Der Eingang zu einem Friedhof in Spanien.
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Gespenstischer Fund am Friedhof Alicante - Spur zu Baby-Raub in Spanien?

Historische Erinnerung

Costa Blanca: Leerer Kindersarg am Friedhof entdeckt - Spur zu Baby-Raub in Spanien?

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Archäologen machen in Alicante einen gespenstischen Fund am Friedhof. Simulierte der leere Kindersarg in Franco-Spanien das Begräbnis eines geraubten Babys?

Alicante – Sind Forscher an der Costa Blanca einem Fall des Baby-Raubs aus der Franco-Zeit in Spanien auf die Spur gekommen? Auf dem Friedhof in Alicante waren die Archäologen dabei, im Rahmen einer Kampagne zur historischen Erinnerung Leichen von Opfern der Diktatur in einem Massengrab zu suchen. Da machten sie einen gespenstischen Fund: Sie stießen auf einen Kindersarg – jedoch ohne menschliche Überreste darin, sondern nur mit seltsamen Keramikfliesen. Das Gutachten der Forschergruppe Arqueoantro, die vom Land Valencia für die Grabungen beauftragt wurde, wurde nun dem Gericht in Alicante vorgelegt.

Costa Blanca: Leerer Kindersarg am Friedhof entdeckt - Spur zu Baby-Raub in Spanien?

Die Vermutung: Der am Friedhof von Alicante gefundene leere Kindersarg sollte ein Begräbnis simulieren, das nicht stattfand. Der Verein Memoria Democrática (demokratische Erinnerung) meldete nach dem gespenstischen Fund in Alicante: „Wir könnten vor einem klaren Fall der geraubten Babys stehen – einer mehr als üblichen Praxis in den franquistischen Gefängnissen.“ Jahrzehntelang soll in Spanien die Franco-Diktatur Frauen, die in Haft saßen, ihre Babys genommen und sie in Adoption gegeben haben, wobei den biologischen Müttern gesagt wurde, die Kinder seien gestorben. Die Fälle wurden nie aufgearbeitet.

Bei allen ähnlichen bisherigen Funden wurden die Ermittlungen archiviert. Denn: Die Grabungen waren nicht offiziell. Das ist nun anders. Der gespenstische Fund des leeren Kindersargs in Alicante ist amtlich bestätigt. Angehörigenvereine über die Costa Blanca hinaus hoffen auf einen großen Schritt in der dunklen Geschichtsbewältigung. In Madrid hatte 2018 der erste Prozess zum Baby-Raub für Aufsehen gesorgt. Das Landgericht zwar, dass Frauenarzt Eduardo Vela Kinder entführte, anderen Familien unterschob und Dokumente fälschte. Allerdings kam er - wegen Verjährung der Fälle - ohne Strafe davon und starb ein Jahr darauf.

Fund am Friedhof Alicante - Foscher suchten Reste von Franco-Opfern

Historiker und Menschenrechtler schätzen, dass in der Franco-Diktatur ab 1939 bis 1975 Ärzte, Krankenschwestern und auch katholische Einrichtungen Zehntausende Kinder nach der Geburt in Krankenhäusern entwendeten und an privilegierte Familien des faschistischen Regimes weitergaben. Spaniens Justiz liegen tausende Anzeigen zu solchen Fällen vor. Waren die Opfer in den ersten Jahren eher Gegnder der Franco-Diktatur, sollen ab den 1950er Jahren auch finanziell schwache oder unverheiratete Eltern vom Baby-Raub. betroffen gewesen sein.

Am Friedhof von Alicante gingen die Forscher, die den gespenstischen Fund machten, eigentlich nicht der Episode der geraubten Babys in Franco-Spanien nach. Sondern sie erforschten eher düstere Kapitel aus den Zeiten unmittelbar zuvor. Sie gruben in Bereichen des Friedhofs, die als Massengräber genutzt wurden: Für Opfer des Bürgerkriegs und der frühen Franco-Diktatur. Dank des Eingriffs im Sinne des Gesetzes zur historischen Erinnerung sollen dadurch hunderteMenschen eine würdige Ruhestätte erhalten. Eine wie etwa Miguel Hernández, der geschätzte Dichter, der bis in die 80er Jahre im Massengrab desselben Friedhofs lag.

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