Spaniens Gesundheitsminister spricht an einem Rednerpult.
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Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa schließt landesweit Diskotheken und Nachtclubs und schränkt Trinken und Rauchen im öffentlichen Raum strikt ein. Ob er das darf, steht auf einem anderen Blatt.

Covid-19 in Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Spanien schließt Diskotheken und Nachtclubs - Fallzahlen steigen rasant

  • vonStella Kirchner
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  • Marco Schicker
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Deutschland sorgt sich um die Coronavirus-Entwicklung in Spanien und hat eine Reisewarnung für das ganze Land, mit Ausnahme der Kanarischen Inseln ausgesprochen. Mehrere Orte in Spanien wurden wegen Coronavirus wieder abgeriegelt, der Druck auf die Krankenhäuser wächst. Seit 14. August zieht auch die Zentralregierung in Madrid die Zügel wieder an, schließt Diskotheken und reglementiert die Gastronomie und das Rauchen.

  • Quellen der Bundesregierung bestätigen gegenüber der Tagesschau eine Reisewarnung für ganz Spanien inklusive der Balearen wegen der gestiegenen Coronavirus-Infektionsrate.
  • 14. August: Spanien schließt landesweit Diskotheken und Nachtclubs, verhängt eine Sperrstunde für alle Lokale und schränkt Rauchen im öffentlichen Raum ein.
  • Fast 1.000 Menschen mussten in der zweiten Augustwoche in Spanien wegen Covid-19 in Krankenhäuser aufgenommen werden.
  • Spaniens Coronavirus Hot Spots in Aragón, Katalonien, Baskenland und Madrid: Orte in Castilla y León unter Quarantäne gestellt.

Update, Montag, 17. August: Aktuelle Informationen zur Entwicklung des Coronavirus in Spanien in unserem neuen Ticker-Artikel.

Update, Samstag, 15. August, 9 Uhr: Der Reisekonzern TUI hat alle Pauschalreisen nach Spanien beziehungsweise auf die Baleareninsel Mallorca bis 24. August abgesagt. Der Konzern bietet Kunden Umbuchungen an, unter anderem auf die Kanaren - die einzige spanische Region, die die Bundesregierung Deutschland nicht als Risikogebiet aufgrund der hohen Coronavirus-Infektionszahlen eingestuft hat. Wer bereits mit Tui am Reiseziel ist, kann auf Wunsch früher als geplant nach Hause fliegen. Auch der Reiseanbieter DER Touristik hat alle Spanien-Reisen bis 21. August abgesagt. Die Reisewarnung bedeutet, dass für Heimkehrende eine Testpflicht greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben.

Update, Freitag, 14. August, 19.35 Uhr: Das Auswärtige Amt in Deutschland hat am Abend auf seiner Webseite eine dezidierte Reisewarnung für Spanien ausgegeben. Wörtlich heißt es: „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanarischen Inseln wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt.“ Was das für Reisende im einzelnen bedeutet, finden Sie in unseren Reisehinweise für Urlauber von und nach Spanien. Besonders ist die Testpflicht zu beachten, der man auch bereits in Spanien nachkommen kann.

Update, Freitag, 14. August, 17:20 Uhr: Mitglieder der deutschen Bundesregierung bestätigen gegenüber der Tagesschau, dass noch heute eine Reisewarnung für ganz Spanien mit Ausnahme der Kanaren ausgesprochen werden soll. Der Grund dafür ist der zuletzt immer stärker werdende Anstieg der Coronavirus-Infektionen im Land, aber auch die kritische Lage auf den Urlaubsinseln Mallorca, Menorca und Ibiza. Die Reisewarnung tritt rechtskräftig in Kraft, sobald sie vom Auswärtigen Amt und Robert Koch Institut in die öffentlich einsehbaren Listen der Risikogebiete aufgenommen werden.

Update, Freitag, 14. August, 14:00 Uhr: Aufgrund der sprunghaften Zuwächse bei positiven PCR-Tests auf das Coronavirus in Spanien (siehe unser voriges Update von heute Morgen) sowie die Zunahme der Belegung in den spanischen Krankenhäusern, hat die Zentralregierung elf dringliche Maßnahmen beschlossen. Dazu gehört unter anderem:

Spanien schließt Diskotheken und erteilt Rauchverbot wegen Vielzahl von Coronavirus-Infektionen

  • Schließung aller Diskotheken, Nachtclubs, Nachtbars in Spanien.
  • Sperrstunde für alle Lokale um 1 Uhr, ab Mitternacht dürfen keine neuen Gäste mehr angenommen werden.
  • Das Rauchen wird in ganz Spanien auf der Straße und auf Lokalterrassen sowie im sonstigen öffentlichen Raum untersagt, wenn nicht mindestens ein Abstand von zwei Metern gewährt ist.
  • Empfohlen - nicht angeordnet - wird die Beschränkung von Treffen mit Freunden und Bekannten auf maximal zehn Personen.
  • Trinken auf offener Straße (die sogenannten botellónes) sind landesweit untersagt.

Die Ankündigung der Maßnahmen kommt insofern überraschend, da sie eigentlich nicht in nationale Kompetenz fallen und derzeit auch kein Notstand respektive Alarmzustand herrscht. Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa will auch dem Nachtleben und den Diskotheken die Hauptschuld zuweisen: "Es ist nicht so, dass dort die meisten Rückfälle registriert werden, das Problem ist aber, dass die Nachverfolgbarkeit in diesem Umfeld extrem schwierig ist."

Der Minister rief die Spanier und ihre Gäste auf, bei der Einhaltung der sanitären Vorschriften nicht nachzulassen: "Die Situation heute ist natürlich nicht vergleichbar mit jender, die wir im April hatten. Aber das heißt auch nicht, dass wir uns nicht vorsehen müssen", so Illa.

Update, Freitag, 14. August, 9:00 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium hat am Donnerstag, 13. August, 2.935 Neuinfizierte mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden in seine Statistik aufgenommen. Damit wurden bis dato 337.334 Fälle in Spanien registriert, die Zahl der Toten wird offiziell mit 28.605 angegeben, 26 mehr als vor einem Tag. Mit Nachmeldungen verschiedener Autonomer Gemeinschaften, allen voran Madrid, das zwei Tage lang gar keine Zahlen ans Ministerium zu melden im Stande war, erhöht sich die Zahl sogar um 7.550.

Fast 1.000 Menschen mussten binnen einer Woche wegen Covid-19 in Spanien ins Krankenhaus

Der „spanische Drosten“, Dr. Fernando Simón, Chef des Sanitären Krisenstabes der Regierung, bei seiner täglichen Pressekonferenz.

Der Zuwachs ist der höchste seit Ende April, der Chef des sanitären Krisenstabes der Regierung, Fernando Simón ordnet sie so ein: "Der Altersdurchschnitt der neu registrierten Coronavirus-Infizierten ist deutlich niedriger als im März und April und die Betroffenen sind daher für schwere Verläufe weniger anfällig." Aber: "Mit dem Anstieg des Volumens tauchen auch immer mehr schwere Fälle bei jüngeren Leuten auf." Auch wenn "wir weit von einer Überlastung unserer Systeme entfernt" seien.

Laut Simón weiß man von 4.113 Menschen, die in der Vorwoche Symptome der Covid-19-Erkrankung aufwiesen, 1.300 mehr als in der Woche davor. Dieser Indikator sei der "verlässlichste, über den die Gesundheitsbehörden derzeit verfügen", um eine Tendenz der Entwicklung der Pandemie ablesen zu können. Zum Vergleich: Mitte Juni wurden in einer Woche nur rund 200 Personen mit Symptomen registriert.

In den vergangenen sieben Tagen mussten in Spanien 953 Menschen wegen Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert werden, 51 kamen neu auf Intensivstationen, 70 starben binnen einer Woche, davon 20 in Aragón, 14 in Madrid, 7 in Andalusien. In der Woche zuvor gab es "nur" 22 Todesfälle.

In Spanien werden derzeit 837 aktive Infektionsherde beobachtet

Die stärksten Anstiege, sowohl bei positiven Testungen wie bei Menschen, die mit Symptomen registriert werden, sind nach wie vor in Madrid (842 positive PCR-Tests binnen 24 Stunden), gefolgt vom Baskenland (545) und Aragón (418) festzustellen. In Katalonien und in Aragón konstatiert Simón dennoch "eine gewisse Stabilisierung, mal abgesehen von einigen aktiven Hot Spots, was belegt, dass Infektionsherde, bei der Anwendung der passenden Maßnahmen beruhigt werden können", so der Chefvirologe der spanischen Regierung. Andalusien meldet 217 neue Fälle, Murcia 53, Valencia 76.

Asymptomatische weniger ansteckend: Schutz verletzlicher Gruppen geboten

Spanien hat derzeit eine Infektionsquote von 56,42 Personen pro 100.000 Einwohnern, die Gesundheitsbehörden beobachten derzeit 837 aktive Infektionsherde von je mindestens vier Personen aufwärts. Simón wiederholte, dass zwar rund 60 Prozent der Neuinfizierten asymptomatische Verläufe aufwiesen, die außerdem weniger ansteckend seien als Menschen, die Symptome zeigen, "aber das Virus ist weiter unter uns" und es gelte, durch Einhaltung der Abstands-, Masken- und Hygieneregeln, "vor allem auch in der Gastronomie und im privaten Umfeld", die Gruppen zu schützen, die besonders verletzlich sind und sich nicht allein schützen können, also Alte und Menschen mit Vorerkrankungen. Das sei ein Gebot einer humanistischen, solidarischen Gesellschaft.

Zu den Entwicklungen des Coronavirus in der Region Valencia / Costa Blanca.
Entwicklung des Coronavirus in der Region Murcia / Costa Cálida.
Zur Entwicklung des Coronavirus in der Region Andalusien / Costa del Sol, Costa de la Luz

Mit klaren und strikten Regeln versucht Spanien den Urlaubern den Aufenthalt im Sommer 2020 so sicher wie möglich zu machen. Dran halten müssen sich Touristen allerdings selbst. Hier die Touristen-Info in Guadalest in der Provinz Alicante.

Update, 13. August, 10:20 Uhr: Frankreich (+2524), Deutschland (+1.226) und Großbritannien (>1.000) berichteten am Mittwoch jeweils neue Höchstwerte bei der Zahl der neu positiv auf das Coronavirus Getesteten. Auf den britischen Inseln starben zudem an einem Tag 77 Menschen an Covid-19, so die dortigen Behörden. Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn nennt die Entwicklung in seinem Land "besorgniserregend."

Spanien meldete am Mittwochabend weitere 1.690 positiv Getestete sowie drei weitere Todesfälle binnen 24 Stunden. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Einlieferungen in Krankenhäuser zu. Bei der neuesten Zahl ist Madrid nicht berücksichtigt, wo sich die Landesregierung einmal mehr nicht an die Meldevorgaben der Zentralregierung hält und dafür "technische Gründe" vorgibt. Außerdem wurde bekannt, dass Madrid zwar einige Dutzend Virus-Agenten der privaten Gesundheitswirtschaft finanziert, gleichzeitig aber 300 weitere, die das Rathaus Madrid angeboten hat, abgelehnt hat.

Die Autonmen Gemeinschaften Aragón, Baskenland, Andalusien und Katalonien sowie Madrid sind die Regionen mit den höchsten Zuwächsen an neuen Infektionen.

Die genaue Aufschlüsselung pro Region und die Gesamtzahlen des Coronavirus in Spanien seit Erfassung lassen sich beim spanischen Gesundheitsministerium nachlesen.

Galicien hat per Dekret das Rauchen auf der Straße und auf Lokalterrassen verboten, wenn nicht ein maßgeblicher Abstand zum Mitmenschen gewährleistet sein kann, der über den sanitären Mindestabstand hinausgeht. Andere Regionen prüfen, diesem Schritt zu folgen.

Update, 12. August, 9:15 Uhr: Das spanische Gesundheitsministerium meldete am Dienstagabend 1.418 neue positive PCR-Tests auf das Coronavirus, die Zahl bewegt sich in der Größenordnung der vergangenen Tage. Spanien registrierte somit seit Beginn der Pandemie 326.612 positive Testungen. Aragón bleibt die Autonome Gemeinschaft mit dem stärksten Zuwachs 448, gefolgt vom Baskenland 243 und Madrid 190 sowie Katalonien mit 100. In den letzten sieben Tagen gab es 64 Covid-19-Todesfälle, davon die Hälfte in Aragón.

Aussagekräftiger für die anhaltende Ernsthaftigkeit der Situation als die Tests sind die Einlieferungen in Krankenhäuser wegen Covid-19. In den vergangenen sieben Tagen betraf das laut Gesundheitsministerium 805 Personen, gegenüber 750 in der Woche davor und 120 in der ersten Juliwoche. 45 davon mussten oder müssen auf Intensivstationen behandelt werden.Das Auswärtige Amt in Berlin hat derweil seine Reisewarnung für Spanien auf die Regionen Madrid und das Baskenland ausgeweitet. Bisher galt die Reisewarnung für die Regionen Navarra, Aragón und Katalonien. Über weitere Regelungen wie Quarantänen für Rückkehrer aus Spanien etc.

Coronavirus Spanien aktuell: Der Überblick 11. August

Update, 11. August, 8:00 Uhr: Spanien meldete am Montagabend 1.486 neue positive PCR-Tests auf das Coronavirus binnen 24 Stunden sowie rund 4.500 seit Freitag. Damit bleiben die täglichen Neuerfassung in der Größenordnung um die 1.500, Spanien damit das Land in Europa mit den meisten Neuinfektionen. Binnen eines Monats habe sich die Zahl der Infizierten in Spanien verachtfacht.

Die Zahl der an Covid-19 verstorbenen Personen stieg laut spanischem Gesundheitsministerium von 22 in der Vorwoche auf 65 in den vergangenen sieben Tagen, insgesamt seit Ausbruch der Pandemie starben nach offiziellen Angaben 28.576 Personen in Spanien an Covid-19. Nach halboffiziellen Erhebungen dürften die tatsächlichen Todesfälle im Bereich zwischen 40.000 und 55.000 Menschen liegen. Das entspräche auch der Übersterblichkeit (excess mortality rate), also dem Mehr an Toten gegenüber dem langjährigen Mittel von März bis Juni, in dem auch Grippewellen und andere Phänomene einkalkuliert sind. Vor allem die etlichen Toten in Altenheimen sowie viele Todesfälle in den ersten Wochen wurden nicht Covid-19 zugeordnet, u.a. weil nicht getestet wurde.

"Das gesellschaftliche Bewusstsein" sei der Schlüssel, damit die Pandemie in Spanien nicht wieder außer Kontrolle gerate, so Dr. Fernando Simón, Virologe und Chef des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung vor den Medien am Montagabend. Es sei sinnvoll, sein Leben für eine Weile auf "eine stabile soziale Gruppe zu beschränken". "Heute mit der Familie, morgen mit einer Gruppe Freunden, morgen mit einer anderen" sein, würde fraglos das Risiko erhöhen, das Virus weiterzutragen.

Simón ergänzte: Auch wenn die Mehrzahl der Tests asymptomatisch Infizierte aufspüre, seien diese doch ansteckend und könnten Risikogruppen anstecken "und tun dies bereits auch". Die erhöhte Zahl an Menschen, die wegen des Coronavirus in Krankenhäusern und auch auf Intensivstationen behandelt werden müssen, belege das. In Zaragoza (Aragón) errichtet das Militär bereits wieder ein Feldlazarett, um dem steigenden Bedarf Herr zu werden. Spanienweit liegen derzeit rund vier Mal so viel Menschen wegen Covid-19 im Krankenhaus wie vor einem Monat.

Katalonien und Madrid sowie Aragón sind nach wie vor die spanischen Hot Spots der zweiten Welle des Coronavirus in Spanien, auch wenn es diese zweite Welle offiziell nicht geben soll. Außerdem wiederholt sich, was schon in der ersten Welle beobachtet wurde: die Fragilität der Altersheime. Allein der Region Valencia sind 18 Einrichtung aktuelle mit Covid-19-Fällen bei Bewohnern und Personal konfrontiert, davon 9 in der Provinz Alicante.

Die Region Valencia (Provinzen Castellón, Valencia, Alicante) registrierte am Montag 629 neue Fälle, davon 70 Prozent ohne Symptome, aber, wie berichtet, mit Ansteckungspotential. Derzeit sind in der Region mit rund 5 Millionen Einwohnern 183 Menschen wegen Covid-19 in Krankenhäusern, davon 54 in der Provinz Alicante.

Fernando Simón hat sich für eine "unabhängige Evaluation" des Managements der Pandemie durch in- und ausländische Experten ausgesprochen, die nur nützlich sein könne. Außerdem befürwortet er die Einrichtung einer Fachausbildung für das "Seuchenmanagment". Die Vergabe der Virus-Agenten, die den Kontakten von Infizierten nachgehen sollen, an private Anbieter, wie gerade in Madrid geschehen, kommentiert Simón zurückhaltend. "Am Ende muss es effizient sein, auch wenn ich das öffentliche System bevorzuge".

Seit Montag, 13. Juli, gilt auch in der Region Murcia Maskenpflicht.

Update, 9. August, 18:00 Uhr: Fast alle Schengen-Staaten raten mittlerweile von Reisen nach Spanien oder einige Regionen in Spanien ab oder warnen dezidiert davor. Die Dynamik der Coronavirus Neuinfektionen in Spanien beschleunigt sich derweil. Offizielle Zahlen für ganz Spanien gibt es zwar erst wieder am Montagnachmittag, aber einige Regionen haben bereits am Wochenende Beunruhigendes gemeldet:

Coronavirus Spanien aktuell: Der Überblick 9. August

  • Madrid ist seit Samstag, 8. August, wieder die Region mit den meisten aktiven Coronavirus-Fällen in Spanien.
  • Die Belegung der Krankenhäuser in der Region Aragón liegt bereits wieder bei 50 Prozent der Werte vom April.
  • Katalonien meldet 1.091 neue positive PCR-Tests von Freitag auf Samstag sowie 7 Todesfälle binnen 24 Stunden aufgrund von Covid-19.
  • In Katalonien liegen derzeit 110 Patienten wegen Covid-19 auf Intensivstationen (UCI).
  • In Andalusien werden mit Stand Sonntag 108 Infektionsherde mit zusammen 1.068 Fällen gezählt, zwei Covid-Todesopfer werden aus Almería gemeldet. Mehr zur Lage Coronavirus in Andalusien.
  • Auf Tenerifa, Kanarische Inseln, wurde ein Strand evakuiert, auf dem Jugendliche ein Corona-Ansteck-Zeltlager abhielten. Die Polizei erstattete Strafanzeige gegen 62 Personen.
  • 342 neue Infektionen meldet das Baskenland, die Mehrzahl davon in der Provinz Viscaya.
  • In Alicante musste die Polizei Boots-Flüchtlinge, die in eine Quarantäne gebracht werden sollten, vor fremdenfeindlichen Übergriffen schützen.
  • In der Region Valencia haben sich die täglichen positiven Coronavirus-Tests binnen 7 Tagen verdoppelt. Mehr Aktuelles zur Entwicklung Coronavirus an der Costa Blanca sowie zu den Daten mit Super-Spreadern in Murcia / Costa Cálida.
  • Spanische Wissenschaftler stellen eine viel höhere Virenbelastung und Infektiösität von asymptomatisch Getesteten fest als bisher angenommen.
  • Rund 50 Prozent der in Krankenhäusern behandelten Covid-19-Patienten leiden unter langfristigen neurologischen Schäden, so eine Studie aus Madrid.
Die Fallzahlen in Spanien steigen wieder deutlich an, nicht zuletzt weil mit einer stark erhöhten Testfrequenz jetzt auch asymptomatische Infizierte vermehrt aufgespürt werden.

Update, 7. August, 18.00 Uhr: Spanien meldet am Freitagnachmittag 1.895 neue Coronavirus-Fälle binnen 24 Stunden, die meisten wiederum in Aragón, Katalonien, Madrid und im Baskenland. Einige Provinzen, darunter zum Beispiel Alicante an der Costa Blanca, haben ihre Fallzahlen binnen 24 Stunden verdoppelt, wenn auch noch auf niedrigem absoluten Niveau (82). Die Zahl der Infektionsherde hat landesweit die 600 überschritten, die meisten sind im familiären Bereich angesiedelt.

Erstmeldung, 7. August, 12.00 Uhr, Madrid - Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Von einer zweiten Welle des Coronavirus in Spanien zu sprechen, weigert sich der Chef des Krisenstabes der Regierung, Fernando Simón, weiter beharrlich. Und das trotz der Dynamik des Coronavirus in Spanien in den letzten Tagen. Von einer zweiten Welle sei nur bei einer "allgemeinen, unkontrollierten Verbreitung" auszugehen, "daher sollte man mit dem Begriff vorsichtig" sein.

Die Gesundheitsministerin des Baskenlandes, Nekane Murga, widerspricht: "Ohne Zweifel sind wir mit einer zweiten Welle der Coronavirus-Epidemie konfrontiert", sagte sie am Donnerstag als sie 338 neue Fälle an nur einem Tag im Baskenland mit nur 2,1 Millionen Einwohnern verkünden musste, die höchste Zahl seit Ende des Notstandes in Spanien am 21. Juni. "Das Virus arbeitet sich Stück für Stück vor", so Murga.

Coronavirus Spanien im August: Fast 600 Infektionsherde und 1.700 neue Infektionen täglich

Die nationalen Zahlen unterstützen eher die baskische These als jene des zentralen Krisenstabes in Madrid. Binnen einer Woche hat man 100 weitere Infektionsherde (je ab vier Personen) in Spanien registriert, insgesamt sind es nun knapp 600 Cluster und am Donnerstag meldet Madrid 1.683 neue positive Coronavirus-Tests, nach 1.772 am Mittwoch.

Die Mehrzahl der Fälle wird in Aragón, Madrid, Katalonien und dem Baskenland registriert. Doch auch in den Ferienregionen auf den Balearen, den Kanaren, mehr aber noch entlang der spanischen Festlandküste in Andalusien, Murcia sowie der Region Valencia beobachtet man jeden neuen Cluster mit Argusaugen. Ein etwas größerer Ausbruch könnte das endgültige Ende der ohnehin schon mehr als dürftigen Tourismus-Saison bedeuten. Denn bleiben schon immer mehr Ausländer weg, würden dann auch die Spanier aus dem Inland die Küste meiden.

Zwar sind die Fallzahlen zum Beispiel auf den Balearen oder entlang der Costa Blanca noch gering, die Zahl der Cluster wächst aber immer schneller. Sorgen machen auch wieder die Altersheime, in der Provinz Alicante gab es in der letzten Woche neue Fälle in acht Einrichtungen.

Zu den Entwicklungen des Coronavirus in der Region Valencia / Costa Blanca.
Entwicklung des Coronavirus in der Region Murcia / Costa Cálida.
Zur Entwicklung des Coronavirus in der Region Andalusien / Costa del Sol, Costa de la Luz etc.

Sicher, fast alle Experten und Politiker in Spanien sind sich einig: Viel mehr PCR-Tests, leichtere Verläufe, ein jüngeres Durchschnittsalter, weniger Krankenhausaufenthalte und bedeutend weniger Todesfälle machen die Situation längst nicht mit jener Katastrophe vergleichbar, die Spanien von März bis Mai durchleben musste. Aber die Dynamik ist beachtlich und die Lage kann bald wieder kippen.

Burgos, Valladolid: Spanische Gemeinden wieder unter Quarantäne

Aufgrund der Daten und der teils explosionsartigen Zuwächse der Covid-Fälle beginnen mehrere Regionen wieder mit Quarantänen für ganze Orte. Wie zuvor schon Gemeinden in der Provinz Lérida in Katalonien, hat jetzt auch Castilla y León am Donnerstag den 32.000 Einwohner-Ort Aranda de Duero in der Provinz Burgos abgeriegelt, der 16 Infektionsherde mit über 300 Fällen beherbergt.

Bereits am Mittwoch wurden Íscar und Pedrajas de San Esteban in Valladolid unter Quarantäne gestellt, für die Bürger gilt nun wieder quasi die Phase 1 des Deeskalationsplanes. Das heißt: Zu Hause bleiben, nur zur Arbeit, für notwendige Besorgungen und einmal Spaziergang oder Sport am Tag darf man vor die Tür. Lokale werden teilweise wieder geschlossen. Die Stadt verlassen oder betreten darf niemand ohne behördliche Autorisation. Zumindest für 14 Tage, dann sehe man weiter.

Druck auf Krankenhäuser in Spanien steigt wieder

In Aragón, das neben Madrid und Katalonien die höchsten Neufälle berichtet, beobachtet man mit großer Sorge, dass das Durchschnittsalter der Neuinfizierten wieder ansteigt und damit zwangsläufig auch der Druck auf die Krankenhäuser. Laut Fernando Simón liegen mit Stand Donnerstag, 6. August, 2.647 Menschen in Spanien mit Covid-19 in Krankenhäusern, 673 mehr als eine Woche zuvor. 292 davon befinden sich auf Intensivstationen, allein 41 kamen binnen einer Woche hinzu. 22 Personen starben in der vergangenen Woche an den Auswirkungen des Virus.

Die Coronavirus-Zahlen in Spanien sind schon wieder zum Haare raufen, doch der Chef des Krisenstabes, Fernando Simón erklärt geduldig und ohne Panikmache die Hintergründe.

In der Region Aragón liegen die Einweisungen in Hospitäler wegen Covid-19 Anfang August zehn mal höher als vor einem Monat, 540 zu 58, die Intensivstationen sind in den großen Krankenhäusern schon wieder bei einer Belegung von 40 bis 50 Prozent, meldet das regionale Gesundheitsministerium in Zaragoza. Die meisten Fälle betreffen Menschen, die sich innerhalb der Familie, bei Festen oder in Lokalen ansteckten. Das Gesundheitsministerium startete deshalb eine Kampagne: "Reduziere die Zahl der Menschen, mit denen Du dich triffst."

Ohne Symptome aber gefährlich: Was ist in Madrid los?

Fernando Simón bleibt der Ruhepol in der zweiten Welle: Im März waren nur rund 10 Prozent der Fälle ohne Symptome, jetzt seien es meist über 50 Prozent. Die Gesundheitssysteme seien daher nicht überlastet. Doch die Unterschiede aufgrund der Testdichte sind enorm, es ist praktisch unmöglich für die Madrider Einsatzzentrale ein schlüssiges Bild zu zeichnen. Der Anteil der positiv Getesteten Menschen ohne Symptome liegt im Baskenland diese Woche bei über 80 Prozent, in Madrid nur bei 15 Prozent. "Wir besprechen uns mit den Kollegen in Madrid, denn wir wollen wissen, was da los ist", so der Virologe Simón.

Die Entwicklung der Fallzahlen in Spanien werden auch im Ausland argwöhnisch beäugt. Belgien, Österreich, Deutschland, Frankreich haben teilweise oder umfängliche Reisewarnungen für Reisen nach Spanien ausgesprochen, die Schweiz und Großbritannien verhängten bereits eine Quarantäne über Rückkehrer aus Spanien, Deutschland lässt Urlauber aus Spanien bei der Einreise testen.

Wird Spanien ungerecht behandelt? Reisewarnungen und Quarantänen im EU-Ausland

Mit Händen und Füßen wehren sich Land und Tourismusindustrie in Spanien gegen eine bereits verlorene Saison. Die Kanarischen Inseln versichern die Touristen, zahlen im Falle einer Infektion die Behandlung, den verlängerten Aufenthalt und den Rückflug. Die Region Valencia hat ein Hotel in Benidorm angemietet, um positiv Getestete unterbringen zu können. Nur abreisen sollen sie nicht vor der Zeit.

Einige Beobachter sprechen davon, dass Spanien aus Eigeninteresse der europäischen Länder als Coronavirus-Schmuddelkind hingestellt werde, das ist ein "abgekartetes Spiel" erbost sich ein Vertreter der Tourismusbranche. Die Zustände im Land seien keineswegs unsicherer als anderswo, Spanien bemühe sich nur um mehr Transparenz, verbreite dabei aber ein chaotisches Bild. Das nutzten die Regierungen der europäischen Nachbarn, um den Tourismus in den eigenen Ländern zu halten. Man verweist auf Aberdeen, das gerade in den Lockdown musste. Aber Aberdeen ist eben kein Sommerziel für Touristen.

Spanien, das sonst für Europa als billiger Strand und Kellner dienlich sein soll, wird so doppelt bestraft, erst durch die Pandemie, jetzt durch den erneuten Einbruch des Tourismus und dann muss es sich noch von EU-Partnern anpatzen lassen, weil es gemeinschaftliche Hilfen in Anspruch nimmt.

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