Spanien und Italien wollen Koordination der EU

Coronavirus und Tourismus: EU-Partner streben nach Einheit zur Öffnung der Grenzen

  • vonStephan Kippes
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Unter dem Coronavirus haben Spanien und Italien besonders gelitten. Beide Länder sind jetzt dringend auf Touristen angewiesen. Von der EU fordern sie Koordination bei der Grenzöffnung.

  • Spanien und Italien fordern Koordination bei Öffnung des Schengen-Raums.
  • EU soll gemeinsame Kriterien für Grenzöffnung festlegen.
  • Spanien will Grenzen für Länder außerhalb der EU nicht zum 1. Juli öffnen.

Madrid - Spanien und Italien haben in einem Schreiben an Ursula von der Leyen die Europäische Kommission ersucht, die Öffnung der Grenzen beziehungsweise des Schengen-Raums zu koordinieren. Derzeit drängt die Mehrheit der EU-Mitglieder auf eine rasche Grenzöffnung. Italien hat das Abkommen an seinen Grenzen bereits am 3. Juni wieder in Kraft gesetzt. Spanien nimmt in Sachen Coronavirus dagegen eine konservative Haltung ein und will erst wieder ab 1. Juli die Reisefreiheit einführen.

Grenzöffnung nach Coronavirus: Spanien und Italien fordern Koordination

„Es ist Zeit, unsere Volkswirtschaften zu reaktivieren, die Normalität wiederzugewinnen und dazu gehört eben auch ein so fundamentales Element des europäischen Projekts wie die Bewegungsfreiheit im Schengen-Raum”, heißt es in dem Brief vom 4. Juni, den die Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und Guiseppe Conte unterzeichnet haben.

Mit der konservativen Haltung sieht sich Spanien einem immensen Druck seitens der Tourismusindustrie ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die Regierung auf eine graduelle Öffnung der Grenzen drängt und bisher nicht gewillt ist, bereits ab dem 1. Juli auch Touristen aus außereuropäischen Ländern einreisen zu lassen – was natürlich auch den Reiseverkehr zu den nordafrikanischen Nachbarn wie Marokko und Algerien erheblich einschränken würde. Schließlich reisen alljährlich rund 800.000 nordafrikanische Gastarbeiter oft mit bis aufs Dach vollbeladenen Autos von Frankreich über Spanien bis Almería, von wo aus sie mit der Fähre nach Marokko und Algerien übersetzen und wieder zurückkehren. Beim Gedanken an die sogenannte Operation Paso del Estrecho, die insgesamt drei Millionen Reisenden betrifft, scheint sich die Regierung nicht wohl zu fühlen und es geht ihr bei der Vorstellung von Einreisenden aus Nord- und Südamerika, wo das Coronavirus stark wütet, wohl ähnlich.

Schengen-Raum nach Corona: ECDC soll Kriterien festlegen

Die beiden von Covid-19 hart getroffenen Länder versuchen mit dem Vorstoß zu verhindern, dass einige EU-Mitglieder andere stigmatisieren, etwa wegen des Verlaufs der Sars-CoV-2-Pandemie oder im Zuge der Rückkehr zur Normalität. Daher sprachen sich beide Regierungschefs dafür aus, dass das Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die Kriterien für die Wiederaufnahme der Reisefreiheit festlegen soll.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will eine von der EU koordinierte Grenzöffnung.

Dass die Realität etwas anders aussieht, macht schon Italien klar. Das Land fordert Koordination bei der Grenzöffnung, schafft aber selbst mit der Grenzöffnung Tatsachen. Ähnlich werden sich wahrscheinlich auch die anderen EU-Mitglieder verhalten, die alle ihren eigenen Pläne bezüglich der Reisefreiheit haben und umsetzen wollen.

Coronavirus und Spanien: Regierung gegen Alleingänge der EU-Mitglieder

Bitter für Spanien ist, dass Länder wie Belgien gewissermaßen mit dem Finger auf das Land deuten und es zu den Ländern zählen, die sich einer allgemeinen und von Deutschland gewünschten Grenzöffnung am 15. Juni widersetzen. „Unsere Antwort darauf ist der Brief, in dem wir um Koordination bitten. Der spanische und italienische Präsident wünschen sich gemeinsame Kriterien, damit es keine Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Wir wollen alle Sicherheit, am besten wäre es doch, wenn wir einen großen Schirm hätten, unter den wir alle passen”, sagte Spaniens Regierungssprecherin María Jesús Montero.

Rubriklistenbild: © Alberto Di Lolli/dpa

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