Ein Air Taxi schwebt vor einer Gruppe von Menschen in einer Arena in San Sebastián.
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2019 präsentierte Tecnalia das Aero-Taxi in San Sebastián. Dass der Fortschritt in Spanien in einer Stierkampfarena präsentiert wird, nunja, „Spain is different...“

Fortschritt Made in Spain

Fliegende Taxis über Barcelona: Spanien will bald abheben

  • vonMarco Schicker
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Air-Taxis sollen in Spanien bald Realität werden. Pilotprojekte mit Passagier-Drohnen heben schon 2022 in Barcelona und Santiago de Compostela ab. Zum Auto mit Flügeln und Aero-Taxis im Alltag wird es aber noch dauern.

Barcelona - "Wie stellt ihr Euch die Welt in 20 Jahren vor?" Diese Aufgabe in der Schule endete oft mit fliegenden Autos auf einem Zeichenblatt. Die Realität blieb banaler: Aber City-SUVs und Smartphones sind ja auch ganz nett und immerhin transportieren Drohnen von Amazon und anderen Anbietern schon Medikamente und andere Waren in ländlichen Gebieten, allerdings meist in den USA, Kanada und Australien. In Europa hat der Amtsschimmel noch den Bremsfallschirm offen.

Aero Taxis sollen urbane Räume entlasten: Testflüge ab 2022 in Spanien

Das soll sich bald ändern. Spanien will beim Flug in die Zukunft ganz vorne mitspielen. Das öffentliche spanische Unternehmen für Luftraumüberwachung, Enaire, plant ab 2022 Testflüge für Flugtaxis im Rahmen von zwei EU-Projekten. Enaire wird kontrolliert vom spanischen Transportministerium und ist als enger Partner vom Airport-Betreiber Aena vor allem für die Flugsicherheit in Spanien und der Westsahara zuständig,

Enaire-Chef Ángel Luis Arias stellte vorige Woche seine Pläne beim Kongress “The future is waiting for us: the new urban air movility” vor. Unter den kryptischen Namen CORUS-XUAM und MU-LED, finanziert durch die EU-Fonds Horizon 2020, wollen die Spanier zusammen mit EU-Partnern ausloten, wie der "städtische Raum dreidimensional für den Verkehr genutzt werden kann". Und das ganz konkret für den Transport von Waren und Personen. Hieß das Ziel früher: Von der Straße auf die Schiene, geht man jetzt in die Luft.

Flugtaxis in Spanien: Testflüge in Barcelona und San Sebastián

"Es geht um Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Mobilität in Städten. Und das geht letztlich nur mit der dritten Dimension, dem Luftraum", so Direktor Luis Arias. Konkret geplant wird, in zentrumsnahen Lufträumen mit Air-Taxis zunächst zu proben. Große Lande- und Startplattformen in Barcelona und in Santiago de Compostela sollen jegliche Gefahren in solchen Anfangsstadien für die Bevölkerung ausschalten, aber dennoch praxisnahe Tests ermöglichen.

Crash-Test-Dummies in Drohnen-Helikoptern werden die ersten "Passagiere" der Aero-Taxis über Barcelona und Santiago sein. Ein halbes Dutzend privater Unternehmen will mit Enaire und unter ständiger Aufsicht der Flugsicherheitsbehörde AESA Testflüge absolvieren. Ganz vorne dabei ist der Technologieverbund Tecnalia ("Wir verwandeln Technolgie in Wachstum") mit Sitz in San Sebastián im Baskenland, ein Zusammenschluss von Dutzenden High-Tech-Firmen, Unis, Forschungsteams und Behörden.

Pilotprojekt ohne Piloten - Warten auf EU-Normen zum urbanen Luftraum

Tecnalias 2019 in San Sebastián vorgestellter Prototyp für ein Aero-Taxi soll 2024 Serienreife haben und kann 150 Kilogramm oder eine Person transportieren, eine Variante für 4 Passagiere soll folgen. Die Reichweite der Kabine von 1,80 Meter mal zwei Metern, die an vier Drohnen aufgehängt ist, betrage rund 15 Kilometer und könne bis zu 190 Kilometer pro Stunde erreichen. Der 2019 vorgestellte Prototyp kam allerdings nur auf 15 Minuten Flugzeit und und 90 km/h. Ausgelegt ist das Vehikel für Flughöhen zwischen 100 und 300 Metern und es soll "mindestens so bequem sein wie ein Auto". Geflogen wird ausschließlich mit Autopilot, eine mit Menschen besetzte Zentrale überwacht, die Passagiere ordern die Taxis wie heute Uber per App.

Das deutsche Projekt Lilium geht die Idee Air-Taxi etwas größer an. Hier eine Projektion mit dem Air Jet und New York im Hintergrund.

Um erste Testflüge mit echten Passagieren oder wenigstens lebenden Testpiloten durchzuführen, schaut die Forschergemeinde gebannt auf das Jahr 2023. Bis dahin - so der Plan - will die EU neue und europaweit einheitliche Normen für die Luftraumnnutzung beschließen, die dann auch Aero-Taxis im ländlichen und städtischen Raum regulieren soll. Einen Ausblik auf möglichen Individualverkehr in der Luft - für viele angesichts dessen, was sich schon ebenerdig abspielt ein Albtraum - gibt es aber noch nicht.

Urbaner Lufttransport in Europa: Big Player rechnen schon mal durch

Dass es sich bei Air-Taxis und fliegenden Autos aber icht mehr nur um futuristische Spinnereien handelt, belegt der simple Umstand, dass Brancheriesen wie Airbus und Boeing neben kleinen Tüftler-Start-ups bei den Projekten in Spanien und den Niederlanden dabei sein werden. Und auch die Autobranche - noch mitten in der Umstellung auf Elektroautos gefangen - rechnet schon einmal durch.

Toyota hat sich mit den Tüftlern von Joby zusammengeschlossen und sieht sich gut positioniert für das Rennen um die Lüfte.

Porsche hat dabei ein potentielles Marktvolumen für öffentlich regulierten urbanen Lufttransport in Europa von um die 32 Milliarden für das Jahr 2035 ermittelt. Das Unternehmen erklärte jedoch nicht, wo seine Schallmauer ist, ab der man die Sache für lohnend erachtet. Andere Firmen sind da schon weiter, Toyota verfügt bereits über ein avanciertes Flugobjekt mit Joby, Hyundai arbeitet seit Jahren mit Uber an der Umsetzung und das deutsche Lilium-Projekt kommt schon auf 300 Kilometer Reichweite, auch der ebenfalls deutsche Volocopter ist bereits hoch entwickelt. Alle warten nur auf die Flugfreigabe von der EU.

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