Spaniens Gesnundheitsminister Salvador Illa spricht vor der Presse.
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Spaniens Gesundheitsminister spricht am 10. November 2020 von einer „vorsichtigen Stabilisierung“ der Corona-Fallzahlen in Spanien, in einer Woche starben 1.007 Menschen wegen Covid-19.

Covid-19 Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Weniger Positive, aber neuer Rekord bei Todesfällen + Updates

  • vonMarco Schicker
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Immer mehr Regionen in Spanien schließen die Gastronomie sowie auch die Gemeinden, die Zahl der Covid-Toten steigt immer noch und erreicht in der zweiten Welle einen neuen Rekord. Dennoch spricht die Regierung von einer „leichten Stabilisierung“. Eine spürbare Lockerung zu Weihnachten ist äußerst unwahrscheinlich.

Update, 20. November: Entspannung, aber keine Entwarnung - Was wird mit Weihnachten? Und: Kommt in Spanien die Impfpflicht? Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise in Spanien in unserem neuen Ticker-Artikel.

Update, 19. November: 452 neue Coronavirus-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen meldet das spanische Gesundheitsministerium am Mittwochabend, 18. November, die Inzidenz sinkt damit binnen zwei Tagen um 20, die Restriktionen greifen. Gegen den Landestrend steigen die Fälle in Valencia stetig, wenn auch von einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Allerdings registriert das Land mit 1.346 Covid-bedingten Todesfällen binnen 7 Tagen auch den höchsten Stand in der zweiten Welle, 234 davon entfallen allein auf Andalusien.

Der Druck auf das Gesundheitswesen ist in fast allen Regionen hoch, die Intensivstationen sind im Schnitt zu einem Drittel mit Covid-Patienten belegt und einzelne Krankenhäuser selbst in Regionen mit schwachen Inzidenzen melden Vollbelegung. Die Regierung lässt ein Protokoll erstellen, das Antigen-Tests demnächst in Apotheken ermöglichen soll.

Andalusien registrierte am Mittwoch eine Inzidenz von 536 (am Montag noch 547, eine Woche zuvor 576), die Balearen 240 (vor einer Woche: 260), Kanarische Inseln 83 (82), Valencia 299, am Montag 284 (vor einer Woche 248), Murcia 635, am Montag 678 (vor einer Woche 711).

Update, 18. November: 435 Todesfälle wegen Covid-19 binnen 24 Stunden meldet das spanische Gesundheitsministerium am Dienstag, 17. November, fast die Hälfte davon fallen auf Andalusien, das einen Albtraum durchlebt. Das ist ein neuer Rekord in der „zweiten Welle“. Viele Regionen verlängern ihre Restriktionen, einige bereits bis Ende Dezember., Valencia, wo die Fälle gegen den nationalen Trend steigen, wenn auch von niedrigem Niveau aus, vorerst bis 9. Dezember. Und Weihnachten? Katalonien plant eine Kontaktbeschränkung auf zehn Personen und eine Ausgangssperre für Silvester, die Pflichttests bei Einreise nach Spanien ab 23. November werden auch Weihnachten in Kraft bleiben. Madrid geht wieder einen Sonderweg: Es fordert die Genehmigung, alle Einwohner vor Weihnachten testen zu lassen, notfalls in Apotheken und an provisorischen Ständen auf der Straße.

Update, 17. November: Spanien meldete am Montag, 16. November, 470 positive Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen, deutlich weniger als die 530, die man noch am 9. November ermittelte. Doch der Rückgang der Corona-Fallzahlen in Spanien, die über PCR-Tests nachweisbar sind, "können noch nicht als Sieg gedeutet werden," bremst Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der Regierung, jeden Anflug von Euphorie. "Es würde bei dieser Tendenz ganze drei weitere Monate dauern, um die Inzidenz auf das Niveau vom Ende der Deeskalation nach dem ersten Notstand im Mai zu bekommen". Immerhin, nur in drei Regionen, Asturien, Kantabrien und Valencia steigen die Zahlen noch, in Valencia allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Andalusien registrierte am Montag eine Inzidenz von 547 (eine Woche zuvor 576), die Balearen 243 (260), Kanarische Inseln 81 (82), Valencia 284 (248), Murcia 678 (711). Über das Wochenende wurden spanienweit 38.273 neue Fälle registriert, also knapp 12.800 pro Tag, bei 1,5 Millionen Menschen in Spanien hat man Sars-Cov-2 seit Beginn der Pandemie festgestellt. Der Anteil der positiven Tests sank binnen einer Woche ebenso, von 13,5 auf 11,7 Prozent.

Langsam, viel zu langsam sinkt die Zahl der wegen Covid-19 versterbenden Menschen, von 512 am 9. auf 484 am 16. November, die meisten davon wurden drei Wochen vor ihrem Tod positiv getstet. Am Montag waren spanienweit 16,5 Prozent aller Krankenhausbetten mit Covid-Patienten belegt, in Asturien fast jedes dritte.

Update, 13. November, 10:32 Uhr: Während die Spanier die Senkung der Mehrwertsteuer auf Schutzmasken von 21 auf 4 Prozent und die Senkung des Maximalpreises für chirurgische Schutzmasken von 97 auf 72 Cent nur mit einem zynischen Lächeln ("zu spät, zu wenig") kommentieren können und das Gesundheitspersonal weiter über dem systemischen und oft auch persönlichen Limit um die Kontrolle der Situation kämpft, zeigt die Mathematik ein kleines Licht am Ende des Tunnels auf.

19.511 neue positive Tests, 356 Covid-bedingte Todesfälle binnen 24 Stunden (1.295 in sieben Tagen), jedes dritte Intensivbett in Spanien mit einem Covid-Patienten belegt und dennoch gibt es leisen Anlass zur Hoffnung. Denn die Inzidenz sinkt am Donnerstag leicht von 525 auf 504 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tage (statistisch bereinigt um die Schwankungen bei der Anzahl der Tests), nachdem sie zuvor tagelang zumindest stagnierte. Wie wir lernen konnten, weisen die PCR-Tests einen verlässlichen Trend hinsichtlich der kommenden Entwicklung bei den Hospitalisierungen und Toten aus, mit einer 10-14-tägigen Verzögerung. Diese Aussage zum Trend macht das viele Testen auch so wertvoll, weniger die absoluten Zahlen. Fernando Simón, der Chef des Nationalen sanitären Krisenstabes geht daher auch davon aus, dass die Zahl der Toten in den kommenden Tagen nochmals steigen könnte. Immerhin, neben den rund 2.000 neuen Einlieferungen in Krankenhäuser in den letzten 24 Stunden (Meldeschluss Donnerstag 15 Uhr) stehen einige hundert mehr Entlassungen gegenüber.

Fast jeder vierte neue Coronavirus-Fall wird derzeit in Andalusien registriert, auch wenn die beiden Exklaven Ceuta und Melilla relativ gesehen mit 1.035 und 980 Fällen die schlimmsten Daten liefern, gefolgt von Aragón (980), Navarra (816) und La Rioja (790). Erst vor wenigen Tagen hat Andalusien die örtliche Quarantäne verhängt, es wird Wochen dauern, bis die Effekte davon sichtbar werden können. Zusammen mit den 2.140 Fällen aus Madrid (das Ministerium hat Vorbehalte gegen die dortige Zählweise) und den 2.136 der Comunidad Valenciana stellen diese drei Regionen die Hälfte der neuen Fälle.

Coronavirus Spanien bei Costa Nachrichten auf einen Blick:
Aktuelle Lage in Andalusien (Costa del Sol), Murcia (Costa Cálida), Valencia (Costa Blanca). Informationen für Reisen von und nach Spanien - neue Regeln seit 8. November!

In mehreren Regionen gibt es zudem auch Zugangsbeschränkungen zu einzelnen Kommunen. Auf dieser Karte des staatlichen spanischen Fernsehens lässt sich per Mouse-over jede Gemeinde, Provinz und Region in Spanien hinsichtlich des Stands der Corona-Restriktionen abfragen.

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Ab 23. November: Keine Einreise aus Corona-Risikogebieten nach Spanien ohne negativen PCR-Tests

Update, 11. November, 18:18 Uhr: Spanien verlangt ab 23. November von allen Reisenden aus Coronavirus-Risikogebieten einen negativen PCR-Test auf das Coronavirus, dessen Ergebnis bei Einreise nicht älter sein darf als 72 Stunden. Der Beleg ist mit dem bereits bekannten Einreiseformular vorzulegen oder als QR-Code der Test-Institution elektronisch bereit zu halten.

Spanien definiert Coronavirus-Risikogebiete gemäß der EU-Empfehlung 2020/1475 vom 13. Oktober, also alle Länder die eine Inzidenz von über 150 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen aufweisen. Die Mehrzahl der Schengen- und EU-Länder würden mit Stand 10. November von Spanien (Inzidenz hier 524) als Risikogebiet eingestuft: Deutschland (268), Frankreich (908), Belgien (1.458), Schweiz (1.055), Portugal (574), Italien (655) usw.

Update, 11. November, 10:07 Uhr: "Es macht den Eindruck als seien wir in Spanien in einer Phase der Stabilisierung", konstatierte am Dienstag Fernando Simón, Chef des Sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung. Am gleichen Tag vermeldet Spanien 411 Tote wegen Covid-19, so viele wie seit April nicht mehr. Die Stabilisierung besteht lediglich darin, dass die Zahl der positiv Getesteten seit einigen Tagen nicht mehr sehr steil ansteigt und zwischen 520 und 530 Infizierten pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen verharrt. Simón selbst hatte allerdings gesagt, dass man erst dann von einer "risikofreien Situation der Pandemie sprechen" könne, wenn man unter 60 Fällen liege, wovon das Land also sehr weit entfernt bleibt. Erst ab einer Schwelle von 200 bis 250 Fällen könne man "über spürbare Änderungen der Restriktionen nachdenken".

Mag die absolute Zahl der positiven PCR-Tests auch weitgehend abstrakt und ungenau bleiben, so hat die zweite Welle doch nachgewiesen, dass die durch sie aufgezeigten Trends zeitverzögert zu entsprechenden Entwicklungen in den Krankenhäusern und bei den Sterbeurkunden führen. Die Tests sind also nicht sinnlos. Laut Simón hat Spanien am 24. und 25. Oktober "die Spitze der Infektionszahlen in der zweiten Welle erreicht", seitdem könne man von "leichten Rückgängen sprechen, aber mit Vorsicht, wegen der Verzögerung der Daten".

Und es gibt nach wie vor enorme regionale Unterschiede, weshalb die Regierung ihre Politik der fragmentierten, lokal zugeschnittenen Maßnahmen in Verantwortung der Regionen weiter für die richtige hält. Dort geht es aber drunter und drüber. Während Andalusien und Murcia nur noch einen Fingerschnipser von einer häuslichen Quarantäne entfernt scheinen, erlaubt sich der nationale Super-Spreader Madrid die Region offen zu halten, lediglich 41 der fast 300 Gesundheitsbezirke stehen unter Quarantäne. Das Haupt-Manko der vielen unübersichtlichen Einzelmaßnahmen besteht aber nicht in der Verhängung, sondern in der Kontrolle. Sie ist, vor allem bei der Mobilität, aber teilweise auch in der Gastronomie kaum gegeben, womit die Maßnahmen Gefahr laufen, ihre Wirkung zu verfehlen, eine weitere Verschärfung wäre der "Lohn".

Die größten Sorgen bereiten nach wie vor die Regionen Aragón und Navarra mit Inzidenzen am Dienstag, 10. November, von über 900, Castilla y León 859, La Rioja 797, Baskenland 779. In Andalusien (aktuell 569 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen) schlägt die zweite Welle härter zu als die erste, die Intensivstationen der Provinz Granada sind im Schnitt über 80 Prozent mit Covid-Patienten belegt, jeder fünfte Covid-Tote in Spanien stirbt derzeit in Andalusien. Die Region Murcia gehört mit 749 Fällen weiterhin zu den Sorgenkindern Spaniens, auch hier hatte die erste Welle lange nicht so gewütet. Positive Ausnahmen, wenn auch weiterhin von einer Entwarnung entfernt, bilden die Balearen (255), die weit entfernten Kanaren (82) und die Region Valencia mit 273 Fällen.

Landesweit stieg die Auslastung der UCI-Intensivstationen binnen drei Wochen von 28 auf 32 Prozent, was sich "erst langsam entspannen wird" und vor allem auch eine "personelle Überlastung" bedeutet und die gewöhnliche Tätigkeit der Krankenhäuser behindert. Etwas positiv ist die Aussicht dennoch, denn die Zahl von derzeit spanienweit 20.943 Personen, die stationär wegen Covid behandelt werden müssen, das sind 17 Prozent aller Betten, stellt einen kleinen Abwärtstrend von einigen hundert dar.

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"Stabilisierung" in Spanien bei immer mehr Covid-Toten - Hoffen auf Impfstoff Anfang 2021

Update, 10. November, 10:44 Uhr: Spaniens Gesundheitsminister, Salvador Illa, hat am Dienstag in einem morgendlichen Fernsehinterview davon gesprochen, dass Spanien mit einer ersten Lieferung von 20 Millionen Impfdosen des Impfstoffes von Pfizer rechnet, womit rund 10 Millionen Personen "Anfang des kommenden Jahres" geimpft werden könnten. Gestern vermeldete der Konzern, dass seine klinischen Tests eine 90-prozentige Wirksamkeit ergeben hätten, ein Ergebnis "weit über unseren Erwartungen", wie Pfizer meldet. Die Impfungen in Spanien werden kostenlos sein, Risikogruppen werden zuerst geimpft.

Das Interview des spanischen Gesundheitsministers im staatlichern Fernsehen, am Morgen des 10. Novemer:

Diese Woche ist, nach Ansicht der Regierung, entscheidend, um festzustellen, ob die verschärften Restriktionen - landesweite und in den Regionen - im Rahmen des neu ausgerufenen Notstandes die erwarteten Ergebnisse bringen. Minister Illa spricht davon, dass die "derzeitige Inzidenz von rund 530 Fällen (pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen, Anm.) - mit aller Vorsicht gesagt - eine interessante Stabilisierung aufzeigt." Illa ist weiterhin davon überzeugt, dass "die häusliche Quarantäne abwendbar bleibt, wenn die Bürger die aktuellen Maßnahmen ihrer Regionen konsequent umsetzen".

Mag auch die Inzidenz insgesamt stagnieren, sind die Daten alles andere als befriedigend, denn in vielen Regionen in Spanien steigt die Zahl der positiv Getesteten nach wie vor, eine Zahl, die sich zeitverzögert immer auch auf die Hospitalsauslastung und die Todesfälle auswirkt, wie die Vergangenheit bewiesen hat. So sagen zwar die absoulten Zahlen der wackeligen PCR-Tests nicht viel aus, die Schwankungen zeigen aber einen verlässlichen Trend auf.

Von Freitag bis Montag registrierte Spanien 512 Todesfälle wegen Covid-19, 1.007 Personen in den letzten sieben Tagen, 175 davon allein in Andalusien (Valencia 44, Murcia 42). Der Druck auf die Krankenhäuser (21.000 Patienten auf Stationen, 3.007 derzeit in UCIs), speziell die Intensivstationen steigt weiter (Auslastung landesweit 30 Prozent) und mehrere Regionen, voran Andalusien und Murcia, sehen sich gezwungen, die Quarantäne auch auf die einzelnen Gemeinden auszuweiten und mit Schließungen und verlängerten Ausgehsperren weiter tief ins produktive und soziale Leben einzugreifen.

Die Inzidenz in Andalusien betrug mit Meldeschluss Montag, 9. November, 15 Uhr, 577 Fälle (Vergleichswert Freitag: 545), spanienweit beträgt sie bei 530. In Aragón liegt sie bei 1.004 (1.077), Balearen 260 (244), Kanaren 82 (73), Castilla y León 832 (809), Katalonien 711 (720), Valencia 248 (252), Madrid 355 (364, wobei die Zentralregierung hier die Zählweise anzweifelt), Murcia 711 (661), Navarra 968 (1.118).

Die spanischen Minister Montero, Planas und Garzón nach dem Ministerrat am 3. November vor der Presse. Mehr Klarheit brachten sie nicht mit.

Update, 8. November: Ab Dienstag 0 Uhr verhängt Andalusien zunächst bis 23. November die örtliche Quarantäne über alle Gemeinden (bisher waren davon 450 betroffen), außerdem wird jede „nicht essentielle“ wirtschaftliche Tätigkeit ab 18 Uhr untersagt (Gastro, Geschäfte außer Lebensmittel etc.), die nächtliche Ausgangssperre wird von 22 bis 7 Uhr morgens verlängert. Alles Weitere zu Coronavirus in Andalusien.

Update, 6. November, 15:45 Uhr: Für die Region Valencia (Costa Blanca) gelten ab Samstag neue Covid-Regeln: Elda und Petrer stehen unter Quarantäne, weitere Einschränkungen für Gastronomie und Freizeitbereich.

Update, 6. November, 09:37 Uhr: Am Donnerstag muss Spanien einen dramatischen Anstieg der Covid-19 bedingten Todesfälle melden: 369 Menschen starben an einem Tag, womit binnen sieben Tagen 1.001 Personen starben, die ohne Covid-19 noch am Leben wären. Zudem nahm das Gesundheitsministerium über 1.240 frühere Todesfälle aufgrund von nachgemeldeten Prüfungen der Todesursache durch die Regionen in die zentrale Statistik auf, laut Regierung sind nun in der ersten Welle allein in Altersheimen 20.260 Menschen an Covid-19 gestorben. Wie berichtet, gibt es auch in dieser zweiten Welle in Spanien wieder dramatische Fälle in Altersheimen.

Die Übersterblichkeit (mortal exzess) in Spanien beträgt für 2020 bereits 64.709 Personen, allein in den letzten 30 Tagen 6.152. Dieser Wert sagt aus: Das Mehr an Toten verglichen mit dem langjährigen Mittel, in dem auch Grippe- und Hitzewellen sowie weitere außerordentliche Umstände sowie eine großzügige statistische Abweichung einkalkuliert sind.

Das spanische Gesundheitsministerium hat mit Meldeschluss 5. November, 15 Uhr, 9.606 neue positive Tests auf das Coronavirus gemeldet. Die Inzidenz bleibt mit 527 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen etwa gleich hoch wie am Tag zuvor. In der Region Valencia sinkt sie um 4 auf 258, in Andalusien sinkt sie um 7 auf 541, in Murcia macht sie einen Spurng von 604 auf 642. Der Anstieg der positiven Fälle binnen 14 Tage beträgt 39,4%, ein leichtes Abflachen gegenüber den Werten von über 50% zuletzt.

Hinsichtlich weiterer Covid-Restriktionen verkündet am heutigen Freitag Valencia eine Verschärfung, die auf den Einschluss besonders betroffener Gemeinden hinausläuft, eine komplette Schließung der Gastronomie wie in vielen anderen Teilen Spaniens (siehe Erstmeldung unten) wird für Valencia nicht erwartet. Murcia hingegen hat besonders harte Maßnahmen beschlossen, weil die Fallkurve steil nach oben geht.

Coronavirus Spanien bei Costa Nachrichten auf einen Blick:
Aktuelle Lage in Andalusien (Costa del Sol), Murcia (Costa Cálida), Valencia (Costa Blanca). Informationen für Reisen von und nach Spanien - neue Regeln ab 8. November!

In mehreren Regionen gibt es zudem auch Zugangsbeschränkungen zu einzelnen Kommunen. Auf dieser Karte des staatlichen spanischen Fernsehens lässt sich per Mouse-over jede Gemeinde, Provinz und Region in Spanien hinsichtlich des Stands der Corona-Restriktionen abfragen.

Update, 5. November, 12:35 Uhr: Auch in der Region Valencia werden die Restriktionen ab Freitag verschärft.

Update, 4. November, 12:45 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium meldet per 3. November:

  • 5.141 neue positive Tests auf das Coronavirus binnen 24 Stunden, 1.259.366 seit Beginn der Zählung in ganz Spanien.
  • Die Inzidenz steigt landesweit binnen 24 Stunden von 521 auf 528 Fälle pro 100.000 Einwohner für die letzten 14 Tage.
  • Die höchsten Fallzahlen registrieren Aragón, Melilla und Navarra mit über 1.100 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen.
  • Die niedrigsten Inzidenzen werden gemessen in Kanaren (73), Balearen (235), Region Valencia (250), Galicien (315).
  • Am 3. November wurden in ganz Spanien 19.943 Patienten wegen Covid-19 in Krankenhäusern stationär behandelt, 2.754 davon auf Intensivstationen (UCI).
  • Die Auslastung der Intensivstationen beträgt landesweit im Schnitt 29,2 Prozent, am höchsten ist sie mit Werten von 39 bis 48 Prozent in Aragón, Katalonien, Madrid, Ceuta und Navarra. In La Rioja und Melilla liegt sie bei über 50 Prozent.
  • Covid-Todesfälle: In Spanien starben in den vergangenen sieben Tagen 832 Menschen wegen Covid-19. Davon 144 in Andalusien, 129 in Castilla y León, 92 in Aragón, 68 in Asturien, 35 in Murcia, 42 in Valencia.
  • Die statistische Übersterblichkeit in Spanien 2020 beträgt über 62.000 Todesfälle, allein im Oktober lag sie bei über 4.600.

Erstmeldung, 4. November: Madrid - So weit wie möglich die Aktivitäten der Menschen einschränken, um so wenig wie möglich die Menschen selbst, - durch eine erneute häusliche Quarantäne - einzuschränken. So sieht derzeit die "Strategie" der spanischen Regierung gegen die zweite Welle des Coronavirus aus. Wie weit man dabei geht, überlässt die Regierung Pedro Sánchez aber weiterhin den Autonomen Gemeinschaften.

Gastronomie in Spanien schließt Stück für Stück: Katalonien, Navarra, Kastilien und León, Galicien und Murcia machen Lokale dicht

Verónica Casado, Gesundheitsministerin der Region Castilla y León, fordert die häusliche Quarantäne, um den Flickenteppich der Corona-Maßnahmen in Spanien zu beenden.

Zu einem entsprechenden Flickenteppich hat sich Spanien hinsichtlich der Covid-Restriktionen entwickelt. Es vergeht kein Tag, an dem aus den Regionen nicht neue Anpassungen gemeldet werden. Katalonien schloss als erstes auch die Gastronomie, mittlerweile haben sich Melilla und Navarra, Asturien und Castilla y León dieser Maßnahme angeschlossen, in letzterer Region wurden auch Einkaufszentren geschlossen. Ab Samstag, 7. November schließen auch in Murcia alle Restaurants und Bars. Am Mittwoch kündigte Galicien die Schließung der Gastronomie für 30 Tage an und stellt 60 Orte unter Quarantäne.

Entwicklung der Hospitalisierungen wegen Covid-19 in Spanien:

Während die Zentralregierung Spaniens auf die Zahlen starrt wie das Kaninchen auf die Schlange und hofft, dass die Absperrung der Regionen, die nächtlichen Ausgangssperren und die weiteren Restriktionen ausreichen, um die Kurve erneut zu biegen, führt die dezentrale Machtausübrung dazu, dass Regionen mit höheren Inzidenzen wie Madrid aus machtpolitischen und populistischen Überlegungen zum Teil laschere Corona-Maßnahmen ergreifen als Regionen mit niedrigeren Fallzahlen.

Standpunkte der Regionen in Spanien hinsichtlich weiterer Covid-Restriktionen (Stand 3. November):

  • Andalusiens Landeschef Jaunma Moreno stellt Überlegungen an, "bestimmte Wirtschaftsbereiche" stillzulegen, wenn die Zahlen so bleiben und sieht eine häusliche Quarantäne "als letzte Option". In der Region Andalusien stehen bereits 450 Orte und 4,3 Millionen Menschen unter Quarantäne.
  • In Aragón hält man derzeit nur an der Abriegelung der Region bis 9. November fest. Asturien war die erste Region, die beim Gesundheitsministerium am vorigen Wochenende eine häusliche Quarantäne beantragt hat, was abgelehnt wurde.
  • Die Balearen und Kanaren, die spanienweit zusammen mit Valencia am besten dastehen, planen derzeit keine weiteren Verschärfungen.
  • Kantabrien hat am Mittwoch die Quarantäne auf kommunaler Ebene für alle Gemeinden angeordnet. Das heißt, niemand darf aus seiner Stadt oder seinem Dorf heraus oder hinein, außer aus „dringendem Grund“.
  • Castilla y León lässt ab Mittwoch alle Geschäfte mit mehr als 2.500 Quadratmeter Fläche schließen, zudem machen alle Hotels und Lokale dicht, ebenso alle Sporteinrichtungen. Die Landesgesundheitsministerin sieht eine "häusliche Quarantäne" als "unumgänglich" an.
  • In Castilla-La Mancha liege "die häusliche Quarantäne auf dem Tisch", so Landesgesundheitsminister Jesús Fernández Sanz, man werde aber die Ergebnisse der Evaluierung am 9. November abwarten.
  • Katalonien findet seine Maßnahmen "ausreichend, sie können funktionieren", so die Gesundheitsministerin der Generalitat, Alba Vergés.
  • Das Baskenland will "eine allgemeine Quarantäne auf jeden Fall verhindern, man habe noch etliche andere Möglichkeiten", so der regionale Regierungssprecher Bingen Zupiria.
  • In Galicien ist "bisher nichts in Richtung häusliche Quarantäne geplant".
  • Navarra hat die jetzigen Restriktionen, einschließlich der Schließung der Gastwirtschaft bereits um weitere 14 Tage verlängert und meint, "sie fangen an, Wirkung zu zeigen".
  • Murcia verlangt, dass die Zentralregierung das Kommando übernimmt, "wir brauchen eine klare Führung. Hinsichtlich einer häuslichen Quarantäne erwarte er ebenfalls eine "Lösung auf nationalem Level". Murcia schließt ab Samstag, 7. November Restaurants und Bars.
  • Madrids illustre Skandal-Präsidentin Isabel Díaz Ayuso kämpft "unermüdlich dafür, eine Quarantäne Zuhause zu verhindern, die nur die allerletzte Lösung sein" könne.
  • Auch Valencia hat am Dienstag die bestehenden Restriktionen verlängert, um eine Woche bis Freitag, 13. November. Weitere Verlängerungen sind wahrscheinlich.

Spaniens Regierung lehnt häusliche Quarantäne ab - noch

Der Staat gab mit dem in Spanien bis Mai ausgerufenen erneuten Notstand den Regionen lediglich einen rechtlichen Rahmen für ihr Handeln sowie quantitative Kriterien, ab welchen Zahlen welche Maßnahmen angeraten seien. Die häusliche Quarantäne oder die zentrale Schließung der Gastronomie per Dekret aus der Moncloa ist mit diesem Instrument aber nicht umsetzbar und müsste im Parlament neu abgestimmt werden. Daher wurden Anträge Anfang der Woche, unter anderem aus Asturien sowie Kastilien und León für einen erneuten Einschluss der Bürger auch tagsüber abgelehnt.

Am Dienstag bekräftigte der Ministerrat noch einmal, dass "es zu früh ist, den Einfluss der neuen Notstandsregeln zu bewerten. In der ersten Welle haben wir gelernt, dass es mehrere Tage braucht, um Ergebnisse zu sehen", sagte Regierungssprecherin María Jesús Montero. Am Mittwoch trifft online wieder der Rat der Regionen mit der Zentralregierung, die sich einiges anhören müssen wird.

Unsicherheit bei Reisenden von und nach Spanien - Fake-News im Netz

Derweil grassiert neben dem Coronavirus vor allem die Verunsicherung unter den Bürgern, die immer häufiger auch in gewaltsamen Frust und Randale in vielen spanischen Städten umschlägt - gesteuert von politischen Trittbrettfahrern. Als offizielle Schreiben getarnte Fake-News machen in WhatsApp und in Sozialen Netzwerken die Runde, wonach in wenigen Tagen wieder der Einschluss verkündet würde. Reisende aus dem Ausland, Residenten in Spanien sind verunsichert, ob eine Anreise in ihre Wohnsitze - oder auch die Abreise - überhaupt noch möglich ist. Über die Situation für Reisen von und nach Spanien gibt es hier wichtige Informationen.

Regionale Alleingänge verschärfen die Lage in Spanien eher als dass sie helfen

Für Verwirrung sorgte zuletzt auch der sonst für seine ruhigen und klaren Äußerungen gerühmte Chef des Sanitären Krisenstabes der Regierung, Fernando Simón. Er betonte zwar am Dienstag auch, dass "wir erst die Entwicklungen abwarten" müssen, es wäre aber "schwierig, wenn eine Region die häusliche Quarantäne ausruft, sie nicht auch für alle anderen zu verhängen."

Zentraler Notstand in Spanien, aber wenig zentrale Covid-Maßnahmen: Regierungschef Pedro Sánchez kommt von den Videokonferenzen kaum noch weg.

Die Überlegung, der ohnehin schwer geschwächten Wirtschaft in Spanien durch einen erneuten totalen Lockdown nicht völlig die Luft abzuschnüren, wird verdrängt durch die sich zuspitzende Lage im Gesundheitswesen. Neben der wachsenden Belegung von Krankenhausbetten und Intensivstationen, die in einigen Städten bereits wieder zu Improvisationen wie im März/April zwingen, leidet durch die massiven Tests auch die Erstversorgung in den Gesundheitszentren und werden immer mehr nicht lebensnotwendige Eingriffe verschoben.

Cornavirus-Maßnahmen in Spanien: Kombination als Schlüssel, Stichtag 9. November

Spanien versucht sich gerade daran, durch eine Kombination von zentralen, regionalen und lokalen Maßnahmen, eine Quarantäne für die Menschen zu verhindern, die aber durch die Summe der Corona-Maßnahmen Schritt für Schritt dennoch Realität wird. Durch das Einstellen des öffentlichen Lebens, die Limitierung der sozialen Kontakte befindet sich das Land bereits in einem Lockdown light. Die Leute dürfen noch auf die Straße, die Kinder in die Schulen und die Menschen sollen arbeiten gehen. Doch viel mehr nicht: Selbst das Feierabendbier wird in vielen Regionen bereits erschwert bis unmöglich.

Andere Länder Europas, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Tschechien, Irland und Belgien gehen - im Unterschied zu ersten Welle - diesmal deutlich strikter vor als Spanien, obwohl viele davon bessere Corona-Werte aufweisen und besser darüber Bescheid wissen, wo die Infektions-Cluster auftreten. In Spanien können derzeit nur zwölf Prozent der positiven Fälle Infektionsherden zugeordnet werden. Zwar wird die Gastwirtschaft stark reglementiert, die Experten verweisen aber auf die Familien und die Freundeskreise als die Super-Spreader der zweiten Welle.

Spaniens Vizeregierungschefin Carmen Calvo stellt die Geduld und das Bangen der Spanier noch bis zum 9. November auf die Probe. An diesem Tag will die Regierung eine erste Einschätzung vornehmen und ihre Maßnahmen anpassen. Regierungschef Pedro Sánchez will bis dahin bei einer Tour durch die Regionen seine Optionen ausloten. Bei der aktuellen Entwicklung der Fallzahlen und der Situation in den Krankenhäusern scheint es unwahrscheinlich, dass Ministerin Calvo dann gute Nachrichten verkünden kann. Die erhoffte "Rettung von Weihnachten" scheint für Spanien, womöglich für ganz Europa eine Illusion.

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