Aussicht von den Bergen auf das Bergdorf Tárbena und weitere Berge im Hintergrund.
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Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca: Welt der Berge, hier mit Blick aufs „Mallorca“-Dorf Tárbena.

Ausflug und Wanderung

Berge der Costa Blanca: Ausflug ins Hinterland mit Mallorca-Vergangenheit

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Wer genau hinschaut und hinhört, nimmt in dem kleinen Bergdorf Tárbena im Hinterland der Costa Blanca einen Hauch von Mallorca wahr. Der Ausflug mit Wanderung bietet aber vor allem eins: berauschende Ausblicke.

Tárbena - In dem kleinen Bergdorf Tárbena in der Marina Baja ist Geschichte lebendig. Auf Hinweisschildern, in Restaurants, aber auch in der Sprache der rund 600 Bewohner: Überall sind in diesem Dorf im Hinterland der Costa Blanca Einflüsse aus Mallorca zu finden – schon allein wegen dieser Kuriosität ist das Dorf einen Besuch wert. So wird das Valenciano hier mit balearischem Akzent gesprochen, statt „la“ sagt man in Tárbena „sa“, ein beliebter Brotaufstrich ist die mallorquinische Sobrasada und auch das typisch mallorquinische Blätterteiggebäck Ensaimada hat hier Tradition.

TàrbenaGemeinde in der Comarca Marina Baixa
Höhe560 m
Fläche31,67 km²
Bevölkerung627 (2018)
HotelsDurchschnittspreis 3-Sterne-Hotels: 61 €
ProvinzProvinz Alicante

Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca: Neue Siedler kamen aus Mallorca

Der Hintergrund: Nach der Vertreibung der Mauren im Jahr 1609 blieb Tárbena ohne Einwohner zurück, woraufhin neue Siedler aus Mallorca und von anderen balearischen Inseln angeheuert wurden, die Tárbena einen Neustart ermöglichten. Zum Glück, wäre es doch schade gewesen, dieses so idyllisch zwischen verschiedenen Bergzügen gelegene und drei Täler umfassende Örtchen mit seinen engen Gassen wegen fehlender Einwohner dem Verfall preiszugeben. Heute ist es, auch dank seiner verschiedenen Wanderrouten durch spektakuläre Landschaft, ein beliebtes Ausflugsziel im Hinterland der Costa Blanca, von dem aus man über den Coll de Rates direkt ins Vall de Pop der Marina Alta gelangt. Gerade in Coronavirus-Zeiten, in denen viele Menschen auch in Spanien nach Ausflugszielen in einsamen Gegenden suchen, bietet sich dieses Gebiet an.

Aus Richtung Marina Alta kommend ist schon die Autofahrt von Parcent aus ein Erlebnis. Kurvige Bergstraßen, bei denen empfindliche Mägen auf die Probe gestellt werden, und berauschende Ausblicke geben einen Vorgeschmack auf das, was bei diesem Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca noch kommt. Unbedingt Halt machen sollte man am Mirador des Coll de Rates. Von hier aus Fotos zu schießen ist ein Muss, ein Panorama-Nachbau erklärt, auf welche Dörfer man im Tal schaut.

Ausflug in die Berge der Costa Blanca: Spaziergang durchs „Mallorca“-Dorf

In Tárbena selbst kann auf einem Platz beim Heimatmuseum, gleich am Ortseingang, geparkt werden, für Kinder gibt es hier einen kleinen Spielplatz. War schon die Anfahrt ein Erlebnis, heißt es spätestens ab jetzt, in den Genuss-Modus umzuschalten. Möglichkeiten zum Genießen gibt es bei diesem Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca viele: Einfach nur bei einem Spaziergang durchs Bergdorf, das seinerzeit von Mallorca-Einwohnern neu besiedelt wurde und in dem sich heute Freunde der Literatur an einer „Ruta Literaria“ orientieren können, oder aber auf verschiedenen Wanderwegen.

Eine gute Gelegenheit, die Landschaft rund um das „Mallorca“-Dorf, ihre Düfte, die frische Luft und die immer wieder zum Erstaunen bringenden Aussichten bis hin zum Meer auf sich wirken zu lassen, ist zum Beispiel eine leichte, nur zwei Kilometer kurze Wanderung zu Tárbenas auf 700 Metern Höhe gelegener Burgruine Sa Caseta des Moros - da ist es übrigens wieder, das Mallorca-“Sa“, statt des spanischen „la“.

Bergdorf mit Mallorca-Geschichte: Tárbena im Hinterland der Costa Blanca

Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca: Wanderung in die Berge

Für die Wanderung geht es bei diesem Ausflug zunächst quer durch das Costa-Blanca-Hinterlanddorf, wo man ruhig mal nach rechts oder links schauen sollte, um einen Blick in kleine Gassen zu erhaschen, vielleicht schnappt man ja auch das ein oder andere mallorquinische Wort auf. Vom Parkplatz aus läuft man zunächst rechts auf die Avinguda Eusebi Signes und dann leicht links in den Carrer St. Trinidad, am Ende links auf den Carrer Sant Miguel, der schließlich die Hauptstraße CV-715 überquert. Auf der anderen Seite führt der Weg steil nach oben weiter, schon hier lohnt sich ein Blick zurück aufs Dorf. Ein Blick, an dem man sich im Laufe des Aufstiegs in die Berge nicht wird sattsehen können.

Wenn der Weg wieder auf die CV-715 stößt, geht es rechts weiter, wo er sich zu einem Wanderpfad verengt und nach kurzer Zeit zum ersten Mal die Silhouette der Costa-Blanca-Touristenhochburg Benidorm mit ihrer vor der Küste gelegenen Isla am Horizont erscheint – eingerahmt von Berghängen des Hinterlandes, dem vorgelagerten Tárbena und terrassenförmiger Landschaft. Noch ein Blick, den man im Laufe des Ausflugs aus verschiedenen Perspektiven und Höhen immer wieder erhaschen wird.

Durch das terrassenförmige Gelände führt der steinige Weg weiter nach oben in die Berge. Rosmarin sorgt für das passende Aroma, im Februar blühen Mandelbäume in zarten Farben, die im tollen Kontrast zum blauen Himmel stehen, Vögel bieten eine angenehme Geräuschkulisse. Zwischen Kiefern, Gräsern und Zwergpalmen lässt es sich hervorragend laufen, mediterraner als bei diesem Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca geht es kaum.

Berge, Berge und nochmals Berge rund um Tárbena im Hinterland der Costa Blanca.

Hoch in die Berge der Costas Blanca: Über allem erhabene Burg

Eine kleine Pause bietet sich am so genannten „Pi d’en Sifre“ an – eine riesige Kiefer, unter der Menschen mit Sinn für die richtige Pause am richtigen Ort eine Bank aufstellten, schöne Aussicht in die Berglandschaft inklusive. Auch die wegen ihrer Plastikplanen so auffällig ins Landschaftsbild gesetzten Mispel-Plantagen vom Costa-Blanca-Ort Callosa d’en Sarrià sind von hier aus zu sehen.

Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis beim Blick nach oben in die Berge die Ruine der Burg von Tárbena ins Auge fällt. An einer Lichtung mit einem großen Felsen sollte man sich rechts halten, vorbei an einer Zisterne, die früher als Wasserstätte für Vieh diente, geht es weiter aufs Burggelände. Einzige kleine Schwierigkeit bei dieser Wanderung sind die letzten Meter, auf denen ein bisschen geklettert werden muss, um das Gelände betreten zu können. Ein großzügiges, lichtes Terrain, auf dem zwar nicht viel übrig ist von der aus arabischer Zeit stammenden Festung, was aber das Glücksgefühl hier oben im Hinterland der Costa Blanca, über allem erhaben, nicht schmälert.

Dabei ist dieser Ort, auf dem die Burg von Tárbena errichtet wurde, mit 694 Metern nicht der höchstgelegene des immerhin 31,6 Quadratkilometer umfassenden Gemeindegebiets – dafür aber wohl der strategisch günstigste, da von hier aus mit anderen Burgen der Costa Blanca, zum Beispiel mit der von Bernia, kommuniziert werden konnte.

Die Burg von Tárbena war kein regelmäßiger Bau, musste sie sich doch an die natürlichen Begebenheiten in den Bergen anpassen. Unter den bis heute erhaltenen Resten befinden sich die Basis eines ehemaligen Turms, eine Zisterne und verschiedene Mauerstücke. Die Burg stammt zwar aus arabischer Zeit, die meisten Elemente gehören jedoch zu Reformen aus der christlichen Epoche.

Oben in den Bergen auf einer Hochebene thronen die Überreste der Burg von Tárbena.

Hinterland der Costa Blanca mit Geschichte: Was die Berge erzählen

Es ist also nicht nur das heute wegen der Corona-Reisen so umstrittene Mallorca, das Tárbena eine interessante Vergangenheit beschert und diesen Ausflug in die Berge zu einem besonders geschichtsträchtigen macht. Im 13. Jahrhundert, nach dem Aufstand des berühmten maurischen Rebellen Al Azraq (1248-58), der die Burg bis dahin beherrschte, übergab der christliche Eroberer Jaume I die Befestigung und das Tal von Tárbena an den maurischen Kaid Muhammed Ibn Ishaq, der ein von Freundschaft und Hass geprägtes Verhältnis zu Jaume pflegte – und schließlich 1268 wegen seiner Unterstützung der Rebellen von Murcia aus dem Reino de Valencia vertrieben wurde. Die Burg ging daraufhin in den Besitz der Konkubinen des Eroberers, Berenguela Alfonso und, nach deren Tod, Sibilla de Saga, über. 1276 und 1277 war sie wichtiger Schauplatz eines weiteren Aufbäumens der Araber und fiel dann in das Herrschaftsgebiet des Bernat de Sarrià von Callosa.

Daten, Schlachten, Rebellionen. Wer den Weg zur Burg hochgelaufen ist, merkt davon nicht mehr viel. Ganz im Gegenteil. Idyllischer könnte es kaum sein. Der perfekte Ort, ein Picknick auszupacken, es sich auf einem der Terrassenhänge oder auf einer Bank am Mirador, unter der es in schwindelnde Tiefen geht, bequem zu machen und die jetzt wirklich maximale Panorama-Aussicht ins Hinterland der Costa Blanca auf sich wirken zu lassen. Der strategische Ort, um den sich seinerzeit Jaume I und Al-Azraq, Mauren und Christen stritten, kann heute umsonst und ohne jeglichen Kampf von jedem Wanderer ohne große Schwierigkeiten erklommen werden. Es lohnt sich.

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