Weiter warten auf Impfung

Coronavirus: Spanien ist weit entfernt von der Herdenimmunität

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Um Schutz vor dem Coronavirus zu erreichen, braucht es einen Impfstoff.
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Das Coronavirus scheint in Spanien auf dem Rückzug zu sein. Das heißt aber nicht, dass Sars-CoV-2 keine Gefahr mehr darstellt. Von der Herdenimmunität ist Spanien weit entfernt. Das zeigen erste Testergebnisse.

  • Wissenschaftler schließen Herdenimmunität vor Impfstoff aus.
  • Erste Ergebnisse der Antikörperstudie deuten auf Immunitätsgrad von fünf Prozent hin.
  • Epidemiologen sehen keinen Grund zur Entwarnung.

Madrid – Eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus wird Spanien kaum vor dem Impfstoff erreichen. Der große Antikörperstudie in über 36.000 Haushalten läuft zwar noch, aber die ersten bisher ausgewerteten Daten deuten nach Angaben der Zeitungs „El País” alle in eine Richtung: Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung hat Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt.

Schutz gegen Corona: 60 Prozent Ansteckungsrate Voraussetzung für Herdenimmunität

Experten zufolgen müssen aber mindestens 60 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Coronavirus sein, damit ein natürliches Schutzschild gegen das Virus entsteht – nämlich dass so viele individuelle Mitglieder einer Gruppe immun sind, dass Sars-CoV-2 nicht genug Wirte findet, um sich ausbreiten zu können und von selbst verschwindet. „Wir haben die ersten Daten und es ist noch sehr früh, um Schlüsse zu ziehen, aber alles deutet darauf hin, dass die Immunität zwischen fünf und 15 Prozent liegt, mit großen regionalen Schwankungen”, sagte der Gesundheitsexperte Alberto Infante gegenüber der Zeitung. Von Herdenimmunität gegen das Coronavirus kann nach derzeitigem Stand daher keine Rede sein.

Die Ergebnisse dieses Feldtests werden Mitte Juni erwartet und sollen das bisher exakteste Abbild der Corona-Pandemie in Spanien bieten. In Teilen Kantabriens und in einigen Vierteln Barcelonas beziffern die Wissenschaftler den Grad der Immunität auf fünf Prozent.

Ähnliche Ergebnisse meist mit Werten von unter fünf Prozent wurden in vergleichbaren Studien in anderen europäischen Städten und Ländern erzielt, etwa in Dänemark 1,9 Prozent, in Helsinki 3,4 Prozent, in Schottland ein Prozent, in Städten mit einer hohen Zahl an Covid-19-Patienten wie etwa Gangelt in Nordrhein-Westfalen oder in New York erfassten Wissenschaftler Werte von 14 beziehungsweise 21 Prozent. Ähnliche Werte erwarten die Experten in spanischen Krankenhäusern. Den ersten Auswertungen zufolge erreichten die Werte bei den Tests am Personal des Hospitals von Alorcón 31 Prozent.

Schutzlos gegen Corona: Bis Impfstoff raten Epidemologen zu Wachsamkeit

Nur ein geringer Teil der Bevölkerung ist also geschützt beziehungsweise immun gegen das Coronavirus, falls es zu einem Rückfall und erneutem Ausbruch der Corona-Epidemie kommen sollte. Man sah seit Mitte März und dem Ausruf des Notstands auch, welch großen Schaden das Coronavirus in Spanien an der Bevölkerung, am Gesundheitswesen und an der Volkswirtschaft anrichtete - und das bei einem relativ geringen Befall - geht man von den bisherigen Daten aus - von zwischen fünf bis 15 Prozent der Bevölkerung. Der Epidemiologe Joan Ramon Villalbí plädiert daher, den Verlauf des Coronavirus weiterhin genau zu verfolgen und Vorsicht und Wachsamkeit walten zu lassen. „Ich würde darauf hoffen, die Herdenimmunität mit einem Impfstoff zu erreichen oder zumindest mit der Gewissheit, die einem ein Medikament gibt, das verhindert, dass die Leute sehr krank werden und ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Bis dahin aber, muss man äußerst wachsam sein.”

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