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Mobiles Bezahlen mit der spanischen App Bizum

Mobiles Bezahlen

Spanische Bezahl-App Bizum: Cash auf dem Handy

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Die spanische und recht populäre Bezahl-App Bizum ermöglicht, „Geld“ in sekundenschnelle an Kontakte zu senden und von diesen Geldsendungen zu empfangen. Was man dazu wissen muss.

Per Smartphone zu bezahlen wird auch in Spanien immer populärer - ganz vorne im Ranking steht die spanische Bezahl-App Bizum. Die fortschreitende Digitalisierung und nun obendrein die Corona-Pandemie haben die Zahl der Menschen, die mit Karte oder per Smartphone zahlen, massiv nach oben schnellen lassen. Profiteure sind die Tech-Konzerne – traditionelle Banken haben das Nachsehen. Nicht ganz, wenn man sich zusammentut. So haben sich derzeit 32 spanische Banken in dem Zahlungssystem Bizum für das sofortige und bis dato kostenlose Senden und Empfangen von Geld per Smartphone zusammengetan. Zweifelsohne dringen moderne Technologien immer weiter in die Welt der Finanzen ein. Jüngstes Beispiel ist die Küstenstadt El Campello bei Alicante an der Costa Blanca, die lokale Kryptowährungen in die Gemeinde einführen will. Und auch immer wieder ist die Rede eines digitalen Euros, an dem die Europäische Zentralbank arbeitet.

Spanische Bezahl-App Bizum: Kleinbeträge über das Smartphone transferieren

„Págame lo mío y te hago un Bizum“ (Bezahle meins und ich mach‘ dir ein Bizum) ist ein Satz, den Sie vielleicht schon einmal unter Spaniern gehört haben, wenn es ums Bezahlen geht. Gemeint ist damit, dass einer anderen Person geschuldete Kleinbeträge über das Smartphone gutgeschrieben, beziehungsweise transferiert werden können, wenn man mal kein oder nicht genügend Bargeld mit sich führt. Bizum heißt die Anwendung, beziehungsweise App, mit der Sie dann über ihr Smartphone sofort Geld senden und selbstverständlich auch empfangen können. Die Transaktion dauert nur wenige Sekunden und benötigt wird lediglich eine Handynummer. Diese Einfachheit hat dazu geführt, dass der Dienstleister im Jahr 2020 die Anzahl seiner Nutzer verdoppeln konnte, und das Wachstum hält weiter an. Auch bei immer mehr kleinen Unternehmen und Freiberuflern findet die App Anklang. Da es sich bei Bizum, wie anfangs schon erwähnt, um eine spanische Bankeninitiative handelt, wird die Plattform von der großen Mehrheit der in Spanien tätigen Banken unterstützt, darunter: CaixaBank, Santander, BBVA, Bankia, Sabadell, Kutxabank, Caja Rural, Unicaja Banco, IberCaja, Grupo Cooperativo Cajamar, Bankinter, Deutsche Bank, Imagin, ING, Openbank, Orange Bank und Targo Bank. Folgend die wichtigsten Fragen und weiterführende Informationen auf einen Blick.

Bei geteilter Rechnung kann der geschuldete Betrag schnell via Bizum überwiesen werden

Was genau ist Bizum?

Bizum ist ein Zahlungssystem für den Geldversand speziell zwischen Privatpersonen, insbesondere für kleine Beträge. Mit dieser Anwendung können Sie Bekannten, Freunden oder Verwandten sofort und bislang kostenlos Geld senden sowie es anfordern. Möglich sind auch Bezahlungen für Online-Einkäufe und Zahlungen an Nichtregierungsorganisationen. Die einzige Voraussetzung für die Nutzung dieses Dienstes ist, dass beide Nutzer ein Konto bei einer der teilnehmenden Banken haben.

Neben dem Versenden, Anfordern und Empfangen von Geld zwischen Nutzern ist Bizum auch eine Zahlungsmethode, mit der Sie Einkäufe in angeschlossenen Geschäften bezahlen können. Unter dem Link https://bizum.es/comer cios-particulares/ können Sie alle Händler, die Zahlungen mit Bizum akzeptieren, einsehen. Hierfür braucht es einen „Clave“ (Schlüssel), einen 4-stelligen Code, mit dem Sie Transaktionen validieren können. Je nach Bank verläuft die Anfrage nach diesem Clave unterschiedlich.

Wie funktioniert Bizum?

Das Verfahren zur Aktivierung von Bizum ist bei jeder Bank etwas anders, obwohl die grundlegenden Schritte die gleichen sind. Wenn Sie sich vergewissert haben, dass Ihre Bank mit der Bezahl-Plattform zusammenarbeitet, müssen Sie als nächstes die App auf Ihr Smartphone herunterladen, diese öffnen und dann den Anweisungen folgen. Nachdem Sie den Dienst in der App Ihrer Bank aktiviert haben, können Sie sofort mit dem Senden und Empfangen von Geld beginnen, ohne Ihre IBAN oder andere Bankdaten angeben zu müssen. Und das bislang völlig kostenlos. Folgend ein Beispiel, wie Sie Geld über Bizum in der BBVA-App senden können. Rufen Sie die App mit Ihren Anmeldedaten auf, tippen Sie auf die Menütaste und wählen Sie „Hacer una operación“ (Operation durchführen). Unter „Operaciones con cuenta“ (Kontotransaktionen) finden Sie die Option „Bizum Enviar / Recibir dinero“ (Bizum Geld senden/empfangen). Hier können Sie Geld an eine andere Person senden, indem Sie deren Handynummer eingeben, Geld von einem anderen Nutzer anfordern, für einen wohltätigen Zweck spenden oder einen QR-Code für Zahlungen und Einzüge erstellen.

„Wenn du ein Handy mit dir führst, führst du auch Geld mit“ – Mit diesem Statement wirbt Bizum auf der Webseite für seinen Service

Für den Empfang von Geld über Bizum müssen Sie nur der anderen Person Ihre Handynummer mitteilen, und wenn sie Ihnen das Geld schickt, erhalten Sie eine SMS mit der Mitteilung, dass die Person Ihnen eine Zahlung in Höhe eines bestimmten Betrags über Bizum geschickt hat. Wenn Sie auf den in der Nachricht enthaltenen Link klicken, akzeptieren Sie die Zahlung und das Geld wird sofort auf Ihrem Konto gutgeschrieben.

Verfügt die spanische Bezahl-App Bizum über Limits? Und wie sieht es mit Bezahlungen im Ausland aus?

Die spanische Bezahl-App Bizum verfügt über Limits, beziehungsweise Einschränkungen. Der Mindestbetrag pro Transaktion beträgt bis dato 50 Cent und der Höchstbetrag 1.000 Euro. Innerhalb dieser Limits können Banken allerdings noch ihre eigenen Beschränkungen festlegen. Die monatlichen Transaktionen sind auf 60 begrenzt. Sind diese erreicht, werden weitere Transaktionen bis zum Folgemonat gesperrt.

Überweisungen von Handy zu Handy, das ist ja alles schön und gut, aber wie sieht es außerhalb von Spanien aus? Ist es möglich, im Ausland eine Bizum-Bezahlung an eine Mobilnummer vorzunehmen? Auf der Website des Unternehmens steht, dass „die zwingende Voraussetzung für die Nutzung von Bizum im Ausland darin besteht, dass das Bankkonto spanisch sein muss“. Daher können Sie beispielsweise keine Transaktion von Ihrem spanischen Konto an jemanden tätigen, der ein Konto bei einer nicht-spanischen Bank hat.

Häufige Bizum-Betrugsmaschen

Eine der häufigsten Bizum-Betrugsmaschen ist das, was die Guardia Civil als „Vishing“ bezeichnet, eine Kombination aus den Begriffen Voice und Phishing, da bei dieser Betrugsmasche das Smartphone eine Rolle spielt. Die Funktionsweise ist wie folgt: In der Regel erhalten Sie zunächst eine SMS-Nachricht, zum Beispiel, dass jemand Ihnen Geld zurückerstatten will oder dass Ihr Konto versehentlich belastet wurde. In der gleichen Nachricht werden Sie darauf hingewiesen, dass Sie für weitere Informationen eine Telefonnummer anrufen sollen. Wenn Sie das tun, meldet sich am anderen Ende der Leitung eine Telefonzentrale, die nach Ihrer Ausweisnummer und Ihrer Kreditkartennummer fragt. Laut der Zentrale dienen beide Informationen lediglich dazu, dass Sie an Ihr Geld kommen. Wenn Sie diese wichtigen persönlichen Daten tatsächlich durchgeben, hat Ihr Gegenüber alle notwendigen Informationen, Sie später zu betrügen.

Eine weitere Vishing-Masche ist, dass sich Kriminelle als Beamte der Sozialversicherung ausgeben und versuchen, Ihnen glauben zu machen, dass sie über Bizum eine Einzahlung auf Ihr Konto vornehmen werden. Von daher: Schenken Sie niemals einer SMS Beachtung, von der Sie nicht wissen, woher sie stammt. Im Zweifelsfall wenden Sie sich direkt an Ihre Bank.

WhatsApp will bei den Bezahl-Apps mitmischen

Der Messengerdienst WhatsApp, welcher 2014 von Facebooks CEO Mark Zuckerberg übernommen wurde, könnte Bizum ernsthafte Konkurrenz machen. Der Tech-Konzern kündigte kürzlich an, mit der Beta-Version 2.21.17 für Android-Geräte ein neues Feature zum Senden von Geld einführen zu wollen. Das Senden von Beträgen soll dann genau so einfach funktionieren wie das Verschicken von Nachrichten über den Messenger: Kontakt auswählen, Betrag eingeben und weg damit. Das Bezahlen in Onlineshops soll ebenfalls möglich sein. Hinterlegt werden muss lediglich eine Debit- oder Kreditkarte. Wie bei PayPal, sollen private Nutzer keine Gebühren für Transaktionen bezahlen müssen.

Für Sicherheit sollen eine PIN und eine Abfrage biometrischer Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sorgen. Das neueste Feature ist jedoch erst einmal nur in Brasilien und Indien verfügbar. Laut Wabetainfo.com wird für die Bezahlfunktion ein Symbol als Shortcut – ein Geld-Icon – eingebaut, und zwar in der Chatleiste zwischen der Büroklammer und der Kamera.

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