Ein Paar liegt am leeren Strand
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Wegen der Coronakrise rechnet Spanien mit wenig Tourismus.

Wegen Coronavirus

Nichts mit Fiesta: Auf Spanien kommt eine ruhige Urlaubsaison zu

  • vonStephan Kippes
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Nach Ostern schreibt die spanische Tourismusindustrie auch den Sommer ab. Dabei könnten einige Urlauber an einem ruhigen Badeurlaub Gefallen finden.

  • Bayerns Ministerpräsident Söder hält Urlaub im Ausland für unwahrscheinlich.
  • Spaniens Regierung lockert Auflagen für Tourismus nur stufenweise.
  • Massentourismus wird es diesen Sommer in Spanien nicht geben.

Madrid - Die Coronakrise entpuppt sich immer mehr als eine wirtschaftliche Katastrophe, vor allem für strukturschwache Regionen wie die Costa Blanca oder die Costa del Sol, in denen ein großer Teil der Bevölkerung von der Gastronomie oder der Tourismusindustrie lebt. Die spanische Regierung sieht „enorme Probleme“ auf den Tourismussektor zukommen. All die Wirtschaftszweige mit großen Publikumsverkehr können bis Sommer bestenfalls mit einer Lockerung der Auflagen, kaum aber mit einer Rückkehr zur Normalität rechnen. “Unser Land wird die touristischen Aktivitäten so lange nicht wieder aufnehmen, bis es eine Garantie für außerordentlich sichere Bedingungen gibt, sowohl für die Menschen, die in unserem Land leben, als auch für unsere Besucher“, sagte Finanzministerin María Jesús Montero (PSOE).

Wegen Corona kein Andrang: Auswüchse des Massentourismus bleiben aus

Auf die Menschen vor Ort kommen sehr schwere Zeiten zu, auf die Urlauber nicht unbedingt. Mit einem weinenden und lachenden Auge könnte mancher Langzeiturlauber in Spanien oder ausländische Rentner dem kommenden Sommer entgegensehen. Das dürfte Erholung pur werden. Auswüchse des Massentourismus im Juli und August etwa in Calp, Torrevieja, Málaga oder Marbella könnten dieses Jahr ausbleiben, keine ellenlangen Rückstaus, keine chronische Parkplatznot, dafür aber die Chance auf einen Platz in einem Restaurant ohne Reservierung. Denn an der Mittelmeerküste tummeln sich in diesem Sommer wenn überhaupt fast nur spanische Urlaubsgäste. Die meisten Ausländer werden wegen der Coronakrise zu Hause bleiben - zumal gar nicht sicher ist, wann Flughäfen in den Urlaubsregionen wie Valencia, Alicante oder Málaga wieder den regulären Flugbetrieb aufnehmen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stimmte den Freistaat schon auf Urlaub in heimischen Gefilden ein. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer so leicht möglich ist, schätze ich aus gegenwärtiger Sicht eher als unwahrscheinlich ein“, sagte er. „Das ist bei der Situation in den Ländern um uns herum, unseren klassischen Urlaubsländern, die wir haben - Spanien, Italien oder Frankreich oder Türkei - eher unwahrscheinlich.“

Auch der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sieht noch kein Ende der Mitte März ausgesprochenen und bis 3. Mai gültigen Reisewarnung für alle touristischen Reisen ins Ausland. “Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein. Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden, und wir werden uns versuchen so gut es geht auch europäisch abzustimmen.“

Tourismusindustrie steuert auf Katastrophe zu: Totalpleite statt Rekordsommer

Vergangenes Jahr kamen 84 Millionen ausländische Urlauber nach Spanien. Die Tourismusindustrie zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen im Land. Die valencianische Landesregierung hat am Sonntag Soforthilfen von 6,5 Millionen Euro für den Sektor auf den Weg gebracht. In den vergangenen Jahren verbuchten die Mittelmeergebiete einen Rekordsommer nach dem anderen. Vielerorts ist die örtliche Wirtschaft fast ausschließlich auf Tourismus und Gastronomie gepolt - beides ausgerechnet die Wirtschaftssektoren, die zuletzt von den Lockerungen des spanischen Notstandsdekrets profitieren werden. An Konzerte, Sommerfeste oder Großveranstaltungen denkt in Spanien niemand vor Herbst. Nach dem Reinfall zu Ostern gleicht dieses Szenario einer wirtschaftlichen Katastrophe. Dennoch, einem ruhigen Sommer könnten einige Urlauber durchaus etwas abgewinnen.

Man stelle sich vor – ohne die Tausenden Handtücher hellhäutiger und hochrotköpfiger Partytouristen könnte man am Levante-Strand in Benidorm wieder den Sand sehen, der Besuch einer der schönsten spanischen Buchten wie die Granadella in Jávea würde sich wirklich lohnen oder Naturparadiese wie der Cabo de Gata bei Almería gewännen etwas von ihrem charmanten Hippie-Charme zurück, den man dort normalerweise nur außerhalb der Hauptreisezeit antrifft. Ja vielleicht findet man in einem gastronomischen Hotspot wie Dénia sogar in einer lauen Sommernacht in der Altstadtgasse Loreto einen Platz in einer Tapasbar. Seit Jahren verspricht ein Badeurlaub nicht mehr so stressfrei zu sein wie er sich dieses Sommer abzeichnet - manch einem liegt das vielleicht mehr als Partynächte und Massentourismus.

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