Einreise in Spanien

Spanien-Urlaub nach Coronavirus-Notstand: Ab Juli dürfen Touristen wieder einreisen

  • vonMarco Schicker
    schließen

Ab 1. Juli dürfen Touristen aus dem Ausland wieder in Spanien Urlaub machen. Ministerpräsident Pedro Sánchez hält an den Auflagen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie fest.

  • Coronavirus: Grenzen für Touristen aus dem Ausland werden ab Juli geöffnet - ohne Quarantäne.
  • Armut durch Coronavirus: Grundeinkommen für Millionen der ärmsten Spanier ab Juni beschlossen.
  • Auto-Corsos in vielen spanischen Städten gegen die Coronavirus-Politik der Regierung.
  • La Liga kickt wieder: Spanische Fußball-Liga startet nach Coronavirus-Pause ab 8. Juni.
  • Deeskalation aus Coronavirus-Notstand: Ab Montag sind alle Regionen in Phase 1, viele schon in Phase 2 der Deeskalation. Valencia und zwei Provinzen in Andalusien warten noch.

Madrid - Der ausländische Tourismus wird „ab Juli wieder möglich sein“, erklärte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez im spanischen Fernsehen. Kurz darauf konkretisierte seine Außenministerin, Arancha González Laya, den 1. Juli als den Termin, ab dem Touristen aus dem Ausland ohne Quarantäne wieder nach Spanien einreisen dürften. Immer unter dem Vorbehalt, dass die Entwicklung bei den Fallzahlen keinen größeren Rückschlag erfährt. Zudem gibt es für Reisende im Sommer 2020 eine Reihe von Regeln für Reise und Aufenthalt in Spanien zu beachten, die zudem weiter der Lage angepasst werden, sich also bis Juli noch ändern können.

„Die Zeit ist gekommen, ich kann Ihnen versichern: es wird eine Tourismussaison in Spanien in diesem Sommer geben und ich ermuntere die Gastronomie- und Hotelbetriebe, sich schon jetzt vorzubereiten, um in wenigen Tagen ihre Arbeit wieder aufzunehmen und ich ermutige auch die Spanier, jetzt ihren Urlaub zu planen“, sagte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bei seiner allsamstäglichen Fernseh-Ansprache.

Coronavirus und Reisen: Tourismus aus dem Ausland ab Juli

Ausländische Touristen dürfen ab dem Juli wieder in Spanien ihren Urlaub verbringen.

„Wir werden garantieren, dass die Touristen keinerlei Risiko wegen des Coronavirus ausgesetzt werden, sie uns aber auch keine Risiken mitbringen. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Gesundheit und Geschäft. Der spanische Tourismus hat jetzt zwei neue Qualitätssiegel: ökologische Nachhaltigkeit und gesundheitliche Sicherheit.“

Sánchez Äußerungen sind so zu verstehen, dass nach derzeitigem Entwicklungsstand ganz Spanien bis Ende Juni in Phase 3 des Deeskalationsplans angekommen und somit reif für die "neue Normalität" sein wird. Das hieße, dass die Grenzen wieder geöffnet, Flüge wieder regluär aufgenommen und die derzeitige 14-Tage-Quarantäne aufgehoben würde und alle Betriebe, auch Campingplätze, wieder öffnen könnten.

Auftritt von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez im Fernsehen:

Diese Öffnung würde durch verschiedene Maßnahmen gesundheitlich abgesichert, etwa mit Tests, Abstandsregeln, Maskenpflicht, Limits bei der Belegung von Hotels, Vorgaben bei der Nutzung von Stränden und Chiringuitos sowie Einschränkungen bei der Kapazität von Transportmitteln. Details dazu sollen folgen. Offenbar strebt Sánchez an, dem Land als Vermächtnis des Notstandes einheitliche Grundregeln für die Touristensaison zu vermachen, während Regionen und Kommunen darauf aufbauend die Detailpläne anpassen sollen.

Spaniens und Sánchez' Taktik war die Vorsicht. Der Premier hat dabei hoch gepokert und sich innenpolitisch viel Unmut zugezogen. Während andere Länder wie Griechenland oder Italien schneller Strände und Tourismusindustrie öffneten, aber womöglich zu Beginn der Hochsaison mit einem Rückfall konfrontiert werden, könnte Spanien dann als sichere Covid-19-freie Urlaubsregion punkten. So das Kalkül.

Coronavirus scheint weitgehend unter Kontrolle: Spanien kriegt die Kurve

Es habe sich gezeigt, dass der von der Verfassung vorgesehene Alarmzustand und das zentrale Kommando wirksam waren, es seien die richtigen Maßnahmen gewesen, so Sánchez in seiner TV-Ansprache: „Hier sind die Daten der Epidemilogen“, sagte Sánchez und verwies auf eine Reproduktionsquote des Sars-Cov-2 von 0,2 (Stand: 23. Mai). „Das Ziel war es, die Kurve zu biegen, das spanische Volk hat das gemeinsam erreicht, es muss das Erreichte nun auch gemeinsam schützen“, warnte Pedro Sánchez vor dem realistischen Risiko eines Rückfalls.

Dass die Zahlenspiele der Regierung mit Vorsicht zu genießen sind, liegt indes nicht nur an der mittlerweile etwas erhellten Dunkelziffer, sondern auch an der Unzuverlässigkeit einiger Autonomer Regionen. So kamen aus Katalonien zwei Tage lang gar keine Zahlen, heute meldete Barcelona indes 650 Tote mehr als bisher, die man aus Versehen und fälschlicherweise als "unter Verdacht" und nicht Covid-19 zugeordnet hatte, das aber nun doch müsse.

Proteste am Lenkrad: Hupkonzerte gegen Regierung Sánchez, La Liga stößt wieder an

"Das Virus ist noch immer da und wir müssen vorsichtig bleiben", mahnte Sánchez in seiner Ansprache. Der Sozialist kritisierte die Opposition, die versuche, diesen Kampf zu politisieren. Die Beweggründe seien objektiv und von der Gesundheitsituation geleitet gewesen.

Tausende Autofahrer sahen das am Samstagmittag anders, als sie sich in etlichen spanischen Städten in Autocorsos versammelten, um die Regierung mit Hupkonzerten zu vertreiben. Denn der Rücktritt der Regierung ist das Hauptziel dieser Protestbewegung, die maßgeblich von der rechtsextsremen Partei Vox befeuert, aber auch von anderen rechten Gruppen sowie der PP begrüßt wird. Die Bilder zeigten lange Autokonvois, vor allem in Madrid, wo sich etliche Krankenwagen im Einsatz nur mühsam einen Weg bahnen konnten.

Ob die Terrassenöffnungen in Madrid ab Montag und die Ankündigung von Premier Sánchez, dass ab 8. Juni die Fußballer der spanischen Profiliga La Liga wieder kicken werden, die Proteste abflauen lassen, wird zu beobachten sein.

Spaniens Fußballer von La Liga bereiten sich auf den Saisonstart am 8. Juni vor.

Operation geklückt, Patient tot? Wirtschaftliche Wiederbelebung soll sozial und ökologisch sein

Sánchez betonte, dass die EU-Hilfsgelder, aber auch die landeseigenen Hilfspakete, vor allem in den ökologischen Umbau investiert werden sollen. Perspektivisch will Spanien zu den Ländern gehören, die ihren Energiebedarf zur Gänze aus erneuerbaren Quellen speisen.

„Es bleibt viel zu tun, lebenswichtige Branchen müssen wiederbelebt werden. Wir wissen, dass es einen Teil Spaniens gibt, der trotz der Angst und des Leids, die letzten Monate in relativer Sicherheit überstanden hat. Aber es existiert auch ein anderes Spanien, mit Arbeitsplätzen in Gefahr, ein Spanien der Familien, die für Armut anfällig sind“, erklärte der Regierungschef.

Ab Juni: Spanien beschließt Grundeinkommen für 850.000 Familien

Daher, so Sánchez, werde bei der kommenden Kabinettssitzung das Grundeinkommen (ingreso minimo vital, IMV) beschlossen werden. Dieses Grundeinkommen wird über die Sozialversicherung, Seguridad Social, beantragt und ausgezahlt werden. Die aktive Teilnahme am Arbeitsmarkt sei keine Bedingung für die Auszahlung, sondern allein die Bedürftigkeit des Haushaltes und der darin lebenden Personen.

Es „ist eine unbefristete Subvention, von der rund 850.000 Haushalte profitieren werden.“ Er habe zu Anfang gesagt, dass er niemanden zurücklassen werde und das löse er so ein, versicherte Sánchez.

Danach wird das Einkommen und das verfügbare Vermögen der Haushalte, die den Antrag stellen, berechnet und dann die Differenz bis zum Erreichen des Minimaleinkommens (Armutsgrenze) gezahlt. Sánchez erklärte weiter, dass die Auszahlungen schon im Juni beginnen werden und im Jahr den Staatshaushalt rund zehn Milliarden Euro kosten werden. Er werde aber nicht zusehen, wie bis zu zwei Millionen Kinder in Spanien in Armut leben oder sich an den Ausgabestellen für Lebensmittel lange Schlangen bilden.

Das ganze Land in Phase 1 oder 2: Valencia und Teile Andalusiens hinken hinterher

Ab Montag ist ganz Spanien zumindest in der Phase 1 der Deeskalation. Also auch die Problemgebiete in und um Barcelona und die Region Madrid mit der spanischen Hauptstadt, dern Verbleib in Phase 0 bzw. 0,5 viel politisches Topfschlagen verursachte.

Während 42 Prozent der Spanier - darunter auch die Region Murcia - ab Montag bereits die größeren Freiheiten der Phase 2 genießen dürfen, wird der Rest noch in Phase 1 bleiben. Darunter sind die andalusischen Provinzen Málaga und Grandada sowie die gesamte Comunidad Valenciana, die auf eine Bewerbung für Phase 2 verzichtet, um dann mit allen Provinzen in selbige wechseln zu können - wohl auch, um das Übergangschaos etwas zu verringern. Regierungschef Sánchez lobte explizit Valencia für diese Besonnenheit.

  • Marco Schicker
    schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare