Madrid feiert am 15. Mai seinen Schutzheiligen San Isidro

Heiliger mit Corona-Gefahr: Madrid feiert San Isidro, seine Allzweckwaffe gegen Seuchen und Armut

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Madrid feiert San Isidro, der die Hauptstadt vor Dürre, Krankheit und Armut bewahrt. In Corona-Zeiten macht der Schutzheilige seinen Job nicht gut.

  • San Isidro kommt in der Coronakrise und nun fürchtet ganz Spanien das Picknick der Madrilenen.
  • San Isidro gilt als Allzweckwaffe gegen Dürre, Armut und Krankheit. Was ist nur mit ihm los?
  • Große Popularität rührt von seiner Güte, Bodenständigkeit und Frömmigkeit her.

Madrid - San Isidro bringt fast jedes Jahr die Fiesta nach ganz Spanien. Dabei gilt Isidor als Stadtheiliger der spanischen Hauptstadt Madrid, die ihn in der Pre-Covid-19-Ära zum Vorwand nahm, um die Stierkampfelite in der Las-Ventas-Arena zu ihrem bedeutendsten Treffen auflaufen zu lassen. Viele Madrilenen überliesen die teuren Plätze dort gerne ausländischen Touristen und nahmen den Feiertag zum Anlass, um mit Sack und Pack an der Mittelmeerküste ein verlängertes Wochenende zu verbringen.

Romería-Wallfahrten hoch zu Ross und samt Flamenco-Gitarre und Fiestas zu Ehren von San Isidro lockten vor SARS-CoV-2 viele Feierlustige in Dutzende Käffer entlang der Mittelmeerküste. Heute stehen dort wahrscheinlich Polizeikontrollen. Wenn in dem vom Coronavirus heimgesuchten Madrid sich ein Feiertag nähert, wird ganz Spanien nervös. Die Hauptstädter scheinen dazu zu neigen, vor der Ausgehsperre in ihre Zweitwohnsitze an der Costa del Sol oder Costa Blanca zu flüchten. Bereits an Ostern herrschte dort große Empörung wegen einer Reisewelle aus Madrid, die in dem geschilderten Ausmaß wohl nur in einigen Medien stattfand.  

San Isidro: Allzweckwaffe bei Dürre, Armut und Krankheit

Der Landarbeiter Isidor lebte im elfen und zwölften Jahrhundert (1082 bis 1172), trägt seinen Heiligenschein seit 1622, dem er kanonisierten fünf Wundern und der großen Bewunderung verdankt, die mit den Legenden um seine Person schon vom zwölften Jahrhundert an wuchs.  Seine Gebeine ruhen seit 1769 in einer früheren Jesuitenkirche, die heute nach ihm – San Isidro benannt ist.

San Isidro hält nicht nur seine schützende Hand über Madrid, sondern auch über alle Bauern, bewahrt sie vor Dürre und Regen und beschert ihnen eine gute Ernte. Auch wenn er seinen Job in den letzten Jahren nicht immer zur Zufriedenheit seiner Gläubigen gemacht hat, spielt San Isidro neben Sant Vicent und San Francisco de Abad und Santiago de Compostela in der ersten Liga der spanischen Schutzheiligen mit.

San Isidro: Heiliger aus ärmsten Verhältnissen

Dabei bestritt er seinen Lebensunterhalt als ein Tagelöhner im arabischen Mayrit, das Toledo unterstand, einem Teilreich von Al-Andalus. 1085 fiel Madrid unter das Herrschaftsgebiet von Alfons VI, womit man es bei San Isidro mit einem Reconquista-Heiligen zu tun hat. Ein Wunder ist schon, dass er als Laie – übrigens einer der ersten - und Familienvater zu den höchsten kirchlichen Würden gebracht hat, die eigentlich zu der Zeit Ordensmitgliedern, Pfarrern, Bischöfen und Päpsten vorbehalten war. Seine Bodenständigkeit gilt auch als ein Grund für die Popularität, die er bis heute in der spanischen Bevölkerung genießt. San Isidro stammte aus einfachsten Verhältnissen, musste bereits im Alter von zehn Jahren als Vollwaise die Feldarbeit aufnahmen. Als sonderlich fleißig galt er allerdings nie.

In der Stiftskirche San Isidro wird zu Ehren Isidor von Madrid eine Messe gefeiert. Die Messe wird aufgrund der Corona-Pandemie online übertragen und ist eine der Veranstaltungen, die in Madrid anlässlich des Festes von San Isidor stattfinden.

Alfons VI musste die gewonnnen ländliche Gebiete um das heutige Toledo, Guadalajara und Madrid mit Landadel und mit einfachen Bauernvolk besiedeln, das meistens westgothischer und berberischer Abstammung. Die Familie von San Isidro stammte aus der madrilenischen Ansiedlung San Andrés und diente in Leibeigenschaft dem Haus Vargas im Grenzgebiet zwischen Al-Ándalus und dem christlichen Spanien. Eine Invasion arabischer Truppen unter Führung des Emirs Ali Ibn Yusuf zwang die Familie nach Torrelaguna zu flüchten, wo der Held des 15. Mai. María Toribia, die spätere Heilige María de la Cabeza, kennenlernte, heiratete und mit einen Sohn bekam, den San Illán. Bis kurz vor seinem Tod lebte San Isidro in einem Kriegsgebiet, erst 1162 gelang es Ferdinand II Madrid endgültig zu erobern. Isidor wurde in der Kirche San Andrés in Madrid beigesetzt. Als man sein Grab nach 40 Jahren an einem 15. Mai öffnete, fand man seinen Leichnam nahezu unverwest.

Picknick gehört zur San-Isidro-Tradition

Bis vor einem Jahr feierte Madrid die Fiestas de San Isidro el Labrador am 15. Mai, die der Maler Francisco de Goya in seinem Werk La pradera de San Isidro 1788 verewigte. Goya fing die typische Picknick-Atmosphäre ein, die Madrilenen bis vor dem Coronavirus pflegten. Die jährliche Wallfahrt führte zu Isidors Kapelle, um dort aus der Quelle des Heiligen zu trinken. Allein der Weg dorthin glich stets einem Gastrofestival, das mit dem bescheidenen Leben des Protagonisten recht wenig zu tun hatte.

Zu Lebzeiten schreibt man San Isidro fünf Wunder zu, die im Kodex San Isidro dargestellt sind. Generell galt er als ein unheimlich frommer und äußerst großzügiger Mensch, mit Herz für Arme und Kranke. Was er verdiente und besass, teilte er in drei Teile, für die Familie, die Kirche und die Armen. Einmal soll er bei einer Mühle das Weizen vervielfacht und damit Tauben gefüttert haben. Ein anderes Mal ertappte ihn sein Herr, wie er blaumachte und seinem Arbeitsplatz fernblieb. Daraufhin sollen sich die Ochsen eigenmächtig in Bewegung gesetzt und das Feld gepfülgt haben. Denn San Isidro betete natürlich in der Kirche.

San Isidro brachte Regen, Essen und Gesundheit

Ein anderes Mal warnten Kinder ihn davor, dass ein Wolf seinen Esel anfallen wolle. Daraufhin fiel San Isidro auf die Knie, betete und rettete seinen Esel vor der Attacke. Ferner rief man San Isidro stets an, wenn Regen Not tat. Gute Ernten verdankte man stets seinem Einfluss. Populär ist auch das Wunder des Brunnen. Als sein Sohn einmal in einen Brunnenschaft fiel, betete San Isidro, woraufhin der Wasserspiegel mitsamt dem Sohnemann auf wunderbare Weise anstieg.

Ein andermal soll ein Armer ihn um Essen gebeten haben, woraufhin San Isidro den letzten Rest des Eintopfs aus dem Topf kratze, der sich sich dann auf wundersame Weise immer wieder mit Puchero füllte, um mehr Armen die Mägen zu füllen. Legenden berichten immer wieder auf wundersame Zusammenkünfte von Mitgliedern der Adelsfamilie Vargas, die des Nachts San Isidro in Begleitung von Engeln beim Pflügen der Felder beobachtet haben.

Darstellungen wie Skulpturen und Bilder zeigen ihn im Gewand eines einfachen Bauern und mit einem Grabspaten. Große Popularität beim Volk sprang auch auf das Königshause über, als Isabelle I (1451 bis 1504) und Philippe II (1527 bis 1598) ihn anriefen und ihre Krankheiten überwanden. Spaniens Nationalpoet Lope de Vega griff Leben und Wunder des Heiligen auf, der wie ein kein anderer das ländliche und einfache Leben Spaniens verkörpert. Papst Johannes XXIII erklärte ihn 1960 zum Schutzheiligen spanischer Landwirte.

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