Ein Reisfeld im Naturpark mit Bergen im Hintergrund wurde geflutet.
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Ausflug in Pegos Naturpark Marjal: Kurz vor dem Säen werden die Reisfelder geflutet.

Besuch im Feuchtgebiet

Ausflug in Pegos Reisanbau-Gebiet Marjal: Naturpark besticht durch Vielseitigkeit

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Von trockener Erde über überflutete Flächen für Zugvögel und bis zu in den Himmel ragenden Reis-Ähren: Ein Ausflug in den Naturpark Marjal Pego-Oliva bietet je nach Jahreszeit unterschiedlichste Anblicke.

Mühsam graben sich die Schaufeln eines Traktors durch die dunkle Erde des Reisfeldes und wirbeln Staub auf. Ein wenig weiter hat sich ein Angler häuslich niedergelassen und hofft auf Beute im Fluss Bullent – vielleicht genießt er aber auch nur den friedlichen Tag, das Vogelgezwitscher oder den Anblick des klaren Flusswassers. Wer einen Ausflug in das Feuchtgebiet Marjal Pego-Oliva im Norden der Costa Blanca unternimmt, hat von allem etwas: Der Reisanbau kann hier je nach Jahreszeit in seinen verschiedenen Stadien live erlebt werden. Vogelbeobachter mit Fernglas können in dem zum Sondervogelschutzgebiet erklärten Naturpark sowohl Zugvögel als auch in Spanien heimische Arten sichten. Eine schöne Aussicht auf das aus einer ehemaligen Salzwasserlagune entstandene Sumpfgebiet, auf die Öffnung zum Meer und die Bergketten Mostalla, Migdia und Segaria gibt es von der Muntanyeta Verde, dem „grünen Hügel“.

Pego-Oliva Marschland
Eingerichtet:9. Januar 1995
Verwaltung:Generalitat Valenciana

Ausflug in Pegos Reis-Gebiet Marjal: Quer durch den Naturpark

Und dann ist da das Wasser, das diese Landschaft im trockenen Spanien so speziell macht: Die Flüsse Bullent und Racons fließen durch den Marjal, Kanäle durchkreuzen das Gebiet, hier und da quellen unterirdische Gewässer aus dem Boden. 21 Fischarten gibt das Wasser in diesem Naturpark ein Zuhause, es zieht Reptilien und Vögel an, bestimmt die Pflanzenwelt, ermöglicht eine Überflutung der Reisfelder und ist im Sommer eine erfrischende Ausflugs-Alternative zu Stränden und Bad im Meer.

Wer eintauchen will in die Welt des 1.290 Hektar großen Naturparks Marjal, kann entweder eins der Angebote des Tourismusbüros wahrnehmen, das immer wieder Führungen unterschiedlichster Art anbietet, oder das Gebiet auf eigene Faust erkunden – sei es zu Fuß, mit dem auch in Spanien immer beliebteren Fahrrad oder mit dem Auto.

Als möglicher Startpunkt für eine rund zehn Kilometer lange Route bietet sich ein Weg an, der von der Straße CV-700 zwischen Pego und El Vergel abzweigt. Aus Richtung Pego kommend befindet sich die Abzweigung an der geraden Straße noch vor der ersten Kurve auf der linken Seite – bei einem alten Steinhäuschen und einem Holzpfeil, der auf den Naturpark mit den Flüssen Bullent und Racons verweist. Auf letzteren führt der Weg nach einer Linkskurve direkt zu. Am Ufer angekommen lohnt sich zunächst ein Abstecher nach rechts, wo eine alte Steinbrücke über einen kleinen Teich, die „Bassa del Sineu“, führt, dessen Wasser in den Río Racons fließt.

Ausflug in Pegos Naturpark: Reisfelder im Wandel

Am Racons-Ufer geht es wieder zurück in die andere Richtung bis zu einer sehr schmalen Brücke über den Fluss – mit dem Auto wird es hier eng, aber es geht. Kleine Schleusentore weisen darauf hin, dass das Flusswasser hier für die Bewässerung der Reisfelder, auf denen Landwirte die hier besonders gesund gedeihenden Reissorten Bomba und Bombón anbauen, reguliert wird. Hinter der Brücke geht es rechts weiter, also an der anderen Uferseite wieder zurück.

Hier lohnt es sich, innezuhalten und den typischen Marjal-Anblick auf sich wirken zu lassen: rechts der Fluss, auf der anderen Seite die weitläufigen Reisfelder. Bis Anfang Mai war hier nichts als braune Erde zu sehen. Doch das ändert sich im Laufe des Monats, wenn die Felder überflutet und der Reis gesät werden. „Die Reisfelder und damit der Marjal sind ständig im Wandel. Entweder sind sie braun, nach der Überflutung sind sie eine große Wasserfläche und wenn der Reis gewachsen ist, sehen sie von weitem aus wie grüne Fußballfelder“, sagt der Landwirt Vicente Dominguis. Gerade dieser Wandel mache den Marjal aus. Er empfiehlt, das Gebiet dann zu besuchen, wenn die Reisfelder überflutet sind – also ab Mai.

Ausflug in Pegos Marjal: Auch per Rad lassen sich Naturpark und Reisanbaugebeit erkunden.

Ausflug in Pegos Marjal: Reis-Anbau und Natur pur

Nach einer guten Strecke wird an der ersten Abzweigung der Fluss zurückgelassen, es geht links rein, quer durch die Reisfelder, am ersten Weg wieder rechts. Spätestens hier könnten Fußgänger ins Schwitzen kommen, denn Schatten ist nicht in Sicht. Wer sich für die Lauf-Variante entscheidet, sollte also unbedingt an Kopfbedeckung und Sonnencreme denken und die Mittagszeit meiden.

Doch zurück zur Route: Der Weg führt zu einem grünen Häuschen mit Anlagen zur Wasserregulierung. Hier geht es links rein bis zur Landstraße CV-678, auf dieser rechts abbiegen und direkt hinter der Brücke links durch die Reisfelder, über die ab und an ein Adler nach Beute jagt.

Am Ende dieses Weges gibt es wieder einen Fluss, diesmal den Río Bullent, an dessen Ufer links abgebogen wird. „Zona integral“ heißt dieses Gebiet, das in seiner ursprünglichen Beschaffenheit belassen wurde und nicht von Reisfeldern durchzogen ist. Binsen- und Schilfgewächse wehen im Wind, der Weg führt auf den rund 50 Meter hohen „grünen Hügel“ zu. Spätestens an dessen Fuß sollten Autofahrer ihr Fahrzeug stehen lassen, denn die Muntanyeta kann und sollte umlaufen werden.

Ganz anders sieht Pegos Marjal bei einem Ausflug im September, kurz vor der Reisernte, aus.

Ausflug in den Marjal: Ausblick auf Pegos Reisfelder und Naturpark

Dafür geht es rechts herum, der Hügel bleibt links liegen. Eine weitläufige Uferfläche, der Blau del Calapatar, ist ein schöner Platz, um die Picknickdecke auszubreiten. Nach der kleinen Stärkung folgt man dem Weg weiter bis zum Aufstieg auf die Muntanyeta – eine Strecke, die etwas Ausdauer verlangt, sich aber lohnt. An den Hügel schmiegen sich mediterrane Gewächse wie Palmitos, Rosmarin und Johannisbrotbäume, es summt, es fliegt und es kreucht. Nicht so schön: Den exotischen Feigenkaktus hat das valencianische Umweltministerium vor Jahren mit der Chemiekeule zu vertreiben versucht, geblieben sind hier und da hässliche Überreste.

Schon während des Aufstiegs wandert das Auge unweigerlich nach hinten und unten, oben angekommen hat man ihn dann, den Überblick, der bei der Tour durch den Marjal selbst oft fehlt. Da versteht man plötzlich, welcher Fluss wohin fließt, wo was zusammenkommt und wie gigantisch dieser Naturpark sich zwischen Bergen und Meer erstreckt.

Marjal, Orangenfelder, Berge: Vielfältige Landschaft zwischen Pego und Küste.

Ausflug in den Marjal: Picknick am Fuße des grünen Hügels

Nachdem man den Ausblick genossen hat, geht es zurück nach unten. Hier führt ein Weg auf der anderen Seite der Muntanyeta zurück zu dem Ort, an dem Autofahrer ihr Fahrzeug geparkt haben. Wie an so vielen sehenswerten Orten der Costa Blanca wurden auch hier Picknicktische und -bänke aufgestellt und laden zu einer gemütlichen Pause ein. Wenn der Blick auf die Muntanyeta gerichtet ist, geht es danach nach links in Richtung Urbanisation Monte Pego.

Nach einer guten Strecke durch die Reisfelder bilden auf der linken Seite vier von Landwirten gepflanzte Maulbeerbäume einen Schattenplatz, an dem auch eine Quelle aus dem Boden sprudelt. Der Weg führt dann weiter bis zur CV 678, auf die man rechts biegt und wieder den ersten Weg links einschlägt, der zurück zum Racons-Fluss führt. Dort geht es nach rechts über die Anfangsbrücke mit den Schleusentoren wieder zurück zum Ausgangspunkt an der CV 700. Wer diese rechts fährt, ist schnell in der Hinterlandgemeinde Pego – ein guter Ort, um entweder den Ausflug in den Marjal abzuschließen oder weitere Ausflüge in die Natur der Marina Alta zu unternehmen.

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