Sturmtief Filomena bringt Schnee

2021, Spanien im Schnee: Chaos auf Autobahnen, Katastrophenschutz rückt aus

  • vonStephan Kippes
    schließen

Spanien versinkt im Schneechaos. Sturmtief Filomena hat mit einem halben Meter Neuschnee Madrid lahm gelegt. Der Katastrophenschutz befreite Hunderte Autos aus dem Schnee.

Madrid – Spanien steckt in einem Schneechaos. Die militärische Katastrophenschutz-Einheit UME ist Hunderten Autofahrern zu Hilfe geeilt, die auf den Autobahnen A-5 zwischen Móstoles und Alcorcón, auf der A-4 zwischen Aranjuez und Ciempozuelos sowie auf der A-3 Arganda und Rivas Vaciamadrid feststecken. Der Notruf 112 spricht am frühen Samstagmorgen von 1.000 Fahrzeugen, die aus dem Schnee geborgen werden müssen. “Wir bergen weitere Autos auf der M-40 und der M-506”, sagte der Notdienstleiter für die Region Madrid, Carlos Novillo. Auch etliche Laster steckten fest oder standen quer.

Sturmtief «Filomena» sorgt in Madrid mit starken Schneefällen gleichzeitig für Spaß und Chaos.

Allein in Guadalajara kamen an die 1.300 Brummifahrer nicht mehr weiter. Viele Autofahrer konnten die Fahrt in der Nacht nicht fortsetzen. Die Guardia Civil verteilte Decken und Essen an die Gestrandeten, etliche mussten die Nacht in Notunterkünften verbringen, die von den Rathäusern zur Verfügung gestellt wurden.

Schneechaos in Spanien: Komplette Verkehr in und um Hauptstadt Madrid bricht zusammen

Sturmtief Filomena brachte zwischen 40 und 50 Zentimeter Neuschnee. Der Zugverkehr in und um Madrid ist zusammengebrochen, auch auf den Langstrecken etwa nach Andalusien ist mit erheblichen Verspätungen zu rechnen. Der Madrider Flughafen Barajas bleibt den ganzen Samstag geschlossen, einige Flüge können nach Sevilla umgeleitet werden. 430 Hauptverkehrsstraßen und 50 Nebenstraßen sind gesperrt. Der Nahverkehr auf der Schiene und der öffentliche Busverkehr in Madrid steht still. Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida hat die Madrileños aufgerufen, die Wohnung nicht zu verlassen. “Momentan kann man sich in Madrid nicht fortbewegen”, sagte er. Selbst auf der Stadtautobahn M-30 kamen in der Nacht vom Freitag auf Samstag die Autos nicht weiter. Noch immer halten die Räumungsarbeiten im Bereich M-30 und Auffahrt zur Autobahn A-3 an.. Bis auf die Metro funktioniert nichts mehr.

Das Sturmtief «Filomena» sorgt in Spanien für Rekordkälte und viel Schnee.

Der Katstrophenschutz UME wies Autofahrer an, wenn möglich in den Reifenspuren der Räumungsfahrzeuge zu fahren, langsam, mit Sicherheitsabstand und in großen Gängen, also mit niedriger Drehzahl. Verteidigungsminister Margarita Robles hat Bürger zur Vorsicht aufgerufen. Das Sturmtief Filomena legt zwölf Regionen in Spanien mehr oder weniger lahm. “Wir wussten, das Filomena uns hart treffen würde, aber das, was wir erleben, geht über alle Vorhersagen hinaus”, sagte die Verteidigungsministerin gegenüber dem öffentlichen Fernsehen RTVE. Aus León und Sevilla rücken weitere UME Einsatzkräfte an. Auch wenn die Schneefälle nachlassen, fürchten die Einsatzkräfte die Folgen von Kälte und Eis. Ministerpräsident Pedro Sánchez appelliert an die Bürger, Autofahrten zu vermeiden und den Anweisungen der Einsatzkräfte Folge zu leisten.

Warnstufe Rot in neun Provinzen: Wetterdienst rechnet mit Kältewelle ab Montag

In der Region Madrid gilt tagsüber noch die Wetterwarnstufe Rot, ebenso wie in neun Provinzen, in denen am heutigen Samstag mehr als 20 Zentimeter Neuschnee erwartet werden, nämlich Albacete, Cuenca, Toledo, Guadalajara, Valencia, Castellón, Tarragona, Teruel und Zaragoza. In anderen Regionen gilt die Wetterwarnstufe Gelb und Orange. In 36 von 50 spanischen Provinzen warnt der Wetterdienst vor Filomena. Die Regionalregierung von Castilla-La Mancha warnt Bürger vor der Gefahr auf den Straßen. “Alle Einsatzkräfte und Räumungsfahrzeuge sind im Straßennetz im Einsatz, wir warnen eindringlich vor Autofahrten”. Filomena zieht weiter Richtung Mittelmeer, wo mit Schnee, Regen und einer stürmischen See zu rechnen ist. Die Niederschläge und die Polarluft werden die nächsten Tage anhalten. Ab Montag rechnet der staatliche Wetterdienst mit einer winterlichen Kältewelle, der ersten seit Winter 2018.

Während in Zentralspanien und in der Region Madrid katastrophale Zustände auf den Straßen herrschen, rüstet sich in Andalusien die Guardia Civil für die zahlreichen Ausflügler, die wegen des Schnees in Grazalema und anderen Orten der Sierra de Cádiz erwartet werden. Mitunter spielten sich auch surreale Szenen ab, so sah man einem Mann von Hunden gezogenen Schlitten durch unpassierbare Häuserschluchten fahren. Auf der Madrider Puerta del Sol fuhr man Langlauf und lieferte sich Schneeballschlachten. So viel Schnee gab es dort seit 1984 Jahren nicht mehr.

Rubriklistenbild: © Jesús Hellín-dpa.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare