Ärzte in einem riesigen Feldkrankenhaus
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Das Madrider Feldkrankenhaus Ifema kann am 1. Mai mangels Patienten schließen

Meilenstein in Spaniens Kampf gegen Covid-19

Corona-Wunderklinik schließt - Madrid macht Ifema mangels Patienten zu

  • vonStephan Kippes
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Spaniens größtes Krankenhaus kann endlich schließen: Das Ifema-Feldlazarett ist im Kampf gegen Covid-19 nicht mehr nötig.

  • Weiterer Meilenstein im Kampf gegen Corona-Virus.
  • Kritik an Abschiedszeremonie wegen Verstöße gegen Notstandsdekret.
  • Ein Zehntel aller Covid-19-Patienten Madrids mussten ins Ifema, 17 überlebten es nicht.
  • Das Ifema war das größte Krankenhaus, das es jemals in Madrid gab.
  • 276 Menschen sind von Freitag auf Samstag an Covid-19 gestorben.

Madrid - Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat das von der Krise schwer betroffene Spanien einen wichtigen symbolischen Erfolg errungen: Das im Madrider Messezentrum Ifema errichtete riesige Feldkrankenhaus konnte am Freitag mangels Patienten und wegen der schnell sinkenden Zahl der Covid-19-Kranken eineinhalb Monate nach der Öffnung wieder geschlossen werden. Mehr als 4.000 Patienten wurden nach Angaben der Behörden im Ifema behandelt, wo im vergangenen Dezember noch der UN-Klimagipfel getagt hatte. Lediglich 17 Kranke konnten in den 41 Tagen des Ifema nicht gerettet werden.

Die meisten Kranken hätten das „Wunder-Krankenhaus gesund verlassen“, darunter eine 103 Jahre alte Frau, sagte die Regierungschefin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, bei der Schließungszeremonie. Man sei zuversichtlich, dass man selbst bei einem Wiederaufflammen der Pandemie im Herbst nie wieder ein Krankenhaus im Ifema werde errichten müssen. Das Gesundheitssystem Madrids werde bereits „reformiert und modernisiert“, betonte sie.

930 Covid-19-Patienen am 2. April

Von einem Wunder wollen Fachleute wie Klinikleiter Antonio Zapatero aber nicht sprechen, vielmehr stand hinter Ifema der Einsatz von fast 1.500 Ärzten, Pflegern und weiteren Fachkräften, die fast ein Zehntel aller Covid-19-Patienten Madrids versorgten. Oft kamen um die 200 Kranke am Tag neu dazu, und um die 150 konnten wieder raus. 930 Patienten zählte das Ifema am 2. April. “Es ist das größte Krankenhaus, das Madrid jemals gehabt hatte, mit einem Aufkommen von Patienten und Professionellen, das eigentlich unvorstellbar ist”, sagte Ifema-Direktor Antonio Zapatero.

Die Klinik mit 1.350 Betten, darunter 16 für Intensiv-Patienten, war in nur 48 Stunden errichtet und am 21. März eröffnet worden – zu einem Zeitpunkt, als die Pandemie grausam in Madrid wütete. Bei einem Besuch hatte König Felipe VI. die Einrichtung als „Ort der Hoffnung für die Moral ganz Spaniens“ bezeichnet. Symbolisch lässt sich Ifema auch als die Kehrseite der Medaille des Eispalasts sehen, in dem die Toten aufgebahrt werden mussten, weil die Bestattungsunternehmen nicht mehr hinterher kamen. Auch der Eispalast dient nicht mehr als provisorische Leichenhalle.

Das in Rekordzeit eingerichtete Feldkrankenhaus stand oft in der Kritik, vor allem in den ersten drei Wochen wegen der Organisationsprobleme, dem Chaos, dem Fehlen von Material und der hohen Ansteckungsgefahr für das Personal und zuletzt gestern. Die Abschiedszeremonie zu Ehren der letzten fünf Patienten und des medizinischen Personals am 1. Mai driftete in eine festliche Veranstaltung ab, bei der Politiker, Würdenträger, Ärzte. Pfleger und Journalisten alle Vorsichtsmaßnahmen fallen ließen, die seit Monaten von den Bürgern eingefordert werden, vorneweg der Sicherheitsabstand wegen der gerade in Madrid noch immer hohen Ansteckungsgefahr. Die Regierungsdelegation hat Ermittlungen angeordnet. “Das war ein bedauernswertes Spektakel, das jeden Respekt gegenüber den Leuten aus Madrid vermissen ließ”, sagte Pablo Perpinyá, Sprecher von Más Madrid.

Viele Journalisten wunderten sich, da der Festakt begangen wurde wie in den Zeiten vor Corona. Ganz anders sah das Regierungschefin Díaz Ayuso: “Wir waren überwältigt von dem Glücksgefühl und der spontanen und menschlichen Gesten aller hier. Sicherlich, muss man das Leben feiern aber auch den Mindestabstand waren.” Die Landeschefin und Madrids Bürgermeister ließen es sich nicht nehmen, belegte Brötchen aus einem Food Truck unter die Leuten zu verteilen. Kritiker warfen ihr vor, weniger das Leben als vielmehr die Volkspartei (PP) zu feiern und das auf Kosten des medizinischen Personals.

Für viele der Ärzte und Schwestern heißt der Abschied vom Ifema nämlich gleichzeitig die Rückkehr in die Arbeitslosigkeit oder in andere Berufe. Einige beklagten sich vor laufenden Kameras darüber, dass die Politik ihnen Hymnen sinkt, sie aber im Stich lasse. Der Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso hallten auch Sprechchöre entgegen, die sich gegen die von der PP vertretenen Privatisierungspolitik im Gesundheitswesen wandten, die, so die Meinung vieler Experten, Mitschuld an der zum Teil tödlichen Überlastung des Systems trug.

Kritik an Politisierung der Abschiedszeremonien

In Madrid verzeichnete das Gesundheitsministerium über 61.800 Infizierte, über 40.200 davon mussten im Krankenhaus behandelt werden, mehr als 8.220 kamen nie mehr raus und fast 3.400 mussten in einer Intensivstation behandelt werden. “Was denken die Millionen Bürger von uns, die 50 Tage in ihren Häusern eingesperrt sind und diese Bilder sehen. Die denken, wir Politiker sind so, aber ehrlich, viele von uns kamen, aber hatten mit so etwas nicht gerechnet”, sagte PSOE-Sprecher Ángel Gabilondo.

In Spanien haben sich nach Angaben der Behörden bis Samstag mehr als 216.582 Menschen erwiesenermaßen mit Sars-CoV-2 infiziert, 25.100 starben an oder mit dem Virus, 117.248 konnten als gesund entlassen werden. Von Freitag auf Samstag verloren 276 Menschen ihr Leben wegen des Coronavirus, fünf weniger als am Vortag.

Madrid gilt mit über 60.000 Infektionen vor Katalonien mit knapp 50.000 als das Epizentrum der Krise in Spanien. Die Zahlen gehen aber im ganzen Land seit Wochen stetig zurück. Die strikte Ausgangssperre wird deshalb gelockert. Seit Samstag darf man erstmals nach sieben Wochen wieder spazieren gehen oder im Freien Sport treiben. Mit einem Deeskalationsplan über vier Phasen will man Ende Juni eine „neue Normalität“ erreichen.

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