Ein Mann mit Schutzmaske geht am Strand spazieren
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Spazierengehen am Strand - wie hier in El Campello - ist ohne Kinder eigentlich nicht erlaubt.

Erster Tag in „Freiheit“

Endlich wieder raus: Spanier zieht es am ersten Lockerungstag ins Freie

  • vonMelanie Strauß
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Es geht endlich wieder raus: Landesweit nutzten die Spanier am Samstag dankbar die Lockerung der Ausgangssperre, um endlich wieder spazieren zu gehen oder Sport an der frischen Luft zu treiben. Größtenteils ging das gesittet zu, es gab aber auch Ärger.

  • Erster Tag in „Freiheit“: Spanier zieht es nach draußen.
  • Trotz strenger Auflagen war zum Teil viel los an den Stränden.
  • Ist „Gehen" Sport?

Madrid - Das breite Lächeln war den Menschen auch versteckt unter dem Mundschutz deutlich anzusehen: Nach fast 50 Tagen strenger Ausgangssperre wegen der Coronavirus-Pandemie ging es am Samstag für die Spanier endlich wieder zum Spazierengehen und Sporttreiben ins Freie. Das ging größtenteils gesittet zu, auch wenn sich vielerorts schon morgens Sportler und Spaziergänger näherkamen als es den Virologen wohl lieb war.

Strandpromenaden wie der Paseo Marítimo in Barcelona füllten sich schon am frühen Morgen mit Radfahrern, Joggern und Spaziergängern. In Madrid sah man vor allem auf den Avenidas wie der Gran Vía oder dem Paseo de la Castellana sehr viele Menschen. Viele standen besonders früh auf. Denn neben örtlichen Beschränkungen und strengen Regeln gibt es zum Genuss der „neuen Freiheit“ auch Zeitfenster. Die meisten Erwachsenen und Jugendliche dürfen nur zwischen 6 und 10 Uhr sowie zwischen 20 und 23 Uhr aus dem Haus - für Senioren und Eltern gelten spezielle Zeiten. Bürger, die älter als 70 sind, dürfen zwischen 10 und 12 sowie zwischen 19 und 20 Uhr raus. Kinder unter 14 können zwischen 12 und 19 Uhr mit einem Elternteil vor die Tür.

Spaziergänger dürfen sich nur bis zu einen Kilometer vom Wohnsitz entfernen, beim Sport darf die Wohngemeinde nicht verlassen werden. Sport muss man unbegleitet treiben, spazieren gehen darf man zwar auch zu zweit, aber nur mit einer Person aus demselben Haushalt.

Verwirrung an den Stränden

An Dénias Strand La Rotas trafen am Morgen Jogger auf Spaziergänger und Hundehalter, Surfer und Schwimmer - wobei Letztere eigentlich gegen die immer noch strengen Auflagen verstießen: Das Baden im Meer und Ausüben von Wassersport ist im Rahmen des Vier-Phasen-Plans noch lange nicht gestattet. Die demonstrativ Präsenz zeigende Polizei zeigte sich in Dénia allerdings größtenteils gnädig und ließ den Menschen den Spaß.

Unklarheit in Dénia: Ist „Gehen“ Sport?

Auch bei der Umsetzung der strengen staatlichen Auflagen, was den Bewegungsradius angeht, zeigte sich Dénia kooperativ: Weil Spaziergänger sich - im Gegensatz zu Sportlern - eigentlich nur in einem Umkreis von einem Kilometer um den Wohnsitz bewegen dürfen, verkündete das Rathaus, auch Gehen sei im Unterschied zum Spaziergang als sportliche Tätigkeit einzuordnen. Im Prinzip macht also jede Gemeinde aus dem Deeskalationsplan, was sie will.

An den Strand oder nicht?

Für Verwirrung sorgte besonders die zum Teil völlig unterschiedliche Handhabung der Gemeinden, was die Nutzung der Strände betraf. Viele Orte hatten bereits vergangene Woche, als Kinder unter 14 Jahren in Begleitung eines Elternteils erstmals wieder ins Freie durften, die Strände für Familien mit Kindern freigegeben. Allerdings eben nur zum Spazierengehen in Begleitung des Nachwuchses.

Auch in El Campello Spaziergänger am Strand

In El Campello zeigten sich am Samstagmorgen zahlreiche Spaziergänger ziemlich unbeeindruckt davon und spazierten trotzdem am Meeresufer entlang. Schließlich war der Strand auch nicht abgesperrt, die Ortspolizei sah zunächst großzügig darüber hinweg. Der Vollständigkeit halber meldete El Campellos Rathaus dann aber gleich, dass Zuwiderhandlung mit 250 Euro bestraft werde und der Spaziergang am Strand grundsätzlich nur mit Kindern erlaubt sei.

Via Twitter wies wiederum Dénia darauf hin, dass Wassersport „nur in gekennzeichneten Bereichen erlaubt sei, um Menschenansammlungen zu vermeiden“, obwohl die Öffnung der Strände - also auch Sonnenbad und Wassersport - laut dem strengen Deeskalationsplan erst in der sogenannten Phase drei, die je nach Entwicklung in den einzelnen Provinzen ab 8. Juni beginnt, wieder erlaubt ist.

Strafen für Volleyball-Spieler und Spaziergänger am Strand hagelte es an Alicantes Playa de San Juan, wie das Rathaus mitteilte, das außerdem darauf hinwies, dass die städtischen Strände bis auf weiteres tabu sind. Auch die Parks bleiben weiterhin geschlossen.

Valencia empfiehlt Sport am Strand

Die Stadt Valencia wiederum empfahl Sportlern regelrecht, sich aus Gründen der Abstandseinhaltung am Strand auszutoben, wie auch die Zeitung „ABC“ berichtete. Da noch den Überblick zu behalten fiel so manch pflichtbewusstem Bürger schwer. mit dpa

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