Besetztes Haus in Spanien.
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Hausbesetzer in Spanien: Immer mehr leerstehende Häuser werden von sogenannten „Okupas“ bewohnt.

Hausbesetzer in Spanien

Hausbesetzer: „Okupa“ aus Mallorca über ihre Situation, Gesetz zugunsten von Eigentümern

  • vonStella Kirchner
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Spanien bekommt das Problem der Hausbesetzer einfach nicht in den Griff. Durch Corona sind die Besetzungen, gerade in Ferienhäusern, noch einmal deutlich gestiegen. Die Mallorquinerin Raquel Quiles, die selbst ein Haus auf Mallorca besetzt, berichtet davon, wie sie dazu kam, eine fremde Wohnung in Beschlag zu nehmen.

  • Durch das Coronavirus ist die Anzahl der illegalen Hausbesetzungen gestiegen.
  • Valencia bringt innovatives Gesetz auf den Weg, mit dessen Hilfe Hausbesetzer leichter aus den Wohnungen vertrieben werden können.
  • Eine Hausbesetzerin aus Mallorca berichtet über ihre Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden, wodurch sie den Entschluss fasste, sich in einer leerstehenden Wohnung niederzulassen.

Palma de Mallorca/Valencia – Wer ist der rechtmäßige Bewohner, derjenige, der das Haus gekauft hat, oder derjenige, der den Wohnraum braucht? Diese Frage zu Hausbesetzern treibt Spanien und auch Mallorca schon seit Jahren um. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat das Land durchaus ein Herz für die sogenannten „Okupas“. Steht ein Haus leer, während ein anderer Mensch in Not ist, befriedige dieser sein Grundbedürfnis nach Wohnraum, so die Befürworter des entspannten Umgangs mit den ungebetenen Gästen.

MallorcaInsel in Spanien
Fläche3.640 km²
Einwohner (2019)896.038
Größte GemeindePalma de Mallorca

Diese Not wurde durch das Coronavirus noch einmal deutlich gesteigert. Das Immobilienportal Idealista hat Anwälte befragt (spanisch), die auf den Umgang mit Hausbesetzern spezialisiert sind, und die haben bestätigt, dass die Anzahl der illegalen Hausbesetzungen deutlich zugenommen hat, vor allem in Katalonien, aber auch auf den Balearen. Häufig stecken mafiöse Organisationen dahinter, so das Portal.

Hausbesetzer in Spanien: Innovatives Gesetz aus Valencia bald auch für Mallorca?

Damit soll nun Schluss sein. Die Provinz Valencia hat ein innovatives Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem der Umgang mit den Eindringlingen nun universell geregelt werden soll. Vorher wurde jeder Einzelfall illegaler Hausbesetzungen gerichtlich geprüft, sodass die Hauseigentümer in Spanien teilweise monatelang warten mussten, bis sie wieder ihre eigenen vier Wände bewohnen durften. Hausbesetzungen werden in der Provinz nun als „Straftat in einem minder schweren Fall, die permanent stattfindet und deswegen eine unverzügliche Räumung rechtfertigt“ eingestuft. Das gilt für Wohnraum jeder Art, von Häusern bis hin zu Wohnmobilen. Nach der spanischen Verfassung können die Eigentumsrechte der Hausbesitzer vor allem in den ersten 48 Stunden nach Besetzung einer Immobilie eingefordert werden.

Doch trotz der Verschärfung der Sanktionen kann auch in Valencia ein Okupa Revision gegen die Entscheidung einlegen, wie José Francisco Ortiz, Chef der Finanzämter der Provinz Valencia, gegenüber der Online-Zeitung „El Cierre Digital“ erklärt: „Es konkurrieren immer die Not des Hausbesetzers – die Person hat schließlich kein Dach über dem Kopf – und die Schwere der Maßnahme gegen ihre Not“, also, ob die Not die Beschneidung des Eigentumsrechts eines Dritten rechtfertigt. Diese Abwägung sorge in der Praxis für große Unsicherheit unter Polizisten, ob eine Räumung wirklich vorgenommen werden soll.

Hausbesetzer auf Mallorca: Okupa schildert Erfahrungen

Von dieser Rechtslage profitiert hat auch die Mallorquinerin Raquel Quiles. In spanischen Medien gibt sie zu, ein leerstehendes Haus im Küstenort Capdepera auf Mallorca besetzt zu haben, weil sie keine andere Möglichkeit sah, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. „Ich habe acht Jahre lang versucht, eine Wohnung zu erhalten. Aber immer wurde mir gesagt, dass ich nicht die richtige Kandidatin bin“, erzählt Quiles, die daraufhin mit ihrem Sohn lange Zeit auf der Straße gelebt hat. Dann habe sie eines Tages die leerstehende Wohnung gesehen, die der Balearenregierung gehörte. „Ich habe unendlich oft versucht, mich auf eine Miete zu einigen, und habe die ganze Zeit über Strom und Wasser selbst gezahlt“, betont sie. Auch sei sie bereit, Mieten für die vergangenen Monate zu zahlen.

Doch freiwillig aus der Wohnung auszuziehen kommt für die Mallorquinerin nicht infrage, bevor sie eine legale Bleibe erhält. Die Balearenregierung gibt an, eine polizeiliche Räumung prüfen zu lassen, aber das werde lange dauern. Im Gegensatz zum Staat oder zu Banken, die Immobilien besitzen, können private Hauseigentümer nicht so lange auf ihre Wohnungen verzichten. In Jávea in Alicante verlangten die Hausbesetzer gar Lösegeld von den Eigentümern, damit diese ihr Eigentum zurückerhielten und in San Miguel de Salinas räumten die Okupas das komplette Ferienhaus einer deutschen Familie aus. „Bitte schaut euch gut an, an wen ihr Wohnungen vermietet. Ich habe keine Wohnung und immer, wenn ich einen Antrag gestellt habe, sagte man mir, ich erfülle die Vorgaben für einen Mieter nicht. Mein Traum ist einfach eine Wohnung, die ich bezahlen kann und wo ich und mein Sohn nachts ruhig schlafen können“, lautet ihr Appell.

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