Diskos öffnen nach Coronavirus-Pause

Covid-19 und spanisches Nachtleben: Feiern mit Abstand auf Ibiza

  • vonJudith Finsterbusch
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Diskotheken und Pubs dürfen in Phase 3 des Deeskalationsplans wieder öffnen - allerdings mit strengen Auflagen. Die Betreiber sind wenig begeistert und fürchten um ihr Geschäft.

  • In Phase 3 der Coronavirus-Deeskalation dürfen Pubs und Diskotheken öffnen.
  • Tanzflächen sollen wegen Covid-19 Tischen und Stühlen weichen.
  • Großteil der Lokale wird erstmal geschlossen bleiben.

Ibiza-Stadt - Sie sind legendär und überall auf der Welt bekannt: In den riesigen Diskotheken auf Ibiza tummeln sich im Sommer tausende Feierwütige, darunter nicht selten Stars und Sternchen. Makrodiskotheken wie das Pacha haben Geschichte geschrieben und gelten als Legenden im spanischen und internationalen Nachtleben. Doch die spektakulären Shows sind in ganz Spanien gähnender Leere gewichen, das Coronavirus hat auch den Nachtschwärmern einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Phase 3 dürfen Pubs und Diskotheken wieder öffnen.

InselIbiza
HauptstadtIbiza-Stadt (Eivissa)
Fläche572 km²
Bevölkerung147.914 Einwohner (Stand: 2019)
AmtssprachenSpanisch, Ibizenk
GemeindenIbiza-Stadt, Santa Eulària des Riu, Sant Josep de sa Talaia, Sant Antoni de Portmany

Eigentlich war das im Deeskalationsplan der Regierung so nicht vorgesehen, an das Nachtleben und damit überfüllte Tanzflächen und feucht-fröhliches Anbandeln wollte niemand so schnell wieder denken. Doch zuletzt häufen sich die Trinkgelage der Jugend, Hunderte folgen Aufrufen in Sozialen Netzwerken, treffen sich mangels Alternativen unter freiem Himmel zum Feiern. Botellones nennen Spanier diese Trinkgelage, zuletzt schickte die Polizei 300 junge Leute in Pamplona wieder nach Hause. Gleichzeitig machen die Betreiber von Bars und Restaurants Druck.

Bilder wie dieses dürften nicht zum Sommer 2020 gehören: Ein voller Club am Ballermann auf Mallorca.

Regierung gibt nach: Nachtleben wieder erlaubt

Deshalb gab die Regierung nun nach und erlaubt die Wiedereröffnung in Phase 3 des Deeskalationsplans zur Eindämmung des Coronavirus. Allerdings mit strengen Auflagen: So dürfen die Etablissements nur zu einem Drittel gefüllt sein, tanzen ist tabu. Tanzflächen sollen stattdessen für das Aufstellen von Tischen und Stühlen genutzt werden. Dort gelten dann dieselben Regeln wie in Bars und Restaurants: also unter anderem zwei Meter Sicherheitsabstand zwischen den Tischen, Einweg-Tischdecken und häufiges Desinfizieren. Für die Makrodiskotheken auf Ibiza ebenso ein Alptraum wie für den Ballermann auf Mallorca - zumal die Regionalregierung der Balearen verfügt hat, dass die Pubs und Diskotheken auf den Inseln weiterhin geschlossen bleiben - obwohl die Balearen bereits in Phase 3 sind.

Die Vereinigung der Unternehmen aus dem Nachtleben, Spain Nightlife, hat die Entscheidung der Zentralregierung zwar begrüßt. Nur ein Drittel der Gäste zuzulassen würde die Betreiber aber zu sehr einschränken. „Die meisten Unternehmer werden ihre Läden weiterhin geschlossen halten, bis die zulässige Besucherzahl erhöht werden darf“, heißt es in einer Stellungnahme. Vorerst ist also höchstens vereinzelt Fiesta für einige wenige Nachtschwärmer angesagt, eimerweise Sangriatrinken am Ballermann auf Mallorca dürfte diesen Sommer ebenso wenig drin sein wie wabernde Tanzmassen in den Diskotheken. Keine Frage, der Urlaub in Spanien wird dieses Jahr anders.

Milliardengeschäft mit Nachtleben verloren

Die Party ist vorbei: Feiern, tanzen, anbandeln ist mit Coronavirus nicht erwünscht.

15.000 Unternehmen machen ihr Geschäft in Spanien mit dem Nachtleben, zahlende Kunden sind nicht zuletzt Touristen. Seit drei Monaten ist jedoch permanent Zapfenstreich, Urlauber aus dem Ausland dürfen erst ab Juli wieder ins Land. 25.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, acht Milliarden Euro sind den Unternehmern auf Ibiza, Mallorca und in ganz Spanien nach eigenen Angaben seit Verhängung der Ausgangssperre Mitte März bereits durch die Lappen gegangen.

Und wie wird das Nachtleben in der „neuen Normalität“ aussehen? Momentan noch sehr ungewiss. In Südkorea oder China ist Fiebermessen beim Türsteher angesagt, tanzen nur unter Einhaltung des Sicherheitsabstands erlaubt. Mehr Abstand bedeutet weniger Gäste und somit weniger Einnahmen. Bis sich das Pacha und Co. auf Ibiza wieder Star-DJs wie David Guetta leisten können, wird es vermutlich noch dauern. Die Saison 2020 haben die Unternehmer größtenteils abgeschrieben - entscheidend dürfte der Sommer 2021 sein. Tickets dafür gibt es bereits zu kaufen.

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