Fernando Simon steht am Rednerpult einer Pressekonferenz.
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Die Coronavirus-Zahlen in Spanien sind schon wieder zum Haare raufen, doch der Chef des Krisenstabes, Fernando Simón, erklärt geduldig und ohne Panikmache die Hintergründe.

Spanien und das Coronavirus

Coronavirus Spanien aktuell: Keine Panik, aber erhöhte Vorsicht - UPDATES

  • vonMarco Schicker
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Spanien startet in einen ungewissen August 2020. Täglich kommen über 1.000 neue Coronavirus-Infizierte hinzu, vor allem in Aragón, Katalonien und Madrid. Deutschland verhängt eine Reisewarnung, auch andere Länder verhängen Restriktionen. Verfolgen Sie die Entwicklungen in Spanien mit unseren regelmäßigen Aktualisierungen.

  • Neue Tagesrekorde bei Coronavirus-Infizierten in Spanien nach dem Ende des Notstandes, über 1.200 Fälle und fast 500 Cluster.
  • Das Alter der Covid-19-Infizierten in Spanien und statistische Sterberate sinken beständig. Mehr Jugendliche auf Intensivstationen.
  • Chef des Coronavirus-Krisenstabes in Spanien verneint "zweite Welle" und sieht sinkenden Tourismus "aus virologischer Sicht positiv".

Update, 5. August, 09:35 Uhr: Am Dienstag, 4. August, meldet Spanien 1.178 neue Coronavirus-Fälle binnen 24 Stunden. Davon fallen 365 auf die Region Aragón, 292 auf Madrid. Laut Gesundheitsministerium in Madrid hätten die Regionen seit vergangenem Freitag 14.292 positive PCR-Tests gemeldet. Die Zahl wollte das Ministerium aber selbst nicht bestätigen, da es vermutet, dass dabei Mehrfachtestungen gezählt worden sein könnten. Verlässlicher sei die Angabe von 74 Infizierten auf 100.000 Personen für den Zeitraum der letzten 14 Tage. Die Zahl ist damit höher als im Juni. 594 Menschen mussten in der vorigen Woche wegen Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert werden, wo derzeit knapp 3.000 Corona-Patienten behandelt würden, so das Ministerium. Die Zahl der Covid-19-Todesfälle werden vom Ministerio de Sanidad mit 34 in den letzten 7 Tagen beziffert, 15 davon in Aragón.

250 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation: Spanien registriert wegen Coronavirus wieder mehr Einweisungen in Krankenhäuser

UPDATE, 2. August, 16:30 Uhr: Auch wenn die Verläufe milder sind, 60 Prozent asymptomatisch verlaufen, viel mehr getestet und so auch detektiert wird sowie die Sterberate mit 0,5 Prozent sehr niedrig scheint, die Entwicklungen in Spanien in Sachen Coronavirus geben Anlass zur Sorge: Am 20. Juni, als die meisten Restriktionen durch den Notstand aufgehoben wurden, zählte Spanien 334 neue Covid-19-Fälle, am 29. und 30. Juli waren es zusammen 2.789.

Stichhaltiger aber sind folgende Zahlen: Vor rund einem Monat, Anfang Juli, lagen in Spanien rund 300 Personen wegen Covid-19 in Krankenhäusern, 40 auf Intensivstationen. Anfang August sind in Spanien wegen des Coronavirus 2.000 Menschen in Hospitälern, 250 davon in den UCI, den Intensivstationen. Unter den 250 sind auch immer mehr junge Menschen, ohne schwerwiegende Vorerkrankungen, wie der Leiter der Vereinigung der Intensivmediziner Spaniens mitteilte. Zudem weisen WHO und spanische Medizinder daraufhin, dass es immer mehr Anzeichen dafür gebe, dass auch bei leichten Verläufen Spätschäden an Lunge, anderen Organen und sogar Hirnschäden auftreten und dauerhaft bleiben können.

1.444 neue Fälle in Katalonien - Zahlen aus Andalusien und Valencia könnten ähnlich aussehen

Katalonien hat für die letzten 24 Stunden 1.444 neue positive Tests auf das Coronavirus gemeldet. Gleichzeitig kommt vom Gesundheitsministerium der Generalitat in Barcelona die Einschätzung, dass die Fallzahlen in anderen spanischen Regionen ähnlich hoch sein müssten, dort aber weniger PCR-Tests durchgeführt würden. In Katalonien teste man im Schnitt derzeit 180 von 100.000 Einwohnern täglich, in Andalusien und der Region Valencia seien es knapp 90. Dort stiegen die Einlieferungen in Krankenhäuser aber in ungefähr gleichem Maße an wie in Katalonien, daher müssten die eigentlichen Fallzahlen dort auch höher sein.

Aktuelle Fallzahlen für Spanien gibt es wieder am Montag, 3. August, am frühen Abend.

Zu den Entwicklungen des Coronavirus in der Region Valencia / Costa Blanca.
Entwicklung des Coronavirus in der Region Murcia / Costa Cálida.
Zur Entwicklung des Coronavirus in der Region Andalusien / Costa del Sol, Costa de la Luz etc.

Update 5. August: Die Schweiz ordnet eine Quarantänepflicht für Touristen an, die aus Spanien ins Land kommen. Ein negativer Coronatest ändert nichts daran.

UPDATE, Freitag, 31. Juli, 18:45 Uhr: Das Auswärtige Amt in Deutschland hat sein Abraten von Reisen in einige Regionen Spaniens heute in eine offizielle „Reisewarnung für die autonomen Gemeinschaften Aragón, Katalonien und Navarra" heraufgestuft. Das bedeutet auch, dass Reisen in die genannten Gebiete kostenlos storniert werden können. Eine Quarantäne für Rückkehrer nach Deutschland aus Spanien gibt es nicht, wenn ein PCR-Test negativ verläuft, heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes weiter.

Das spanische Gesundheitsministerium meldet am Freitagnachmittag 1.525 neue positive PCR-Tests in Spanien binnen 24 Stunden, knapp 300 mehr als am Tag zuvor. Die meisten traten in Aragón (511) und Madrid (372) auf, gefolgt vom Baskenland (158), Andalusien (107) und Katalonien (64). In Valencia sind es 42, in Murcia und auf den Balearen je 22.

Spaniens Arbeitsmarkt verliert über eine Million Jobs, BIP bricht um 18,5 Prozent ein, aber die Regierung ist in Umfragen im Hoch.

Erstmeldung / Madrid - In den 24 Stunden von Mittwoch, 29., auf Donnerstag, 30. Juli, wurden für Spanien 1.229 positive PCR-Tests auf das Coronavirus gemeldet. Ein neuer Rekord seit Ende des Notstandes, der sich in den letzten Tagen anhand der Coronavirus-Daten in Spanien bereits andeutete. Auf der täglichen Pressekonferenz erklärte der Chef des sanitären Krisenstabes, Fernando Simón, dass sich das Durchschnittsalter der Infizierten weiter verringere. Lag es von Juni bis Mitte Juli bei rund 45 Jahren bei Frauen und 41 bei Männern, pendelt es sich in den letzten drei Wochen bei 36 bis 38 Jahren ein. Zur Erinnerung: Im März und April lag der Schnitt über 60 Jahre.

Katalonien, Madrid, Aragón und Baskenland: Coronavirus Hot Spots in Spanien

Das hat natürlich sowohl mit der höheren Testdichte als auch dem veränderten Verhalten in der "neuen Normalität" und der Urlaubszeit zu tun, führt dazu, dass die Sterberate radikal abnimmt, aber nicht, dass man in Spanien die Sache Coronavirus auf die leichte Schulter nehmen dürfe. Der Virologe Simón erklärte nicht nur mit seiner bekannten Engelsgeduld, dass junge Infizierte ältere Menschen mit höheren Risikofaktoren anstecken könnten, sondern berichtet auch "von einer steigenden Zahl von Covid-19-Fällen bei jungen Leuten, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen".

In den letzten sieben Tagen gab es, so das Gesundheitsministerium, 10 Covid-19-bedingte Todesfälle. Aufgrund der veränderten Altersstruktur und der massenhaften Tests sank die statistische Sterberate zuletzt auf 0,4 Prozent, im März und April lag sie zeitweise bei 12 Prozent.

Simon schlüsselt die 1.229 neuen Coronavirus-Fälle in Spanien vom Donnerstag so auf: Rund 60 Prozent sind „asymptomatisch im Moment der Detektion“, jene, die Symptome entwickeln, isoliere man schnell „sodass sie niemanden mehr anstecken können“. Die größten Zuwächse gab es wieder in Aragón (352), Madrid (225), Baskenland (145) und Katalonien (121). In der Region Valencia waren es 105 neue Fälle, davon 64 in der Provinz Alicante an der Costa Blanca, auch das ein neuer Tagesrekord seit Ende des Notstandes und der Quarantäne. Andalusien registriert 76, Murcia 47 neue Fälle.

In der letzten Juliwoche wurden 209 Mitarbeiter des Gesundheitswesens positiv auf Covid-19 getestet, 57 davon hätten Symptome entwickelt. Diese Gruppe stellt mit 53.186 Fällen seit Zählbeginn die am meisten vom Virus heimgesuchte dar.

Weniger Touristen in Spanien sind gegen die Epidemie günstig, ob das der Branche gefällt oder nicht

Aktuell zählt das Gesundheitsministerium landesweit 483 Infektionsherde mit 5.700 aktiven Fällen. 75 Prozent dieser Cluster haben weniger als je zehn Infizierte, Sorge machen Fernando Simón die anderen 25 Prozent, "sie haben das größte Potential zur allgemeinen Verbreitung".

Simón erklärte weiter, dass die Unterkünfte von (meist ausländischen) Saisonarbeitern, Familientreffen und das Nachtleben die Hauptquellen für die Neuinfektionen seien und sich vor allem die Jugend "weniger achtsam hinsichtlich der vorbeugenden Maßnahmen" verhalte.

Auf die Frage, ob man von einer zweiten Welle sprechen müsse, sagte Fernando Simón: "Weder in Spanien, noch im größten Teil Europas herrscht diese Situation", denn dafür bräuchte es eine "allgemeine, unkontrollierte Ausbreitung in einem großen Gebiet". Kollegen widersprechen ihm, bei über 1.000 neuen Fällen am Tag und fast 500 Infektionsherden, könne man nicht mehr von kontrollierten Einzelfällen sprechen.

Normalerweise ist die Explanada in Alicante im Sommer überfüllt. Die Tourismusindustrie leidet in Spanien am meisten unter dem Coronavirus. Die jüngste Quarantäne in Großbritannien gibt dem Sommer 2020 in Spanien den Rest.

Simón erklärte außerdem, dass er vom virologischen Standpunkt auf seiner Bemerkung bestehe, worauf weniger Touristen, die nach Spanien kommen auch weniger Risiken für das Land bedeuten würden. Er bitte um Entschuldigung, wenn sich jemand davon angegriffen fühle, seine Absicht sei es nicht gewesen, den Tourismussektor geringzuschätzen, aber "Aus unserer Sicht, helfen die Entscheidungen der Briten und Belgier, unsere Risiken zu verringern", so Simón mit Bezug auf das Abraten von einigen Regierungen sowie die Quarantäne für Einreisende aus Spanien in Großbritannien. Lobbygruppen der spanischen Tourismusindustrie hatten den Rücktritt Simóns gefordert.

Gesundheitsminister Salvador Illa ergänzte, dass er die bis dato von den Autonomen Regionen umgesetzten Maßnahmen, also die allgemeine Maskenpflicht, Sanktionen im Nachtleben und stellenweise Isolationen von Ortschaften für ausreichend halte und sein Ministerium bei Monitoring unterstütze. Beide Experten enthielten sich jedem Versuch der nachfragenden Journalisten über eine Prognose für den Herbst oder gar Winter, das Wort "Notstand in Spanien" oder gar wieder "Quarantäne" wollten sie nicht aussprechen. Ausschließen konnten sie es aber auch nicht.

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