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Coronavirus in Spanien: Bars in Katalonien zu, Valencia bleibt Musterschüler

  • vonStephan Kippes
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Das Coronavirus hält Spanien weiterhin in Atem. In Regionen wie Navarra ist die Pandemie außer Kontrolle, in anderen wie der Costa Blanca scheint sie kaum zu existieren.

Mehr Informationen zur Lage der Coronavirus-Pandemie in Valencia lesen Sie hier.

Mehr Informationen zur Lage der Coronavirus-Pandemie in Andalusien lesen Sie hier.

Update, 17. Oktober: Die Coronavirus-Pandemie zieht im Herbst in Spanien wie im Rest Europas weiter an. Auf Grundlage der Daten des spanischen Gesundheitsministeriums lässt sich folgendes feststellen: Die Neuinfektionen steigen in zwölf der 17 Regionen, die Zahl der Covid-19-Patienten, die eine stationäre Behandlung in den Krankenhäusern benötigen, zieht ebenfalls vielerorts binnen einer Woche um über 25 Prozent an, vor allem in Katalonien (58 Prozent), Navarra (51 Prozent), aber inzwischen auch in Valencia und Asturien (je 46 Prozent) sowie in Aragón (44 Prozent) und La Rioja (41 Prozent). Die Extremadura kommt auf einen Anstieg von 35 Prozent in den Krankenhäusern, Andalusien auf 28 und Galicien auf 26 Prozent. Die Zahl der Coronavirus-Infizierten, die mit Covid-19 sterben, liegt seit vier Wochen über 100, derzeit sterben 120 Menschen mit Covid-19 täglich, am 16. Oktober meldete das Gesundheitsministerium 140 Covid-19-Tote. Was die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 betrifft, vermelden vor allem Navarra und Kastilien-León schon seit geraumer Zeit starke Anstiege. Aber auch in Asturien und Katalonien gehen die Zahlen um über 40 Prozent binnen einer Woche nach oben, in Galicien, Navarra und Aragón um die 20 Prozent. Das Baskenland, die Extremadura, La Rioja und Kantabrien sind von moderaten Anstiegen betroffen, zwischen fünf und 15 Prozent, im Fall von Andalusien sechs. Stark rückläufig sind die Neuinfektionen in Madrid mit Minus 27 Prozent und auf den Kanaren mit Minus 17 Prozent. „Keine spanische Region hat bezüglich der Neuinfektionen Zahlen, die man für vertretbar halten kann, also zwischen 50 und 60 Fällen bei 100.000 Einwohner in einer Woche“, sagte Fernando Simón, Leiter des Krisenszentrums für Epidemien.

Madrid – Esther Duflo und Abhijit Banerjee stellen Frankreich vor eine kafkaeske Wahl. Die beiden Nobelpreisträger für Wirtschaft machen das Weihnachtsfest von einem Lockdown vom 1. bis 20. Dezember abhängig. Nur dann kann trautes Fest im Kreis von Familie und Freunden in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich sein, meinen die Ökonomen.

Coronavirus in Spanien: Neue Einschränkungen im Reiseverkehr ab November

Natürlich haben Politiker von Paris bis Madrid den Vorstoß als absurd und abstrus bezeichnet, aber wenn der Bürgermeister von Madrid, José Luis Martínez-Almeida, von einem „anderen Weihnachten“ als sonst faselt und der blutleere Gesundheitsminister Salvador Illa ohne Grund Adventsstimmung mit neuen Auflagen versprüht, lässt sich ahnen, was die Politiker umtreibt. Auch die Bundesrepublik Deutschland verschärft die Auflagen für den Reiseverkehr aus sogenannten Risikogebieten im November. Das Coronavirus breitet sich einfach zu schnell aus, nicht nur in Spanien, auch im Rest Europas, vor allem in England und Frankreich. Und fast alle Länder reagieren darauf mit Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit.

Zur Eindämmung stark steigender Corona-Infektionen hat die Region Katalonien die Schließung aller Bars und Restaurants angeordnet.

Aber an der Mittelmeerküste unterhalb Kataloniens hält sich die Ausbreitung wirklich in Grenzen. Die Inzidenzwerte liegen weit und stabil unter 200, unter dem Gesundheitsminister Salvador Illa erst den Notstand in der Landeshauptstadt Madrid aufheben will. Nur neun neue Coronavirus-Fälle zählte der Gesundheitskreis Marina Alta zwischen Freitag und Montag. Viele Gemeinden an der Costa Blanca haben seit Wochen keine Coronainfizierten mehr, selbst der einstige Hotspot Dénia konnte binnen eines Monats die Zahl der Coronavirus-Infizierten von 230 auf derzeit 10 drücken. Doch auch in diesen Regionen machen sich ausländische Winterurlauber rar, weil die Costa Blanca unter dem schlechten Ruf Spaniens bezüglich der Corona-Infektionen leidet. Die Region Valencia steht mit einem Inzidenzwert von 45,07 bei 100.000 PCR-getesteten Einwohnern binnen einer Woche gut da..

Coronavirus in Spanien: Valencia als Region mit den geringsten Infektionszahlen

Die Bundesrepublik Deutschland müsste für die Region wohl keine Reisewarnung aussprechen, meist liegt die Zahl deutlich unter 45. In weiten Teilen der Region Valencia, zu der auch die Costa Blanca gehört, ist die Coronavirus-Infektionsgefahr geringer als mancherorts in Deutschland, wo auch mehrere Landkreise über 40 liegen. In dieser Woche benötigen in Valencia 205 Covid-19-Patienten eine stationäre Behandlung, 17 auf den Intensivstationen.

Trotzdem schlagen die Mediziner Alarm – warum? Nun, die Zahl 205 spiegelt den Wochenstand vom 15. Oktober wider, als das Gesundheitsministerium am 13. Oktober eine Woche zurückrechnete, lag die Zahl der Covid-19-Patienten bei 119 und die der Coronavirus-Erkrankten in den Intensivstationen bei vier. Dieser deutliche Anstieg macht den Krankenhausleitungen Sorgen, obwohl die Auslastung der stationären Einrichtungen mit Covid-19-Patienten bei 5,56 Prozent und die der Intensivstationen bei 9,27 Prozent liegt.

Gesundheitsminister Salvador Illa hebt die Region Valencia positiv im Parlament hervor, ganz im Gegensatz zu Spanien, wo er die Lage mal als „sehr zerbrechlich“, mal als „sehr besorgniserregend“ beschreibt. Bei der Einstufung der Inzidenzwerte richtet er sich nach dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), und demnach erreicht Spanien „extreme Risikowerte“, die „nicht die Regel, sondern die Ausnahme“ sein sollten. „Einige Regionen befinden sich in einer absoluten Extremsituation mit Werten, die um ein Doppeltes die absoluten Risikowerte überschreiten. Wir brauchen überhaupt nicht davon zu reden, die Infektionskurve abflachen zu wollen, bevor wir nicht einen Inzidenzwert von unter 50 haben“, sagt Illa. Navarra kommt am 15. Oktober auf 483,3 – ein Zehnfaches über dem Wert von Valencia.

Coronavirus Andalusien: Studentenproteste in Granada

Andalusien kommt somit auf 93,85 bei 100.000 PCR-getesteten Einwohnern binnen einer Woche. Damit liegt die Region unter dem Spanienschnitt von 130,54, Murcia ist mit 138,43 knapp darüber. 470 Infizierte benötigten vergangene Woche eine stationäre Behandlung in Andalusien, 20 davon auf der Intensivstation (UCI). Die Auslastung der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten erreicht 8,82 Prozent und die auf Intensivstationen 13,03 Prozent. In Murcias Krankenhäusern liegt die Auslastung bei 8,96 Prozent mit Covid-19 Patienten, die der UCI bei 18,30 Prozent. Für Aufsehen sorgt indes Granada. Wegen steigender Fallzahlen drohen Stadt und Provinz Quarantänemaßnahmen. Die Landesregierung nimmt die Studenten ins Visier und macht das Nachtleben für das Malheur verantwortlich. Die Studenten wollen sich aber den schwarzen Peter nicht zuspielen lassen und protestieren gegen Stopp des (Präsenz-)Lehrbetriebs.

Studenten protestieren, weil die Regionalregierung von Andalusien die Präsenzveranstaltungen an der Universität von Granada wegen der hohen Infektionsrate unter den Studenten abgesagt hat.

Bilder von jungen Menschen, die sich in Kneipenvierteln ohne Atemschutzmasken und Vorsichtsmaßnahmen vergnügen, sorgten am Wochenende für Aufsehen in den Nachrichten. Das dürfte der Junta reichen, um Maßnahmen zu ergreifen. Nach der Skandalfete in einem Studentenwohnheim in Valencia mit 170 Coronavirus-Infizierten werden Gesundheitspolitiker dünnhäutig. Überhaupt, europäische Länder setzen bei Einschränkungsmaßnahmen in der Gastronomie und beim Ausgehen an – Frankreich erwägt gar Sperrstunde und Ausgehverbot.

Coronavirus in Katalonien: Bars und Restaurants für zwei Wochen geschlossen

Katalonien hat die Schließung aller Bars und Restaurants ab dem 16. Oktober für zwei Wochen angeordnet. Die Einkaufszentren sollen den Einlass von Kunden um 50 Prozent senken – dabei belegen Covid-19-Patienten nur 7,44 Prozent der stationären Einrichtungen der Krankenhäuser, aber eben 21,24 Prozent der Intensivstationen. In den UCIs ist bereits jetzt jeder Fünfte ein Coronavirus-Infizierter. Da dürften bald mehr dazukommen, denn vergangenen Donnerstag registrierten die Behörden an einem Tag 2.445 Neuinfizierte – mehr an einem Tag als während der gesamten ersten Welle. Die Inzidenz Kataloniens liegt mit 136,50 aber gar nicht mehr so deutlich über dem Landesschnitt Spaniens von 130,54.

Katalonien reagiert diesmal, bevor die Ausbrüche schlagartig zunehmen. Die Hauptstadt Madrid sperrt sich gegen alle Maßnahmen von der Zentralregierung. Die Regionalregierung von Isabel Díaz Ayuso übt Druck auf das Gesundheitsministerium aus, den Notstand aufzuheben. Dabei schränkt der Notstand zwei Wochen die Bewegungsfreiheit der Hauptstädter zwar ein, nimmt den Bürgern in den abgeriegelten Gebieten in Madrid aber wenig Freiheiten. Gesundheitsminister Salvador Illa sprach „vom Limit seiner Geduld“.

Rubriklistenbild: © Emilio Morenatti/dpa

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