„Der Präsi hat gesagt …“

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Palma de Mallorca – dpa/ck. Im Prozess gegen Königsschwester Cristina und 16 weitere Angeklagte hat einer der Hauptbeschuldigten Verfehlungen eingeräumt. Der frühere spanische Umweltminister Jaume Matas gab am 11. Februar zu, dass er als Regierungschef der Balearen in unzulässiger Manier Gelder für die Stiftung Nóos freigegeben habe. „Ich nehme die Schuld auf mich“, sagte der konservative Ex-Politiker in Palma de Mallorca vor Gericht.
Die Stiftung Nóos war von Cristinas Ehemann Iñaki Urdangarin und einem Geschäftsfreund ins Leben gerufen worden. Sie sollen rund sechs Millionen Euro Steuergelder unterschlagen haben. Der geständige Buchhalter von Nóos, Marco Antonio Tejeiro, Bruder von Miguel Tejeiro, entlastete die Infantin am Dienstag. Cristina ist angeklagt, ihrem Mann Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Sie streitet das ab. Die Vernehmung Cristinas sollte auf den 19. Februar vorgezogen werden, wegen Verzögerungen bei den Anhörungen ist der Termin jetzt offen. Matas sagte aus, er habe die Gelder an die Stiftung gezahlt, weil er erreichen wollte, dass die Regionalregierung der Balearen in gute Beziehungen zu Urdangarin und zum spanischen Königshaus tritt. Der 61-jährige Ex-Politiker war bereits zuvor in zwei Korruptionsprozessen verurteilt worden. Gegen ihn sind noch weitere Verfahren anhängig. Er war mit der Staatsanwaltschaft übereingekommen, Betrug und Vorteilsnahme zuzugeben, um Hafterleichterungen zu erreichen.
Dass keine Ausschreibungen für öffentliche Aufträge erfolgten, sondern auf höheren Befehl des Ministerpräsidenten an Nóos gingen, bestätigte der ehemalige Geschäftsführer der balearischen Tourismusagentur Ibatur, Juan Carlos Alia. Ihm wurde vom Generaldirektor für Sport, José Luis Ballester, genannt Pepote, mitgeteilt: „Der Präsi hat gesagt, Ibitur muss die Merchandising-Kosten übernehmen und den Vertrag mit denen machen.“ Alia tat, wie ihm befohlen und beauftragte die Nóos-Stiftung, die horrende Preise für ihre Vermittlung nahm. Die Veruntreuung öffentlicher Gelder gab Matas nicht zu. „Ich bin für die Anordnungen verantwortlich, nicht dafür, wie sie ausgeführt wurden“, sagte er und schob die Schuld Pepote zu. Die Staatsanwaltschaft fordert für Matas deshalb noch immer elf Jahre Haft.

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