der Kriebelmücke zählen Flussbetten, insbesondere in der Vegetation, die bei sinkendem Wasserstand freigelegt wird. Derzeit sind die spanischen Regionen Andalusien, Aragonien, Katalonien, Madrid, Murcia und Valencia am stärksten vom Auftreten der Kriebelmücke betroffen.

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