Covid-19 in Spanien

Coronavirus: Krankheitserreger mit vielen Unbekannten

  • schließen

Das neuartige Coronavirus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, hat seit dem Ausbruch im Dezember 2019 die Welt auf den Kopf gestellt. Schwer getroffen von der Pandemie wurde in Europa auch Spanien.

  • Das Coronavirus breitet sich seit Ende 2019 auf der ganzen Welt aus.
  • Spanien von der Corona-Pandemie schwer getroffen.
  • Vier-Stufen-Plan soll Spanien Schritt für Schritt aus der Ausgangssperre führen.

Coronavirus: Was ist es, welche Krankheit löst es aus?

Alicante - Mit Coronaviren sind eine Virenfamilie gemeint, die sowohl Menschen als auch Tiere erkranken lassen können. Es sind mehrere Coronaviren bekannt, die beim Menschen Atemwegserkrankungen auslösen – angefangen bei einer normalen Erkältung bis zu schweren Erkrankungen wie Mers oder Sars. Bei dem neuartigen Coronavirus, das jetzt in aller Munde ist, handelt es sich um Sars-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslöst. China bestätigte erstmals am 7. Januar ein neuartiges Coronavirus, nachdem seit Ende des Jahres 2019 immer mehr Menschen mit Lungenentzündungen zu kämpfen hatten. Seit dem 11. Februar bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Krankheit als Covid-19.

Coronavirus: Wie es sich überträgt

Am größten ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Coronavirus über die direkte Übertragung: Hustet oder niest eine infizierte Person und atmet eine gesunde Person daraufhin virenhaltige Tröpfchen ein, kann diese sich anstecken – eine klassische Tröpfcheninfektion also. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sich aber sicher, dass das Virus auch indirekt übertragen werden kann. Eine Infektion ist demnach auch möglich, wenn ein gesunder Mensch Oberflächen berührt, die zuvor ein Infizierter genutzt hat. Fasst sich der Gesunde anschließend mit der Hand an Augen, Nase oder Mund, können Viren über die Schleimhäute in den Körper gelangen. Wie lange das Virus auf Oberflächen überleben kann, ist nicht endgültig geklärt. Die Überlebensdauer dürfte unter anderem von der Art der Oberfläche, der Umgebungstemperatur oder Luftfeuchtigkeit abhängen.

Mundschutz gehört seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie auch zum gewohnten Bild in Spanien.

Die Übertragung über die Luft schließen die Experten weitestgehend aus, abgesehen von gewissen Ausnahmen, etwa bei der Nutzung medizinischer Apparate zur Unterstützung der Atmung, über die Aerosole entstehen. Das Virus wurde auch in Stuhlproben von Patienten nachgewiesen. Ob es auch über den Stuhl übertragen werden kann, ist noch nicht endgültig geklärt.

Coronavirus: Wenn Symptome auftreten

Covid-19 hat viele Gesichter, von symptomfreien Verläufen bis zu Lungenversagen und Tod haben die Ärzte alles beobachtet. Die häufigsten Symptome einer Coronavirus-Infektion sind Fieber, Abgeschlagenheit und trockener Husten. Manche Patienten berichten von Schmerzen/Stechen in der Brust, Atemnot, Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen, Durchfall und dem Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn sowie Kopfschmerzen.

Wer Covid-19-Symptome bei sich beobachtet, sollte als erstes sein Gesundheitszentrum verständigen, aber dieses in keinem Fall persönlich aufsuchen. Im Land Valencia registrieren sich Betroffene beim Gesundheitsministerium und werden dann binnen 24 Stunden von ihrem Centro de Salud angerufen. Bei Fragen zu Symptomen oder Unsicherheit ist in Valencia die 900 300 555 zu verständigen. Wer in Andalusien wohnt und Symptome feststellt, meldet sich telefonisch unter 900 400 061, in Murcia unter 900 121 212. Alle drei Telefonnummern sind kostenlos. Nur in schweren Fällen, etwa bei akuter Atemnot, ist der Notruf unter 112 zu verständigen.

Spanisches Gesundheitspersonal applaudiert einem genesenen Covid-19-Patienten.

Coronavirus: Bei leichten Symptomen zu Hause bleiben

Wer unter Covid-19 leidet, aber nur leichte Symptome hat und somit nicht ins Krankenhaus muss, sollte zu Hause in Quarantäne bleiben. Dazu isoliert sich der Patient nach Möglichkeit in einem eigenen, gut gelüfteten Schlafzimmer und verlässt das Haus mindestens 14 Tage seit dem Auftreten erster Symptome nicht. In dem Zimmer sollte ein Mülleimer mit Pedal stehen, um Taschentücher und ähnliches zu entsorgen. Wohnt der Betroffene alleine, sollte er Angehörige oder Freunde bitten, Einkäufe zu erledigen und vor der Haustür abzustellen.

Leben andere Personen im selben Haushalt, sollte der Patient wenn vorhanden ein separates Badezimmer, eigene Handtücher und Geschirr nutzen. Der Mindestabstand von zwei Metern ist einzuhalten, die gesunden Bewohner müssen sich jetzt besonders häufig die Hände waschen und Oberflächen, Türklinken, Stühle, Tische und ähnliches täglich reinigen. Kleidung und Bettwäsche sind bei 60 bis 90 Grad zu waschen.

Kommt der Erkrankte nicht allein zurecht, wird die Person, die sich um ihn kümmert, als „enger Kontakt“ eingestuft und muss sich ebenfalls in 14-tägige Quarantäne begeben. Sowohl Patient als auch Pflegender sollten Schutzmasken tragen, letzterer auch Handschuhe. Trotzdem sind die Hände nach jedem Kontakt gründlich zu waschen!

Schutzmasken und Abstand gelten als sicherster Schutz vor Ansteckung mit Covid-19.

Bei Fieber können Betroffene Paracetamol nehmen, von Ibuprofen raten Experten ab. Auch kalte Waschlappen auf der Stirn können helfen, die Temperatur zu senken. Das Gesundheitsministerium empfiehlt außerdem, viel zu trinken, sich auszuruhen und sich mehrmals am Tag im Zimmer zu bewegen.

Coronavirus offenbart Mängel im spanischen Gesundheitssystem

Besonders hart traf die Coronavirus-Pandemie in Spanien Ballungszentren wie Madrid und Barcelona. Im Zuge der Corona-Krise rächten sich die in den Vorjahren krisenbedingten Sparmaßnahmen im spanischen Gesundheitssystem, in stark betroffenen Regionen fehlte es an Intensivbetten und ausreichend Schutzmaterial für Pflegekräfte. Außerdem gehört Spanien zu den Ländern mit den meisten Infektionen unter Angestellten des Gesundheitssystems. Unter zum Teil dramatischen Umständen starb in Spanien außerdem eine Vielzahl an Covid-19-Patienten in Seniorenheimen.

Zum Symbol der Corona-Krise in Spanien wurde das eilig eingerichtete Behelfskrankenhaus im Madrider Messezentrum Ifema, das nach der Behandlung von rund 4.000 Covid-19-Patienten Anfang Mai wieder schließen konnte. Um den unter Hochdruck arbeitenden Pflege- und Sicherheitskräften im Land Respekt zu zollen, applaudierten die Spanier während der Ausgangssperre jeden Abend um 20 Uhr demonstrativ auf Balkonen und an Fenstern.

Coronavirus: In vier Phasen aus der Krise

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, rief die spanische Regierung am 14. März 2020 den Notstand aus und verhängte eine strikte Ausgangssperre, die zunächst bis 24. Mai 2020 galt. Mit einem Vier-Stufen-Plan sollte der Ausstieg aus dem strengen, wochenlangen „Hausarrest“ nach und nach erfolgen - je nach Entwicklung in den einzelnen Provinzen des Landes in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Zu den jeweiligen Schritten in die nächste Phase und den Details der geltenden Regelungen geben Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, Epidemologe Fernando Simón und Gesundheitsminister Salvador Illa in regelmäßigen Abständen Auskunft.

Erste Lockerungen traten im Rahmen der Phase 0 in Kraft, dazu zählen Spaziergänge und Sport im Freien seit 2. Mai 2020 oder die Öffnung kleiner Betriebe mit Terminvergabe seit 4. Mai 2020. Jede Phase bringt neue Lockerungen mit sich, Startschuss für die Phase 1 war am Montag, 11. Mai. Die Einleitung der jeweils nächsten Phase wird von Provinz zu Provinz entschieden und ist abhängig von der Entwicklung vor Ort – auch eine Rückstufung ist möglich. Zwischen zwei Phasen müssen mindestens zwei Wochen vergehen, folgende Faktoren für die Aufstufung sind ausschlaggebend:

  • Auslastung des Gesundheitssystems und der Krankenhäuser, Platz auf der Intensivstation.
  • Entwicklung der Epidemie vor Ort, Zahl der Neuinfizierten.
  • Einhalten der Schutzmaßnahmen seitens der Bevölkerung, vor allem in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Auswertung von Daten zur Fortbewegung und Sozioökonomie.

Ziel ist es, dass alle Provinzen spätestens Ende Juni die letzte Stufe, also Phase 3, überwunden haben. Die vier Phasen sollten im Groben wie folgt vonstatten gehen:

Phase 0: Vorbereitung

  • Bis mindestens Sonntag, 10. Mai 2020:
  • Einzeln Sport im Freien innerhalb des Wohnortes. Zusammen mit einem Mitbewohner Spaziergänge einen Kilometer von der Wohnung entfernt. Uhrzeiten sind nach Alter gestaffelt (Seite 6).
  • Autofahrten zu zweit, wenn beide im selben Haushalt wohnen.
  • Einzeltraining von Profisportlern.
  • Öffnung kleiner Lokale, die Termine vergeben und Kunden einzeln bedienen. Take-Away-Service in Bars und Restaurants.
  • Pflege von Gemüsegärten im eigenen Ort oder im Nachbarort.

Phase 1: Beginn

  • Je nach Provinz ab Montag, 11. Mai 2020:
  • Soziale Aktivitäten in Gruppen bis zu zehn Personen bei Einhaltung des Sicherheitsabstands. Für Senioren und Risikogruppen wird es Einschränkungen geben.
  • Autofahrten gemeinsam mit anderen Personen, die im selben Haushalt wohnen.
  • Einzelhandel darf öffnen, auch Gartencenter und Bodegas.
  • Tierheime dürfen öffnen, um Adoptionen abzuwickeln.
  • Bars und Restaurants dürfen auf Terrassen bedienen, bei 50 Prozent Belegung.
  • Wochenmärkte dürfen mit einem Viertel der üblichen Stände öffnen bzw. auf einer entsprechend größeren Fläche.
  • Fitnessstudios öffnen für Sport ohne Körperkontakt mit Termin.
  • Sportzentren dürfen Außenbereiche für Sport ohne Körperkontakt öffnen, etwa Tennis oder Leichtathletik. Innenräume nach Terminabsprache.
  • Hotels und Ferienwohnungen dürfen öffnen, ausgenommen Gemeinschaftsbereiche.
  • Kirchen und andere religiösen Einrichtungen dürfen bei einer Auslastung von 30 Prozent öffnen.
  • Kulturveranstaltungen mit weniger als 30 Zuschauern bzw. 200 bei Freiluftveranstaltungen. Museen öffnen mit einem Drittel ihrer Kapazität.
  • Aktivtourismus und Aktivitäten in der Natur in reduzierten Gruppen und innerhalb derselben Provinz. Dazu zählen Wanderungen.
  • Wiederaufnahme der Tätigkeit in Landwirtschaft und Fischerei.

Phase 2: Übergang

  • Je nach Provinz ab Montag, 25. Mai 2020, unter anderem erlaubt:
  • Öffnung von Restaurants mit Bedienung im Innenraum.
  • Soziale Kontakte in größeren Gruppen.
  • Fahrten zu Zweitwohnungen innerhalb derselben Provinz.
  • Besuche von Verwandten in Behinderteneinrichtungen.
  • Einkaufszentren dürfen öffnen, bei einer Auslastung von 40 Prozent. Gemeinschafts- und Freizeitbereiche bleiben geschlossen.
  • Öffnung von Kinos und Theater bei Belegung von einem Drittel der Sitzplätze. Auch Sehenswürdigkeiten dürfen wieder besucht werden.
  • Fahrschulen und private Bildungseinrichtungen wie Sprachschulen dürfen öffnen.
  • Kulturelle Veranstaltungen mit weniger Einschränkungen.
  • Jagd und Angelsport.
  • Öffnung bestimmter Bildungseinrichtungen, zum Beispiel Förderschulen oder Abschlussklassen. Betreuung von Kindern unter sechs Jahren, wenn beide Elternteile arbeiten müssen.
  • Sportveranstaltungen ohne Publikum oder mit entsprechend reduzierter Zuschauerzahl.
  • Kirchen und andere religiöse Einrichtung zu 50 Prozent.

Phase 3: Fortschritt

  • Je nach Provinz ab Montag, 8. Juni 2020:
  • Soziale Kontakte, ausgenommen Risikogruppen.
  • Autofahrten mit weniger Einschränkungen.
  • Einkaufszentren öffnen auch Freizeitbereiche.
  • Restaurantbetrieb mit 50 Prozent Auslastung.
  • Diskos und Pubs bei 30 Prozent Auslastung.
  • Hotels und Apartmentanlagen öffnen Gemeinschaftsbereiche.
  • Kulturelle Veranstaltungen mit weniger Einschränkungen.
  • Öffnung der Strände.

Coronavirus stürzt Spanien in tiefe Krise

Weil durch den strengen Lockdown und geschlossene Grenzen in Europa die spanische Wirtschaft und besonders der Tourismussektor leiden, stehen Spanien und sein Tourismus vor einer tiefen Krise. So rechnet die Tourismus-Lobby Exceltur, ein Zusammenschluss der wichtigsten Unternehmen des spansichen Urlaubssektors, inzwischen mit direkten Einnahmeverlusten von 92 Milliarden Euro.

Experten fürchten, dass mit der Corona-Pandemie Spanien das gleiche Schicksal wie schon in der Finanz- und Immobilienkrise droht: Das Land wird wahrscheinlich schlechter herauskommen als die übrigen Staaten der EU und ihnen dann in der wirtschaftlichen Entwicklung hinterherhinken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare