Eine Frau schiebt einen Einkaufswagen über eine leere Straße.
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Aus Spanien kommen auch nach Corona harte Zeiten zu.

Corona-Krise in Spanien

Folgen von Corona: Ist Spaniens Wirtschaft bald ein Kandidat für die Intensivstation?

  • vonStephan Kippes
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Corona bringt eine Wirtschaftskrise mit sich, die Spanien so hart wie seit Menschengedenken nicht mehr treffen wird.

  • Spaniens Bruttoinlandsprodukt (BIP) bricht noch stärker als bei der Finanzkrise ein.
  • Haushalte verzeichnen einen Konsumrückgang von über sieben Prozent.
  • Analysten schließen zum Jahresende einen zweistelligen Rückgang des BIP nicht aus.

Madrid – Die Corona-Pandemie hat das Gesundheitswesen schwer erschüttert, Spaniens Wirtschaft aber droht ein Erdbeben. Das Bruttoinlandsprodukt (PIB für Producto Interior Bruto) brach zwischen Januar und März um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Selbst mit einer gehörigen Portion Understatement lässt sich für die Daten des Nationalen Instituts für Statistik (INE) kaum ein passenderes Adjektiv als katastrophal finden. Die Wirtschafts- und Finanzkrise riss ja schon tiefe soziale Gräben auf, die bis heute nicht vollständig geschlossen sind. 2009 aber fiel das PIB in Spanien lediglich um 2,6 Prozent. Spanischer Arbeitsminister möchte man im Herbst wirklich nicht sein.

Die Lage dürfte sich im aktuellen Quartal von April bis Juni weiter verschlechtern, da dieser Zeitraum die Corona-Krise in all ihrer Härte verbuchen muss, vom Lockdown bis zum Deeskalationsplan, der Ende Juni das Land in die „neue Normalität“ überführen soll. Mehrere Wirtschaftsanalysten schließen gegenüber der Zeitung „El País“ einen zweistelligen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr nicht aus. Zur Einnerung: Die spanische Zentralbank hatte in ihren Hochrechnungen Einbrüche in einem Rahmen von 6,6 bis 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert. Nach den Daten des Nationalen Statistikinstitut INE steuert das Land eher Richtung Höchstwert. Spanien könnte in einem Jahr so viel an Wirtschaftskraft verlieren wie zwischen 2008 und 2013.  

Hiobsbotschaft der Corona-Krise kommt nicht allein

Ganz überraschend kam die Hiobsbotschaft nicht. Die Zentralbank rechnete mit einem Einbruch in diesem Quartal von 4,7 Prozent, die erfassten Arbeitsstunden aus der turnusmäígen EPA-Erhebung zeugte von einem Minus von 4,25 Prozent und der Einzelhandel  verbuchte im März einen Einbruch von 15 Prozent gegenüber Februar. Das Statistikinstitut kommt auf Grundlage der Erfassung der Bankkarten der Großbank BBVA auf einen Konsumeinbruch von etwa 50 Prozent seit dem Inkraftreten des Notstanddekrets am 14. März.

Spaniens Wirtschaft ist damit im ersten Quartal ähnlich stark eingebrochen wie die Konjunktur in Frankreich. Die französische Wirtschaft ist laut Daten vom Donnerstagmorgen in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal um 5,8 Prozent und zum Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent geschrumpft. Beide Länder wurden von der Corona-Pandemie stark getroffen.

Wie Corona sich auf die einzelnen Wirtschaftssektoren auswirkt

  • Die traurigen Daten des INE im Einzelnen: Konsumrückgang allgemein von Januar bis März 5,1 Prozent, Konsumrückgang der Haushalte 7,5 Prozent, Rückgang der Investitionen um 5,3 Prozent, Importe und Exporte 8,4 Prozent.
  • Quartalsmäßige Rückgänge nach Sektoren: Handel, Transport und Gastgewerbe 10,9 Prozent, Kultur und Freizeit 10,9 Prozent, Wissenschaft 8 Prozent, Information und Kommunikation 5,5 Prozent, Industrie 2,7 Prozent, Bauwirtschaft 8,1 Prozent.
  • Es legen zu die Sektoren der Finanzen und Versicherungen um 1 Prozent und die Staatsausgaben für Bildung und Gesundheit um 0,8 Prozent.

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