Geteilte Meinungen

Corona-Impfung: Spanien beschließt Rangfolge - Dissens über Nebenwirkungen

  • vonStella Kirchner
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Spanien beschließt seine Corona-Impfkampagne. Auf der ganzen Welt fürchten Ärzte Nebenwirkungen, sprechen sich mehrheitlich aber für die Impfung aus. 

  • Spanien impft Risikogruppen ab voraussichtlich 27. Dezember gegen Covid-19.
  • Mediziner begrüßen eine Coronavirus-Impfkampagne mehrheitlich.
  • Nebenwirkungen wie Fieber oder Atemnot sind bei der Corona-Impfung möglich.

Madrid - Eine während der Coronavirus-Pandemie seltene Nachricht: Die EU verabschiedet einen gemeinsamen Plan und zieht an einem Strang. Und das auch noch bei der Covid-19-Impfung. Genau das passiert nun, ab voraussichtlich dem 27. Dezember beginnen die Impfkampagnen der einzelnen Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland und Spanien.

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In Spanien können sich zunächst einmal Bewohner von Seniorenheimen oder Pflegepersonal das Produkt spritzen lassen. Die Verteilung der Impfdosen wird dabei vom spanischen Gesundheitsministerium und den Gesundheitszentren vorgenommen. Welcher Impfstoff genau genutzt werden wird, ist nicht bekannt, wobei bisher in der EU nur das Mittel der Mainzer Firma BioNTech kurz vor der Zulassung steht. Es ist also davon auszugehen, dass Risikogruppen mit diesem Impfstoff geimpft werden. Einen anderen wirksamen Impfstoff hat auch die Firma Moderna herausgebracht.

Eine medizinische Fachangestellte setzt bei einem Probelauf für die Coronavirus-Impfung die Spritze an.

Corona-Impfung in Spanien: Ärzte und Mediziner sind geteilter Meinung

Eine Vielzahl an Ärzten und Virologen begrüßen die Corona-Impfkampagne. Andere, wie der spanische Arzt Dr. Valentín Fuster, der das Herzzentrum des New Yorker Mount Sinai Medical Center leitet, äußern sich vorsichtiger: „In diesem Stadium der klinischen Studien können noch nicht alle möglichen Nebenwirkungen bekannt sein“, erklärt er der Presseagentur „Europa Press“. Er hat sich intensiv mit den Effekten von Covid-19 auf chronisch Herzkranke befasst und fürchtet, dass auch die Impfung für diese Personen schwerer verträglich sein könnte. Stattdessen würde die Beschränkung sozialer Kontakte die Infektionszahlen auf eine gesundheitlich unbedenkliche Art und Weise um bis zu 80 Prozent verringern, was aber einen hohen Einsatz der Mehrheit der Bevölkerung fordere. Auf diese Corona-Maßnahme setzt Spanien auch während der Feiertage verstärkt.

Ein Erfahrungsbericht aus erster Hand, verfasst von der amerikanischen Krankenschwester und Medizin-Dozentin Kristen R. Choi, gibt tiefe Einblicke in mögliche Nebenwirkugen des Corona-Impfstoffes von BioNTech. „Am Morgen nach der zweiten Injektion bin ich um 5.30 Uhr aufgewacht und hatte das höchste Fieber, das ich jemals hatte“, schreibt sie im medizinischen Fach-Journal JAMA (englischsprachig). Auch Atemnot sei aufgetreten. Sie habe große Angst bekommen, aber die Ärztin, die die Studie betreute, habe sie beruhigt, dass „viele Patienten nach der zweiten Injektion Reaktionen haben“. Sie klagt, dass die Ärzte, die die Testpersonen betreuten, ihr Wissen nicht mit den Patienten teilten. Allerdings ist sich die Medizinerin sicher, „dass die Effekte eine wirksame Reaktion des Immunsystems zeigen“ und „absolut normal“ sind. Auch das Sciencemag (englischsprachig) rät Patienten, die sich impfen lassen, sich „auf eine harte Nacht“ vorzubereiten und „die Schmerztabletten bereitzustellen“. Die Wirksamkeit des Stoffes stellt allerdings kaum ein Wissenschaftler infrage. Laut Informationen von fr.de sei es sogar üblich, dass junge Patienten stärkere Nebenwirkungen gegen den Impfstoff spüren*, da ihr Immunsystem stärker sei.

Corona-Impfung in Spanien: Andalusier werden wohl zuerst geimpft

Die ersten Spanier, die gegen Covid-19 geimpft werden, werden wohl „Grenzgänger“ in der Provinz Cádiz in Andalusien sein. Die Region lockert nach einem leichten Abflachen der Corona-Infektionskurve nun seine strengen Regeln stufenweise ein wenig. Denn die britische Regierung hat seinem Überseegebiet Gibraltar bereits über 30.000 Dosen Impfstoff zugesagt, die auch Spaniern oder anderen EU-Bürgern verabreicht werden sollen, die etwa als Krankenpfleger oder Personal in Seniorenheimen im kleinen Städtchen mit dem Affenfelsen wohnen.

Einige Menschen vor Ort verunsichert die Aussicht auf baldige Impfung oder gar Impfpflicht. Eine solche schließt Spanien laut Gesundheitsminister Salvador Illa aus, Großbritannien und damit Gibraltar jedoch nicht. „Ich weiß nicht, ob ich meinen Job behalten kann, wenn ich mich nicht direkt impfen lassen möchte“, erklärt so zum Beispiel Altenpflegerin Maribel Morales aus Algeciras in Andalusien dem spanischen Fernsehsender „rtve“. „Wir haben einfach Angst, was uns da verabreicht wird. Ich weiß aus meinem Studium, dass eine normale Impfung mindestens zwei Jahre braucht, um entwickelt zu werden“, argumentiert auch die spanische Krankenpflegerin Carmen Cillero. *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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