Trauernde tragen gemeinsam einen Sarg.
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Oft unverhofft - Trauerfall in Spanien.

Oft unverhofft und unerwartet

Tod in Spanien: Checkliste für den Trauerfall vom Experten

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Experte Dr. Rainer Fuchs gibt Tipps, was bei Tod, Beerdigung oder Überführung in Spanien zu beachten ist und hat eine Checkliste für den Sterbefall zusammengestellt.

Von Dr. Rainer Fuchs - Oft kommt Tod unverhofft und trifft auch Deutsche, die ihr „drittes Alter“ – die „tercera edad“, wie es hierzulande heißt – im schönen Spanien verbringen. Im Februar zum Beispiel trauerte Calp um die Schweizerin Marie-Luise Blattmann. Somit ist es angebracht, rechtzeitig auch darüber nachzudenken, was im Todesfall des Partners zu tun ist. Der November mit seinen kühleren und kürzeren Tagen mag dafür ein geeigneter Monat sein. In Spanien ist das Bestattungswesen weitaus liberaler gestaltet als in Deutschland, wo alles reglementiert ist. Wie in den meisten europäischen Ländern kann hier zum Beispiel die Asche des Verstorbenen in der Urne auf den heimischen Kamin gestellt oder im Garten und anderswo vergraben werden. Auch im katholischen Spanien hat sich die Feuerbestattung ausgebreitet, seit der Vatikan sie 1966 zugelassen hat. Wer auf eine katholische kirchliche Feier Wert legt, darf allerdings die Urne nicht zu Hause aufbewahren und vor allem die Asche nicht auf See oder anderswo verstreuen.

Tod in Spanien: Checkliste - Was ist im Trauerfall zu tun?

Was es bei einem Trauerfall in Spanien zu tun gibt, hat der Experte Dr. Rainer Fuchs in einer Checkliste zusammengestellt:

  • Beauftragung eines internationalen Bestattungsunternehmens: Das ist sehr zu empfehlen, schon deshalb, weil Ihnen die im Folgenden aufgeführten Formalitäten in spanischer Sprache abgenommen werden. Dann ist für die Formalitäten auch keine Anreise von Angehörigen aus Deutschland erforderlich. Kontaktdaten der örtlichen international tätigen Beerdigungsinstitute finden Sie auf den Internet-Seiten der Botschaften und Konsulate. Andere Institute können Sie unter „Funeraría“ mit der Angabe Ihres Wohnortes auch im Internet finden, wenn Sie im Spanischen sicher sind und Geld sparen möchten.
  • Klären Sie, ob es eine Versicherung gibt, die Leistungen im Todesfall einschließt. Das kann Bestandteil Ihrer Reiseversicherung oder eines Schutzbriefes des Automobilclubs sein.
  • Der Totenschein (Certificado Médico de Defunción, CMD) wird vom betreffenden Krankenhaus oder dem örtlich zuständigen Centro de Salud ausgestellt.
  • Innerhalb eines Tages muss mit dem Totenschein im örtlich zuständigen Standesamt (Registro Civil) die Eintragung ins Sterberegister erfolgen. Dort erhält man die Sterbeurkunde (Inscripción de la Defunción) und den Beerdigungsschein (Licencia de Enterramiento).
  • Achten Sie darauf, dass Ihnen die Sterbeurkunde international ausgestellt wird. Sie wird ohne Übersetzung auch in Deutschland anerkannt. Sie müssen die Entscheidung treffen, ob eine Bestattung in Spanien erfolgen soll oder eine Überführung nach Deutschland vorgesehen ist. In Spanien stehen auch die deutschen Geistlichen beider Konfessionen zur Verfügung. Ist die Bestattung in Spanien vorgesehen, kommt eine Einäscherung oder die übliche Nischen- oder Erdbestattung in Betracht.
  • Im Fall der Einäscherung findet die Zeremonie im Krematorium statt und Sie erhalten wenige Stunden später die Urne mit der Asche. Damit können Sie nach Belieben verfahren, also sie mitnehmen, nach Deutschland überführen oder auf See verstreuen. Auf öffentlichen Wegen und Flächen ist das nicht gestattet; auf See muss ein Abstand von einem Kilometer zur Küste eingehalten werden.
  • Bei einer Nischenbestattung ist zu beachten, dass die Nische oft noch während der Zeremonie auf dem Friedhof mit Mörtel verschlossen wird. Dies mag für uns befremdlich sein; gegebenenfalls sollte es mit dem Bestattungsunternehmen anderes geregelt werden.
In Spanien ist das Bestattungswesen liberaler geregelt als in Deutschland – eine Nischenbestattung ist eine Möglichkeit.

Sterbefall in Spanien: Überführung nach Deutschland

Wenn bei einem Sterbefall in Spanien die Asche offiziell nach Deutschland überführt werden soll, erfolgt dies meist über Luftfracht. Niemand wird Sie anhalten, wenn Sie die Überführung mit dem Auto durchführen. Achtung: Bedenken Sie, dass dann in Deutschland wieder Beisetzungspflicht besteht! Die Urne muss auf einem Friedhof beigesetzt werden. Kontrollen dürfte es aber kaum geben...

Wenn die Bestattung in Deutschland erfolgen soll, erfolgt die Überführung in einem Zinksarg, der sich im Überführungssarg befindet. Dieser Sarg sollte nicht dem spanischen Standard entsprechen, weil auf deutschen Friedhöfen die Särge keine Metallteile enthalten dürfen.

Mit welchen Kosten muss man bei einem Sterbefall in Deutschland sowie in Spanien rechnen?

Mit welchen Kosten man bei einem Sterbefall rechnen muss, ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland muss man, je nach Gemeinde und Beerdigungsinstitut, mit zwischen etwa 3.500 und gut 9.000 Euro rechnen. In Spanien ist das sehr viel günstiger. Sinnvoll ist es, nach Möglichkeit verschiedene Angebote von Beerdigungsinstituten einzuholen. Unterschiede ergeben sich bei der Nischenbestattung auch aus der Dauer der Nutzung, die zwischen 20 und 99 Jahren liegt. Von etwa 2.000 bis 5.000 Euro kann man ausgehen.

Und was ist mit der Krankenversicherung bei einem Trauefall?

Wenn Sie selbst gesetzlich versichert sind, hat dies keine Auswirkungen. Dann teilen Sie nur der Krankenversicherung Ihres verstorbenen Partners die Veränderung mit. Das gilt entsprechend auch dann, wenn Sie und Ihr Partner privat kranken- und pflegeversichert waren beziehungsweise sind. Vielleicht sind Sie aber familienversichert, also ohne eigene Erwerbstätigkeit als Ehepartner mitversichert. Sie teilen dann der gesetzlichen Kasse mit, dass Ihr Partner verstorben ist.

Damit endet automatisch Ihre Mitversicherung als Partner. Das ist in aller Regel aber kein Problem, wenn ein Antrag auf Hinterbliebenenrente gestellt wird. Dabei wird geprüft, ob die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Rentner erfüllt sind.

  • War der Partner bereits Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner, bleibt die Witwe oder der Witwer automatisch in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner.
  • War der Verstorbene noch kein Rentner, so kommt es darauf an, ob er neun Zehntel seines Erwerbslebens gesetzlich versichert war und entsprechend Familienversicherung bestanden hat. Liegen die Voraussetzungen der Versicherungspflicht nicht vor, so kann der hinterbliebene Partner in die gesetzliche freiwillige Versicherung eintreten.
  • Achtung: Dafür gilt eine Frist von nur drei Monaten nach dem Ende der Versicherungspflicht als Familienangehöriger! Hilfe und weitere Auskünfte sollten Sie immer auch in Ihrem zuständigen Honorarkonsulat in Alicante oder Valencia, im Generalkonsulat in Barcelona oder in der Deutschen Botschaft in Madrid einholen.

Hinweis: Alles, was man als Resident in Spanien wissen muss, findet sich auch in der 3. aktualisierten Auflage des Ratgebers „Sorgenfrei leben unter Spaniens Sonne“, erhältlich in den Geschäftsstellen der Costa Blanca Nachrichten, im Buchshop unter www.costanachrichten.com/shop sowie im Buchhandel (ISBN 9783000629211) für 24,90 Euro zzgl. Versand. Infos unter: www.ratgeberspanien.de

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