Eine Frau mit Maske telefoniert inmitten von Weihnachtsbeleuchtung.
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Weihnachten in Spanien oder in der alten Heimat? Ob die Festtage trist oder leuchtend werden, hängt am Ende von jedem selbst ab.

Covid-19 in Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Restriktionen beginnen zu wirken - Vorsicht bleibt oberstes Gebot - Updates

  • vonMarco Schicker
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Die Anti-Corona-Restriktionen in Spanien greifen, jedoch langsam. Während die Fallzahlen spürbar sinken, bleiben Covid-Todesfälle und Druck auf das Gesundheitswesen hoch. Nur in Madrid gibt es ein „Wunder“. Ausländische Residenten: Weihnachten in Spanien oder in der alten Heimat? Und kommt danach die Covid-Pflichtimpfung?

Update, 27. November: Aktuelle Daten, das Feilschen um die Weihnachtsregeln und das Warten auf das Impf-Wunder in unserem neuen Coronavirus Spanien aktuell Artikel.

Update, 25. November, 7:00 Uhr: Während die Inzidenz in Spanien weiter spürbar sinkt, von Montag auf Dienstag von 374 auf 362 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen, werden am 24. November binnen eines Tages weitere 537 Covid-bedingte Todesfälle gemeldet, ein erneuter Rekord in der zweiten Welle, auch wenn darin etliche Fälle vom Wochenende enthalten sind. Binnen 7 Tagen starben 1.232 Personen in Spanien wegen Covid. Die registrierten neuen Covid-Fälle sinken aus 12.228 gegenüber 13.159 vor einer Woche. Die Auslastung der Krankenhausbetten in Spanien mit Covid-Patienten betrug am Dienstag, 24. November 13,4 Prozent, jene der Intensivstationen 29 Prozent, drei Punkte unter dem Stand von vor einer Woche.

Derweil konkretisiert die Regierung ihre Vorschläge für die Weihnachtsfeiertage, die sie mit den Autonomen Gemeinschaften (Ländern) als einheitliche Richtlinien abstimmen will: Eine Kontaktbeschränkung auf sechs Personen für private Treffen, wenn nicht alle Teilnehmer des Treffens zum gleichen Haushalt gehören sowie eine Ausgangssperre für den Heiligen Abend und die Silvesternacht, die landesweit einheitlich um 1 Uhr nachts (des 25. bzw. 1.1.) beginnt (derzeit schwankt der Beginn dieser Ausgangssperre pro Region zwischen 22 und 0 Uhr). Zentrale Reiserestriktionen soll es nicht geben, hier werden wie bis jetzt die Regionen den Takt vorgeben.

Hinsichtlich der Impfkampagne wird Spanien in 18 Gruppen eingeteilt. Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Bewohner und Mitarbeiter von Altersheimen sowie unter amtlicher Kuratel stehende Personen werden die ersten vier Gruppen sein, die geimpft werden, knapp 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach Vorstellung des Gesundheitsministeriums sei es im Januar so weit, eine Garantie gibt es nicht. Denn noch ist kein Impfstoff zugelassen, gibt es keine konkreten Zusagen über Liefermengen und -termine. Das Gesundheitswesen kritisiert bereits den Plan, dass die Gesundheitszentren in erster Linie die Impfungen verabreichen sollen, als wichtigste der ingesamt 13.000 geplanten Impfstellen im Lande. Sie seien schon jetzt über ihren Limit und könnten nicht auch noch die Impfungen stämmen. Der Ruf nach dem Einsatz des Militärs, wie schon bei den Desinfektionen und den Tests sowie den Infektions-Verfolgern wird laut.

Eine weitere Zahl macht deutlich, warum es wichtig ist, dass die Gesellschaft sich insgesamt weiter zusammenreißt, um das Coronavirus bald in den Griff zu bekommen: Erstmals seit 15 Jahren sank in Spanien die Zahl der Rentner. Ende Oktober verzeichnete die Seguridad Social 50.000 weniger Rentner als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Rückgang teilt sich gleichmäßig auf zwei Faktoren auf: Wegen des Verwaltungsstaus durch die Coronavirus-Krise erhalten weniger Menschen rechtzeitig ihren Rentenbescheid und somit auch ihre Rente ausbezahlt und: Es sterben mehr Rentner früher als in den Jahren zuvor.

Weitere Informationen zur Coronavirus-Situation an der Costa Blanca (Region Valencia), in Andalusien (Costa del Sol) sowie in Murcia (Costa Cálida).,jeweils mit aktualisierten Informationen zu den dortigen Restriktionen.

Warnung vor erneutem Yo-Yo-Effekt in Spanien

Update, 24. November, 10:30 Uhr: Die Restriktionen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Spanien beginnen zu wirken. In der "zweiten Welle" registrierte Spanien einen Höchststand bei der Inzidenz von 530 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen, zu Beginn des neuen Notstandes am 26. Oktober lag der Wert bei 410, am gestrigen Montag, 24. November, meldete das spanische Gesundheitsministerium 374,5.

Das sei aber gleichzeitig kein Grund, an eine spürbare Lockerung der Maßnahmen zu denken. Die Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit Pilar Aparicio erklärte, dass "wir nicht vergessen dürfen, dass wir am Ende der Deeskalation (aus dem ersten Notstand) Werte unter 300 hatten und so wenige Todesfälle, dass wir sie nur noch wochenweise zählten." 511 Covid-bedingte Todesfälle waren es von Freitag bis Montag, 1.067 in der vergangenen Woche.

"Auch wenn es wieder weniger als 300 pro Tag werden, ist das sehr schlecht", so Aparicio, die daran erinnerte, dass es im Juni mal weniger als 25 Tote pro Tag waren, die Zahlen aber schon im Juli wieder stiegen. Und zudem stehen nun wichtige Termine bevor, die Fensterfeiertage (Tag der Verfassung) und Weihnachten. Man dürfe jetzt nicht locker lassen, zumal am Horizont die Impfstoffe sichtbar werden. Vor allem die Krankenhäuser, aber auch die Gesundheitszentren und Ärztehäuser brauchen eine längere Phase der Deeskalation, um den Normalbetrieb wieder annähernd zu erreichen. Alle haben große Sorge vor einem erneuten Yoyo-Effekt wie nach der ersten Deeskalation.

Die Inzidenz in Andalusien sinkt am Montag, 23. November, auf 451 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen, von 547 vor einer Woche (16. November), dort starben binnen einer Woche 188 Menschen. Der Wert in Aragón liegt jetzt bei 500 (732), Balearen 212 (243), Kanaren 74 (80), Kastilien und León 676 (792), Katalonien 354 (529), Madrid 270 (310), Comunidad Valenciana 265 (284), Murcia 459 (685).

Die Auslastung der Intensivstationen wegen Covid-Erkrankten in Spanien sinkt im Schnitt von 32,8 Prozent am 16. November auf 30 Prozent am 23. November, die Auslastung der normalen Krankenhausbetten mit Covid-Patienten von 16,5 auf 14,3 Prozent. 270 Personen mussten in den vergangenen sieben Tagen neu auf UCIs eingeliefert werden, in der Woche davor waren es noch 363. 3.607 brauchten von 17. bis 23. November neu stationäre Behandlung, gegenüber 4.273 in der Woche bis zum 16. November.

Die meisten Regionen halten an der Schließung ihrer Gebiete und in vielen Fällen auch ihrer Gemeinden fest, einige Lockerungen gibt es aber. In Katalonien öffnet nach einem Monat die Gastronomie wieder für den - eingeschränkten Publikumsverkehr - ebenso, teilweise, in der Region Murcia. Dort bleiben die sonstigen Restriktionen erhalten. Das gilt auch für die Region Valencia, wo sie bis mindestens 9. Dezember und Andalusien wo sie zunächst bis 10. Dezember gelten sollen. 

Update, 23. November: Seit heute, 23. November, benötigen alle, die nach Spanien über den Luft- oder Seeweg einreisen, einen negativen PCR-Test, dessen Ergebnis nicht älter als 72 Stunden ist. Diese Pflicht entfällt auf dem Landweg. Der Pflichttest gilt für Reisende aus allen Risikoländern nach EU-Empfehlung, das sind derzeit 65 Staaten inkl. Deutschland und fast alle anderen EU-Staaten.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat einen "einheitlichen, nationalen Impfplan" vorgelegt. Danach sollen in ganz Spanien 13.000 Stellen für die Verabreichung eines wirksamen Impfstoffes gegen Covid-19 eingerichtet werden. Die Beschaffung und Zuteilung erfolge "gerecht" und zentral gesteuert, die Regionen sind lediglich für die Umsetzung zuständig. Die Impfung wird kostenlos sein. Zu einer Impfpflicht erfahren Sie mehr am Ende dieses Beitrages.

Bereits im Januar wolle man in Spanien mit der Impfung von Risikogruppen - Mitarbeiter des Gesundheitswesens, alte Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen - beginnen, auch wenn noch nicht klar ist, ob dann bereits ausreichend zugelassener Impfstoff von der für Spanien bei der EU gesicherten Marge von 30 Millionen Dosen bereitstehen werden.

Erstmeldung, 20. November: Madrid - „Glauben Sie nicht, dass diese Tendenz den Sieg bedeutet“, bremst Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes zur Coronavirus-Krise der Regierung von Spanien, Anflüge von Euphorie beim Pressekorps, das sich jeden Abend um ihn versammelt, wie um einen alten Schamanen am Feuer. 436 neue Coronavirus-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen meldet das spanische Gesundheitsministerium am Donnerstagbend, 19. November, die Inzidenz sinkt damit seit über einer Woche, binnen drei Tagen um 35, die Restriktionen scheinen zu greifen.

An der Costa Blanca und in der Region Valencia steigen die Corona-Fallzahlen gegen den Trend in Spanien

Allerdings erreicht Spanien mit 1.313 Covid-bedingten Todesfällen binnen sieben Tagen auch den höchsten Stand in der zweiten Welle, 227 davon entfallen allein auf Andalusien, wo derzeit mehr Menschen sterben als in der ersten Welle. Gegen den Landestrend steigen die Fälle in Valencia seit Tagen stetig, wenn auch von einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Für ganz Spanien gilt: „Es würde bei dieser Tendenz ganze drei weitere Monate dauern, um die Inzidenz auf das Niveau vom Ende der Deeskalation nach dem ersten Notstand zu bekommen“, ergänzt Simón.

Andalusien registrierte am Donnerstag, 19. November, eine Inzidenz von 519 (am Montag noch 547, eine Woche zuvor 576), die Balearen 233 (vor einer Woche: 260), Kanarische Inseln 82 (82), Valencia 300, am Montag 284 (vor einer Woche 248), Murcia 599, am Montag 678 (vor einer Woche 711).

10.000 Corona-Tote in Spanien in der "zweiten Welle": Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen in Spanien bleibt

Selbst der amtliche Corona-Guru Fernando Simón kann keine Weihnachtswunder bewirken. Nüchternheit ist sein Programm.

Fernando Simón kann keine Entwarnung geben. Denn der Stress in den Krankenhäusern in Spanien bleibt sehr hoch. Am Dienstag waren spanienweit 15,1 Prozent aller Krankenhausbetten mit Covid-Patienten belegt - ein Punkt weniger als vor sieben Tagen, fast täglich werden tödliche Infektionsherde in Altersheimen gemeldet. Die UCIs sind im Schnitt zu 32 Prozent voll, nicht wenige – teils auch in Covid-schwachen Regionen – bereits überfüllt.

Bis sich der Trend der Fallzahlen in eine Entlastung der Hospitäler ummünzt, werden noch Tage, wenn nicht Wochen vergehen - und täglich um die 200 Menschen in Spanien sterben, die ohne Covid noch leben würden. Rund 10.000 Covid-Tote weist die Übersterblichkeitsstatistik für die zweite Welle bereits aus, rund 65.000 Menschen starben in 2020 mehr als im langjährigen Schnitt.

Spanien lässt nicht locker: Regionen verlängern Restriktionen

Jetzt nicht locker lassen, ist die Devise der meisten spanischen Regionen: Navarra hat bereits angekündigt, die Restriktionen, einschließlich der Abriegelung der Region und der Kontaktbeschränkungen, mindestens bis 18. Dezember aufrecht zu erhalten und legt so für den Rest des Landes vor. Denn obwohl man in Navarra binnen zwei Wochen die Inzidenz von schauerlichen 1.102 Fällen auf 470 am 19. November mehr als halbieren konnte, sind 36 Prozent der Intensivstationen ausgelastet, vor wenigen Tagen waren es noch über 40.

Valencia verlängerte seine Restriktionen bis 9. Dezember und kündigt bereits Beschränkungen an Weihnachten für die Costa Blanca an, in Andalusien und Murcia bleibt der Einschluss auf Gemeindeebene aufrecht, praktisch alle Regionen verlängerten ihre Restriktionen oder sind dabei es zu tun und bereiten auch entsprechende Direktiven für die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel vor.

Politische Zahlen? Wunderheilung in Madrid

Fast schon wundersam erscheint da die Heilung in der Region Madrid, das gemeinhin als Problemfall und Superspreader Aufmerksamkeit erlangte, auch wegen des politisierenden Krisenmanagments der Landeschefin Isabel Díaz Ayuso (PP). In einem Monat sanken die Fallzahlen von 439 auf eine Inzidenz von 297 am 19. November. Es gibt Experten, die behaupten, dass Madrid zu wenig und an falschen Stellen teste, um Zahlen zu schönen und die Strategie Ayusos in ein besseres Licht zu rücken. Diese ließ die Region nämlich bis auf wenige Tage offen und stellte nur noch rund 50 von fast 300 Gesundheitszbezirken unter Quarantäne. Am Montag hob sie diese in zehn weiteren Bezirken auf.

Fernando Simón wollte auf die Vorwürfe der Manipulation nicht direkt eingehen, er deutete am Montag nur an, dass man sich alle gemeldeten Zahlen genau ansehe, vor allem, wenn sie aus der Reihe fallen. Madrid will vor Weihnachten alle Einwohner auf das Coronavirus testen lassen und die spanische Regierung lässt prüfen, ob Antigen-Tests in Apotheken machbar sind, vielleicht auch bald "zum Mitnehmen".

Sehr stille Nacht: Restriktionen in Spanien sollen Weihnachts-Reisewelle verhindern

Der in ganz Europa angedachte Plan der Verschärfung der Maßnahmen im November, um Weihnachten zu retten, kann - trotz der sinkenden Fallzahlen - als gescheitert gelten. Die harten Maßnahmen setzten zu spät ein und waren zu wenig koordiniert. Jedenfalls wird es kein Weihnachten geben, wie wir es bisher kennen, bei dem sich die Familien über regionale und staatliche Grenzen hinweg besuchen und eine Reisetätigkeit fast wie im Sommer einsetzt. Wir werden kaum über Weihnachtsmärkte oder durch Einkaufspassagen schlendern, ausufernde Weihnachtsfeiern in Restaurants werden ebenso tabu bleiben wie das Weihnachtsessen mit der erweiterten Großfamilie.

Graphischer Überblick über die Restriktionen innerhalb Spaniens:

Katalonien hat bereits Weihnachtsnormen vorgelegt: Kontaktbegrenzung bei sechs Personen auch im privaten Umfeld und eine Ausgangssperre für die Heilige Nacht wie für Silvester.

Pflicht-Quarantäne, teure, kurzfristige Tests: spanische Behörden austricksen, ist kein guter Plan

Für ausländische Residenten in Spanien, die oft noch einen Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, zumindest aber Familie haben, die sie traditionell zu Weihnachten besuchten, geht es um eine grundsätzliche Entscheidung: Weihnachten und Silvester hier oder da. Denn beides ist zwischen Pflichtquarantäne in Deutschland, kurzfristigen PCR-Pflichttests bei der Einreise in Spanien (ab 23. November, bei Einreise über den Luft- oder Seeweg aus einem Risikogebiet - momentan 65 Staaten, fast alle EU-Länder inkl. -, Testergebnis darf nicht älter als 72 Stunden sein) und dem Mangel an Flugverbindungen dieses Jahr kaum möglich.

Die spanische Fluglinie Iberia hat eine interaktive Karte erstellt, mit Infos über Reiserestriktionen:

Die spanischen Behörden auszutricksen, weil man mit dem Auto fast immer unkontrolliert über die Grenze kommt, kann diesmal teuer werden: Bis zu 6.000 Euro beträgt die Strafe, wenn man erwischt wird. Es ist auch weder ein Akt des Widerstandes noch der Cleverness, die Gesundheit seiner Mitmenschen zu gefährden.

Das geflügelte Wort vom besinnlichen Weihnachten bekommt 2020 einen tieferen Sinn. Weihnachten wird ein Fest im kleinen Rahmen werden, bei dem man selbst wie auch die Gesellschaft zur Besinnung und zu der Einsicht kommen kann, dass erst mit einem wissenschaftlich sicheren und effizienten Impfstoff eine gewisse Normalität zurückkehren wird. Es ist eine Geduldsprobe für jeden Einzelnen und für die Wirtschaft Spaniens eine Existenzfrage. Denn noch einen Sommer Ausfall kann sich das Land nicht leisten.

Covid-Impfung in Spanien: Kommt die Impfpflicht?

Wie gemeldet, sind die Wirkstoffe von BioNtech/Pfizer und Moderna bisher mit einer Wirksamkeit von über 90 Prozent am weitesten, in Spanien lief diese Woche die dritte Testphase des Mittels von Johnson & Johnson an. Ungarn will als erstes EU-Land den russischen Impfstoff anwenden, von dem man bis jetzt nur das weiß, was die russischen Behörden und Putins Mann in Budapest, Premier Viktor Orbán, behaupten.

Mit etwas Glück bei Tests und Logistik wird Spanien Anfang 2021 damit beginnen können, Fachkräfte an der ersten Frontlinie im Gesundheitswesen und wichtige Risikogruppen zu impfen. Doch noch bevor wir überhaupt über ausreichend Impfstoff verfügen und klar ist, dass eine „Durchimpfung“ der Gesellschaft vor 2022 unmöglich ist, bricht eine gezielt provozierte Debatte über eine Covid-Pflichtimpfung los, angeblich der letzte Baustein der „neuen Weltordnung“, um die Massen zu kontrollieren.

Die Frage einer Impfpflicht in Spanien stelle sich zunächst gar nicht, sagt Carlos González, Kinderarzt und Autor eines Buches, das die Pflichtimpfungen für Kinder verteidigt. Denn „bis Mitte 2022 werden wir gar nicht genug Impfdosen haben, um alle die zu impfen, die das freiwillig wollen“.

Eine Umfrage im Auftrag der Tageszeitung „El País“ ergab dieser Tage, dass 31 Prozent der Befragten sich sofort impfen lassen würden, 30 Prozent würden es widerwillig tun und 21 Prozent „nur, wenn es amtlich angeordnet“ würde. 13 Prozent äußerten sich als explizite Impfgegner und Impfverweigerer. 90 Prozent Durchimpfung braucht man, um vor Masern sicher zu sein - Spanien erreicht hier 95 -, 70 sollen bei Covid-19 genügen. Das ginge laut Umfrage also auch, ohne Zwang auszuüben.

Im Zweifel für den Schwächeren, im Zweifel Impfpflicht: Gesundheit aller geht auch in Spanien vor Recht des Einzelnen

Notfalls aber hat Spanien auch das Gesetz über die Öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 1986 und einen wichtigen Präzedenzfall von 2010 zur Hand. Damals hatte ein Richter in Granada bei einer lokalen Masernepidemie die Zwangsimpfung jener Kinder angeordnet, deren Eltern sich verweigerten. Die Gesundheit der Gesellschaft, zumal der Schwächeren, stehe über dem Verfügungsrecht des Individuums und die Eltern seien auch nicht die „Eigentümer“ der Kinder. Diese hätten unabhängig von der Einsichtigkeit oder Ideologie ihrer Eltern ein Recht darauf, so gesund wie nach wissenschaftlichem Stand möglich und machbar aufzuwachsen, so der Richter. Und manchmal gehört eben auch eine Impfung dazu.

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