Spaniens Gesundheitsminister setzt sich eine Schutzmaske auf.
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Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa sieht optimistisch in die Zukunft, man dürfe aber das Coronavirus „nicht verniedlichen“.

Covid-19 in Spanien: Ende in Sicht?

Corona-Impfungen in Spanien ab Dezember? Gesundheitsminister Illa im Interview

  • vonMarco Schicker
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Zustände wie im Coronavirus-Notstand sieht Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa nicht mehr aufs Land zukommen. Im Interview warnt er jedoch, „das Coronavirus zu verniedlichen“. Möglicherweise könne man schon im Dezember mit Impfungen gegen Covid-19 beginnen.

  • Laut Minister Illa sind die Daten zum Coronavirus in Spanien von heute mit jenen im März "nicht vergleichbar".
  • Spaniens Gesundheitsminister: Geringe Belastung der spanischen Krankenhäuser darf nicht zur Unvorsichtigkeit verleiten.
  • Anstelle weiterer Einschränkungen gegen das Coronavirus sollen die bestehenden durchgesetzt werden.
  • "Nach jetzigem Kenntnisstand" könnten die ersten "anfälligsten" Gruppen in Spanien ab Dezember geimpft werden, so Spaniens Gesundheitsminister.

Update, 1. September: Die Sommerbilanz der spanischen Regierung und die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien ab 1. September.

Madrid - Spaniens Gesundheitsminister, Salvador Illa, sieht die Lage hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie in Spanien verhalten optimistisch, obwohl Spanien in der vergangenen Woche fast 10.000 neue positive Coronavirus-Fälle gezählt hat. "Wir stehen vor einem Anstieg der Fälle, den wir kontrollieren müssen, aber der bis jetzt unser Gesundheitssystem nicht bedroht. Mehrere Faktoren sind für den Anstieg verantwortlich: die Mobilität seit Ende des Notstands und unser verbessertes System der Aufspürung des Virus", so Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa, PSOE, in einem Interview mit der in Barcelona erscheinenden Zeitung "La Vanguardia".

Spaniens Gesundheitsminister: "Es werden noch Monate vergehen, in denen wir wegen des Coronavirus nicht so leben können wie früher."

Illa stimmt mit den Experten an vorderster Front darin überein, dass die aktuellen Coroanvirus-Daten in Spanien mit denen vom März "nicht vergleichbar sind. Es ist offensichtlich, dass es mehr Fälle gibt, doch die Hälfte davon sind heute asymptomatisch, das Durchschnittsalter ist deutlich niedriger - um die 40 Jahre, daher sind die Verläufe leichter, zu rund 5 Prozent sind - glücklicherweise - die Krankenhäuser mit Covid-Patienten nur belegt und die Todesrate ist eine ganz andere als im März oder April."

Dennoch sei er "besorgt, der Minister ist immer besorgt. Ich werde das auch sein, bis wir herausgefunden haben wie wir diese Pandemie endgültig besiegen, was nur mit einem wirksamen Impfstoff können werden. Bis dahin müssen wir aufmerksam bleiben" und, so Minister Illa, es werden noch Monate vergehen, "in denen wir nicht so leben können wie früher".

Übersicht des staatlichen Fernsehens in Spanien über die aktuelle Ausbreitung der Infektionsherde des Coronavirus:

"La Vanguardia" fragt, ob die Regierung angesichts 5 Prozent Hospitals-Belegung, aber den furchtbaren ökonomischen Aussichten in Spanien für den Herbst nicht "dramatisiert" bei der sanitären Situation in Spanien? Das wäre die falsche Diskussion, erwidert der Minister. Dass die Auslastung heute so niedrig ist, heißt nicht, dass man das "Virus verniedlichen" könnte. "Die Sache ist immer noch ernst, das Virus hat seine zerstörerische Kraft nicht verloren." Es komme auch jetzt darauf an, die "Lage zu stabilisieren und die Kurve der Infizierten nach unten zu biegen".

Gesundheitsminister zum Coronavirus in Spanien aktuelle: "Es deutet nichts darauf hin, dass wir in eine Situation wie im März zurückkehren müssen."

Hinsichtlich des Managements der Pandemie meint Illa, "alles ist verbesserungswürdig", schließlich wusste man nicht, ob eine zweite Welle jetzt oder im September oder Oktober kommen würde, "wir wissen auch nicht, was in zwei drei Wochen sein wird".

Aber man habe Fortschritte gemacht, Spanien konnte binnen der letzten Woche eine halbe Million Tests durchführen, das wäre vor einigen Monaten noch nicht denkbar gewesen. Und die Regionen wenden gezielt Restriktionen an, um dort, wo die meisten Fälle entstehen, einzugreifen: Im familiären Umfeld und im Nachtleben.

Eine der zahllosen Pressekonferenzen, die Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa seit Beginn der Coronavirus-Pandemie in Spanien gehalten hat.

Illa hält auch nichts davon strengere Maßnahmen zu ergreifen, "wichtiger ist es, die bestehenden Maßnahmen gegen das Coronavirus in Spanien durchzusetzen. Dann braucht es auch keine neue Maßnahmen. Es deutet nichts darauf hin, dass wir in eine Situation wie im März zurückkehren müssen." Salvador Illa findet es daher sehr bedenklich, dass in Katalonien die Hälfte der Kontakte von Positiven nicht der Quarantäne folgen und selbst 13 Prozent der direkt positiv Getesteten sich nicht an die Isolation halten.

„Die Quarantäne zu brechen ist nicht einfach eine unzivilisierte Aktion, sondern eine Straftat.“

Salvador Illa, Gesundheitsminister von Spanien

"Wenn du positiv getestet bist, dich aber gut fühlst, kannst du immer noch andere anstecken. Daher musst du dich isolieren, klingt hart, aber eine Pandemie ist eine erzwungene Übung in Solidarität", so der Minister, der erst seit 13. Januar ins Amt kam. Er schiebt nach: "Die Quarantäne zu brechen ist nicht einfach eine unzivilisierte Aktion, sondern eine Straftat". Illa bezieht sich dabei auf den Fall eines Hoteliers auf der Balearen-Insel Formentera, der fünf seiner Angestellten zwang, zur Arbeit zu erscheinen, obwohl sie positiv getestet waren. Kein Einzelfall in Spanien dieser Tage.

"Wer Covid-Symptome hat soll nicht das Haus verlassen" - Impfungen in Spanien ab Dezember denkbar

Angesprochen auf die kritisierte Vorbereitung des Schulstarts am 7. September und die Anordnung der Behörden, Kinder mit erhöhter Temperatur nicht in die Schulen zu lassen, fragt "La Vanguardia", warum es dann für solche Fälle keine Angebote für die Eltern gebe, die ja arbeiten müssten. Salvador Illa weicht hier aus, die Autonomen Gemeinschaften müssten das regeln.

Für ihn komme es darauf an, dass „wer Symptome hat, nicht das Haus verlässt“, sonst „werden wir da nie rauskommen.“ Doch „weder Torra (Landespräsident Katalonien), noch Ayuso (Landespräsidentin Madrid) noch ich haben eine Zauberformel dafür“, appelliert Illa an die Verantwortlichkeit auf allen Ebenen und der Bürger.

Wie gemeldet, beginnen dieser Tage auch in Spanien klinische Tests für einen Imfpstoff gegen Covid-19. Wann wird das Land mit einer wirksamen Impfung rechnen können? "Man macht alles möglich, ohne dabei die Medikamentensicherheit zu opfern. Wenn ich heute eine Prognose wagen sollte, mit den Daten, die mir vorliegen, dann würde ich sagen, dass wir in Spanien im Dezember damit anfangen können, die am meisten bedürftigen Gruppen zu impfen."

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