Phase 1 des Deeskalationsplans

Coronavirus in Spanien: Erste Schritte zu mehr Lockerungen - aber nicht alle dürfen mit

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Nicht alle dürfen in die Phase 1. Eine Frau in Madrid freut sich, dass die Corona-Lockerungen in der Hauptstadt noch nicht in Kraft treten.
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Spanien macht am Montag, 11. Mai, erste Schritte aus der Coronavirus-Krise. Doch nicht alle Gebiete dürfen mit. In Valencia ist die Enttäuschung groß.

  • Madrid und weite Teile von Katalonien und Valencia dürfen nicht in Phase 1 des Deeskalationsplans eintreten.
  • In Dénia, der Marina Baja und Torrevieja ist Corona besser unter Kontrolle als in den Metropolen.
  • In Andalusien bleiben die Provinzen Málaga und Granada im Lockdown.

Madrid - Das hat die Region Valencia sich ganz anders vorgestellt. Weite Teile können am Montag noch nicht in die Phase 1 des Deeskalationsplans eintreten, mit dem die Regierung von Pedro Sánchez Spanien stufenweise aus der Coronakrise führen will. Die großen Städte der Region, Castellón, Valencia und Alicante mit Elche samt ihrer Speckgürtel bleiben im Lockdown. Besser stehen die dünn besiedelten Urlaubsregionen wie Gandia und die Marina Alta von Dénia bis Calp, die Marina Baja von Altea bis Villajoyosa und Torrevieja, Orihuela Costa und die Gebiete südlich davon, inklusive die gesamte Nachbarregion Murcia, da.

Die kalte Dusche hat heftige Proteste seitens der Landesregierung Valencia ausgelöst. 3,5 Millionen Valencianer und damit die Mehrheit des Fünf-Millionen-Volks kommen noch nicht in den Genuss, Freunde und Verwandte zu treffen, in Geschäften unter 400 Quadratmetern einzukaufen oder etwa die Terrassen von Bars und Restaurants aufsuchen zu können.

Coronavirus-Krise lässt keine weiteren Erleichterungen in Madrid zu

Wie erwartet, schloss das Gesundheitsministerium auch Madrid von den Lockdown-Lockerungen aus. Weite Teile Zentralspaniens bleiben auch noch in der Phase 0. Die Provinzen Granada und Málaga in Andalusien verpassten knapp die Phase 1, in die wohl Almería, Cádiz, Córdoba, Huelva, Jaén und Sevilla eintreten. „Málaga und Granada sind ganz nah dran, in die nächste Phase zu gelangen. Die Möglichkeit wird man in den nächsten Tagen mit der Landesregierung diskutieren“, sagte Fernando Simón, Leiter des Koordinationszentrums für ansteckende Krankheiten und Epidemien. Jede Phase dauert zwei Wochen, Ende Juni soll das Land in die sogenannte „neue Normalität“ überführt werden.

Das Gesundheitsministerium wertet in jeder Provinz beziehungsweise in jedem Gesundheitsbezirk aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Coronavirus ist. Dabei spielen die Fallzahlen eine Rolle, die mittels der PCR-Tests in den vergangenen sieben Tagen erfasst wurden, die Zahl der möglichen Infizierten, die Testdichte in Relation zu der Anzahl der positiv getesteten Personen. Ferner prüfen die Behörden, wie schwerwiegend die Covid-19-Erkrankungen vor Ort seit einer Woche sind, wie viele Personen stationär behandelt werden, wie viele auf der Intensivstation sind und wie viele am Coronavirus gestorben sind.

Diese Zahlen müssen in Relation zu den Kapazitäten der Krankenhäuser gestellt werden, der Anzahl der Krankenbetten - etwa 40 für Covid-19 Patienten pro 10.000 Einwohner - und der Plätze in den Intensivstationen, mindestens einer für einen Covid-19-Fall pro 10.000 Einwohner. Das Gesundheitsministerium evaluiert auch, inwieweit die Behörden vor Ort in der Lage sind, Corona-Infizierte zu ermitteln und auf Ansteckungen zu reagieren. Dazu zählt auch, ob Gesundheitszentren vor Ort überhaupt PCR-Tests durchführen und den Verlauf der Krankheit bei Patienten überprüfen können.

Corona-Hotspot Katalonien bleibt im Lockdown

Neben der Hauptstadt bleibt auch die katalanische Metropole und Spaniens zweiter große Corona-Hotspot Barcelona in der Phase 0. Das Gesundheitsministerium kam den Wünschen der Landesregierung nach, die Ausgehsperre wegen der hohen Ansteckungsgefahr noch nicht weiter zu lockern. Nur dünn besiedelte Gebiete wie Tarragona im Süden Katalonien und die Pyrenäen bei Lleida treten in die Phase 1 ein, Barcelona, Girona und ein Teil Lleidas fangen noch nicht mit dem Deeskalationsplan an. Kastilien und Léon bleibt zum großen Teil dicht, nur 26 der 247 Gesundheitsbezirke, allesamt sehr ländliche Gebiete, kommen aus der Phase 0 heraus. In Kastilien-La Mancha bleiben Albacete, Ciudad Real und Toledo in der Phase 0, Guadalajara und Cuenca packen es in die Phase 1.

Mit eins mit Stern kommt Galicien in die Phase 1, wo fast 200 Kommunen seit einer Woche überhaupt keinen neuen Corona-Infizierten mehr verzeichnen. Das Baskenland, Asturien, Aragón, die Extremadura, Navarra, La Rioja, Kantabrien, Ceuta und Melilla sowie die Inseln der Balearen und Kanaren, die bisher noch nicht in Phase 1 waren, ebenfalls. Das Gesundheitsministerium lehnte allerdings die Wünschen einiger Regionen ab, Teile ihrer Territorien direkt in die Phase 2 passieren zu lassen.

Angst vor Corona-Rückfall: Ausgehsperre wird nur für die Hälfte der Bevölkerung gelockert

Um in die Phase 1 zu kommen, müssen die Regionen niedrige Fallzahlen sowie ausreichend sanitäre Ressourcen nachweisen. „Rund 51 Prozent aller Bürger Spaniens kommen in die nächste Phase. Aber wir gehen mit äußerster Vorsicht vor. Das Wichtigste ist jetzt die Konsolidierung dessen, was wir in der ersten Etappe erreicht haben: Die Epidemie unter Kontrolle zu halten“, betonte Gesundheitsminister Salvador Illa.

Mit knapp 65.000 Infektionsfällen und über 8.500 Toten dürfte es niemanden überraschen, dass Gesundheitsministerium die Region Madrid noch nicht aus der strengen Quarantäne lässt. Die Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso (PP) hatte aus wirtschaftlichen Gründen trotzdem den Antrag auf neue Lockerungen gestellt und damit den Rücktritt ihrer Gesundheitsbeauftragten Yolanda Fuentes provoziert, die diese Ansichtnicht unterzeichnen wollte. Damit verschaffte sich Ayuso freie Bahn, um den Leiter des inzwischen geschlossenen Feldkrankenhauses Ifema, Antonio Zapatero, mit der Koordination der regionalen Gesundheitspolitik zu beauftragen.

Keine Erleichterung in Coronakrise: Schock in Valencia

Für Überraschung sorgte der Fall Valencia. Dort sah Ministerpräsident Ximo Puig seine Region in der Phase 1. Vielleicht ging der Schuss nach hinten los, nicht die drei Provinzen evaluieren zu lassen, sondern 24 an die jeweiligen Kreiskrankenhäuser angegliederten Gesundheitsbezirke. Zumal von dort jüngst nicht nur gute Nachrichen kamen, so stiegen die Fallzahlen aus Dénia und Torrevieja. So kommt in Castellón nur das Gebiet Vinaròs in die Phase 1, in der Provinz Valencia packen es Requena, Xàtiva-Ontinyent und Gandia und in der Provinz Alicante kommen Alcoy, Dénia, Marina Baja, Elda, Orihuela und Torrevieja durch. Positiv überraschte die Behörden die Entwicklung in den vergangenen sieben und 14 Tagen in der Marina Baja, in Alcoy und in Requena, wo die Pandemie doch stark gewütet hatte.

„Wir haben mit fachlichen Kriterien unser Anliegen untermauert, dass die Region Valencia in die Phase 1 eintreten kann. Wir ersuchen nun darum, dass unser Plan erneut geprüft wird, damit diese Entscheidung so schnell wie möglich revidiert werden kann", meinte Ministerpräsident Ximo Puig.

Die valencianische Gesundheitministerin Ana Barceló scheint die Welt nicht mehr zu verstehen. Alle dichtbesiedelten Regionen Valencias bleiben im Lockdown. „Die Internetseite des Gesundheitsministeriums führt die Region Valencia unter den sechs Regionen auf, die den geringsten Anteil von Infizierten unter 100.000 Einwohnern haben, wir haben 13,59 und es gibt andere Regionen mit 43 und 63 pro 100.000. Ein anderes Kriterium ist der Reproduktionsfaktor R, der unter eins liegen muss. Wir haben 0,66 Prozent, das ist weit darunter. Für uns ist das wirklich unverständlich, warum wir nicht alle in die Phase 1 können, wo wir doch viel besser dastehen als viele andere Regionen“, klagte Barceló.

Die Region könne auch genug Krankenbetten sowohl auf den Stationen als auch in den Intensivstationen vorweisen, auch die Gesundheitszentren seien gerüstet, um Infizierte zu testen, die Proben auszuwerten und den Verlauf von Covid-19 zu überwachen. Ein bitterer Schlag, nachdem die Region schnell wieder in ihre Opferrolle zurückfiel. Die Valencianer fühlen sich seit jeher von Madrid stiefmütterlich behandelt, insbesondere bei der Länderfinanzierung.

So wird man in der Region Valencia nicht überall ab Montag wieder Freunde und Verwandte treffen dürfen. Dort wo die Phase 1 gilt, sind bei Einhaltung der Sicherheitsregeln Zusammenkünfte von bis zu zehn Personen im Freien und auch zu Hause erlaubt. Einige weitere Lockerungen: Gaststätten dürfen im Außenbereich bewirten, Lokale mit weniger als 400 Quadratmetern auch ohne vorherige Terminvergabe öffnen, Gottesdienste können mit einem Drittel der gewöhnlichen Teilnehmerzahl wieder stattfinden. Für die seit dem 2. Mai wieder gestatteten Spaziergänge und Sport im Freien gibt es je nach Alter weiterhin bestimmte Zeitfenster.

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