Mehrere Wohnhäuser in einer spanischen Wohnsiedlung vor einem Berg.
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Die Wertzuwachssteuer beim Verkauf einer Immobilie wird in Spanien neu berechnet.

Immobilien in Spanien

Aus Alt mach Neu: Wertzuwachssteuer ist verfassungswidrig - Spanien rechnet neu

Die Wertzuwachssteuer ist in ihrer bisherigen Form verfassungswidrig. Doch Spanien hat schon eine Neuauflage der Plusvalía ausgearbeitet. Das müssen Immobilien-Besitzer jetzt wissen.

Madrid – Selten hat ein Urteil des Verfassungsgerichts die Politik in Spanien so aufgescheucht wie jetzt im Fall der Wertzuwachssteuer. Dass die Methode der Berechnung der Plusvalía verfassungswidrig ist, hat die Städte und Gemeinden von einem Tag auf den anderen ohne eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen gelassen. Das konnte die Regierung schlecht zulassen. In aller Eile hat das Finanzministerium daher eine Neufassung der Plusvalía ersonnen. Sie soll nun den Forderungen des Verfassungsgerichts nachkommen und der Realität auf dem Immobilienmarkt gerecht werden. Das entsprechende Dekret wurde bei der Sitzung des Kabinetts am Montag verabschiedet.

Wertzuwachssteuer in Spanien: Immobilien-Verkäufer mussten Plusvalía immer abführen

Spätestens seit dem Platzen der Immobilienblase im Zuge der Finanzkrise 2008 konnte bei Verkauf, Erbschaft oder Schenkung einer Immobilie oft nicht mehr von einem Wertzuwachs gesprochen werden. Viele Immobilien waren in Spanien nur noch zu einem Preis zu verkaufen, der deutlich unter dem Wert lag, der einmal für das Haus oder die Wohnung gezahlt worden war. Dennoch musste der Verkäufer die Plusvalía-Steuer an das Rathaus abführen.

Dabei wurde die Anzahl der Jahre, die das Haus in Besitz des Eigentümers war, mit einem bestimmten Koeffizienten – der sogenannten Steuerbemessungsgundlage – multipliziert. So ergab sich immer ein Wertzuwachs, unabhängig davon, wie die tatsächliche Lage auf dem Immobilienmarkt in Spanien aussah. Für Kommunen ein Bombengeschäft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Kläger gegen diese Praxis fand.

Immobilien-Besitzer können Wertzuwachssteuer in Spanien nicht zurückfordern

Das spanische Finanzministerium hatte es aber auch aus einem anderen Grund eilig mit einer Neufassung für die Wertzuwachssteuer. Immobilienbesitzer hätten die Gunst der Stunde nutzen und schnell aktiv werden können. Je länger die Zeit verstrichen wäre, umso großer wäre der Steuer-Ausfall für die Kommunen geworden. Rund 2,5 Milliarden Euro haben Spaniens Städte und Gemeinden in guten Jahren mit der Plusvalía eingenommen. Nach der Grundsteuer (IBI) ist sie die zweitwichtigste kommunale Einnahmequelle.

Immerhin hat das Verfassungsgericht in seinem Urteil möglichen Regressansprüchen einen Riegel vorgeschoben. Die Wertzuwachssteuer zurückverlangen können Immobilienverkäufer in Spanien unter Berufung auf das Urteil vom 26. Oktober nicht.

Neue Berechnung: Wertzuwachssteuer wird in Spanien weiter fällig - aber anders

Die Neufassung der Plusvalía stellt nun laut Finanzministerium sicher, dass der Verkäufer einer Immobilie, der mit dem Verkauf keinen Gewinn erzielt, von der kommunalen Steuer befreit bleibt. Wer die Wertzuwachssteuer aber zahlen muss, hat künftig in Spanien zwei Möglichkeiten zur freien Auswahl: Bei Variante Nummer eins wird die Steuer anhand des Katasterwerts und eines vom Finanzministerium festzulegenden Koeffizienten berechnet. Bei Variante Nummer zwei ergibt sich die Steuer aus der Differenz zwischen Kaufwert und Verkaufswert der Immobilie. Die Koeffizienten, die hier zur Berechnung der Steuer herangezogen werden, will das Finanzministerium jährlich neu festlegen. Immobilien-Verkäufer fahren wohl in den meisten Fällen mit Variante zwei besser.

Ferner räumt das Finanzministerium den spanischen Kommunen die Möglichkeit ein, den Katasterwert je nach Lage auf dem örtlichen Immobilienmarkt um bis zu 15 Prozent zu senken. Was aber nur für die Anwendung der Plusvalía gilt. Darüber hinaus wird es noch einen besonderen Koeffizienten geben für solche Fälle, in denen zwischen Kauf und Verkauf einer Immobilie weniger als ein Jahr liegt.

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