Wissenschaft gegen Coronavirus

Frühwarnsystem aus Fäkalien: Forscher in Spanien spüren Coronavirus im Abwasser nach - Pilotprojekt in Valencia

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Fäkalien unter High-Tech-Aufsicht: Die Überwachungszentrale von Global Omnium in Valencia, das nach dem Coronavirus im Abwasser forscht.
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Forscher in Spanien und anderen Ländern spüren schon seit einiger Zeit dem Coronavirus im Abwasser ihrer Einwohner nach. Am Donnerstag hat die Landesregierung Valencia das Projekt Sars Go Analytics mit dem Wissenschaftsministerium in Madrid auf den Weg gebracht. Laufen die Tests gut, könnte das Verfahren landesweit zur Früherkennung neuer Covid-19 Infektionsherde dienen.

  • Genspuren des Coronavirus im Abwasser geben früh Aufschluss über Infektionsherde.
  • Pilotprojekt in Valencia könnte zu Covid-19-Frühwarnsystem in ganz Spanien führen.
  • Forscher können Coronavirus bis auf Wohnblöcke genau zuordnen.

Valencia/Madrid - Jetzt interessiert sich das Wissenschaftsministerium auch noch für unser Abwasser. Konkret für das, was wir durch die Toilette spülen. Aber die Forscher tun das für einen guten Zweck: „Dieses Instrument wird uns erlauben, recht früh die Anwesenheit des Coronavirus zu erkennen“, sagte Valencias Ministerpräsident Ximo Puig.

Coronavirus schnell in Altersheimen oder Hotels aufspüren

Dabei ist der Ansatz nicht neu. Seit drei Jahren nehmen valencianische Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit den Überwachern der Wasserqualität in Valencia, Global Omnium, Proben aus der Unterwelt Valencias, um genetische Fragmente von Viren verschiedenster Art aufzuspüren und zu analysieren.

Valencias Ministerpräsident präsentiert das Projekt Sars Go Analytics (spanisch):

Die Daten aus dem Untergrund lassen eine Schätzung über die Virenkonzentration zu und so auch Rückschlüsse darauf, welcher Anteil der Bevölkerung welche Viren in sich trägt. Die Forscher und Global Omnium verfügen mittlerweile über eine solche Präzision, dass sie Veränderungen nicht nur auf Stadtviertel, sondern auch auf Wohnblöcke herunterbrechen können. Das macht Hoffnung, im Zuge der Deeskalation des Notstandes aber auch nach überstandener Coronavirus-Krise schnell zu erfahren, falls Krankenhäuser, Altersheime, aber auch Hotels zu Infektionsherden werden könnten.

Abwasseraufbereitungsanlagen sind auch gigantische Datenspeicher. Forscher suchen hier nach Viren.

Das geplante Vorgehen sieht dann so aus, dass man durch massive Tests in der alarmierten Gegend die Covid-19-Infizierten findet und isoliert. Vor allem aber hofft man, durch die frühe Erkennung schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle künftig stark verringern zu können. Zumal man noch eine Weile auf einen Impfstoff warten müssen wird, auch wenn Legionen von Forschern weltweit danach suchen.

Erfolgreiche Vorstudien in Murcia und Valencia

Laut Regionalpräsident Puig werden die Studien nun direkt vom CSIC, dem staatlichen biomedizinischen Institut überwacht, man beginne mit der „sofortigen Monitorisierung auf täglicher Basis“ in 22 ausgewählten Stadtteilen von Valencia mit einem Einzugsgebiet von 1,2 Millionen Menschen. Stichprobenartig will man auch in Castellón und Alicante sowie in touristisch wichtigen Zonen wie Benidorm, Torrevieja, Calp oder Dénia tätig werden.

In Vorstudien in Murcia und Valencia hat man bereits einen bemerkenswerten Erfolg erzielt. Dort wurden Gensequenzen im Abwasser gehäuft gemessen, 16 Tage bevor in der Gegend der erste Infizierte per PCR-Test bestätigt wurde. In Valencia erreichte die RNA-Konzentration im Abwasser ihren Höhepunkt ebenfalls zwei Wochen vor dem registrierten Infektionshöhepunkt.

Entscheidungsgrundlage für Deeskalationsplan

„Die Methode scheint eine belastbare Alternative zu sein, um Entscheidungen hinsichtlich der Phasen bei der Rückerlangung der gesellschaftlichen Aktivitäten zu treffen“, urteilt Wissenschaftsminister Pedro Duque und ergänzt, dass man bei Erfolg des valencianischen Pilotprojektes ein „Netz landesweiter Beobachtung“ schaffen wolle.

Das Projekt von Global Omnium sorgt spanienweit für Schlagzeilen:

Die Wasserüberwacher von Global Omnium und dem angeschlossenen Labor Gamaser beobachten bereits seit zehn Tagen genauer, was die Valencianer so absondern und vergleichen verschiedene Stadtteile und Straßen in ihrer Entwicklung. Durch das Abgleichen mit Daten zum Beispiel aus Krankenhäusern, wo man die Zahl der Infizierten und ihren Krankheitsstand kennt, wird die Analyse immer genauer. Dabei kann man auch auf Daten des CSIC zurückgreifen, das schon seit Jahren der RNA von Hepatitis A im Abwasser nachspürt.

Auch Datensätze aus anderen Ländern wie den Niederlanden oder Österreich helfen bei der Justierung. Auf diese Weise können Fehlerquellen und abweichende Faktoren minimiert werden. Wie sagte ein berühmter deutscher Kanzler einst: Wichtig ist, was hinten rauskommt...

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