Corona-Schutzmaßnahmen gelockert

Coronavirus: Was in Spanien in Phase 1 erlaubt ist und was nicht

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Mehr als Sport wie hier auf dem Paseo de la Castellana ist in Madrid noch nicht drin. Die Hauptstadt bleibt in Phase 0, Valencia und Andalusien sind besser dran.
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Einige Gebiete sind bereits seit längerem in Phase 1 des Deeskalationsplans mit weiteren Lockerungen, andere scheiterten zunächst an den Auflagen der Gesundheitsbehörden. Die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie in Spanien gelingt nicht einheitlich.

  • Coronavirus-Maßnahmen: Restaurants können in der Phase 1 wieder besucht werden.
  • Autohändler und TÜV-Stationen machen wieder auf.
  • Freie Fahrt innerhalb der Provinz: Freunde und Familienangehörige können besucht werden.

Aktualisierung: Wegen der Zweifel bezüglich der Bewegungsfreiheit in den Provinzen beziehungsweise Gesundheitsbezirken in der Phase 1 hat sich die Redaktion mit dem spanischen Gesundheitsministerium in Verbindung gesetzt: Hobbysportler dürfen in der Phase 1 tatsächlich nicht außerhalb des Gemeindegebiets ihrer Wohnorte Individualsport treiben. Auch das Spazierengehen bleibt wie bisher geregelt auf einen Kilometer Umkreis von der Wohnung sowie auf die bereits bekannten Zeitfenster beschränkt. Ausnahmen davon gibt es nicht, auch nicht für Radfahrer oder Wanderer. Und wer gerne Tennis spielt, aber keinen Platz an seinem Wohnort hat, muss sich in Geduld üben. Die Bewegungsfreiheit innnerhalb der Provinz beziehungweise des Gesundheitsbezirks bezieht sich ausschließlich auf soziale Treffen, also auf den Besuch von Freunden, Restaurants, Gottesdiensten, Museen oder Kulturveranstaltungen.

Madrid – Willkommen in der Phase 1 und die besten Grüße an alle in der Phase 0, die diese Nacht noch ruhig schlafen können, weil sie genau wissen, was sie morgen dürfen und was nicht. Am Montag, 11. Mai, starten Teile Spaniens mit der Phase 1 des Deeskalationsplans, mit dem die Regierung das Land in die sogenannte „neue Normalität” führen will. In dieser zweiwöchigen Etappe kommen einige Bürger in den Genuss weiterer Erleichterungen von den strengen Auflagen des Notstandsdekrets, mit dem wiederum die Coronavirus-Pandemie eingedämmt werden soll. An der Mittelmeerküste haben einige Provinzen und Territorien diese Phase 1 erreicht, andere müssen weiterhin einige Zeit in der Phase 0 verbleiben.

Raus aus der Corona-Ausgehsperre: Restaurants öffnen wieder

Für viele, die ab Montag in Phase 1 drin sind, führt wahrscheinlich der erste Weg ins Restaurant oder in die Tapasbar. Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Nicht, weil sie es nicht dürfen, der Besuch von Lokalen rangiert nicht unter den Sportarten und ist laut Gesundheitsminister Salvador Illa an keine „franja horaria”, also ein Zeitfenster, gebunden. Senioren und Personen, die Risikogruppen angehören, dürfen auch und jederzeit die Terrassen besuchen. Der Platz dürfte allerdings begrenzt sein. Den schwarzen Peter schiebt die Regierung den Gastwirten zu, die nur die Außenbereiche bewirten und dort nur halb so viele Tische aufstellen dürfen wie im Vorjahr. Der Staatsanzeiger BOE führt eine Batterie von Auflagen an, über die Benutzung von Einwegtischdecken bis hin zum Reinigen und Desinfizieren der Garnituren nach jedem Besuch.

Leid konnten einem am Samstag all die Gastronomen tun, die fest mit der Phase 1 rechneten, aber nicht reinkamen. In Städten wie Castellón, Valencia, Alicante, Elche und in den Provinzen Granada und Málaga musste viele Restaurants bestellte Lebensmittel einfrieren, Tische und Stühle wieder zusammenstellen. Einige Unternehmer hatten gar ihre Mitarbeiter wieder aus der Kurzarbeit geholt und dann kam diese kalte Dusche nach sechs Wochen Lockdown wegen des Coronavirus. Das ist wirklich bitter.

Lockdown gelockert: Freie Fahrt - entweder in der Provinz oder im Gesundheitsbezirk

Wer es in die Phase 1 geschafft hat, kann sich ab Montag innerhalb seiner Provinz oder des jeweiligen Territoriums bewegen. Kein Problem dürfte das sein in Murcia, Alméria, Cádiz oder Tarragona sowie auf den Balearen oder den Kanaren. Aufpassen müssen aber die Bewohner der Comunitat Valenciana. Die Regierung in Valenica ließ nicht ihre drei Provinzen Castellón, Valencia und Alicante von den Gesundheitsbehörden evaluieren, inwieweit sie die Corona-Epidemie unter Kontrolle haben, sondern 24 Gesundheitsbezirke. So darf man etwa von Dénia nicht nach Oliva fahren, wohl aber bis nach Calp. Wer in Altea wohnt, darf nicht zum Kaffeekränzchen ins benachbarten Calp fahren, wohl aber jemanden im viel weiter entfernten Villajoyosa treffen. Bei den Gesundheitsbezirken handelt es sich um die Gebiete, die einem Kreiskrankenhaus zugeordnet sind. Meistens decken sie sich mit den jeweiligen Comarcas (Kreisen), also die Marina Alta für das Gebiet zwischen Dénia und Calp und Marina Baja deckt Altea bis Villajoyosa ab. Verwirrend ist es für Orihuela Costa, deren Bewohner nicht nach Orihuela fahren dürfen, wohl aber nach Torrevieja, weil sie dem dortigen Krankenhaus beziehungsweise Gesundheitsbezirk zugeordnet sind.

All die Erleichterungen schließen keine Altersgruppe aus, nur Personen mit Covid-19 oder entsprechenden Symptomen dürfen sie nicht in Anspruch nehmen. Die Zeitfenster für Spaziergänge und Individualsport bleiben bestehen, sie gelten aber nicht für andere Aktivitäten, etwa für den Gang in den Supermarkt, den Museumsbesuch oder Einkaufen in Geschäften mit einer Flächen von weniger als 400 Quadratmetern. Auch die Kirchen empfangen wieder Gläubige, es können Gottesdienste, Gedenkveranstaltungen und Beerdigungen unter Auflagen gefeiert werden. Der Notstand gilt weiterhin neben dem Deeskalationsplan, das ist wie Zuckerbrot und Peitsche, wie der gute und der böse Polizist. „Das ist kein politisches Programm, sondern eine Notwendigkeit“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez bei seiner wöchentlichen Fernsehansprache.

Nach Corona zurück zur Normalität: Freunde und Familienangehörige treffen

Möglich macht die Phase 1 auch das Treffen von Freunden und Familienangehörigen sowohl in der Wohnung als auch im Freien. Dabei dürfen nicht mehr als zehn Personen zusammenkommen, bei einem Hausbesuch sind Gastgeber von der numerischen Beschränkung ausgenommen.

Die Regierung öffnet auch dem Tourismus einen Spalt breit die Tür. Hotels können wieder unter Auflagen Gäste aufnehmen. Dabei handelt es sich natürlich um Besucher aus der Provinz oder Umgebung, weshalb wohl eher der Landtourismus von dieser Maßnahme profitieren dürfte. Aktivtourismus will die Regierung auch erlauben und beschränkt die Gruppen auf maximal zehn Personen. „Firmen, die als Aktivtourismus-Firmen registriert sind, können Aktivitäten des Aktiv- und Naturtourismus mit Gruppen von maximal zehn Personen durchführen. Diese Aktivitäten sollten vorzugsweise mit vorheriger Terminvergabe durchgeführt werden“, steht so im Staatsanzeiger. Vorsicht: Jagd und Fischerei scheinen derzeit noch nicht erlaubt zu sein. Das könnte sich aber nächste Woche schon ändern. Nachgebessert hat die Regierung bei dem Besuch von Zweitwohnsitzen. Anders als im Staatsanzeiger BOE verkündet, hat Ministerpräsident Pedro Sánchez am Samstag doch den Besuch der Zweitwohnsitze erlaubt, immer vorausgesetzt, die Provinz, Insel oder das einem zugeordnete Territorium wird dabei nicht verlassen.

Wer aus Spanien mit dem Auto raus will: TÜV-Stationen öffnen wieder

Weitere Lockerungen: Die ITV-Stationen können wieder öffnen und Fahrzeugen den TÜV abnehmen, Gleiches gilt für Autohändler, Gärtnereien und Glücksspiel-Etablissements. Bei diesen großflächigen Betrieben läuft der Publikumsverkehr nur nach vorheriger Terminvergabe ab.

Auch Wochenmärkte dürfen wieder abgehalten werden – ob die Mercadillos das tun, scheint derzeit noch von Ort zu Ort verschieden gehandhabt zu werden. Die Bibliotheken stehen Lesern ebenfalls wieder zur Verfügung, die Universitäten legen mit dem Forschungsbetrieb wieder los, auch wissenschaftliche Seminare und Kongresse können wieder veranstaltet werden.

Wochenmärkte und Museen können besucht werden

Die Museen öffnen wieder, Filme können gedreht werden. Das Autokino in Dénia macht wieder auf und kulturelle Veranstaltungen können wieder starten, drinnen mit maximal 30 Personen und draußen mit höchstens 200, wobei der Raum stets nur zu einem Drittel der offiziell genehmigten Besucherzahl gefüllt sein darf.

Für alle Veranstaltungen und Aktivitäten gelten die bekannten und strengen Hygienevorschriften wie Mindestabstand, Händewaschen und Atemschutzmasken, die allesamt wohl notwendig sind, um das Coronavirus weiter zurückzudrängen. Der Präsident appellierte eindringlich an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger. „Das Virus ist immer noch da”, erinnerte Sánchez.

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