Zwei Türme und Garten des Landgut Pazo de Meirás.
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Landgut Pazo de Meirás. Die Francos hatten versucht, es noch vor dem Prozess deutlich unter Wert zu verkaufen.

Urteil gegen Familie Franco

Francos Erbe: Spanien holt sich Palast des Diktators in Galicien zurück

  • vonStephan Kippes
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  • Marco Schicker
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Die Sommerresidenz des Diktators Francisco Franco geht in spanischen Staatsbesitz über, weil es auf kriminelle Weise erworben wurde. Das wegweisende Urteil im Fall Pazo de Meirás könnte Bewegung in Francos Erbe und seine sieben Enkel bringen.

  • Gericht in Spanien: Franco habe sich die Sommerresidenz in Galicien betrügerisch erschlichen, rechtmäßiger Eigentümer ist der spanische Staat.
  • Urteil gegen Francos Erbe könnte Präzedenz für etliche weitere Vermögenswerte sein, die mit Druck und Erpressung erworben wurden.
  • Auf rund 600 Millionen Euro wird das Vermögen des Diktators Franco geschätzt, dass seit dem Tod seiner einzigen Tochter 2017 unter sieben Enkeln aufgeteilt wird.

A Coruña - Eine der letzten Bastionen des spanischen Diktators Francisco Franco ist gefallen. Das Landgut Pazo de Meirás in Galicien geht in Staatsbesitz über. Das Landgericht von A Coruña verpflichtet die Nachkommen des Diktators, das Anwesen von hohem Geld- und Symbolwert dem Erzfeind - der Linksregierung - zu übertragen. Das Urteil kann zwar angefochten werden, doch die Verhältnisse liegen erstens ziemlich klar und zweitens glättet der Rechtsspruch zumindest den latenten Unmut, den die skandalösen Enteignungen seinerzeit in der Bevölkerung vor Ort verursachten.

Gericht in Spanien: Franco hatte Landgut in Galicien illegal erworben

Die Regierungsanwaltschaft plädierte dafür, dass das auf rund 18 Millionen Euro geschätzte Gut samt Palast Franco 1938 als Staatschef übertragen wurde, nicht 1941 als Privatperson, wie die Familie stets behauptete. Dabei beriefen die Francos sich auf einen Kaufvertrag, den das Gericht nicht anerkannte. Der Pazo gehörte ursprünglich der 1921 verstorbenen adligen Schriftstellerin Emilia Pardo Bazán. 1938 erwarben regimetreue Galicier das Gut und schenkten es „ihrem Regierungschef“. Der gebürtige Galicier sollte dort seine Ferien verbringen.

Dafür baute man es zu einem zweiten Regierungssitz aus. 67.000 Quadratmeter Land kamen dazu, viele Anwohner wurden enteignet, vertrieben, bedroht und haben nie eine Entschädigung erhalten. Beamte und Rathäuser mussten Kürzungen ihrer Gehälter und Etats hinnehmen, um die 406.000 Peseten zusammenzutrommeln, so stark war der „Volkswille“, den Ankauf und Ausbau für den Generalísimo zu finanzieren.

Angesichts der Ungerechtigkeit stellte sich der heutige Ministerpräsident Galiciens, Albert Núñez Feijóo (PP), in seltener Eintracht hinter die Klage der sozialistischen Regierung: „Den Pazo hat das Volk bezahlt, dem Volk gehört er.“

Nun, laut der Kaufurkunde erwarb Franco das Anwesen erst 1941 und für nur 85.000 Peseten von den Nachkommen des Schriftstellerin, trug ihn ins Grundbuch ein und vererbte ihn seiner Gattin Carmen Polo. Das Gericht entlarvte das Manöver als ein Scheingeschäft mit Urkundenfälschung, da der Pazo dem Staatschef Franco nach der Übereignung 1938 ja bereits gehörte.

Das Landgut Pazo de Meirás in Galicien hatte sich Franco unter den Nagel gerissen. Ein Gericht gab es jetzt dem Volk zurück.

All die Jahre hielt man den Pazo auf Staatskosten instand und ließ ihn von der Guardia Civil bewachen. Die Witwe und ihre Kinder nutzten es mit Berufung auf Gewohnheitsrecht. 2008 wurde es zum geschützten Kulturgut (BIC) erklärt. Die Francos mussten Besuchsgruppen zulassen, weigerten sich aber, das Telefon für die Anmeldung abzunehmen.

Als die Regionalregierung Strafen verhängte, ließ die Familie den Pazo von der Francisco-Franco-Stiftung in Madrid verwalten und bot ihn im August 2018 für acht Millionen Euro zum Verkauf an, weit unter Wert, wie Branchenexperten sagten, denn das Anwesen sei zwischen zehn und 18 Millionen wert.

Francos finanzielles Erbe: 600 Millionen in aller Welt, geteilt durch sieben

Das politische Erbe Francos wurde mit der Exhumierung des Kadavers des Diktators aus dem Tal der Gefallenen 2019 in einem bis dahin undenkbaren Schritt angefochten. Schon seit dem Gesetz zur historischen Erinnerung 2005 wurden etliche Massengräber ausgehoben, die Opfer identifiziert und einer würdigen Bestattung zugeführt. Viele weitere Angehörige von Opfern des Spanischen Bürgerkrieges, man schätzt bis zu 90.000 auf beiden Seiten, bleiben indes bis heute im Ungewissen.

 „Den Pazo hat das Volk bezahlt, dem Volk gehört er.“ 

Albert Núñez Feijóo (PP), Ministerpräsident Galicien

Es gab bis heute weder Entschädigungen für die Mord- und Folteropfer der Franco-Diktatur, noch Strafen für Mörder, sowie kaum eine juristische Wiedergutmachung für ideologisch motivierte Urteile. Derzeit wird spekuliert, ob eine Modifikation des Gesetzes von 2005 ein Verbot der Stiftung Francisco Franco möglich macht, die das Erbe ihres Namensgebers verklärt und in der Vergangenheit sogar öffentliche Mittel erhalten hatte.

Deal nach Franco-Diktatur: Vermögen wird nicht angerührt

Es gehörte in Spanien allerdings unausgesprochen zum "Deal" der Transición, des Überganges zur Demokratie nach Francos Tod 1975, dessen Vermögen und Familie nicht anzutasten, immerhin hatte Juan Carlos I. als erste Amtshandlung die Franco-Witwe Carmen Polo zur Gräfin erhoben.

Carmen Franco y Polo. 2017 verstarb Francos einzige Tochter und bis dahin auch einzige Verwalterin dessen materiellen Erbes.

Das Vermögen des Franco-Clans schätzen Forscher auf rund 600 Millionen Euro, zum größten Teil sei es laut Historikern auf ähnliche Weise angehäuft worden, wie der Pazo de Meirás in die Familie gelangte. Als 2017 Carmen Franco y Polo, die einzige Tochter des Diktators starb, begann die Aufteilung des finanziellen Erbes, das bis dahin zentral verwaltet wurde. Die juristische Präzedenz mit dem Anwesen in Galicien könnte jetzt die Verflüssigung des immobilen Erbes beschleunigen, um den Zugriff des Rechtsstaates unmöglich zu machen.

Die Kronjuwelen sind ein Mietshaus in bester Lage in Madrid, Calle Hermanos Bécquer 8, das rund 30 Millionen Euro wert sein soll, der Palacio Cornide in La Coruña, 5,5 Millionen, das Geburtshaus des Diktators in Ferrol sowie - bis eben - das Landgut Pazo de Meirás, das auf zehn bis 18 Millionen Euro taxiert wird und dass die Francos vor dem Prozess noch versilbern wollten.

Francos Enkel: Möchtegern-Thronfolger, Ein Radau-Bruder und ein Consigliere

Carmen Franco hinterließ sieben Kinder und einen Enkel. Letzterer, Luis Alfonso de Borbón, geboren 1975, wurde seit dem Unfalltod des Vaters 1989 von der Großmutter erzogen, vertritt offen franquistische Ansichten und gilt den Legitimisten als Führer der „Bewegung“ und einzig legitimer Thronfolger. Er heiratete 2004 die venezolanische Magnatentochter María Vargas Santaella und lebt vom Reichtum seines Schwiegervaters.

Luis' Mutter, Carmens älteste Tochter, Carmen Martinez-Bordiu, geboren 1951, heiratete 1972 den Enkel von König Alfonso XIII. Ein halbes Dutzend Beziehungen fallen in die Jahrzehnte danach. Bekanntheit erlangte Francis Franco (1954), der sich als Chef des Hauses positioniert und extra die Reihenfolge seiner Nachnamen ändern ließ, um den Franco nicht verschwinden zu sehen. Er lebt, wie seine Brüder, von Beteiligungen und Immobiliengeschäften. Gegen ihn lief ein Verfahren durch zwei Instanzen, er soll eine Polizeikontrolle über den Haufen gefahren haben. Das Verfahren endete mit einem Freispruch gegen eine lächerliche Auflage.

Nicht alle Francos folgen dem Opa nach

Kaum in der Öffentlichkeit sind hingegen: Die Architektin Mariola, geboren 1952, mit einem bekennenden Franco-Verächter verheiratet, Merry (1956), lebt als Restauratorin in den USA, José Cristóbal (1958), war Militär und managt mit seinen Brüdern Immobilien, Arancha (1962), scheut die Öffentlichkeit komplett, war lange mit ihrem Cousin Alejo Martínez-Bordiú verlobt, Jaime (1964), ist Anwalt und sozusagen der Consigliere der Brüder.

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