Ein Mann schaut durch eine VR-Brille in eine bunte digitale Parallelwelt
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Um die virtuelle Parallelwelt betreten zu können, benötigt man eine VR- oder AR-Brille.

Virtuelle Welt

Virtuelle Parallelwelt: Willkommen im Metaversum

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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In die virtuellen Parallelwelten verschiedener Anbieter expandieren Modelabels wie Zara oder H&M, finden Marathons, Immobilienkäufe und Business-Meetings statt. Vodafone Spanien will demnächst 5G Reality einführen, Vodafone‘s Augmented Reality Metaversum.

Virtuelle Parallelwelten - Die Digitalisierung ist wie bei der Gesichtserkennung auf dem Vormarsch und bricht ein Superlativ nach dem anderen. Einer davon ist Metaverse, beziehungsweise Metaversum. In vielen Medien wird es unisono als „nächste Evolutionsstufe des Internets“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine immersive drei-dimensionale Online-Welt, in die Nutzer per Avatar „eintauchen“ können. Unsere physische Welt verschmilzt zu einer virtuellen Zweitwelt. Dem Metaversum-Hype wird enormes Potenzial zugesprochen – von möglichen Milliardengewinnen ist die Rede. Und so setzen immer mehr Unternehmen, darunter auch spanische, auf diesen Trend. Facebook-Gründer Marc Zuckerberg benannte sogar kurzerhand seinen Konzern in Meta um.

Tech-Trend Metaversum ist auch in Spanien angekommen

Auch in Spanien ist der neue Tech-Trend angekommen. So titelt unter anderem das Wirtschafts- und Finanzportal El Economista: „El ‚Bernabéu virtual‘ podría vender millones de abonos“ („Das ‚virtuelle Bernabéu‘ könnte Millionen von Dauerkarten verkaufen“). Mit Bernabéu ist das Fußballstadion in Madrid gemeint, das im Besitz des Fußballvereins Real Madrid ist. Vodafone Spanien stellt per Pressemitteilung (10. Dezember 2021) „5G Reality“ vor. Mit diesem Service können Nutzer unter anderem mit Freunden Konzerte besuchen, die Welt bereisen, mit der Familie lernen oder unter einem Sternenhimmel entspannen – alles virtuell. Erste Kunden testen diesen Service bereits. In der ersten Hälfte des Jahres 2022 soll er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Metaversum: Ein dystopischer Begriff aus dem Jahr 1991

Der Begriff Metaversum ist nicht neu und steht im Grunde genommen für eine eher dystopische Welt. Zum ersten Mal wurde das Wort Metaverse in dem 1991 veröffentlichten Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson benutzt. In dem Buch beschreibt der Autor das Metaversum als eine virtuelle Welt, in die sich die Menschen flüchten, um ihrer trostlosen Realität zu entkommen. Dort agieren sie als Avatare. Mit Avatar ist nach Wikipedia eine künstliche Person oder eine Grafikfigur gemeint, die einem Internetbenutzer in der virtuellen Welt zugeordnet ist.

Der Einlass in diese dreidimensionale Parallelwelt Metaversum geschieht über eine VR (Virtual Reality) oder eine AR (Augmented Reality)-Brille. Diese Brillen verfügen über Sensoren, damit Bewegungen in der virtuellen Welt umgesetzt werden können. Wie die Financial Times berichtete, will Zuckerbeg biometrische Daten nutzen, um natürlicher wirkende 3D-Avatare zu erschaffen. Die Technologie ist sogar schon so weit, dass Gesichtsausdrücke über die Brillen erkannt und analysiert werden können. So können je nach Mimik unter anderem „Medieninhalte angepasst“ werden.

Im Metaversum: Vom Fußballfan zum Marathonläufer

Um auf die Schlagzeile des spanischen Wirtschafts- und Finanzportals El Economista zurückzukommen: Das Metaversum verspricht endlose Geschäftsmöglichkeiten. Zum Beispiel in der Unterhaltungsindustrie, insbesondere für Anbieter von Live-Inhalten wie Fußball. Größere Fußballvereine könnten ihre Einnahmen aus dem Verkauf von Stadionkarten in neuen virtuellen Umgebungen vervielfachen, so die Annahme. Fans wären in der Lage, das Spiel im Stadion zu verfolgen, ohne das heimische Sofa zu verlassen. Darüber hinaus kann der Blickwinkel real angepasst werden. Somit würden die Nutzer je nach Sitzplatz einen unterschiedlichen Preis zahlen.

Das Ganze geht auch eine Portion aktiver. Jüngstes Beispiel: Das virtuelle Sportunternehmen Raramuri veranstaltet den allerersten Marathon im Metaversum, bei dem Läufer digitale Belohnungen für „real gelaufene Kilometer“ erhalten. Das In-Browser-Event findet am 2. Juni, dem diesjährigen Global Running Day statt. Eine Early-Bird-Registrierung Anfang Februar war innerhalb einer Stunde ausverkauft. Ab jetzt müssen sich Interessierte in eine Warteliste eintragen. Die Teilnehmer des 500-Personen-Marathons werden 26,2 Meilen real laufen – verfolgt wird die Strecke mit dem eigenen Mobiltelefon oder einer Smartwatch. Die Laufdaten werden auf einen Avatar projiziert, der Raramuris virtuelle Strecke läuft.

„Bei physischen Marathons gibt es so viele logistische Anforderungen zu erfüllen, dass sie für viele Menschen nicht zugänglich sind“, sagte Nam Do, Chief Technology Officer von Raramuri, in einem Interview mit CoinDesk. „Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen, die alle in ihren Heimatstädten laufen können, verbunden durch unsere Strecke, halten wir für eine ganz besondere Sache.“ Zuschauer können die virtuelle Strecke säumen und ihre Lieblingsläufer unterstützen, indem sie ihnen einen Daumen nach oben geben oder ihnen „Trinkgeld“ in Form von Tokens (NFTs) an ihre digitale Brieftasche (Wallet) senden, während sie vorbeisprinten.

Wie die Metaverse-Version des Bernabéu-Stadions könnten ebenfalls große Theater oder Konzertsäle, virtuell nachgebildet und Konzerte aus „der ersten Reihe“ miterlebt werden.

Begehrte Immobilien im Metaversum

Immobilien sind beliebte Anlageobjekte, nicht nur in Deutschland oder Spanien, nein, mittlerweile sogar im Metaversum. Die bekanntesten Anbieter von digitalen Grundstücken und Immobilien im Metaverse sind derzeit Decentraland, Sandbox, Axie Infinity, Cryptovoxels und Somnium.

Nach Angaben von DappRadar fanden allein im Monat Dezember 2021 Investitionen in virtuelle Grundstücke und Gebäude im Wert von über 100 Millionen Dollar, das heißt von mehr als 88 Millionen Euro statt. Laut dem Analyseunternehmen Metametric Solutions werden die Immobilienverkäufe im Metaversum in diesem Jahr voraussichtlich 1 Milliarde Dollar erreichen. Und einem Bericht von Brandessence Market Research zufolge wird für diese Art von Immobilienmarkt von 2022 bis 2028 eine jährliche Wachstumsrate von 31 Prozent erwartet. So boomen Luxus-Immobilien also nicht nur in Marbella.

Investiert wird nicht nur von Privatpersonen sondern auch von Firmen. Beispielsweise gab erst kürzlich die in New York ansässige Firma Republic Realm den Kauf eines Stücks Land für 4,3 Millionen Dollar in Sandbox bekannt. Bezahlt wird in Kryptowährungen, beziehungsweise NFTs („Non-Fungible Token“). Durch diese wird auch gleich der Besitz der digitalen Güter nachgewiesen. Sie dienen als digitale Echtheitszertifikate und bescheinigen, dass ein virtuelles Objekt einmalig ist. Der Kauf und Verkauf wird in einer Blockchain registriert. Mit dem Kauf von virtuellen Grundstücken oder Immobilien ist es aber nicht getan. Wie in der realen Welt kann auf Land gebaut werden – es kann vermietet oder wieder verkauft werden.

Modelabels wie Zara oder H&M expandieren ins Metaversum

Modegeschäfte sind dabei, ins Metaversum zu expandieren. So plant der Mode-Konzern H&M einen virtuellen Laden in „CEEK City“ auf der Virtual-Reality-Plattform CEEK. Erste Bilder des 3-D-Stores machten auf Twitter die Runde. Künftig sollen dort Kunden herumspazieren und shoppen können. Das spanische Fast-Fashion-Unternehmen von Amancio Ortega „Zara“ hat in Zusammenarbeit mit der südkoreanischen Modemarke Ader Error (Ader) eigens eine Bekleidungskollektion für die virtuelle Welt erstellt: AZ Collection. Die Kollektion wird über die soziale Metaversum-Plattform Zepeto vertrieben. Die Produkte liegen preislich zwischen 39,95 Euro und 239 Euro. Marken wie Nike, Ralph Lauren und Disney arbeiten ebenfalls mit Zepeto zusammen.

Künftig sollen im virtuellen H&M-Laden Kunden herumspazieren und shoppen können.

Interessierte können ihren digitalen Avatar ganz einfach erstellen. Sie brauchen nur ein Foto ihres Gesichts zu scannen und schon können sie mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt virtuell interagieren. Eines der Hauptmerkmale des Zepeto-Metaversums ist, dass 70 Prozent der Nutzer der Plattform Frauen im Alter zwischen 13 und 24 Jahren (Generation Z) sind, die an Mode und Lifestyle interessiert sind. Für die Teilnahme muss man sich lediglich die Zepeto-App im App-Store oder bei Google Play herunterladen. Dann werden einem verschiedene „digitale Personen“ (Avatars) vorgestellt, die den Nutzer in der virtuellen Welt darstellen. Diese können mit einem eigenen Namen versehen werden. Registriert wird dann der eigene Avatar hauptsächlich mit einem Google-, Apple- oder Facebook-Konto.

Arbeitswelt frei gestaltbar im Metaversum

Auch die Arbeitswelt soll Einzug ins Metaversum finden. Geworben wird damit, dass sich dort jeder seine Arbeitswelt frei nach Wunsch gestalten kann. Statt per Videokonferenz, wie es heute noch der Fall ist, loggt man sich in naher Zukunft in einen virtuellen Meetingraum ein, der den Vorlieben jedes einzelnen Teilnehmers individuell angepasst ist. Die Rede ist von Mobiliar, Farbgebung, technischer Ausstattung - aber auch der Blick aus dem Fenster ist wählbar. Bei einem Teilnehmer ist es die New Yorker Skyline, beim anderen das Meer. Alles soll in wenigen „Handgriffen“ anpassbar sein, während und obwohl das analoge Ich eigentlich gerade in einem 1-Zimmer-Apartment in München sitzt.

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