Büste eines ägyptischen Pharaonen.
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Die Büste von Pharao Amenofis I. im Pariser Louvre, aus dessen Zeit ein Papyrus wertvolle Anregungen zu medizinischen Behandlungen gibt.

Impfung gegen Covid-19

Rezept vom Pharao: Kampf gegen Covid in Spanien - Langsame Impfung, innovative Behandlung

  • vonMarco Schicker
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Die Covid-Impfungen in Spanien gehen nur langsam voran, Pharmakonzerne zocken, das erschöpfte Gesundheitssystem hadert mit der Zusatzbelastung. Bei der Linderung des Covid-Krankheitsverlaufes kann ein Team aus Spanien vielleicht eine Sensation vermelden und bedient sich dabei eines „Rezeptes“ aus dem alten Ägypten.

Madrid – Würde Spanien in dem Tempo weiterimpfen, das es im Januar vorlegte, wäre die angestrebte Durchimpfung von 70+ Prozent im Juli erreicht und der Sommer gerettet. Der Sommer des Jahres 2027. Erst 173.000 Menschen erhielten bis Mittwoch, 28. Januar, die zweite Dosis des Anti-Covid-Vakzins, 1,35 Millionen die erste, von rund 47 Millionen Einwohnern. Selbst wenn man ab Februar die Impfquote dauerhaft verzehnfachen könnte, käme man erst im August auf eine Immunisierung, die das Virus "beherrschbar“ machte.

Zum Thema: Covid-Impfungen für Ausländer in Spanien - Wann bin ich dran?

Covid-Impfkampagne in Spanien wie Europa eingbremst: Pfizer schwächelt, Astra zockt

Doch seit Wochen stocken - nach Spanien und in die ganze EU - die Lieferungen des Präparates von BioNTech/Pfizer, die ihre Kapazitäten aufrüsten und dafür die Produktion drosseln mussten, während jenes von Moderna nur tröpfchenweise nach Spanien gelangt, bisher gerade 36.000 Impfdosen. AstraZeneca hingegen beliefert bevorzugt Großbritannien, aber – so der Verdacht – auch andere Staaten, weil die deutlich höhere Preise zahlen. Ein klärendes Dringlichkeitsmeeting mit der EU hatte die Firma kurzfristig abgesagt. Weitere Präparate von Sanofi, Johnsson und anderen hängen noch in klinischen Studien fest. Angesichts der fatalen dritten Coronavirus-Welle in Spanien sind das keine guten Nachrichten.

EU hat in Forschung für Covid-Impstoff mit Milliarden finanziert und will jetzt Ergebnisse sehen

Stinksauer reagiert darauf Ursula von der Leyen, die EU-Kommissionsvorsitzende, „wir haben Milliarden investiert, wir bestehen jetzt auf Erfüllung“, erklärte sie und warnte die Hersteller, von den Abmachungen abzuweichen. Immerhin habe die EU 2,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung von Covid-Impfstoffen vorgeschossen. Vertragsbrüche würden daher schwere juristische und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Die EU werde genau darauf achten, die Impfstoffe gerecht und gleichmäßig an alle Mitgliedsländer zu verteilen.

Vordrängeln beim Impfen in Spanien: Hunderte Politiker und Funktionäre geben schlechtes Beispiel

Dass sich in Spanien mittlerweile hunderte Lokalpolitiker, aber auch regionale Amtsträger und sogar Militärs nicht an den vorgegebenen Impfplan halten und mehrere Regionen anmerken, dass man selbst bei einer höheren Liefermenge kaum das Personal habe, um mehr zu impfen, klingt angesichts des Ausgeliefertseins gegenüber der Pharmaindustrie, die auf dem Weltmarkt um die höchsten Preise zockt, nur wie eine Fußnote.

Studie in Katalonien: Schon erste Dosis senkt Covid-Krankheitsfälle um die Hälfte

Spanische Forscher, hier vom Labor PharmaMar, suchen nach lindernden Behandlungen gegen Covid-19. Die sind auch deshalb nötig, weil die Impfkampagne sehr langsam anläuft.

Doch es gibt auch positive Signale: So hat der französische Konzern Sanofi zugesagt, 125 Millionen Dosen des Pfizer-Vakzins zu produzieren, Studien bestätigen zudem die in den klinischen Tests ermittelten Effizienz- und Sicherheitswerte des BioNTech-Pfizer-Impfstoffs. In Katalonien ergab eine vorläufige Studie, dass sogar schon die erste Dosis die Erkrankungsrate um die Hälfte senke. Mit Vorbehalt träfe das auch auf die Virusvarianten zu, es scheint möglich, Impfstoffe verschiedener Hersteller kombinieren zu können, was höhere Flexibilität bei Verabreichung, vor allem auch der entscheidenden zweiten Dosis zeitigt.

Sensation aus Spanien? 3.500 Jahre altes Rezept aus Ägypten soll zu milderen Covid-Verläufen und weniger Toten führen

Fortschritte gibt es auch in der Behandlung der Covid-19-Patienten, also bei der Milderung der Verläufe. Eine aktuelle Studie in sechs Ländern mit über 4.000 Patienten, führend beteiligt daran das Madrider Krankenhaus La Paz, ergab eine Senkung der Mortalität um 44 Prozent, eine Absenkung der Krankenhauseinweisungen um 50 und eine Reduktion der Beatmungsnotwendigkeit von 44 Prozent bei positiv Getesteten, denen man Colchizin verabreicht hat, ein synthetisches Derivat der Essenz des Wildsafrans. Das antivirale Mittel wäre damit rund 100 mal wirksamer als die bestehenden.

Darauf gekommen war man – indirekt – aufgrund einer 19 Meter langen, 3.500 Jahre alten Papyrus-Rolle aus der Periode des Pharaos Amenofis I, die 1873 der deutsche Ägyptologe Georg Ebers ausgrub und die seitdem von der Uni Leipzig ausgewertet wird. Dort sind 80 Krankheiten und deren gängige Behandlungen aufgeführt. Die Forscher untersuchten, welche Wirkstoffe jeweils am Werk gewesen sein könnten und zogen Schlüsse für weitere Anwendungen. So könnte also ein altägyptisches Papyrus als Rezeptbuch in der Seuche des 21. Jahrhunderts Leben retten. Dass Safran, der meiste und der beste kommt aus Spanien, schon lange in der Medizin Anwendung findet, war bekannt, dass diese Anwendungen auch gegen Covid nützlich sein könnten, ist hingegen überraschend.

Wilder Safran als Wundermittel gegen Covid? Wissenschaftliche Evidenz, statt Hokuspokus

Es ist leider heutzutage notwendig anzumerken, dass es sich dabei weder um Natur- noch Alternativmedizin, schon gar Chlorbleiche oder Homöopathie handelt, sondern um eine wissenschaftliche Ableitung aus historischen Überlieferungen, die durch klinische Studien verifiziert ist. Der Pharao gab den Anstoß, immerhin. Dass die Behandlungsmethoden ausgefeilter und wirksamer werden, ist eine große Erleichterung auch hinsichtlich neuer Mutationen, mit denen es die Menschheit wohl immer wieder zu tun bekommen wird, – nicht nur bei Coronaviren.

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