Ein Wanderer klettert über Steine, im Hintergrund das Meer.
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Beim Wandern in Spanien sollte man sich Routen suchen, die der eigenen Fitness entsprechen.

Sicher in den Bergen unterwegs

Wandern in Spanien: Wer zahlt für Rettungseinsatz in den Bergen?

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Wandern in Spanien ist bei Residenten und Urlaubern beliebt. Tipps, wie man das Risiko eines Unfalls in den Bergen reduzieren kann, und was in einer Notlage zu tun ist.

Alicante ‒ Ein rutschiger Stein, ein falscher Tritt, ein Moment der Unachtsamkeit – und schon ist es passiert. Der Knöchel ist verknackst und schwillt an, Auftreten ist unmöglich, an Weiterwandern nicht zu denken. Schnell kann ein schöner Wandertag in den Bergen Spaniens in einer misslichen Lage oder bei schlimmeren Unfällen als Notsituation mit Rettungseinsatz und Helikopter enden.

„Bei der großen Mehrheit unserer Einsätze müssen wir Wanderern zu Hilfe eilen“, berichtet Salva Luque, Leiter der Bergrettungseinheit der Provinzfeuerwehr in Alicante. Handele es sich um Frauen – über 40 Jahre – seien meist gestauchte oder gebrochene Knöchel, Schien- oder Wadenbeine zu versorgen, Männer hingegen erlitten häufiger Stürze beim Bergwandern oder könnten wegen zu großer Erschöpfung oder mangelnder Fitness nicht weiterlaufen.

Wandern in Spanien: Debatte über Kosten von Bergrettungen

Für diese und viele andere Fälle gibt es die Bergrettung, in Spanien obliegt diese in der Regel spezialisierten Einheiten der Feuerwehr oder der Guardia Civil. Allein letztere absolvierte 2019 an die 1.000 Rettungseinsätze in spanischen Bergregionen. „In Spanien gibt es derzeit eine Debatte über Bergrettungen“, berichtet Carlos Ferris, Vorsitzender des Bergsport- und Kletterverbandes der Comunidad Valenciana (FemeCV), der rund 20.000 Mitglieder hat. „Wir vom valencianischen und spanischen Bergwanderverband sind nicht dafür, Verunglückte für Bergrettungen abzukassieren, aber einige autonome Regionen im Norden, oder beispielsweise auch die Schweiz, befürworten dies.“

Wandern in Spanien: Um Unfälle zu vermeiden, sollte man eine Route gut planen.

Das valencianische Gesetz für Rettungseinsätze besagt, dass der Verunglückte für seine Rettung etwa beim Wandern belangt werden kann, wenn nachgewiesen wird, dass die Notlage durch eine grobe Fahrlässigkeit verschuldet wurde. Dies gilt auch in Andalusien und Murcia, zwei Regionen, die ebenfalls mit herrlichen Wandergebieten locken.

Bergretter Salva Luque erklärt: „Rettungseinsätze sind hier im Land Valencia ein öffentlicher Dienst und müssen nicht vom Verunglückten bezahlt werden. Es sei denn, die verunglückte Person war nicht angemessen ausgerüstet für die Aktivität, oder der Unfall passiert an einem Ort, zu dem der Zugang verboten ist, oder jemand alarmiert die Feuerwehr, ohne dass es notwendig ist, einfach nur, weil er einen Helikopterflug unternehmen möchte.“ Es sei wichtig zu betonen, dass Bergrettungen in Spanien bis auf die genannten Ausnahmen nicht bezahlt werden müssen, meint er. „Denn viele Wanderer rufen uns nicht zu Hilfe, weil sie denken, sie müssten den Einsatz bezahlen.“

Wandern in Spanien: Vor der Route unbedingt die Wettervorhersage beachten

Nicht nur zum eigenen Schutz, auch angesichts der Gefahren für die Retter und ob der Kosten, die ein solcher Einsatz verursachen kann, sollten Wanderer das Risiko eines Unfalls so weit es geht minimieren. „Sie sollten das Terrain kennen – hier an der Costa Blanca haben wir zum Beispiel oft felsigen Untergrund – sie sollten nur gekennzeichnete Routen nehmen und die Wettervorhersage beachten, denn auch im Mittelmeerraum kann das Wetter plötzlich umschlagen, vor allem jetzt im Herbst und Winter“, meint Carlos Ferris. So können auch einfache Touren wie eine Wanderung auf den Montgó bei Dénia gefährlich werden.

„An einem Tag, an dem heftiger Regen oder große Hitze gemeldet ist, sollte man nicht in die Berge gehen und lieber die Pläne ändern. Die Berge sind immer da, man kann die Route an einem anderen Tag machen. Denn wenn etwas passiert, müssen die Rettungskräfte zudem unter sehr schwierigen meteorologischen Bedingungen ausrücken“, gibt Ferris zu bedenken.

Spanien: Wanderer verunglücken häufiger als Skifahrer und Kletterer

Der Bergrettungsdienst der Guardia Civil hat im Jahr 2018 vier Profile von Personen erstellt, die am häufigsten einen Unfall in Spaniens Bergen erleiden. Demnach seien 73 Prozent der verunglückten Personen Bergwanderer oder -läufer, weit vor Schluchtenwanderern, Kletterern und Skifahrern. Natürlich einerseits, weil Wandern die Disziplin ist, die am meisten ausgeübt wird, auch viele Residenten-Vereine wandern gerne in der Gruppe. Andererseits aber auch, weil viele sich nicht selbst als Wander-Experten betrachten und Aspekte wie Planung, Material, Techniken und Ähnliches außer Acht lassen.

Zudem hätten sich 62 Prozent der Unfälle beim Abstieg ereignet. „Wir denken häufig, dass das Runterlaufen beim Wandern nicht mehr so anstrengend ist wie der Aufstieg und sind nicht mehr so aufmerksam“, heißt es dazu vom spanischen Bergsportverband Fedme. „Außerdem handelt es sich um den zweiten Teil der Exkursion, wenn wir schon müder sind.“ 56 Prozent der Geretteten sind laut Guardia Civil zudem „Opfer“ ihrer eigenen Selbstüberschätzung und fast Dreiviertel von ihnen kommen aus anderen Provinzen Spaniens, kennen also das Terrain nicht gut.

Um das Risiko eines Unfalls oder einer Notlage während einer Exkursion zu minimieren, hat Spaniens Bergwanderverband Fedme auf seiner Webseite einen „Kodex für sicheres Wandern“ aufgestellt, der das Wichtigste in fünf allgemeinen Regeln zusammenfasst:

1. Bereite deine Route vor

  • Wähle die Route mit ausreichend Vorbereitung aus, um Improvisationen zu vermeiden, und ändere sie, wenn du merkst, dass die Anforderungen zu hoch sind. Die Wahl muss nach folgenden Kriterien fallen: Das kann ich, das muss ich und das will ich.
  • Zeichne die Route auf einer Karte ein, das hilft, dich auf dem Terrain zurechtzufinden und den richtigen Weg auf der Karte sowie mögliche Alternativrouten und Fluchtwege zu finden.
  • Frage dich, ob du ausreichend Orientierung besitzt und gewöhne dich daran, deine Route auf der Karte mitzuverfolgen, wenn du sie das erste Mal gehst.
  • Errechne die grundlegenden Daten der Route: Höhenunterschiede, Entfernungen und Dauer, angepasst an das Niveau der Gruppe oder des Sportlers. Berechne Pausen und 20 Prozent Pufferzeit ein, um bei Tageslicht zurückzukehren.
  • Benutze den gesunden Menschenverstand, um besondere technische Anforderungen zu erkennen, wie etwa steile Abgründe, steinige Wege, Privatgrundstücke, gefährliche Tiere, etc.

2. Statte dich richtig aus

  • Kleidung und Schuhwerk je nach Aktivität. Du solltest immer drei Schichten dabei haben: ein atmungsaktives, am Körper anliegendes T-Shirt, eine wärmende Jacke, etwa eine Fleecejacke, und eine wasserdichte Jacke. Die thermischen Eigenschaften sollten sich an die klimatischen Bedingungen anpassen. Nicht zu vergessen Sonnenschutz (Creme, Brille, Mütze) oder bei niedrigen Temperaturen Handschuhe, Mütze und Wanderschal.
  • Verpflegung. Wasser und Essen in ausreichender Menge (immer auch eine energiereiche Extraration wie etwa Müsliriegel).
  • Erste-Hilfe-Material und Überlebenskit. Dazu zählen Verbandszeug, eine ausreichend große und resistente Wärmedecke, um eine Notunterkunft zu bauen, eine Stirnlampe sowie Kerze und Feuerzeug. Das Handy sollte aufgeladen und bei Nichtgebrauch ausgeschaltet sein.

3. Checke die Wettervorhersage

Stelle dir folgende Fragen:

  • Soll es regnen? Wann und wie viel? Besondere Vorsicht gilt bei Gewittern in den Bergen, die sich sehr schnell bilden und von Hagel, Temperatursturz, starkem Wind und Blitzen begleitet sein können.
  • Wie niedrig ist die Mindesttemperatur? Kann es Nebel geben? Wird es windig? Wie stark und aus welcher Richtung? Dies beeinträchtigt die gefühlte Temperatur und kann ein Faktor sein, der Stürze verursacht.
  • Liegt auf der Route noch Schnee? Schneebericht checken, den es für alle Hauptbergmassive in Spanien gibt.
  • Nutze zuverlässige Wetterdienste und denke daran, dass man dazu neigt, zu glauben, die Vorhersage wäre ungenau oder übertrieben, wenn sie nicht ideal für die geplante Aktivität ist. Tappe nicht in diese mentale Falle und sei im Zweifelsfall umsichtig.

4. Kenne deine Grenzen

Wenn du eine Route auswählst, frage dich Folgendes:

  • Welchen Schwierigkeitsgrad hat die geplante Aktivität?
  • Haben alle Teilnehmer das nötige Niveau? Hat jemand ein medizinisches Problem, das seine Fähigkeiten einschränkt? Selbst eine gewöhnliche Erkältung kann die normale Fitness beeinträchtigen, ebenso wie allergische Reaktionen auf Blütenpollen.

5. Informiere andere, wohin du gehst

Bevor du losgehst, hinterlasse jemandem die folgenden Daten:

  • Datum und Uhrzeit des Starts sowie der geplanten Rückkehr.
  • Details, wie du während der Route zu erreichen bist.
  • Modell und Nummernschild deines Fahrzeugs und der Ort, wo du parken wirst.
  • Zeige der Person die Route auf der Landkarte und hinterlasse, wenn möglich, die Trackingroute.
  • Im Fall von Übernachtungen: Hinterlasse die verschiedenen Orte.
  • Bist du in einer Gruppe unterwegs, informiere über die Details der Teilnehmer.
  • Sobald du zurück bist, informiere die Person, dass du wieder gut angekommen bist.

Wandern in Spanien: Mitgliedschaft in Bergwandervereinen bringt Vorteile

Eine weitere gute Möglichkeit, besser informiert und beim Wandern sicher unterwegs zu sein, ist eine Mitgliedschaft im Bergsportverband, der in allen Regionen Spaniens eine Delegation besitzt. „Alle unsere Verbandsmitglieder verfügen mit ihrer Lizenz über eine Versicherung für Unfälle in den Bergen mit ganz speziellen Leistungen“, betont FemeCV-Vorsitzender Carlos Ferris.

Wer Mitglied ist, könne außerdem an den verschiedenen Aktivitäten des Verbands teilnehmen, wie etwa Kursen zum Erlernen der GPS-Ortung, gemeinsames Wandern etc. Auch Rabatte in Berghütten etwa in den Pyrenäen oder der Sierra Nevada sowie bei Sportartikelanbietern und anderen Unternehmen zählen zu den Vorteilen einer Mitgliedschaft. Eine regionale Lizenz kann über die Webseite des regionalen Bergsportverbands erworben werden und kostet für Erwachsene um die 50 Euro im Jahr, für ganz Spanien knapp 70 Euro.

Bei Wanderunfall in Spanien: Nicht zu lange mit Notruf warten

Sollte es trotz aller Vorkehrungen beim Wandern zu einem Unfall oder einer Notsituation kommen, sollten die Verunglückten laut Bergretter Salva Luque die 112 anrufen und als erste Information angeben, dass es sich um einen Unfall in den Bergen handelt, und wo. „Danach sollten im besten Fall die GPS-Koordinaten durchgegeben werden, wozu man wissen sollte, wie man Google Maps oder ein GPS-Gerät benutzt“, fährt Luque fort. „Manchmal ist die Sprache ein Problem, da kann es zu Missverständnissen kommen“, weiß er aus seiner 40-jährigen Erfahrung.

Könne die Unfallstelle nicht mit einem Fahrzeug erreicht werden, setze die GER den Rettungshubschrauber ein – solange es Tag ist. „Deshalb ist es wichtig, nicht zu lange zu warten, bis man den Notruf absetzt, weil sonst der Helikopter eventuell nicht mehr starten kann.“ Die Einsätze, die dem 62-jährigen Bergretter in seiner Laufbahn am meisten in Erinnerung geblieben sind, seien die, „bei denen du nicht rechtzeitig gekommen bist und jemand wegen einer Dummheit oder Unvorsichtigkeit gestorben ist“, meint Luque. „Es sind zum Glück nicht viele.“

Bergwanderverbände in Spanien:

Federación de Deportes de Montaña y Escalada de la Comunitat Valenciana (FemeCV)

Büro in Valencia: C/Campaners 36 (persönlicher Termin mit Voranmeldung), Tel. 963 571 822, Whatsapp: 694 436 689, E-Mail: oficina.valencia@femecv.com, Webseite

Büro in Elche: C/ Marià Luiña 9 (persönlicher Termin mit Voranmeldung), Tel. 965 439 747 oder 965 436 570, Whatsapp: 669 788 372, E-Mail: oficina.elx@femecv.com

Federación de Montañismo Región de Murcia (FMRM)

Büro in Murcia: C/Francisco Martínez García 4, Öffnungszeiten: Mo.-Do. 19-21 Uhr, Fr. 10-12 Uhr, Tel. 968 340 270 oder 620 800 343 (nur für Notfälle), E-Mail: fmrm@fmrm.net, Webseite

Federación Andaluza de Montañismo (Fedamon)

Büro in Granada: C/Santa Paula 23, Tel. 958 291 340, E-Mail: secretaria@fedamon.com, Webseite

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