Ein kleiner Fluss schlängelt sich durch eine dicht bewachsene, grüne Landschaft.
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Ausflug in die Natur der Provinz Valencia: Üppige Vegetation in Xeresas Marjal

Abwechslungsreiche Küste

Ausflug in Valencias Natur: Strand, Dünen und Feuchtgebiet Marjal bei Xeresa

  • Anne Thesing
    vonAnne Thesing
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Abwechslungsreiche Landschaft an der valencianischen Küste: Ein Ausflug in die Natur bei Gandía und Xeresa führt an einen weitläufigen Strand mit naturbelassenen Dünen und in den wasserreichen Marjal mit üppiger Vegetation.

Gandía/Xeresa - Immer wieder gibt es sie in Spanien, diese kleinen, ganz besonders sehenswerten Fleckchen Erde, die einem manchmal eher zufällig bei einer Autofahrt begegnen. Ein völlig naturbelassener Strand mit weitgestreckten Dünen kann so eine Überraschung sein. Oder ein erfrischend grünes Naturparadies in direkter Küstennähe. Bei Gandía in der Provinz Valencia, also nördlich der Costa Blanca, lässt sich beides ideal bei einem Ausflug kombinieren.

Marjal de la SaforVogelbeobachtungsgebiet in Spanien
AdresseCamí Marenys, 46790 Xeresa, Valencia
ProvinzProvinz Valencia

Ausflug in Valencias Natur: Vor Strand und Dünen liegt das Feuchtgebiet Marjal

Angefangen beim Feuchtgebiet Marjal de Xeresa, für das man auf der AP-7 von Dénia Richtung Valencia die Abfahrt Xeresa/Xeraco nimmt, am nächsten Kreisel die erste Ausfahrt rechts und wenig später leicht rechts auf den Camí Estació abbiegt. Beim nächsten Kreisverkehr die vierte Ausfahrt nehmen, um wieder zurückzufahren, und schon bald geht es über den Camí Marenys zunächst quer durch Felder. An der Stelle, wo der Bewässerungsgraben Travessera die landwirtschaftliche Nutzfläche vom Feuchtgebiet trennt, kann man das Auto parken und sich auf einem Aussichtstürmchen einen Überblick über den Marjal de Xeresa verschaffen.

Mit seinen 437 Hektar ist der Marjal de Xeresa Teil des Marjal de la Safor, welcher sich über insgesamt 1.225 Hektar erstreckt und die Gemeindegebiete von Tavernes de la Valldigna, Xeraco, Xeresa und Gandía umfasst. Anders als zum Beispiel in den nahegelegenen Feuchtgebieten der Albufera von Valencia und des Marjal von Pego/Oliva wird hier kein Reis angebaut. Vor 5.000 bis 10.000 Jahren noch war das Feuchtgebiet, eins der wichtigsten in der Region Valencia, eine Salzwasserlagune. Im Laufe von mehreren Jahrhunderten wurde diese durch Sandablagerungen und Dünenbildung immer weiter vom Meer getrennt. Das Salzwasser sickerte in untere Schichten, stattdessen kam Süßwasser vom Regen sowie aus zahlreichen unterirdischen Wasserquellen nach. Im Wasser begann Vegetation heimisch zu werden, deren organisches Material den See nach und nach in ein Sumpfgebiet verwandelte, durchkreuzt von Teichen, Bächen und Quellen.

Ausflug ins Grüne: Schilf dominiert die Natur im Marjal von Xeresa bei Valencia.

Ausflug in Valencias Natur: Marjal ist Paradies für Flora, Fauna und Vogelbeobachter

Wer den Marjal de Xeresa erkunden will, hat verschiedene Möglichkeiten. Informationen über eine ausgewiesene Route gibt es auf der Internetseite des Rathauses, sehenswerte Orte sind ausgeschildert. Darunter auch der Marjal dels Borrons – ein besonders seenreicher Teil dieses Gebiets. Zur Orientierung: Er befindet sich aus Richtung Küste kommend am linken, äußeren Rand des Marjal de Xeresa.

Der Borrons ist von höchstem botanischen und ökologischen Wert – und das merkt man, wenn man ihn auf den liebevoll angelegten Holzstegen und kleinen Brücken durchquert. Es zwitschert von allen Seiten, die feuchte Luft duftet nach saftiger Vegetation, der Blick fällt in eine grüne, von Seen und Bächen durchdrungene Landschaft.

Ein Zuhause bietet diese verschiedensten Wasserbewohnern, darunter dem Cobitis maroccana, dem Aal oder der Europäischen Kurznasen-Seenadel. Besonders angetan hat es aber den Liebhabern seltener Arten der heimische, gefährdete Valenciakärpfling (Samaruc), für den es im Marjal ein eigenes Reservat gibt.

Spektakulär ist das Gebiet auch wegen der Vögel, die hier entweder nisten oder Halt machen. Vogelbeoachter, die in Spanien eine immer wichtigere Touristengruppe ausmachen, können zum Beispiel Eisvögel, Purpurreiher, Weißbart-Seeschwabeln oder Purpurhühner sichten. Abgesehen von den vielen Wasserflächen finden diese hier eine reichhaltige Flora vor, darunter die kleine Wasserlinse, Schilf, Binsenschneide und Sumpf-Schwertlilien. Nicht umsonst wurde der Marjal von Xeresa zum Schutzgebiet für Fauna und Flora ernannt.

Beim Ausflug in den Marjal de Xeresa informieren Tafeln über die Vogelwelt.

Ausflug in Valencias Natur: Zeitzeugnis am Fluss

Nachdem man dieses Gebiet ausgiebig erkundet hat – sei es nur im Marjal dels Borrons oder auch im Rest des Feuchtgebiets, kann man auf dem Weg zum Strand ein wenig Geschichte schnuppern, indem man Halt am Wehrturm von Xeraco macht. Dafür begibt man sich mit dem Auto zurück auf den Camí Marenys und durchquert den Marjal weiter Richtung Küste, bis man zur CV-605 gelangt. Hier links abbiegen und der Straße zirka 2,5 Kilometer folgen, bis man nahe des Vaca-Flusses an einen Kreisverkehr kommt, an dem man die dritte Abfahrt nimmt, sich am Ende rechts hält und parallel zum Fluss rund 500 Meter bis zum Turm fährt, der auf der linken Seite steht.

Es ist einer dieser Türme, die die gesamte spanische Mittelmeerküste säumen. 2020 wurde er zum Gut von kulturellem Interesse (BIC) erklärt, den Auftrag für den Bau dieses und der anderen valencianischen Türme gab im Jahr 1575 der Vizekönig von Valencia, Vespasiano Gonzaga. Er befolgte damit die Anordnungen von Felipe II., die valencianische Küste vor Piratenangriffen zu schützen. Von der Torre de Xeraco aus sollte das Gebiet zwischen den benachbarten Türmen, dem von Tavernes de Valldigna und dem von El Grao de Gandía, kontrolliert werden.

Ausflug in Valencias Natur: Auf dem Weg zu Dünen und Strand

Der Turm ist nicht spektakulär, aber er ist eines dieser Geschichtszeugnisse, die man in Spanien immer wieder irgendwo etwas verloren in der Landschaft stehen sieht – und sich vielleicht fragt, was es mit ihnen auf sich hat. Xeracos Wehrturm ist 7,40 Meter hoch, das Mauerwerk aus Steinen der Umgebung erstellt. In den 80er Jahren übernahmen Freiwillige die Restaurierung des Bauwerks.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Geschichte hat man sich Entspannung verdient, also auf zu einem der Strände, die die Mittelmeerküste so besonders machen. Dafür geht es zurück auf die CV-605 und kurz hinter der Einfahrt zum Camí Marenys verweist links ein unscheinbares Schild auf die Playa de l’Ahuir, zu der ein Weg durch die sandige Restinga, eine Art Vordünen, führt – zunächst wird diese, soweit möglich, noch landwirtschaftlich genutzt, weiter Richtung Meer haben sich Kiefern und Buschwerk ihren Platz erobert. Entstanden ist sie durch Anschwemmungen. Der sandige Boden, der das Regenwasser schnell durchfiltert, und salzige Winde schaffen ein besonderes delikates Ökosystem.

Letztes Ausflugs-Highlight: Spaziergang am naturbelassenen Strand Ahuir

Am Ende kann das Auto auf einem Parkplatz stehengelassen werden und ein Holzsteg führt quer durch die so selten gewordene, naturbelassene Dünenlandschaft zum Strand. Im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel, kann hier außerhalb der Saison der bis zu 120 Meter breite und zirka zwei Kilometer lange feine Sandstrand, der bisher von Appartementblocks verschont wurde, in aller Ruhe genossen werden. Wie besonders und reizvoll das ist, wird einem beim Blick nach rechts klar, wo Strand und Dünen weniger Glück hatten und die Ferienwohnungen Gandías in die Höhe ragen.

Letzte Ausflugs-Station: Der naturbelassene Strand Ahuir mit seinen weitläufigen Dünen.

An der Playa de l’Ahuir dagegen, die auch ein ausgewiesener FKK-Strand ist, gibt es noch Natur pur, und damit das so bleibt, sind die Dünen mit Seilen und Holzgeländern geschützt. Richtiges Dünenfeeling gibt es trotzdem, wenn man sie auf dem Holzsteg durchquert und dabei all diese empfindlichen, teils sanft blühenden Pflänzchen bewundern kann, die die schwierige Aufgabe haben, unter extremen Bedingungen auf dem sandigem Boden zu überleben. Was sie bei dieser Aufgabe wohl am wenigsten gebrauchen können, sind Fußtritte von Passanten.

Diese sollten stattdessen lieber einen ausgiebigen Strandspaziergang genießen, der zum Beispiel links runter bis zum Fluss Vaca, der den Ahuir-Strand von dem Xeracos trennt, führen kann und bei dem sich immer wieder ein Blick landeinwärts in die Dünenlandschaft und bis zum imposanten Mondúver-Berg lohnt – welcher einen nächsten Ausflug wert sein könnte.

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