Eine Doppelsteckdose mit Euroscheinen versehen
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In Spanien richten sich die Strompreise nach Zeitzonen

Stromsparen um Mitternacht

Spanien führt ab 1. Juni Tarifzeiten für Strompreise ein

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Ab 1. Juni richtet sich der Strompreis in Spanien neuerdings nach Tarifzeiten. Wer bei der nächsten Stromrechnung keine böse Überraschung erleben möchte, sollte die Zeitzonen kennen und einige Stromspartipps beherzigen.

Am 1. Juni sind in Spanien neue Strompreise in Kraft getreten, die sich nach Tarifzeiten richten. Somit hat Spanien mit der Ankündigung: Strompreis kann sich zum 1. Juni ändern, Ernst gemacht. Ausschlaggebend für die Höhe der Rechnung ist daher nun weniger die Menge als der Zeitpunkt des Verbrauchs. Wer höhere Stromrechnungen vermeiden will, muss sich womöglich von einigen Routinen und eingespielten Abläufen im Haushalt verabschieden beziehungsweise diese umplanen, denn fortan gibt es Stunden, in welchen der Strom teurer ist, andere, in denen der Preis im mittleren Bereich liegt und wiederum Zeiten, in denen er am günstigsten ist. Wer die Zeiten kennt und noch andere Stromspartipps berücksichtigt, könnte eventuell von der Neuerung profitieren.

Spanien: Neue Tarifzeiten für Strompreise betreffen den Kleinverbraucher

Mit dem neuen Tarifzeiten-Modell für Strompreise will die Regierung Spaniens den Stromverbrauch streuen, die Hochlastzeiten der maximalen Nachfrage entlasten und den Verbrauch in Schwachlastzeiten, in denen die Übertragungs- und Verteilungsnetze weniger ausgelastet sind, fördern. Damit soll der Bedarf an weiteren Investitionen in diese Infrastrukturen verringert und Energieeinsparung, Effizienz, Eigenverbrauch durch Fotovoltaikanlagen und der Einsatz von Elektrofahrzeugen gefördert werden. Betroffen von der Neuerung sind vor allem Kleinverbraucher, mit einer Anschlussleistung von weniger als 15 Kilowatt, die den staatlich regulierten Stromtarif (Precio Voluntario para el Pequeño Consumidor, kurz: PVPC) nutzen. Hierbei wird der Strompreis täglich vom Großhandelsmarkt neu festgelegt und von der Regierung überwacht. Wer von dem regulierten in den freien Markt wechseln möchte, muss in Spanien eigenständig einen Tarif bei einem Anbieter auswählen.

Spanien: Drei Tarifzeiten für den Strom ab Juni

Ab dem 1. Juni wird mit dem neuen Strom-Abrechnungsmodell in Spanien der Tag in drei Tarifzeiten eingeteilt:

  • P1 - Tramo punta (Spitzenzeit). Das sind die Stunden, in denen der Strom am teuersten ist. Die Spitzenzeit gilt ab 10 Uhr bis 14 Uhr und von 18 Uhr bis 22 Uhr, von montags bis freitags.
  • P2 - Tramo llano (Flachzeit). Diese Art „Zwischentarif“ gilt von 8 bis 10 Uhr; von 14 bis 18 Uhr und von 22 bis 24 Uhr, von montags bis freitags.
  • P3 - Tramo valle (Talzeit). Während dieser Zeit, von 0.00 bis 8.00 Uhr, ist der Strom am günstigsten. Samstags und sonntags, also an Wochenenden, sowie an Nationalen Feiertagen hat dieser Tarif ganztägig Gültigkeit.

Die Höhe des sich stets änderten PVPC-Strompreises zur jeweiligen Tarifzeit kann bei der Red Eléctrica de España unter https://www.esios.ree.es/es/pvpc eingesehen werden.

Standardmäßig gilt weiterhin die Vertragsleistung (potencia contratada), die man vereinbart hat. Unter Vertragsleistung versteht man die Menge an Kilowatt (kW), die aus dem Stromnetz von einem Haushalt angefordert werden kann. Je höher die vertraglich vereinbarte Strommenge ist, desto mehr elektrische Geräte können gleichzeitig angeschlossen werden, ohne dass die Sicherung herausspringt. Um die Umstellung zu erleichtern, erlaubt Spanien bis zum 31. Mai 2022 zwei kostenlose Leistungsänderungen, sofern man keine technische Assistenz benötigt.

Übersicht der neuen Tarifzeiten für den Stromverbrauch in Spanien

Mit der Neuerung haben Spaniens Haushalte darüber hinaus die Möglichkeit, zwei separate Stromleistungen abzuschließen: eine für die Spitzen- und Flachzeiten (P1 + P2) und eine weitere für die Talzeit-Periode (P3). Dies kann vor allem Nutzern zugutekommen, die ein Elektroauto haben, so das Kalkül der Regierung. Das heißt: Haushalte, die energieintensive Geräte nachts bei einer höheren Leistung an das Stromnetz anschließen, sollen dank neuer Tarifzeiten letztendlich günstiger fahren. Umgekehrt kann die Leistung tagsüber heruntergesetzt werden, wenn kein Gebrauch von energieintensiven Geräten gemacht werden muss.

Stromspartipps von Experten

Um unangenehme „Überraschungen“ bei den nächsten Stromrechnungen infolge des neu eingeführten Tarifzeiten-Modells zu vermeiden, raten Experten zu folgenden Tipps: Natürlich gilt es zuerst, Hausarbeiten, wie beispielsweise die Nutzung der Waschmaschine, des Geschirrspülers oder des Bügeleisens, wenn möglich, in Zeiten geringerer Strompreise zu verlegen. Manche Geräte lassen sich programmieren. Nach Angaben der spanischen Verbraucherschutzorganisation OCU (Organización de Consumidores y Usuarios) können bis zu 30 Euro/Jahr eingespart werden, wenn die Nutzung von Waschmaschine, Geschirrspüler oder Trockner in die Flachzeit fällt und gar bis zu 130 Euro/Jahr, während der Talzeit.

  • Entscheiden Sie sich für effiziente Geräte, die weniger Strom verbrauchen. Wer alte Geräte gegen moderne, energieeffiziente Modelle austauscht, kann seine Stromkosten nachhaltig senken.
  • Lassen Sie Geräte nicht im Standby-Modus sondern schalten Sie sie vollständig aus.
  • Tauschen Sie Glühbirnen oder Halogenlampen gegen Led-Licht aus.
  • Prüfen Sie die vertraglich abgeschlossene Stromleistung. „Viele Menschen brauchen gar nicht so viel und leben damit über ihre Verhältnisse“, so Vicente Inglada, Sekretär der Unió de Consumidors de la Comunitat Valenciana (Valencianischer Verbraucherschutzverband).
  • Eventuell lohnt es sich für Sie wie bereits angedeutet, zwei separate Stromleistungen abzuschließen.
  • Stellen Sie die Klimaanlage auf 26 Grad Celsius – nicht darunter. Erwägen Sie stattdessen die Nutzung eines Ventilators, vorzugsweise eines Deckenventilators. Ventilatoren erzeugen einen gefühlten Temperaturabfall zwischen 3 und 5 Grad Celsius und ihr Stromverbrauch ist gering. Außerdem: Bis zu 60 Prozent Energieeinsparung können durch die Installation von Markisen an Fenstern, auf die die Sonne scheint, erreicht werden.
  • Elektroboiler springen regelmäßig an, wenn das Wasser auf die eingestellte Temperatur abkühlt. Wenn Sie heißes Wasser über einen längeren Zeitraum nicht benötigen, etwa falls Sie das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen, können Sie den ausschalten.
  • Schreiben Sie die neuen Tarifzeiten auf einen Zettel und kleben Sie diesen beispielsweise an den Kühlschrank. Auf diese Weise wissen alle Haushaltsmitglieder jederzeit, zu welchen Zeiten es günstiger ist, Strom zu verbrauchen und welche Zeiten sie meiden sollten.
  • Überprüfen Sie die Leistungsspitzen. Die Versorger sind von nun an verpflichtet, nicht nur das Rechnungsmodell zu vereinfachen, sondern auch Leistungsspitzen zu melden, die im Laufe eines Monats aufgetreten sind. Auf diese Weise können Sie sehen, zu welchen Zeiten Sie den maximalen Verbrauch haben und können die Gewohnheit entsprechend anpassen und ändern.
  • Wenn Sie den regulierten Preistarif – PVPC – haben, werden die neuen Tarifzeiten automatisch übernommen. Nichtsdestotrotz, auch der freie Markt wird betroffen sein, da die Vertreiber den Festpreis – in der Regel – für ein Jahr festlegen müssen. Achten Sie auf die Mitteilung, die Sie von Ihrem Stromversorger erhalten, um herauszufinden, wie er das Ganze handhaben wird: Wird er den Preis beibehalten, den Sie jetzt haben, oder wird er ebenfalls ein Drei-Phasen-Modell einführen? Sobald Sie wissen, wie hoch der Stromtarif ist, empfiehlt die OCU diesen mit anderen zu vergleichen.
  • Über die eSios-Website https://www.esios.ree.es/es/pvpc können Sie alle täglichen Daten des spanischen Stromnetzes abrufen. Diese Daten stehen auch über mobile Anwendungen „redOS, Red Eléctrica de España S.A.U.“ für Android und iOS zur Verfügung. Im Abschnitt „Precios Minorista“ können Sie die Entwicklung der Preise für den Kleinverbraucher (PVPC), das heißt die regulierten Tarife, einsehen.
  • Mit Apps von Energieunternehmen wie Endesa ist es möglich, den eigenen Stromverbrauch in Echtzeit zu verfolgen. Die einzige Voraussetzung: Kunde sein. Die Apps beinhalten unter anderem Diagramme, um die Entwicklung des Verbrauchs pro Tag und pro Stunde mit einem Blick zu verfolgen oder die Rechnungen aufgeschlüsselt einzusehen. Entsprechend können Sie darauf reagieren.

Verbraucherschutzorganisation Facua lehnt Strom-Tarifzeiten ab

Wenig begeistert von dem neuen Tarifzeiten-Modell in Spanien ist die Verbraucherschutzorganisation Facua. Sie bezeichnet es sogar als eine „Erniedrigung für die Verbraucher“. Nach ihrer Ansicht, hätte die Regierung den teuersten Strompreis während der Tageszeit gesetzt, in denen die überwiegende Mehrheit der Familien zu Hause ist und beispielsweise von Geräten wie Klimaanlagen Gebrauch machen müssen. Darüber hinaus werden auch all diejenigen „bestraft“, die Telearbeit von Zuhause aus leisten.

Facua weist auf ein Dokument der CNMC, der Nationalen Kommission für Märkte und Wettbewerb, hin. Auf deren Website https://www.cnmc.es/ unter „Die neue Stromrechnung“ (La nueva factura de la luz) wird aufgeführt, dass der Strompreis für die Leistung in der Talzeit bei den neuen Tarifzeiten um 95 Prozent niedriger ist, als in der Spitzenlastzeit und in der Flachzeit um 69 Prozent. Das heißt, so warnt Facua, sowohl die potencia contratada als auch der verbrauchte Strom wären in der Spitzenzeit fast 2.000 Prozent teurer als in der Talzeit.

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