Ein Ortspolizist in Spanien kontrolliert einen Autofahrer.
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Spanien will nicht dringend notwendige Reisen verhindern, allerdings gelten in jeder Region andere Regeln.

Covid-19: Spanien ist abgeriegelt

Coronavirus Spanien aktuell: Landesweiter Notstand soll Weihnachten retten - Updates

  • vonMarco Schicker
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Sechs Monate allgemeiner Notstand in Spanien und die Abriegelung von Regionen und mittlerweile über 2.000 Gemeinden sollen das außer Kontrolle geratene Coronavirus eindämmen. Intensivstationen kommen wieder ans Limit, die Zahl der Toten steigt dramatisch. Die Restriktionen sind von Region zu Region, manchmal von Ort zu Ort verschieden.

Update, 4. November: Kommt ein neuer Corona-Lockdown scheibchenweise? Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien.

Update, 3. November: Die Rate der positiv auf das Coronavirus Getesteten in Spanien steigt weiter und mit ihr die Zahl der Hospitalisierungen und wegen Covid-19 Sterbenden. Mit Meldeschluss Montag, 2. November, 15 Uhr lag die Inzidenz bei 521 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen, am Freitag zuvor noch bei 485, der Anstieg binnen sieben Tagen beträgt 44 Prozent. Die Region Valencia sticht durch eine Abnahme gegen jeden Trend heraus, von 231 auf 225 Fälle, leicht zurück ging es auch in der Region Madrid allerdings auf noch immer 403 und auf den weit entfernten Kanaren auf 76 Fälle.

Dramatisch wird es in einigen Regionen und Kommunen in den Krankenhäusern und in den Intensivstationen. Landesweit stieg die Belegung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten über das Wochenende um zwei Punkte auf 28 Prozent, derzeit liegen 19.170 Menschen in Spanien wegen Covid im Krankenhaus, 2.650 davon in den UCIs. Die Durchschnittswerte sagen nichts über die Sättigung in einzelnen Krankenhäusern aus, die wegen konzentrierter Ausbrüche auch Gebiete betreffen kann, die insgesamt noch relativ gut dastehen, wie zum Beispiel Dénia und die Marina Alta im Norden von Alicante oder Orihuela im Süden der gleichen Provinz.

Immer mehr Hospitäler eröffnen neue "Etagen" oder rüsten normale Stationen in Intensivstationen um, nicht lebensnotwendige Behandlungen und Operationen werden verschoben, es gibt wieder erste Feldlazaretts, vor allem aber die gesundheitliche Erstversorgung ist "nahe des Kollaps", wie die Verbände der Betroffenen alarmieren.

Von Freitag bis Montag starben in Spanien 379 Menschen wegen Covid-19. Für die "Mit oder an"-Apologeten sei konkretisiert: Es starben 379 Menschen, die ohne Covid-19 nach Expertise der behandelnden Ärzte heute noch leben würden. Die statistische Übersterblichkeit in Spanien liegt mittlerweile bei 62.000 Menschen, rund 11.000 davon fallen auf den Zeitraum nach Ende des ersten Notstandes.

Derzeit wachsen die Hospitalisierungen schneller an als die positiven Tests - 22,6 Prozent mehr Krankenhauspatienten gegenüber 12,5 Prozent mehr positiv Getesteten waren es am Freitag, am Montag "nur" 19,75 Prozent mehr Patienten in Hospitälern. Die Effekte der angezogenen Restriktionen brauchen also ihre Zeit, einige Regionen wie Asturien, Kastilien und León aber auch Murcia halten selbst die neuen, strengen Regeln für "wahrscheinlich nicht ausreichend".

Coronavirus in Spanien - Informationen und Restriktionen auf einen Blick
Region Valencia, Region Andalusien, Region Murcia.
Coronavirus-Tests in Spanien

Auf dieser Karte des staatlichen spanischen Fernsehens lässt sich per Mouse-over jede Gemeinde, Provinz und Region in Spanien hinsichtlich des Stands der Restriktionen abfragen.

Update, 2. November: Die Region Asturien hat am Montag beim spanischen Gesundheitsministerium die häusliche Quarantäne für seine Bewohner beantragt. Minister Salvador Illa lehnte den Antrag ab, mit der Begründung, dass die laufenden Maßnahmen „ausreichen sollten, die Entwicklung zu kontrollieren. Wir sollten jetzt nicht in eine Art Wettbewerb eintreten, wer die härtesten Maßnahmen verhängt“, so Illa.

Die spanische Regierung arbeite weder an einer erneuten ganztägigen Ausgangssperre, noch „wird diese nötig sein“. „Wir haben in dieser Pandemie die Erfahrung gemacht, dass sich die Dinge nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Daher sollten wir jetzt einmal die 10 oder 15 Tage abwarten“. Bei entsprechend „korrektem Verhalten der Bevölkerung“ seien die Maßnahmen ausreichend.


Update, 31. Oktober: Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen ist in Spanien binnen der letzten 14 Tage (Stand 30. Oktober) regelrecht explodiert und um 85 Prozent angestiegen, bereits bereinigt um die wechselnde Testdichte. Allein am 30. Oktober wurden 9.723 neue Fälle registriert.

Coronavirus Spanien aktuell: Inzidenz, Auslastung Intensivstationen, Covid-bedingte Todesfälle, Randale in Barcelona, Burgos, Sevilla, Bilbao

Inzidenz: Spanienweit liegt die Inzidenz per Freitag, 30. Oktober, bei 485 Coronavirus-Positiven pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen. In Aragón, Melilla und Navarra liegt sie über 1.000. In Andalusien 444 (Veränderung zur Vorwoche: +117), Balearen 212 (+62), Kanaren 76 (-5), Castilla y León 760 (+198), Comunidad Valenciana 231 (+78), Katalonien 700 (+253), Murcia 503 (+124).

Tote: Täglich starben in der vergangenen Woche im Schnitt 161 Menschen wegen Covid-19, über 1.000 insgesamt. Davon starben 148 in Andalusien, 142 in Kastilien León, 144 in Madrid, 45 in der Region Valencia, 29 in Murcia. Zur Erinnerung: den höchsten (offiziellen) Tageswert registrierte Spanien am 24. April mit 950 an einem Tag, Anfang Juni lag die Zahl zwischenzeitlich im einstelligen Bereicht. Die statistische Übersterblichkeit - also das Mehr an Toten über dem langfristigen statistischen Mittel, alle Grippewellen etc. bereits mitberechnet - lag im Oktober in Spanien bei 4.662 Sterbefällen, für das Gesamtjahr 2020 liegt die Zahl bei 60.644.

Intensivstationen: "Wir sind noch nicht wieder in der Hölle, aber schon im Fegefeuer", erklärt ein Intensivmediziner aus Madrid gegenüber "El País". In immer mehr Intensivstationen wird von "Sättigung" gesprochen, mehrere Hospitale, darunter in Madrid, Barcelona, aber vor allem auch in Aragón sowie in mehreren Hot Spots, z.B. in Murcia, Andalusien aber auch im Süden der Provinz Alicante stocken bereits die Kapazitäten auf, man beginnt wieder zu improvisieren.

377 Menschen in Spanien mussten in den vergangenen sieben Tagen wegen Covid-19 neu auf Intensivstationen verlegt werden. Die landesweite Auslastung der UCIs beträgt derzeit 26,6 Prozent (Stand: Freitag, 30. Oktober) 4,2 Punkte mehr als eine Woche zuvor. In den beiden Kastilien, in Madrid und Katalonien beträgt die Rate 37 bis 40 Prozent, wobei einzelne Krankenhäuser in Ballungszentren bereits über 80 Prozent melden müssen.

Gewalttätige Ausschreitungen in Barcelona, Sevilla, Bilbao und Burgos

In Barcelona und Burgos kam es am Freitag zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten, die gegen die Covid-Maßnahmen ihrer Regionen und Städte protestierten und den Sicherheitskräften. Laut Angaben der Polizei handelte es sich in Barcelona zunächst um "heterogene Gruppen". Die Gewalt - es flogen Zäune, brannten Müllcontainer, Flaschen, Steine und Pyrotechnik ging über die Polizisten nieder - hielt die ganze Nacht an. Die Behörden machen dafür "extreme rechte Gruppen sowie Teile der Szene des Nachtlebens" verantwortlich, die "offenbar Chaos inszenieren wollten". In Burgos spricht die Polizei von "gewaltbereiten, teils plündernden Banden". Auch in Sevilla und Bilbao kam es am Freitag zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei mit mehreren Verhaftungen. Ausführlicher Bericht zu den Ausschreitungen in Spanien.

Update, 30. Oktober: Die Region Valencia macht am heutigen Freitag ab 12 Uhr dicht. Die kommenden sieben Tage kommt in der Regel niemand raus und niemand rein. Ministerpräsident Ximo Puig schließt nicht aus, diese regionale Absperrung um weitere sieben Tage zu verlängern im Hinblick auf die Puente de Almudena, die traditionell viele Kurzurlauber aus der Region Madrid in die Region bringt. Die Regionalregierung in der Hauptstadt, Isabel Ayuso, hat weder ihre Amtskollegen noch Virologen allzu angenehm überrascht mit dem Beschluss, Madrid nur tageweise und über das Allerheiligen-Brückenwochenende zu sperren und dann die Region wieder zu öffnen.

Update, 29. Oktober, 14.:22 Uhr: Soeben hat sich Katalonien den Schließungen anderer Regionen angeschlossen. Es gilt eine zunächst 14-tägige Ein- und Ausreisesperre von und nach anderen Regionen sowie an den Wochenenden auch für alle Gemeinden, geschlossen werden zudem Einkaufszentren, Kontakte haben sich auf den engsten sozialen Kreis zu beschränken.

Madrid - Frankreich geht nach 560 Covid-Toten an nur einem Tag wieder komplett in Quarantäne, in Deutschland werden im gesamten November alle Lokale, aber auch Fitness-Studios und andere Kleinbetriebe landesweit geschlossen, private Zusammenkünfte aus mehr als zwei "Blasen" untersagt. In vielen weiteren Ländern Europas werden Maßnahmen ergriffen, die an die erste Coronavirus-Welle im März erinnern und in manchen Fällen sogar darüber hinaus gehen.

Spanien und Europa haben ein Nahziel: Weihnachten retten

Etliche Fluglinien haben Spanien nicht mehr auf dem Plan. Die zweite Coronavirus-Welle hat Europa fest im Griff.

Europa macht dicht und Spanien, mit der höchsten Inzidenz und den bittersten Erfahrungen aus der ersten Welle, zieht dabei mehr nach als mit, scheibchenweise: Murcia, Andalusien, Kastilien La Mancha und Kastilien und León riegeln sich - zunächst bis 9. November - nicht nur nach außen ab, wie das zuvor schon Asturien, das Baskenland, Navarra, La Rioja und Aragón taten, sondern schränken auch die Bewegungsfreiheit zwischen Provinzen und - im Falle Murcia - auch zwischen den Gemeinden ein. Dazu kommen der allgemeine Notstand samt nächtlicher Ausgangssperre in Spanien.

Coronavirus Spanien: Lokale Quarantänen, Zögern und "Akkupunktur" in Valencia

Große Urlaubsregionen wie Katalonien und Valencia zieren sich mit Rücksicht auf die Hotelerie und Gastwirtschaft, die wenigstens auf Urlauber aus der näheren Umgebung hofft, vor einer kompletten Lahmlegung des Reiseverkehrs. Valencias Landeschef Ximo Puig erklärte am Mittwoch, er wolle mit "punktuellen" Schließungen auskommen. Die Zahlen sprechen gegen ihn und der Tourismus dürfte angesichts der Schließungen in den anderen Regionen ohnehin zum Erliegen kommen.

Für das Wochenende von Allerheiligen sind nur noch die Kanaren, die Extremadura, Kantabrien und Galicien "geöffnet". Das Ziel: Weihnachten retten - es rückt in immer weitere Ferne. Welche Covid-Regeln jetzt in Spanien gelten, wie die Coronavirus-Lage an der Costa Blanca ist, wie sich in Andalusien hinsichtlich Coronavirus die Lage verschärft hat und warum Murcia mit die schärfsten Covid-Maßnahmen in ganz Spanien ergreift.

Infizierte, Patienten, Tote: Neue Rekordzahlen auch in Spanien - Valencia schmiert ab

In Spanien wurden am Mittwoch 19.765 neue positive Coronavirus-Fälle registriert - und: 168 Covid-Tote binnen 24 Stunden. Der höchste Tageswert seit Ende des ersten Notstandes. Binnen zwei Wochen stieg die Inzidenz um 71 Prozent und erreichte einen neuen Rekord in der "zweiten Welle" von 452 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen (227 für die letzten sieben Tage). In Navarra und Melilla liegt der Wert bei über 1.000, in Madrid, den Kastiliens, Andalusien und Murcia zwischen 380 und 470, in der Comunidad Valenciana, die noch vor zwei Wochen um die 50 aufwies, ist man wieder über 200, gestern bei 207 ermittelten Infizierten pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen.

4874 Menschen mussten in Spanien wegen Covid-19 in den letzten sieben Tagen in Krankenhäusern stationär aufgenommen werden, 314 kamen neu auf die Intensivstationen, insgesamt liegen in Spaniens Hospitälern derzeit 15.371 Personen wegen Covid und belegen damit derzeit 13,5 Prozent der Bettenkapazität. Die Auslastung der Intensivstationen (UCI) durch Covid-Patienten beträgt im Landesschnitt 25,5 Prozent und ist mit 64 Prozent in der Exklave Melilla am höchsten, in Aragón und La Rioja liegt sie bei über 40, in Katalonien, den Kastiliens und Madrid zwischen 35 und 38 Prozent.

Notstand bis Mai 2021: Spaniens Regierungschef erhält Mehrheit

Das spanische Parlament wird am Donnerstag mit breiter Mehrheit einen sechsmonatigen Notstand beschließen. Regierungschef Pedro Sánchez ist es gelungen, neben den 155 Stimmen seiner Koalition aus PSOE und Podemos auch die bürgerlichen Ciudadanos (10 Mandate), die Republikanische Linke (13), baskische Nationalisten (6+4), Compromís, Más País, die Kanaren, Teruel, Unabhängige und sogar die katalanische PDeCat für seine Idee ins Boot zu holen.

Der Plan: Der allgemeine sanitäre Notstand (Alarmzustand) nach Artikel 116 der Verfassung gibt den Autonomen Gemeinschaften juristische und politische Rückendeckung für ihre Maßnahmen im Kampf gegen die zweite Coronavirus-Welle. Diese sollen sich an Kriterien orientieren, die zwischen Zentralregierung und der Mehrheit der Regionen beschlossen wurden, die letztliche Handlungsvollmacht bleibt aber bei jeder einzelnen Regionalregierung. Diese muss dann aber nicht mehr für jeden Ort, den man abriegeln will oder jede neue Sperrstunde in der Gastronomie das Urteil eines Richters abwarten.

Um sich die Mehrheit zu sichern, musste Sánchez das Zugeständnis eingehen, alle zwei Monate Rechenschaft im Parlament über den Stand der Dinge abzulegen. Die PP, größte Oppositionspartei, wollte sich am Donnerstag der Stimme enthalten.

Reisen zu Allerheiligen verhindern - Extrawurst in Madrid

Sind die Maßnahmen der einzelnen Regionen schon unübersichtlich, stiftet Madrid vollkommenes Chaos. Die illustre Landesministerpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, die trotz der nach wie vor besorgniserregenden Zahlen in der Hauptstadtregion nur lokale Absperrungen pro Gesundheitsbezirk umsetzen lässt, um ihren juristischen Triumph gegen Sánchez`Komplett-Quarantäne auch so richtig auszukosten, sie will Madrid nur für das Wochenende von Allerheiligen dicht machen und dann "weitersehen". Gleichzeitig streiken und protestieren immer mehr Angestellte der Krankenhäuser und Gesundheitszentren gegen das Chaos und die wieder zunehmende Belastung in Madrid.

Das Brückenwochenende für Allerheiligen für einen Kurzurlaub nutzen? In Spanien fast unmöglich, fast alle Regionen machen dicht.

Juristisch könnte Spaniens Regierungschef Perdro Sánchez sie nun ohne Richterwiderspruch überstimmen, denn mit dem Notstand hat er jederzeit das Recht, die Zentralgewalt über die Regionen in sanitären Fragen, aber auch solchen der Mobilität auszuüben. Er tut es aus politischer Vorsicht und nackter ökonomischer Angst derzeit nur nicht und hält sich an den Deal mit den Regionen. Noch. Aus gesundheitlicher Vorsicht, wäre der Schritt zu einer allgemeinen Quarantäne in Madrid und wohl in ganz Spanien allerdings längst überfällig.

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