1. Costa Nachrichten
  2. Spanien
  3. Land und Leute

Ältester Mann der Welt: Spanier stirbt mit 112 Jahren

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marco Schicker

Kommentare

Der älteste Mann der Welt.
Saturnino Fernández de la Fuente, der älteste Mann der Welt starb mit 112 Jahren in Spanien. © EFE

Schon sein Name, Saturnino, scheint aus einem anderen Zeitalter. Der 1909 in León geborene Spanier durchlebte und durchlitt aufregende Zeiten. Jetzt starb der älteste Mann der Welt. Über Schuster und Könige.

León - Ob Saturnino Fernández de la Fuente wirklich der älteste Mann der Welt war, weiß niemand so genau, das Guinness Buch der Rekorde jedenfalls bezeichnete ihn so, seit sein fast gleichaltriger Vorgänger, Emilio Flores aus Puerto Rico, im September 2021 gestorben war. Immer wieder reklamieren Menschen den Titel des ältesten der Welt, doch haben sie keine oder zweifelhafte Dokumente dafür. Die älteste Frau der Welt übrigens, steuert gerade auf die 120 Jahre zu. Es ist die Japanerin Kane Tanaka.

Am Dienstag, 18. Januar 2022, starb Saturnino de la Fuente in seiner spanischen Heimatstadt León, nach 112 Jahren und 211 Tagen, am 12. Februar wäre er 113 geworden. "Es war gegen elf Uhr vormittags, kurz nach dem Frühstück, als er etwas schwer atmete und dann ausging wie eine Kerze", erzählt sein Schwiegersohn, Bernardo Marcos, der Nachrichtenagentur EFE über den friedlichen Weggang des Rekordhalters.

Ältester Mann der Welt in Spanien gestorben: Leoneser überlebte Spanische Grippe, deutsche Bomber und acht Päpste

Saturnino, den Freunde und Familie Pepino nannten, durchlebte im Grunde drei Jahrhunderte spanischer Geschichte. Als er 1909 geboren wurde, regierte König Alfonso XIII ein ständestaatliches Spanien, das noch ganz im 19. Jahrhundert festhing, es war gerade zehn Jahre her, dass das einst stolze Imperium seine letzten wichtigen Kolonien, Kuba und die Philippinen, verlor. Bis Pepino sterben würde, werden neun verschiedene Päpste auf dem Petrus-Stuhl in Rom gesessen haben.

Als gerade Neunjähriger überstand Saturnino die Spanische Grippe, ihm wird die Corona-Krise dagegen wie ein milder Luftzug vorgekommen sein. Mit 13 fing der Leoneser zu arbeiten an, musste er, denn die Armut in Spanien war damals groß, größer auch heute, wo sie immer noch groß ist, aber auf einem ganz anderen Level definiert wird. 30 Jahre arbeitete er als Schuster in ein und derselben Fabrik, es waren vor allem Militärstiefel, die er produzierte.

Zu klein für den Krieg: Ältester Mann der Welt erlebte Monarchie, zwei Diktaturen, die zweite Republik und die Rückkehr der Borbonen

Häuserschlucht auf der Gran Via in Madrid in den 20er Jahren.
Ein Hauch New York: Die Gran Vía in Madrid 1921, so, wie sie Saturnino Fernández gesehen haben könnte. © Archivo municipal de Madrid

Als der kleine Pepino zu arbeiten begann, installierte sich in Spanien 1922 die erste faschistische Diktatur unter General Primo de Rivera, mit Einverständnis des zum Marionetten-Monarchen degradierten Alfonso. Für Saturnino de la Fuente blieb es nicht die einzige Diktatur. Er erlebte die Hoffnungen und Wirren der Zweiten Republik und entkam dem Militärdienst beim Putsch 1936 und unter Franco nur, weil er selbst für damalige Zeiten zu kleinwüchsig war.

Saturnino de la Fuente, der älteste Mann der Welt.
Saturnino an seinem 112. Geburtstag im Februar 2021. © Ayuntamiento de León/dpa

Die Deutschen hätte das Leben Pepinos 1937 bald vorzeitig beendet. Ein Kampfflugzeug der Legion Condor stürzte in eine Gebäude der Calle La Rúa in seiner Heimatstadt León und er fand sich verletzt unter Trümmern wieder, überlebte aber. Mitte der 50er Jahre eröffnete Saturnino einen kleinen Schusterladen als Ein-Mann-Betrieb in seinem heimatlichen Stadtviertel in León, Puente Castro. Dort gründete er auch den Fußballklub CD Puente Castro, der bis heute aktiv ist und dessen Ehrenmitglied er natürlich ist.

Ältester Mann der Welt in Spanien hatte acht Kinder und 22 Urenkel

Als Spanien sich anschickte, demokratisch zu werden, war Saturnino schon 70 Jahre alt und wird sich seinen Teil gedacht haben als mit Juan Carlos I. wieder ein König Spaniens Oberhaupt wurde, wieder eine Marionette wie Alfonso, aber nun sozusagen eine demokratische, wie sich nach dem erneuten Putsch in Spanien 1981 herausstellte. Dass sich die Borbonen treu bleiben, bewies Juan Carlos mit seinen Kapriolen an anderer Stelle. Acht Kinder hatte der bis dato älteste Mann der Welt da schon in die Welt gesetzt, drei davon starben vor ihm, zuletzt eine Tochter, in der Coronavirus-Pandemie. Der Mann, der die Spanische Grippe live er- und überlebt hatte, war der erste, der in Kastilien und León die Covid-Impfung erhielt. Er wird gewusst haben, warum er sie wollte.

Vierzehn Enkelkinder und 22 Urenkel bereicherten das Leben diese Mannes, der, so erzählt es einer von ihnen, "lebensfroh war, den Tod mehr als einmal auslachte". Der Tod lacht bekanntlich immer zuletzt, im Falle Pepinos aber wird es eher ein freundliches Lächeln gewesen sein, Ehre gebührt dem, der jenem so lange von der Schippe springen konnte und das Licht seiner Lebenskerze beschützte. Saturnino Fernández de la Fuente wurde am Mittwoch auf dem Friedhof von Puente Castro beigesetzt.

Zum Thema: O Spanien! Wie Deutschlands Kulturpapst Alfred Kerr 1923 Spanien sah.

Auch interessant

Kommentare